Alexanders CD-Tipp der Woche: Thomas Declaude – Die Poesie der Narren-Freiheit

 in CD-Tipp

Thomas Declaude, geboren 1950 in Paris, aufgewachsen in Wien, seit Anfang der 70er als Liedermacher, Schauspieler, Regisseur und Autor aktiv, bietet auf seiner CD „Die Poesie der Narren-Freiheit“ (ORF-CD 3215) mit Neuaufnahmen von 2016 und Wiederveröffentlichungen von 1986 den Beweis, dass es weiter auch wirklich ausgefeilt arrangierte, anspruchsvolle deutschsprachige Chansons gibt. (Alexander Kinsky)

Schon in seinen Straßensänger-Anfängen lernte Thomas Declaude den Komponisten Karl Friedrich kennen, der 1976 in Zusammenarbeit mit dem Jazzstreichquartett „Tonquelle“ von Kurt Kusenberg eingedeutsche Jacques Prevert Texte für Declaude vertont hat. Es entstanden anspruchsvolle, ausgefeilte und doch gut hörbare, spannende Liedkompositionen. 2016 hat Declaude drei Friedrich-Kompositionen sowie die Wolfgang Puschnig Vertonung des Declaude Textes „Fußnoten“ von 1984 mit erlesenen Musikern neu aufgenommen. Die CD wird mit Wiederveröffentlichungen weiterer anspruchsvoller deutschsprachiger Declaude Chansons, stets mit ihm zumindest als Mitautor, aus dem Jahr 1986 ergänzt. Unter den Komponisten und Mitmusikern finden sich neben Puschnig Namen wie Martin Kelner und Peter Legat – und das radio.string-quartett, das dem ersten Lied der CD „Gejagtes Kind“, dem ersten Friedrich/Prevert Lied, beklemmende Streichquartett-Intensität gibt. Mir ist beim Hören dieses Liedes sofort Konstantin Weckers „Dummer Bub“ eingefallen. Die Jäger sind dem Kind dicht auf den Fersen. Wird ihm die Flucht gelingen?

In Declaudes Liedern, jedes musikalisch stilistisch die Texte sehr sensibel und spannend farbig arrangiert unterstreichend, mit dem Anspruch, ernsthafte Kompositionen zur Verstärkung der poetisch-geistvollen Texte zu bieten, geht es unter anderem um das zu hinterfragende Leben, einen Monolog eines Schauspielers an den Souffleur, um Pan, um Pferde, um Giacomo (den Dieb, der sich selbst gehört), um den Aufschrecker der Gesellschaft (den Vogel, der von außen an die Gitter stößt) oder um geistvolle Fußnoten zum Leben. Mich sprechen diese wirklich ausgefeilten Liedkompositionen ungemein an, neben „Gejagtes Kind“ vor allem „Der Souffleur“ und „Der Narr war gut“, auch „Fußnoten“. Hörenswerte anspruchsvolle Lieder zwischen Austropop, Arik Brauer Assoziationen, Heller-Anklängen, Heltau/Brel-Mitgedachtem und ganz Eigenständigem!

 

 

 

 

 

 

 

Homepage Thomas Declaude:

http://www.thomasdeclaude.at/

 

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