Alexanders CD-Tipp der Woche: The Beauty of Gemina – Flying with the Owl

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Erdige Gothic Music Songs, die tief in die Seele blicken lassen, aber aus der Perspektivlosigkeit schält sich subtil ein ganz starker Hoffnungsstrahl in der Natur– mit der Eule scheinbar haltlos durch die Welt fliegen, aber schließlich aufgefangen werden, nun ganz ohne Worte, in der Geborgenheit der Musik, in einem Lied des Waldes: das ist die im Oktober 2018 bei TBOG Music veröffentlichte CD von „The Beauty of Gemina“. (Alexander Kinsky)

2006 hat der aus Liechtenstein stammende Michael Sele die Gruppe The Beauty of Gemina gegründet. Im weitesten Sinn gehört die Gruppe stilistisch zur Gothic Music, also zur alternativen Szene. Sie war auch schon zusammen mit ASP auf Tour. (Alexander Spreng ist ja einer der Gastsänger bei Konstantin Weckers Bonus-Version „Sage nein“ 2017.)

Wer mit Gothic Music vielleicht sogar satanische Aggressivität verbindet, wird überrascht. Die atmosphärische Aura der CD ist düster, wolkenverhangen, dunkel, aber erdig, humanistisch menschlich, sie kommt aus einer Urliebe, deren Magie, deren Ausstrahlung zwar durch das offenbar alles einengende soziale Umfeld nahezu beklemmend intensiv erdrückt wird, aber doch stets durchstrahlt.

Erdig ist die CD musikalisch, weil sie zwar auch elektronische Klänge einsetzt, aber nicht vordringlich, sie setzt eben vor allem auch auf klassischen Rockbandsound sowie auf Violine und Cello und strahlt nicht nur damit eine ganz starke Natürlichkeit aus.

Die Covergestaltung mit ihren Schwarzweißzeichnungen  „wie ein Gekritzel“ hat gleichzeitig etwas von einer Unruhe die doch noch irgendwo hofft, sich strukturieren zu können und auch etwas von bewusster Kunst, die als solche wahrgenommen werden möchte und absolut ernst zu nehmen ist. Hier lebt der von den Beatles mitbegründete Anspruch weiter – das Cover als Teil des Gesamtkunstwerks.

Die Welt in der dieser Sänger in zehn Songs eindringlich wie nur ungleich resignierter wirkend als Leonard Cohen von Monstern, Geistern, von der Dunkelheit, von der Kälte draußen, vom Tunnel der Pein, von Liebestrauer und gar vom Selbstmord singt, hält aber auch ein weißes Boot aus Hoffnung, das gemeinsame Anhalten und Gebete bereit, Hoffnungslichter in den Flammen des Seins.

Die Verzweiflungsgesänge kommen von einem, der noch um die Hoffnung weiß, auch wenn sie ganz schwer zu finden und dann zu halten sein wird. Die Resignation droht alles zu erdrücken, bleischwer unüberwindbar zu sein, aber allein der Sog des Mitgefühls der sich von Song zu Song verstärkt, und erst recht die Gewissheit man ist nicht allein, denn vieles erkennt man ja in sich selbst was da gesungen wird, geben schon etwas Halt.

Aber dann, gleich nach dem erschütternd eindringlichen „Suicide Day“ („Suicide Day“ – vgl. dazu Wolfgang Ambros, „Heite drah i mi ham“ – von Georg Danzer für ihn geschrieben), der letzte Track, Track 11, nicht mehr gesungen, ein „Wood Song“, die Bäume singen also, diese Lebewesen von deren Weisheit der Mensch keine Ahnung hat, die uns Lichtjahre voraus sind im Begreifen das dann kein Begreifen mehr sein muss das einfach ist – man muss die CD durchgehört haben, um dieses Urerlebnis des Hoffnungslichts mit dem „Wood Song“ ganz mitleben zu können.

So viel Beklemmung, Düsternis, so viel persönliches Leid bis dahin – und doch jetzt: Alles wird gut, alles ist gut. Jedenfalls hinter den Schlagzeiten, Schlagzeilen.

Immer.

 Die Homepage von The Beauty of Gemina: http://www.thebeautyofgemina.com/

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