Auf Seiten der Menschlichkeit: Sylvia Krismayr

 In FEATURED, Poesie

Poesie und Widerstand: Die Lyrik-Reihe auf „Hinter den Schlagzeilen“, ausgewählt und kommentiert von Siljarosa Schletterer.

 

‘YOU CAN TRACK EVERYTHING’ – Franz Wassermann

 

MATERie & idee:
dieser sanfte schimmer,
als ob die sonne in die erde hinabgestiegen wär.
wir sagen GOLD dazu
und das wort macht uns verrückt

 

stille (oder: schweigen):
schon findet kein laut mehr
den weg aus dem trägen sumpf,
der alles feste in sich schluckt.
die stille lastet.

Poesie ist Widerstand:
Gedichte tasten die Wände ab:
Nach einem Ausgang
Nach einem Fenster
Nach einem Schlupfloch
Nach einem Riss -> im gängigen Sprachmuster

Sie balancieren am Hochseil
Fürchten den Abgrund nicht

Sie kochen sich, sie brauen sich
Im Magma

Sie fliegen durch die Luft
Bleiben an Worten hängen
Fliehen sie
Verknüpfen sie
Verweben sie
Verstricken sich

 

Von der Kraft der Poesie, der Bewegung und des Seins: Gedanken zu Sylvia Krismayrs Gedichten (Siljarosa Schletterer)

Sylvia Krismayr darf genauso wenig wie ihre Gedichte in Schubladen gedacht werden. Sie ist Autorin, Herantasterin, Performerin, Mutter, Theaterregisseurin, Malerin und „mit Leib und Seele Bäuerin“.  Auch ihre Gedichte „tasten die Wände ab“, reißen sie ein, können zu Bewegung verkommen in den Lesenden, Aufruhr erzeugen und inspirieren. Ihre Zeilen stellen Fragen an das Individuum und die Gesellschaft, an den Sprachgebrauch und Lebensverbrauch. Sie zerlegt die Sprache und dringt dadurch mehr ins Innere und findet „GOLD“ und Mutter-Bilder, wie in ihrer Austellung „MATERie“ und dem gleichnamigen Gedicht.

Wieviel Weiblichkeit steckt im Irdischen? Was ist das Weibliche? Das Weltliche? Die Welt? Falls es beides gibt, wie behandeln wir es? Finden wir Antworten, finden wir Worte vielleicht, finden wir uns selbst. Fernab des Konsums, der uns verrückt macht. Fernab des Mehrwollens. Fernab den Mauern und Grenzziehungen. Vielleicht brechen wir damit die Last auf?

 

Weitere Informationen sind unter diesem Link zufinden.

Kommentare
  • rr
    rr
    Antworten

    Interessant, dass hier der Gedichttitel „Poesie ist Widerstand“ heißt – quasi das Motto der ganzen Lyrik-Reihe und eine Hauptaussage in Konstantin Weckers Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“. Sylvia Krismayr interpretiert die herkömmlichen Sprachmuster als Wände eines Gefängnisses und Lyrik als Ausbruchsversuch, den authentischen Ausdruck als „Riss“ in der Mauer, durch den Licht dringen kann. Damit wird klar, dass Lyrik nicht nur befreiend ist, wenn sie Freiheit beinhaltet, nicht nur rebellisch, wenn sie Rebellion beinhaltet, sondern schon durch ihr sprachlich authentisches und somit nonkonformes So-Sein. Danke auch hier an die Dichterin und an Siljarosa für die Auswahl.

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