Bitter nötig: weiterhelfen in Zeiten der Ratlosigkeit…

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

Da blöken sich zwei an, die einander im Grunde sehr ähnlich sind.

164. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ „Da beschimpft also der Teufel den Beelzebub und wirft demselben Satanismus vor.“ So beschreibt unser Autor Holdger Platta den derzeit tobenden griechischen Wahlkampf. Zwei Lager, die definitiv versagt habe – die regierende „linke“ SYRIZA und die konservative Partei – bekämpfen sich, und dabei bleibt unklar, worin sich ihre künftige Politik speziell mit Blick auf die Ärmsten im Land unterscheiden würde. Hoffnung auf Aufbruch sieht anders aus. Die geben zumindest für einige Not leidende Griechinnen und Griechen die Spenden aus unserem Leserkreis.  Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

mit großem Dank an Euch kann ich heute meinen Bericht zu unserer Spendenaktion für verarmte Griechinnen und Griechen beginnen! In der für ein Monatsende ungewöhnlichen Höhe von 570,- Euro gingen während der letzten Tage Hilfsgelder bei uns ein, überwiesen von 3 SpenderInnen an uns. Und erneut muss ich hier vor allem den Großspender Manfred T. erwähnen, der in der Vorwoche bereits 500,- Euro auf unser Spendenkonto überwiesen hatte. Auch dieses Mal war Manfred T. unter den UnterstützerInnen, und dieses Mal überwies er 250,- Euro an uns, und zwar für die Organisationskosten, die unvermeidbar bei einer solchen Hilfsaktion entstehen. Bestimmt erinnert Ihr Euch daran: ich hatte Euch darüber in meinem letzten Bericht ausführlicher informiert und diese Erläuterungen mit der Bitte verbunden, im Fall der Fälle Spendengelder für diesen speziellen Zweck dann unter dem Stichwort „IHW“ auf das bekannte Hilfskonto zu überweisen.

Dank also heute nochmals und ganz besonders an Manfred T., Dank aber natürlich auch an die beiden anderen SpenderInnen! Es versteht sich von selbst, dass ich diesen Dank ausspreche im Namen aller Aktiven in unserem Hilfsteam. Und gerne ergänze ich: Es stellt Ermutigung dar für das gesamte Organisationsteam, Entlastung aber auch für den eigentlichen Spendenzweck! Die Hilfsbedürftigen in Griechenland haben uns nicht zum ersten Mal mitgeteilt, dass sie geradezu entgeistert oder fassungslos sind, neben allem Aufatmen und aller Dankbarkeit, dass derartige Hilfe „ausgerechne“ von Deutschland aus organisiert wird (mit deutlichem Beistand auch aus Österreich – Ihr wisst es –, mit wahrlich tatkräftiger Unterstützung unserer regelmäßigen Griechenlandreisenden Evi und Tassos Chatzatoglou aus Graz)!

Mittlerweile ist auch für die Griechinnen und Griechen das Osterfest Vergangenheit, die Geschenkpakete zu diesem Anlass an rund 180 verarmte Familien wurden verteilt, im Gesamtwert von 2.500,- Euro, und zwar von unserer Kooperationspartnerin in Korydallos, der dortigen Sozialstation, und der Blick der Menschen in diesem Mittelmeerstaat richtet sich wieder verstärkt auf den Wahltag am 26. Mai dieses Jahres. Zur Erinnerung: nicht nur die Europawahlen finden an diesem Tag in Griechenland statt, sondern auch die Kommunalwahlen im gesamten Griechenland. Entsprechend nehmen auch die verbalen Auseinandersetzungen unter den griechischen Politikern zu und werden schärfer im Ton.

Der Führer der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) Kyriakos Mitsoutakis steigert sich dabei nicht nur in den Vorwurf hinein, dass die Regierung unter Alexis Tsipras eine „populistische“ Politik betreibe – merkwürdig nur, wie defizitär die SYRIZA-Entscheidungen in Sachen „Volksorientierung“ sind! –, nein, Mitsoutakis spricht sogar von einer „Agenda der Gosse“, von „vulgärer Propaganda“, die der Tsipras-Partei anzulasten sei, und selbst vor der folgenden schrillen These schreckt der Ultra-Konservative Mitsoutakis nicht zurück, nämlich vor der Behauptung, dass Alexis Tsipras ein „Mega-Mäzen“ der Faschisten, der „Goldenen Morgenröte“ (Chryssi Avgi) sei. Wahr daran ist allenfalls, daß die SYRIZA im Kampf gegen die Armut im eigenen Land mittlerweile fast ebenso drastisch versagt, wie es vorher – und stets! – für die konservativen Parteien in Griechenland der Fall gewesen war. Da beschimpft also der Teufel den Beelzebub und wirft demselben Satanismus vor. Glaubwürdig das Ganze also nicht! Und dennoch ist festzustellen:

Erfolglos ist Mitsoutakis mit dieser vulgären Wahlpropaganda nicht! Bei neuesten Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute in Griechenland rangiert die ND mittlerweile irgendwo zwischen 27,2 bis 30,1 Prozent, und die SYRIZA muss sich mit Wahlprognosen zufrieden geben, die irgendwo zwischen 14,7 und 19,9 Prozent angesiedelt sind. Wobei an dieser Stelle hinzugefügt werden sollte: nach wie vor reihen sich weit über 20 Prozent aller Griechinnen und Griechen bei den Unentschiedenen ein – „Opinion Poll“ zufolge, die für den Radiosender „Proto Thema“ eine Wählerumfrage durchgeführt hat, liegt der Anteil der Unentschiedenen bei derzeit 22,3 Prozent. Und sämtliche anderen Parteien, die zu den Europa- und Kommunalwahlen anzutreten gedenken, müssen sich diesen Umfragezahlen zufolge mit Wahlergebnissen weit unter 10 Prozent zufrieden geben.

Aufbruch signalisiert das alles nicht, Aufbruch zu guten neuen Ufern, zu einem sozialeren Griechenland schon gar nicht! Fast könnte man von einer gigantischen Ratlosigkeit sprechen, die sich in all diesen Zahlenangaben zeigt. Und daran dürfte auch der große Seemannsstreik nichts ändern, der am 1. Mai den gesamten Schiffs- und Fährverkehr in Griechenland lahmlegen soll.

24 Stunden lang protestiert die Seemannsgewerkschaft PNO mit diesem Streik gegen eine „Degradierung ihrer Zunft“, gegen die Vermehrung statt Lösung ihrer Probleme, gegen „lächerlich niedrige Renten“, die zudem oft verspätet erst ausgezahlt werden, so die „Griechenland Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 24. April. Apropos „verspätet ausgezahlt“: nicht zuletzt unser Mitstreiter Tassos Chatzatoglou wartet bereits seit einigen Jahren (!) auf die längst überfällige Auszahlung des ersten Rentenbetrags. Auch daran vermochte die mittlerweile gut vierjährige Regentschaft der SYRIZA nichts, aber auch gar nichts zu ändern. Ein Staat versagt, eine vermeintlich radikal-sozialistische Linke versagt, und eine ultrakonservative Opposition ergeht sich in haltlosen Propagandasprüchen. Wo, bei welchen Personen, bei welchen Parteien, sollen die Menschen in Griechenland eine positiv-verheißungsvolle Perspektive sehen? Über alles materielle Elend hinaus ist es also nicht zuletzt diese Perspektivlosigkeit, die zutiefst erschreckt und befürchten lässt, daß es nach den Wahlen am 26. Mai so aussichtslos weitergehen wird wie bisher. Hilfe von außen wird für die Menschen in Griechenland also auch nach dem Wahltag nötig sein, bitter nötig sogar, und nicht zuletzt auch von uns!

Womit ich also wieder einmal bei meinen abschließenden Bitte um Spenden zugunsten unserer Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ bin:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will – siehe Anfang dieses Berichtes! –: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

Anzeige von 2 kommentaren
  • Avatar
    Hr. dunkel
    Antworten
    Würde ich ja gerne – spenden aber in dem so „wohlhabenden Deutschland“ ist für das woblgeformte und neusprechverbogene Hartz IV immer Raum und Platz für Akzeptanz und Alternativlosigkeit – bis hin zu den Kindern u. jungen Menschen und deren Zukunftsklau. Geld?  Spenden? Wie denn?

     

  • Avatar
    Holdger Platta
    Antworten
    @ Hr. dunkel

    Ich glaube, daß niemand hier einem Hartz-IV-Betroffenen übelnimmt, wenn er nicht spenden kann. Ich jedenfalls tue dieses nicht!

    Vielleicht ist Dir ja bereits aufgefallen: gar nicht mal so selten beziehe ich in meine Berichte zu unserer GriechInnenhilfe auch kritische Äußerungen zum bundesrepublikanischen Hartz-IV-Terror mit ein.  Denn zumindesdt in einer Hinsicht gleicht die Unbarmherzigkeit der Austeritätspolitik in Griechenland der Unbarmherzigkeit des Hartz-IV-Terrors bei uns in der Bundesrepublik: in beiden Ländern soll – angeblich! – Wirtschaftsaufschwung entstehen bzw. der eigene Staatshaushalt ’saniert‘ werden, indem immer mehr Menschen immer tiefer in die Verelendung abgeschoben werden. Was nicht nur schlimmste Inhumanität ist, sondern auch volkswirtschaftlicher Unfug hoch Zehn.

    Ich freue mich, wenn auch Menschen wie Du meine Hilfsberichte lesen (und damit humanes Interesse zeigen an verarmte Menschen in anderen Ländern). Spenden – das ‚müssen‘ Menschen wie Du wahrlich nicht!!!

    Mit allen meinen guten Wünschen für Dich und herzlichen Grüßen

    Holdger

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