Auf Seiten der Menschlichkeit: Gabriele Russwurm-Biro

 In FEATURED, Poesie

Poesie und Widerstand: Die Lyrik-Reihe auf „Hinter den Schlagzeilen“

 

II

verletzt sind
wir alle
den dunklen
gründen
ferngedacht
nichtssagend
lächeln wir
entstellt entgegen
getrübte blicke
kleben bitter an den fühlern
aus gedankenstaub
es lodert
lautlos weiter
die erwartung
reibt sich tonlos
am trugbild
der vermeintlich
guten welt

der letzte
augenblick
soll uns
erheben

Franz Wassermann: ‚I WAS TOO BLOODY BUSY TO BE FRIGHTENED‘

 

VI

die toten
blicken alle
richtung meer
sie erinnern
keine lieben
keine zeiten
manchmal
hör` ich lachen
hör` ich singen
engelsstimmengleich

verhallende
stöckelschuhschritte
takten das sehnen

im warten
verlieren sich
der sommer
und das leben
das hoffen auf
versprochene wunder
da draußen

jeder klang
ein schnitt
ein stich
ein ungefähres
zwischen
den gezeiten

 

 

 

XV

verhandle mir
die welt
Ich möchte ohne ufer
segeln

sei du mir
mein gestade
ohne worte
die ungeduld
gräbt rinnen
in mein land

in deinem blick
erahn`ich
meinen horizont

ein strich

schutzlos brechen
rosenblätter
eingefroren

lass mich dein
rot gelb rosa sein
dein tiefes blau
voll untergang

noch vor der
endgültigen
schwärze

dann leg
die lanze
wunschlos
nieder

 

Von Verletzungen, von Hürden und der Kraft der Poesie – Gedanken zu Gabriele Rußwurm-Biros Poesie. Siljarosa Schletterer

Ja sie hat Recht, „verletzt sind // wir alle“ in einer „vermeintlich // guten welt“ und die Toten, die Gräueltaten und mit ihnen die Scham blicken uns vom Meer her an. Doch auch hier soll/kann Poesie  hinzeigen und aufzeigen. Und genau das machen diese Zeilen. Sie legen Wunden offen. Rußwurm-Biro spricht gleichermaßen von Beziehungen zwischen einem Du und einem Ich und wie dieses Du den eigenen Horizont prägt und zeichnet und erweitert. Mehr noch. Rußwurm-Biro legt offen inweifern ein Ich von einem Du abhängig ist.

Die Texte, sind vorab Veröffentlichungen, und entstammen dem Gedichtband das meer in zwei stunden, das im September im Wolf Verlag erscheinen wird.

Die Autorin lebt in Klagenfurt und ist in der Denkmalforschung, als (Kultur)journalistin, Bloggerin und als Fotografin tätig. Sie ist seit 2016 Präsidentin des  Kärntner SchriftstellerInnenverband und veröffentlicht Kurzgeschichten, Essays und Gedichte. Im Dezember 2015 wurde sie mit dem 1. Platz des Kärntner Lyrikpreises (STW Klagenfurt) für Gedichte  ausgezeichnet.

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