Alexanders CD-Tipp der Woche: Jens Fischer Rodrian – Wahn & Sinn

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Jens Fischer Rodrian, umtriebiger musikalischer Universalist, philosophiert, rappt und singt auf seiner CD „Wahn & Sinn“ mit vielschichtigem Artpop – bis er, durch das Schicksal eines Freundes zutiefst betroffen, buchstäblich zusammenbricht.  (Alexander Kinsky)

Jens Fischer Rodrians Biografie liest sich wie eine einzige umfassende Begegnung mit dem Who´s Who „der ganzen Musik“: Komponist, Musiker, Produzent, Kofferstudio in Berlin, musikalischer Leiter der Blue Man Group, Soloalben, Produzent und/oder Mitmusiker unter anderem bei Alexa Rodrian, Konstantin Wecker, Tim Neuhaus, Clueso, Boundzound, Flo Holoubek, Max Prosa, Garry Oldman, Blue Man Group featuring Stefanie Heinzmann, Katja Riemann und vielen mehr, Film-, Theater- und Hörspielmusik, und seit einigen Jahren ist er solo unterwegs mit einer ganz speziellen Mischung aus Konzert, Lesung und Slam Poetry. Konstantin Wecker Fans kennen den Multiinstrumentalisten mit Entertainer-Qualitäten von einigen CDs, Konzerten und Kindermusicals.

Auf dem Album „Wahn & Sinn“, am 24.5.2019 bei Lametta Music erschienen, spricht, rappt und singt Jens Fischer Rodrian tagebuchartig und vielfach gereimt Alltagsgedanken vor sich hin. Die Titel sagen gut, worum es geht, beispielsweise Morgen oder jetzt, Zwei sind ein Kreis, Rein ins Getümmel, Ich will das alles anders, Singen, Seelen schweben, Weil immer was fehlt, Analogisch oder Wahn & Sinn. Vielfach geht es um die Selbstpositionierung des Sensiblen im Mosaik der Welt, gespeist aus eigenem Erleben und aus Alltagsbeobachtungen. Es sind Lebensweisheiten oder zumindest Gedankenanregungen, die auch ohne Musik, nur gelesen zum Reflektieren einladen.

Die bis auf einen Text (Kehrer Song: Richard Reitinger) selbst geschriebenen Titel gehen teilweise collageartig ineinander über. Es ist Art Pop auf höchstem Niveau, ganz eigen suggestiv und klanglich staunenswert vielschichtig, rhythmisch wie klanglich unglaublich facettenreich. Gitarre und Percussion sind nach wie vor Fischer Rodrians vertrautes musikalisches Grundvokabular, auch die Loops. Erlesene Mitmusikantinnen und Mitmusikanten sind mit dabei: Florian Holoubek (Schlagzeug und Percussion), Lars Zander (Bassklarinette), Tim Neuhaus (akustische Gitarre und Chor), Andi Bukelini (E-Gitarre) und Jens´ Frau Alexa Rodrian (Vocal Coaching). Den letzten Text „Was bleibt“ spricht niemand anderer als die bekannte österreichische Schauspielerin und Moderatorin Mercedes Echerer, eine überraschende, erstaunliche, unerwartete, umso spannendere stimmliche Farbe hier, die die Aufmerksamkeit für den Text intensiviert.

Zum exzeptionellen Höhepunkt der CD, musikalisch wie textlich, wird der Titel Rauchverbot – nein, keine pädagogische, altkluge Lehrer Lempel Didaktik, kein sinnlos plakativ formulierter Aufdruck auf einer Packung, vielmehr eine urpersönliche Betroffenheit angesichts des Schicksals eines Freundes offenlegend, musikalisch in grandioser Verdichtung, textlich emotional eindringlich und im Video zum Song bis zum Zusammenbruch vor Ohren und Augen geführt. Das geht extrem unter die Haut.

Ob Mann/Frau Beziehung, Begegnung mit einem Rind, Fisch-Blues, Glücksglas oder das was bleibt oder eben wenn es ums heikle Thema Rauchen geht, stets aus der Position des Mitfühlenden, Sensiblen heraus gedacht – zuhören und beherzigen: „Du bist und bleibst der Architekt deiner Wege, nimm ab und zu die Gerade, aber öfters die Schräge.“

 Die Homepage von Jens Fischer Rodrian: https://www.kofferstudio.net/

Jens Fischer Rodrian spricht über Wahn & Sinn:

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