Alexanders CD-Tipp der Woche: Lucy van Kuhl – Dazwischen

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Lucy van Kuhl singt sich mit ihren Klavier-Zuhörliedern hellwach, genau hinschauend, dabei verschmitzt, sensibel, als feinfühlige Beobachterin durch die Kleinkunstwelt – und jetzt auch auf CD – „Dazwischen“. (Alexander Kinsky)

Lucy van Kuhl (Corinna Fuhrmann) lebt in Südfrankreich, Berlin und unterwegs und ist studierte Germanistin und Pianistin und schon seit einigen Jahren in der Kleinkunstszene oder auch auf Kreuzfahrtschiffen als Musikerin unterwegs. Für ihr Klavier-Kabarett mit Chansons erhielt sie 2017 ein Stipendium an der „Celler Schule“, der einzigen Masterclass für Songtexter in Deutschland sowie den „Hans Bradtke-Förderpreis der GEMA“, benannt nach einem der angesehensten Textdichter im deutschen Sprachraum. Im April 2019 erschien nun ihre erste CD „Dazwischen“ auf Konstantin Weckers Label Sturm & Klang (S&K 040).

Musikalisch und thematisch wechseln Lucy van Kuhls Klavierlieder zwischen aus dem französischen Chanson bekanntem melodischem vielfach melancholischem Erzählton und kantig-eulenspiegeligen Kabarettliedern, und zwischendurch streut die kreislerig souveräne sich selbst begleitende Pianistin einen Schuss Rachmaninow-Vollgriffigkeit dazu.

Gute Kabarettlieder mögen ja mit Aufzählungen zum Schmunzeln wie zum Nachdenken anregen. Lucy van Kuhl kann sich angesichts zu viel Auswahl im Supermarkt nicht entscheiden und schimpft auf der Kreuzfahrt verschmitzt: „Dafür hab´ ich auch bezahlt!“

Dem klassischen Chanson gewinnt sie weitere persönliche Facetten ab, beim innehaltenden Blick zum Berliner Fernsehturm, beim Plädoyer für die ehrliche nicht durch Äußerlichkeiten aufgefettete Liebe mit Küssen ohne Kaviar oder beim einfach nur schönen Zwisamkeitsmoment, als musikpoetischer Daseinsaugenblick festgehalten.

Viele Wege führen nach Rom und bei all diesen vertraut sie stets ihrem Bauchgefühl, und dazwischen muss so mancher Grautag durchlebt werden (wer kennt das nicht). Man freut sich aber auch mit ihr wenn sie hervorhebt  „Mit dir komm ich bei mir an!“ und sollte beherzigen, was sie durchzuziehen versucht: Ich nehme mir die Zeit – hinter die Fassade des Seins zu schauen, ein Plädoyer für Empathie und gegen die Oberflächlichkeit zu setzen. Aber auch dies: Tanz und lege dabei die Hemmungen ab, der Traum der in ihrem Alltag gefangenen Lebensgleichförmigkeit vom befreiten kreativen Leben, vom Ausleben, den ja auch der Protagonist in Udo Jürgens´ „Ich war noch niemals in New York“ andenkt.

Auch der Erinnerung und dem letzten Sommertag schenkt Lucy van Kuhl je ein sprechendes klassisches Chanson.

Und dazwischen – nomen est omen – mischt sie die „Genres“ gekonnt und versetzt sich irgendwo zwischen Chanson und Kabarettlied auch in Dinge hinein, ins den Alltag beherrschende Smartphone, ins leider aussterbende Lesezeichen oder auch in den Reisekoffer Samson.

Aufgenommen wurden die Klavierchansons und Kabarettlieder Anfang 2019 von Stefan Gienger unter der Produktionsleitung von Florian Moser im auch aus Konstantin Weckers aktuelleren Produktionen bekannten Mastermix-Studio in München-Unterföhring.

Dazwischen.

Die Homepage von Lucy van Kuhl: https://lucy-van-kuhl.de/index.html

Die CD im Sturm & Klang Shop: https://sturm-und-klang.de/product/dazwischen-lucy-van-kuhl

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