Aufruf „100 Euro mehr, sofort“

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„Solidarisch für sozialen Zusammenhalt und gegen die Krise.“ In einem gemeinsamen Aufruf fordern Spitzenvertreter*innen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Paritätischen Gesamtverbands und weiterer bundesweiter Organisationen angesichts der Coronakrise Soforthilfe für arme Menschen. Im Folgenden finden Sie den Text der Erklärung. Gwendolyn Stilling

Die gemeinschaftliche Bewältigung der Corona-Pandemie ist auch eine Herausforderung für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Rücksicht zu nehmen, füreinander einzustehen und finanzielle Lasten solidarisch zu teilen, ist das Gebot der Stunde. Regierungen und Parlamente von Bund und Ländern haben die Tragweite der Krise früh erkannt und unverzüglich Hilfen in einem bisher nicht für möglich gehaltenen Umfang bereitgestellt. Die unterzeichnenden Organisationen begrüßen das ausdrücklich.

Auch heute sind es die Ärmsten, die die Folgen der Krise mit besonderer Härte trifft. Grundnahrungsmittel werden spürbar teurer, Dinge des täglichen Lebens werden von zahlungskräftigeren Gruppen stärker nachgefragt und damit schwerer verfügbar. Kindertageseinrichtungen, Schulen und soziale Institutionen mit kostenlosen Essensangeboten sind geschlossen, Hilfsangebote von Tafeln nicht oder nur eingeschränkt zugänglich. Zusätzliche Ausgaben für notwendige Schutzkleidung und Hygieneartikel belasten die Haushalte. Die Betroffenen haben in der Regel längst keine Rücklagen mehr, im Gegenteil. Sie geraten in existenzielle Not. Viele von ihnen zählen zu den sogenannten Risikogruppen. Zusätzlich zur sozialen Isolation leiden sie unter materiellen Entbehrungen. Sie alle brauchen und verdienen unsere Solidarität und Unterstützung.

In der Sorge für diejenigen, die besonderer Hilfe bedürfen, zeigt sich der Grad an sozialem Zusammenhalt einer Gesellschaft. Die wichtigen und notwendigen Hilfen für Menschen und Unternehmen, denen innerhalb weniger Tage die Grundlagen ihrer wirtschaftlichen Existenz entzogen wurden, zeigen, was die Gesellschaft zu leisten vermag. Trotz der offensichtlichen Mehrbedarfe der Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, fehlt es ihnen bislang an einer gezielten Unterstützung.

Deshalb fordern wir gemeinsam: Stehen wir in der Krise zusammen. Erkennen wir die Not der Ärmsten an und treten wir gemeinsam dafür ein, allen Menschen, die auf existenzsichernde Sozialleistungen angewiesen sind, einen pauschalen Mehrbedarf von 100 Euro monatlich unbürokratisch zukommen zu lassen. Seien wir solidarisch, bewältigen wir die Krise gemeinsam!

  • Adolf Bauer, Sozialverband Deutschland e.V.
  • Christoph Bautz, Campact e.V.
  • Verena Bentele, Sozialverband VdK Deutschland e.V.
  • Jochen Brühl, Tafel Deutschland e.V.
  • Annelie Buntenbach, Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Wolfram Friedersdorff, Volkssolidarität Bundesverband e.V.
  • Heinz Hilgers, Deutscher Kinderschutzbund e.V.
  • Miriam Hoheisel, Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.
  • Thomas Krüger, Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
  • Maria Loheide. Diakonie Deutschland Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
  • Andreas Luttmer-Bensmann, Katholische Arbeitnehmer – Bewegung Deutschlands e.V.
  • Uwe Hiksch, NaturFreunde Deutschlands e.V.
  • Christiane Reckmann, Zukunftsforum Familie e.V.
  • Martin Rücker, foodwatch Deutschland e.V.
  • Ulrich Schneider, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V.
  • Wolfgang Stadler, Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.
  • Helena Steinhaus, Sanktionsfrei e.V.
  • Melanie Weber-Moritz, Deutscher Mieterbund e.V.

 

 

Showing 3 comments
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    Hartz_tötet
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    Die gewohnt ignorante und zynische Reaktion der „Verantwortlichen“ passt ja zum bisherigen skandalösen Umgang mit den Menschen.
    Gemessen an den Vorgaben der Hartz-Kommission von 2002 einen Regelsatz von 511,00 Euro zu gewähren, zeigt sich der infame Betrug der fortwährenden Hartz-Schande.

    Sozialverträgliches Ableben scheint die Prämisse, anders ist es nicht zu deuten.

    Hier gibt es auch eine Petition zum besseren Schutz Hartz 4-Be- und Getroffener:

    http://chng.it/Wb7sWZWVqx

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    Piranha
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    Unterschrieben
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    Volker
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    (…) Grundnahrungsmittel werden spürbar teurer (…)

    Die Frage ist, wer davon am meisten profitiert in der langen Kette, von der Herstellung/Anbau bis zum Verkauf. Und wie hoch liegt die Gewinnspanne der Supermarktketten? Der Wanderarbeiter in Spanien wird wohl keinen Cent mehr bekommen, mit dem er seine Familie ernähren möchte.

    Und – dass Lebensmittelpreise bei Normalisierung der momentanen Lage wieder sinken werden, dies können wir getrost vergessen. Somit wäre eine befristete Zuzahlung auf die Grundsicherung, wie es einige fordern (selbst Butterwegge), nur eine vorübergehende Linderung für Grundsicherungsbezieher.
    Der Regelsatz muß den realen Verhältnissen entlich menschengerecht angepasst werden, ohne wenn und aber, die jährliche Regelsatzerhöhung mit einbezogen. Acht Euro, zwangsläufig an irgend einem Index gekoppelt, sind ein Hohn.

    Forderungen nach einhundert Euro mehr, befristet oder nicht, werden im Sand verlaufen, wie andere Forderungen nach spürbaren Erleichterungen, und dies seit Jahren schon.
    Es ist zwar richtig, dass der Staat gerade Unsummen verteilt, nur, dass hauptsächlich Großkonzerne davon profitieren, für die soziale Verantwortung bisher ein rotes Tuch darstellte und weiterhin abgelehnt werden wird. Die heute – wie gestern – in Not geratene Bevölkerungsmehrheit wird soziale Verantwortungslosigkeit sowie Verweigerung des neoliberalen Systems sicherlich weiterhin mit finanzieren müssen.

    Ich kann nur hoffen, dass das bestehende, schon genug menschenfeindliche Sozialsystem, nicht durch eine erweiterte Neuauflage der Agenda 2010 noch mehr beschnitten wird, dies wäre gedoppelt unerträglich.

    So frage ich mich schon, wie einer weiterhin verarmten Gesellschaft Solidarität, Respekt und Achtung als Losung abverlangt würde, wenn es um nichts anderes mehr geht, als überleben zu können. In einem gnadenlosen System, das die Würde des Menschen als Druckfehler korrigieren wird.

    Wenn heute aufgrund sogenannter Corona-Krise gefordert wird, die eh schon vorhandene Armut mit einem Zuschuß weiterer Almosen zu lindern, sollte man den Blick auf kommende Jahre richten, auf nachfolgende Generationen der Vergessenen.

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