Alexanders CD-Tipp der Woche: Mike Janipka – Schokoladenpapier

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Sanfte Liedpoesie, Chansons, Popballaden und auch Instrumentalstücke, transparent aufbereitet mit Gitarre und Klavier, bringt die im Januar 2016 erschienene selbstproduzierte CD „Schokoladenpapier“ von Mike Janipka. (Alexander Kinsky)

Der in Bietigheim-Bissingen lebende Liedermacher Mike Janipka begann in den 80er Jahren seine musikalische Laufbahn mit Rockmusik, ehe er nach Stationen mit Irish und Scottish Folk, Hard´n Heavy und Beatmusik im neuen Jahrtausend als Solokünstler mit eigenen Liedern, selbst Gitarre spielend, reüssierte.

Auf den 14 Titeln der in den Bader Studios in Weil der Stadt aufgenommenen CD hört man nur Mike Janipkas Gesang (eine sehr sympathisch wirkende Chansonbaritonstimme), sein Gitarrenspiel und das sensibel-professionelle Klavierspiel von Michael Schlierf, der bereits unter anderem Bill Ramsey, Gloria Gaynor, Roberto Blanco und Caterina Valente begleitet hat und dessen bisher markantester Fernsehauftritt wohl „Wetten dass..?“ zu Johannes Heesters´ 100. Geburtstag war.

Die Digipackgestaltung der CD gibt sich unaufdringlich aber ambitioniert künstlerisch, mit einer Malerei von Monika Bader am Cover und einer Illustration von Martina Baur auf dem CD-Labelaufdruck.

Die Lieder selbst und auch die eingestreuten Instrumentaltitel verströmen durchwegs sanfte Liedpoesie, getragen von transparenter Leichtigkeit, ohne ins Seichte zu kippen. Die Lieder handeln vom liebend herzlichen Zugehen aufeinander und von der Selbstbestimmheit des Ich. Sechs deutschsprachige Lieder werden mit zwei musikuntermalten gesprochenen Texten, drei englischsprachigen Songs und drei Instrumentaltiteln ergänzt, stilistisch zwischen Chansons, Folk und Popballaden anzusiedeln.

Da gibt es etwa die Chansons „Schokoladenpapier“ und „Wenn du ´Nein´ sagst“, die „fliegende Folk-Ballade“ „Vollmond“ vom Ganz-bei-sich-sein, das alltagspoetische, im Duktus an Reinhard Mey erinnernde „Vorbei ist schon wieder ein Jahr“ oder die augenzwinkernde eher folkige „Gewissen(s)haft“.

Heraus sticht die Rainer Maria Rilke Vertonung Janipkas „Die Stille“. Es ist mutig Rilke zu vertonen, bekannt ist etwa Edmund Nicks „Das Karussell“, auch Udo Lindenberg hat´s versucht („Der Panther“). Mike Janipka gibt seiner bemerkenswert sensiblen Vertonung einen leicht schwebenden Charakter.

„Dein reines Herz“ und „Hier, wo die Wände“ sind von Janipka musikuntermalt gesprochene Beiträge, das unterstreicht den musikpoetischen Anspruch der CD.

Als würde man über der Erde dahingleiten, schweben, segeln ziehen die Instrumentaltitel „Idylle“, „Morgenstimmung“ und „My Little Brookpiece“ (letzteres beschließt die CD nur mit Gitarre) vorbei.

Ein Dreier-Liedblock gegen Schluss der CD bringt englischsprachige Beiträge. Der Popballade „Sailing Away“ folgt eine Coverversion von „Be My Lighthouse“ – die Vorlage stammt von der amerikanischen Singer-Songwriterin Diane Ponzio, erstveröffentlicht 2005 auf deren CD „In the Middle“ und auch auf youtube zu finden. „You´ve Got a Friend“ hingegen, eine weitere Coverversion, ist eine klassische Popballade der aus Manhattan stammenden 1942 geborenen Songschreiberin und Sängerin Carole King.

Mike Janipka beweist zusammen mit Michael Schlierf nicht nur mit diesen respektvoll arrangierten und mit leichtem Flow vorgetragenen Coverversionen großes musikpoetisches Feingefühl, bis zu „ins Nichts weiterträumenden fade outs“.

Die Homepage von Mike Janipka: http://www.mikejanipka.de/

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