Das Manifest des Öko-Prinzen

 In FEATURED, Umwelt/Natur, Wirtschaft

Das Geheimnis der Schönheit ist Harmonie. Alles findet seinen Sinn in Beziehung zum Ganzen.

Der britische Thronfolger Charles rechnet in seinem Buch «Harmonie» mit den Schattenseiten der menschlichen Zivilisation ab. Für alle Politikfelder fordert er eine Rückkehr zu den Prinzipien des Natürlichen – basierend auf einem ganzheitlichen, ja spirituellen Weltbild. Wer den Prinzen nur aus Adelsklatsch-Gazetten kennt, wird überrascht sein: «Harmonie» ist ein Sachbuch-Meisterwerk, das Fachkompetenz und gedankliche Kühnheit beweist.  Roland Rottenfußer

«Dies ist ein Aufruf zur Revolution» beginnt das Buch. Ungewöhnlich ist weniger dieser Satz als die Person des Mannes, der ihn geschrieben hat. Charles Mountbatten-Windsor, Prince of Wales gehört seit seiner Geburt zu den bekanntesten Menschen dieser Erde. Aber nicht unbedingt zu den beliebtesten. Wir meinen, schon alles über Prinz Charles zu wissen, über sein Leben, seine Familie und seine Frauen, aber wir wissen wenig darüber, woran dieser Mann glaubt. Millionen verfolgen in der Zeitung jedes bedeutende oder unbedeutende Ereignis seines Lebens. Glaubt man der Klatschpresse, hat er eine Frau, von der alle Welt meinte, dass er sie lieben sollte, zu wenig geliebt. Dafür liebt er bis heute eine andere, die eine statistische Mehrheit der Bevölkerung für zu wenig gut aussehend hält. Ist das wichtig? Geht es uns irgendetwas an?

Der Prinz der Projekte

Was uns interessieren sollte, sind dagegen die vielfältigen sozialen Aktivitäten, mit denen Prinz Charles ist in den vergangenen Jahren hervorgetreten ist. Er ist Schirmherr des «Prince’s Trust», der benachteiligten Jugendlichen hilft, Gründer des Prince’s Rainforest Project und Förderer der biologischen Landwirtschaft. Er setzt sich für die Rettung der gefährdeten roten Eichhörnchen in England ein und für eine menschengerechte Architektur. Sein jetzt erschienenes Buch «Harmonie» zeigt den Prinzen als den Philosophen des europäischen Hochadels, umfassend gebildet und voller Ehrfurcht für die Schöpfung. «Harmonie» ist die Summe seines Wissens und seiner Lebenserfahrung. Charles war und ist ohne Zweifel privilegiert. Die Jahrzehnte des Wartens auf die Königswürde im Schatten einer unverwüstlichen Königin gaben ihm Zeit zum Nachdenken – eine Zeit, die er optimal genutzt hat.

«Harmonie» gibt plausible Antworten auf brennende Fragen unserer Gegenwart: Was bedeutet es, in einem positiven Sinne «konservativ» (bewahrend) zu sein? Wie könnte eine Politik aussehen, die von mystischen und spirituellen Grundannahme ausgeht? Schließlich: Was können wir tun? Richtigem Tun geht nach Ansicht von Charles immer richtiges Denken voraus. Das schließt vor allem die Erkenntnis mit ein, dass wir alle Teil des Ganzen sind. Kritiker warfen dem Prinzen vor, sich zu «verzetteln“, sich wahllos mal in diese, mal in jene Aktivität zu stürzen. Sie sahen nicht, dass alles, was der berühmteste Ökofreak der Welt anpackte, in einem größeren Zusammenhang stand und einem Ziel diente: die Natur wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen und ihre Gesetze allem menschlichen Tun überzuordnen. Das gilt für Städtebau und Architektur ebenso wie für Landwirtschaft und Artenschutz, für Kindererziehung und Medizin wie für verantwortungsbewusste Formen des Wirtschaftens.

Prinz Charles bei Staatsgeschäften

Was ist „natürlich“?

Gern wird ein darwinistischer Kampf ums Dasein als „natürlich“ angesehen. Für Charles bedeutet Natur eher die Verbindung von Vielfalt und Einheit. Darin liegt auch seine Definition der Titel gebenden „Harmonie“. Es schließt vor allem Monokulturen aller Art aus: in der Landwirtschaft wie in der Kunst oder Medizin. Aber auch das menschliche Maß, der Verzicht auf Übergrößen ist natürlich. Ein Element von Freiheit gehört dazu – wenn sich etwas Flüsse, wie Victor Schauberger zeigte, ohne künstliche Begradigung und Begrenzung am besten entfalten. Und nicht zuletzt Schönheit, die Charles vor Funktionalität setzt, als intuitives Wissen, dass etwas „stimmt“. Warum sonst fühlen wir uns in einem alten, gewachsenen Stadtkern wohler als in Trabantenstädten voller Hochhausriesen?

Große Meister der Kunst wussten um die Geheimnisse der Schönheit. Sie liegen in ausgewogenen Proportionen und in dem Prinzip, dass jeder Ausschnitt nur als Teil eines Ganzen seinen Sinn erhält. Hierzu zitiert Charles einen Satz von Wendell Berry, der für das gesamte Buch grundlegend ist: „Nichts existiert um seinetwegen, sondern nur um einer höheren Harmonie willen, an der es Anteil hat.“ Schönheit und ökologische Vernunft folgen also dem gleichen Grundsatz. Ist das „konservativ“? Prinz Charles wurde oft Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit vorgeworfen. Er sagt dazu, er sei nur ein Feind der Art von Wissenschaft, die “nicht das Gesamtbild im Auge hat“ und die „unsere vernünftige und lebensnotwendige Verbindung zur Natur und zum Bereich jenseits des Materiellen zerstört hat.“

Spirituelle Anteilnahme

Warum kann uns nur das Natürliche retten? Weil auch wir Menschen Teil der Natur sind. „Wir sind nicht Herren der Schöpfung. Wie ausgefuchst und hoch entwickelt unsere Technik auch sein mag, (…) Wir sind Natur, wie alles andere auch.“ In der Vorstellung, Menschheit und Schöpfung wären getrennte Bereiche, liegt die Wurzel aller destruktiven Entwicklungen in den letzten Jahrhunderten. Bei Studien an sakralen Bauten der Menschheit wie an Formprinzipien der Natur kam Charles zu einer faszinierenden Erkenntnis: Das Heilige und das Natürliche sind ein und dasselbe. So kann man „Harmonie“ nicht ohne eine spirituelle Komponente verstehen. „Ohne Ehrfurcht und Liebe, ohne eine spirituelle Anteilnahme, sind wir in meinen Augen kaum mehr als eine zusammen gewürfelte Gruppe von isolierten, selbstbezogenen Individuen.“ Charles outet sich als der vielleicht prominenteste Vertreter tiefenökologischen Denkens, wie es von Joanna Macy und Arne Naess in den 70er-Jahren entwickelt wurde. Alles ist verwoben im großen Netz des Lebens.

So wie die Probleme eng miteinander verzahnt sind, sind es auch die Lösungen. Ein Rettungsplan für die Erde, der nur an einem einzigen „Hebel“ ansetzt, muss fehlschlagen. So berichtet Charles nicht nur über die katastrophalen Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte, er zeigt auch „Best Practices“, wie sie von Vordenkern und Pionieren des Neuen überall auf der Welt vorgelebt werden. Transition Towns greifen bei der Städteplanung auf die Erfahrungen unserer Vorfahren zurück und schaffen Wohnräume mit Seele. Komplementär- und Alternativmedizin soll helfen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Selbst verwaltete Slums schaffen in der Dritten Welt Ansätze zu einem menschenwürdigen Leben. Und in Bhutan gilt statt des Bruttosozialprodukts das „Bruttonationalglück“ als Maßstab. Mit solchen Beispielen sät Prinz Charles Hoffnung inmitten der Krise, die vor allem eine Krise des falschen Denkens und Wahrnehmens ist.

Eine Landwirtschaft des Lebens

Die Denkweise des Prince of Wales lässt sich gut am Beispiel Landwirtschaft demonstrieren. Ein historischer Rückblick zeigt zunächst auf, wo die Weichen in der Vergangenheit falsch gestellt wurden. Justus von Liebig, der Vater der industrialisierten Landwirtschaft, studierte Mitte des 19. Jahrhunderts die Wachstumseigenschaften der Pflanzen – indem er sie zunächst zerstörte. Liebig verbrannte Pflanzen und untersuchte ihre Asche. Dabei fand er jene Mineralien, die als wichtige Nährstoffe das Pflanzenwachstum begünstigten. Charles kritisiert: „Er war auch mitverantwortlich für die Ansicht der jungen Agrochemie, dass Pflanzen kaum mehr sind als eine Chemiefabrik.“ Die Ernteerträge stiegen zwar in der Folge von Liebigs Forschungen um ein Vielfaches, aber auch Monokulturen, ausgelaugte Böden und Vergiftung durch chemische Spritzmittel gehen auf sein Konto. Der materialistische Zeitgeist beging die gleichen Fehler, die auch auf anderen Gebieten (Architektur, Medizin usw.) feststellbar waren: Lebendige Organismen wurden als „Maschinen“ aufgefasst, Pflanzen nur als Summe chemisch analysierbarer Kleinstpartikel. Das Einzelwesen wurde isoliert von seinem Kontext (dem Ökosystem) betrachtet.

Ausgeblendet wurden dagegen die energetischen, spirituellen Aspekte des Lebens. Diese hat später umso mehr Rudolf Steiner betont, dessen landwirtschaftliches Konzept Prinz Charles ausdrücklich würdigt. Steiner warf Liebig vor, die Landwirtschaft aus dem Bereich des Lebens in den Bereich des Todes transportiert zu haben. Als Folge haben wir seit vielen Jahrzehnten eine Landwirtschaft, die sich von ihrer Verbindung zur Erde gelöst hat. In der Fleischwirtschaft kommt noch eine unvorstellbare Grausamkeit gegenüber fühlenden Lebewesen hinzu. Charles geht auch hier auf historische Spurensuche und stößt auf den französischen Philosophen René Descartes, der behauptet hatte, Tiere seien nichts weiter als Maschinen ohne Gefühle. In Worten und drastischen Bildern beschreibt das Buch „Harmonie“ die Massentierhaltung und das Elend der „Nutztiere“.

Modelle eines neuen Denkens

Auch positive Gegenbeispiele finden in dem Buch Platz. Tim Waygood’s Farm in Ostengland etwa ist ein Musterbeispiel biologischen Anbaus für den regionalen Markt und im Einklang mit der Natur. Charles zeichnet ein lebhaftes Bild von einem scheinbar chaotischen Farmbetrieb, wo Gänse und Enten unter Walnussbäumen und Eichen frei herumlaufen. Die Produkte aus 130 essbaren Pflanzen sind biologisch hochwertig, historisches Saatgut wird vor dem Aussterben bewahrt. Die Anlage dient „nebenbei“ dazu, behinderten Menschen einen vertrauten Umgang mit Tieren und Pflanzen zu ermöglichen.

Einheit in der Vielfalt, wechselseitige Unterstützung und Ergänzung der verschiedenen Lebensformen – das ist eigentlich das Modell der Permakultur. So besuchte Charles auch das Amazon Permaculture Institute bei Manaus (Brasilien). Es befasst sich mit der Verbesserung von Boden, der im Zuge von Regenwald-Abholzungen verwüstet wurde. Immer geht es auch um „Synergien“ zwischen ökologischem und sozialem Nutzen. Etwa in der School Farm am Oathamm Community College in West Sussex. Neben Mathe und Biologie ist dort der Umgang mit Bauernhoftieren Teil der alltäglichen Erfahrung der Kinder. Diese vermittelt ihnen ein Gefühl von Selbstwert und stärkt die Verbindung zu Boden und Natur.

Ein Königreich für einen Ökofreak

„Harmonie“ ist eine großartige Immunstimulanz gegen die Manie, alle Phänomene isoliert voneinander zu betrachten. Das Buch von Prinz Charles zeigt, wie alles mit allem zusammenhängt. Auch der Weitblick dieses universell gebildeten Autors hat natürlich seine Grenzen. So kritisiert Charles nicht ausdrücklich die Kriegspolitik von Tony Blair und dessen Nachfolgern. Er rührt nicht am verantwortungslosen Finanzgebaren der Londoner City. In Grundzügen deutet er aber auch eine ökonomische Kehrwende an: Eine Kritik an maßlosem Wachstum und an der Verabsolutierung des Profits liegt in der Logik seines Denkens: „Die Banken und Finanzinstitute mögen zwar glauben, dass ihre Geschäfte kaum Auswirkungen auf die Umwelt haben (…), dabei sind sie es, die einen Großteil der Zerstörung dieser lebensnotwendigen Wälder durch ihre Darlehen und Investitionen finanzieren, unter anderem für Plantagen aus Ölpalmenmonokulturen.“

Gut möglich, dass der Autor dieses Meisterwerks nach einer nicht unbeträchtlichen Wartezeit zum König gekrönt wird. Unserer Erde und dem Niveau der Diskussion über ihr künftiges Schicksal würde es jedenfalls gut tun. Leider scheint es keineswegs sicher, dass der „ewige Thronfolger“ bald selbst auf dem Thron landet. Maßgebliche Kreise wollen Charles gern „überspringen“ und seinen Sohn William zum König machen. Der Grund: Charles sei zu politisch und überschreite damit seine Kompetenzen als nur repräsentierendes Mitglied des Königshauses. Plötzlich kommen Kritiker sogar auf die Idee, die Monarchie überhaupt in Frage zu stellen. Gegen diese schien nichts einzuwenden, solange Royals nur Füchse jagten, uniformiert in Afghanistan herumliefen oder als wandelnde Kleiderständer die Hochglanzmagazine zierten. Erst Charles brachte diese Kritiker gegen sich auf, weil er an den Denkgrundlagen unserer zerstörerischen Zivilisation rüttelt. Falls „His Royal Highness“ also bei der Thronfolge ausgetrickst werden sollte, bleibt seinen Anhängern nur ein Trost: Sie können sein Buch lesen.

 

 

The Prince of Wales:

Harmonie – eine neue Sicht unserer Welt

Riemann Verlag, 348 Seiten, Euro 24,95

 

 

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    heike
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    Hier ein Artikel aus der BILD-Zeitung:

    „Essen, Reisen, Strom Können sich Klimaschutz nur Reiche leisten?

    Klimaschutz liegt spätestens seit Greta Thunbergs Initiative Fridays for future voll im Trend Klimaschutz liegt spätestens seit Greta Thunbergs Initiative Fridays for future voll im TrendFoto: Guido Kirchner / dpa

    veröffentlicht am 01.06.2019 – 18:22 Uhr

    Laut des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) kann jeder bis zu 600 Kilogramm CO2 pro Jahr sparen – und das allein durch bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Leitsatz dabei: saisonal – regional – bio kaufen und möglichst wenig tierische Produkte verwenden.

    Ein veganer Lebensstil verbraucht im Vergleich zu einem konventionellen Fleischesser nur etwa halb so viel Co2 im Jahr (940 Kilogramm CO2 zu 1760 Kilogramm Co2 ), so das Bundesministerium.

    Doch wie teuer ist diese Umstellung auf Klimaschutz für den Verbraucher? Können sich Klimaschutz nur Reiche leisten? BILD nennt Beispiele.

    Obst und Gemüse

    Nicht nur Erdbeeren kosten in der Saison weniger Nicht nur Erdbeeren kosten in der Saison wenigerFoto: Patrick Pleul / dpa

    Wer regional und saisonal einkauft, tut was für die Umwelt, da unter anderem lange Transportwege wegfallen. Aber ist das auch gut für den Geldbeutel?

    Durchaus, denn vor allem Obst und Gemüse der Saison sind in der Regel preiswert, da es zu den Zeiten mehr davon gibt. Erdbeeren vom Bauern kosten z.B. dann 500 g etwa zwei Euro. Im Supermarkt meist 1,99 Euro.

    Fleisch

    Wer etwas für das Klima tun will, sollte möglichst auf Fleisch verzichten Wer etwas für das Klima tun will, sollte möglichst auf Fleisch verzichtenFoto: Moment RF/ Claudia Totir/ Getty Images

    Hier gilt: Fleisch ist immer schlecht für die Klimabilanz. Die Studie „Livestock and Climate Change“ des amerikanischen World-Watch-Institutes fand heraus, dass 51 Prozent der weltweiten Treibhausgase durch Nutztierhaltung verursacht werden. Aber: Massentierhaltung ist noch immer schlechter für das Klima, als biologische Tierhaltung.

    Ein Sprecher des BMU zu BILD: „Klimaschädliche Gase gibt es vor allem in der konventionellen Landwirtschaft. Bei der Viehhaltung bildet sich natürlicherweise Methan: Mal mehr, mal weniger, je nachdem wie die Tiere gehalten werden. Methan ist rund 25-mal klimaschädlicher als CO2. Wo viele Tiere sind, gibt es zudem viel Gülle. Manchmal mehr als die Landwirte auf den eigenen Flächen ausbringen können. Dadurch muss die Gülle auf andere Felder transportiert werden, der so genannte Gülle-Tourismus entsteht. Wird die Gülle nicht richtig in den Boden eingearbeitet, kann sich Lachgas bilden. Das ist 300-mal klimaschädlicher als CO2.“

    Darum gilt: Wenn es Fleisch sein soll, lieber bio und regional. Und was bedeutet das nun preislich?

    Beispiel: 400 Gramm Schweineminutensteaks gibt es im Discounter bereits für 1,99, vergleichbare Bioprodukte kosten um die 13 Euro. Klimabewusstsein kostet beim Fleisch also mehr.

    Strom

    100 prozentiger Ökostrom ist zwar teurer, aber besser für die Umwelt 100 prozentiger Ökostrom ist zwar teurer, aber besser für die UmweltFoto: dpa

    Inzwischen setzen so gut wie alle Stromanbieter zumindest teilweise auf sauberen Strom.

    100 Prozent Ökostrom kostet je nach Anbieter um die 1246 Euro pro Jahr (berechnet für einen vier Personenhaushalt), herkömmlichen Strom gibt es für etwa 1036 Euro jährlich. Wer ganzheitlich Öko kauft, muss also mit etwa 210 Euro mehr im Jahr rechnen.

    Reisen

    Ein einfacher Flug von Berlin nach München kostet, je nach Reisedatum, etwa 32 Euro. Die gleiche Strecke mit dem Zug zu fahren gibt es mit möglichen Sparpreisangeboten schon für 19,90 Euro. Hier kann es sich also lohnen, auf Öko zu setzen.

    Auto

    Wer sein Auto gegen das Rad tauscht, tut nicht nur dem Klima etwas gutes, sondern auch noch was für die Figur Wer sein Auto gegen das Rad tauscht, tut auch noch was für die Figur. Hier: Oldtimer-FansFoto: ZB

    Wer es nicht weit bis zur Arbeit hat, sollte von Auto auf Fahrrad umsteigen. Denn das ist, im Vergleich zu Benzin, immer kostenlos.

    Fazit: Meist ist die klimabewusste Variante zwar etwas teurer, aber es gibt auch Bereiche, in denen Umweltschutz sogar günstiger für den Verbraucher ist.

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    heike
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    „Es hat den Anschein, dass Geld und Wachstum unsere einzige Sinnerfüllung sind“ (1).

    Über dieses Zitat von Greta Thunberg macht sich der Autor eines heutigen Rubikon-Artikels seine Gedanken.

    Meine Gedanken dazu:

    Da man in unserer Gesellschaft Geld zum Überleben benötigt und die meisten Menschen dazu einer bezahlten Beschäftigung nachgehen (müssen) und der Mensch in sich den Drang verspürt, etwas Sinnvolles zu tun, wird Geld zum Sinn, da es dem Menschen widerstrebt, etwas Sinnloses zu tun.  Bei denen, die schon etwas Geld haben, wird wirtschaftliche Expansion zum  Sinn. Manche nutzen auch ihr finanzielles Polster, um sich geistig, musikalisch, künstlerisch … zu bilden. Aber das dürfen in unserer heutigen Gesellschaft nicht zu viele sein.

    Gewollt ist, dass sich die meisten Menschen brav in das Gefüge einordnen und keine großen Schwierigkeiten dabei machen. Da das das energieeffizienteste Verhalten ist, machen das früher oder später auch die meisten.

    Was wir brauchen, ist eine Veränderung des Gefüges. Diese Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen ist schwierig, da es eine Menge gegenläufiger Interessen gibt und zudem die wahren Absichten oft verschleiert werden.

    „Ottonormalverbraucher“ würde gern seinen Beitrag zu einer sozialeren und ökologischeren (naturerhaltenderen Welt) leisten. Aber was ist mit den „Lenkern“ dieser Welt? Sie nutzen ihre Privilegien und halten sinnlose Kreisläufe am Leben, die ihnen diese sichern.

    Prinz Charles nutzt seine priviligierte Stellung seit vielen Jahren, um sich um die ökologische Landwirtschaft verdient zu machen. Das ist ein guter Ansatz.

    Diesem Ansatz sollte jetzt eine Agrarreform der EU folgen, die ökologische Landbewirtschaftung belohnt. Dafür stehen die Grünen und auch die Linken. Die AfD nicht. Und das ist eine Tatsache, auch wenn die AfDler das nicht gern in der Öffentlichkeit lesen.

    Der CO2-Ausstoß muss verringert werden. Dazu sind jetzt CO2-Steuern geplant, die die Endverbraucher belasten und zu Einsparungen anhalten sollen.

    Muss auch die Industrie mehr Steuern auf CO2 bezahlen? Was ist mit dem von Kohlekraftwerken ausgestossenen CO2? Wird das jetzt auch besteuert?

    Was ist mit Steuern für Kerosin?

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    heike
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    Wenn der Mensch seinen Sinn gefunden hat, dann ist er nicht mehr auf unnötige Konsumprodukte angewiesen. Er muss sich dann nicht mit Kleidung oder Statussymbolen einen Sinn zuschreiben oder einen Platz in der sozialen Hierarchie sichern. Dort wollen wir hin, und Greta hat das erkannt. Um so etwas zu erkennen, muss man kein Genie sein oder 10 Jahre lang Geisteswissenschaften studiert haben.

    An dieser Stelle möchte ich noch einen sehr schönen Ausschnitt aus dem Artikel „Stürme, Fluten, Geld“ von Andrea Böhm, erschienen in der Zeit vom 11. Juli, anschließen.

    „Was ist Gerechtigkeit in der Klimakrise? Blickt man auf die deutsche Debatte – und die vieler anderer westlicher Länder -, bekommt man zwei Antworten. Für die einen besteht Gerechtigkeit vor allem darin, bei Maßnahmen wie Kohleausstieg, CO2-Steuer oder Energiewende auf mögliche Verlierer zu achten: Arbeiter in der Kohleindustrie, Pendler, die ihr Auto brauchen, Anwohner, die gegen Windräder protestieren. Verfechter dieser Klima-Gerechtigkeit findet man in fast allen politischen Parteien. Ihr Motto beim Klimaschutz lautet: „Ja, aber.“ Ja, Klimaschutz ist wichtig, aber er soll sozialverträglich sein und möglichst keine Wähler verprellen.

    Für andere wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Bewegung besteht Klima-Gerechtigkeit vor allem darin, jüngeren und zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, deren Durchschnittstemperatur nicht mehr als 1,5 Grad angestiegen ist. Ihr Motto: „Es ist fünf vor zwölf.“

    Beide Antworten sind natürlich richtig. Das Problem ist, dass die größte und dramatischste Gerechtigkeitslücke kaum vorkommt: die globale. Wir wissen zwar, dass die Überhitzung der Erde eine entgrenzte Bedrohung ist, dass sie Dürren in Afrika begünstigt, das Grönlandeis schmelzen und den Meeresspiegel steigen lässt. Aber in unserem Kopfkino taucht bei diesen Meldungen eher der gefährdete Eisbär auf. Nicht Saul Luciano Lliuya. Oder Bewohner von Inseln wie Tuvalu im Pazifik, die beeits ihre Umsiedlung planen müssen.

    Die ewige Warnung des „Es ist fünf vor zwölf“ erweist sich also als Illusion. In Mosambik, dessen Küste von immer heftigeren Stürmen verwüstet wird, ist es Viertel nach zwei, in Bangladesch, dessen gigantische Flussdelta-Landschaft untergeht, ist es halb vier. Die Menschen dort fürchten nicht nur um ihre Zukunft, sie erleben gerade die Zerstörung ihrer Gegenwart durch eine Katastrophe, zu der sie selbst kaum beigetragen haben. Dem Global Carbon Atlas zufolge steht Mosambik auf der Liste der CO2-Verursacher auf Platz 104, Deutschland, das weniger Einwohner hat, auf Rang sechs.“

    …..

    „Sollte die Erderwärmung auf „nur“ 1,5 Grad begrenzt werden, wären laut Alston (Philip Alson, Sonderberichterstatter der UN für extreme Armut und Menschenrechte) rund 500 Millionen Menschen zusätzlich von Wasserknappheit bedroht, 36 Millionen von schlechteren Ernten und rund 4,5 Milliarden von Hitzewellen. Beträgt die globale Erderwärmung zwei Grad, drohen weiteren 100 bis 400 Millionen Menschen Hunger und Unterernährung sowoe ein bis zwei Milliarden chronischer Wassermangel.

    Das sind die harmloseren Szenarios. Denn die Welt steuert derzeit, wie gesagt, auf eine Erwärmung um drei bis vier Grad zu. Weil der Energiebedarf weltweit wächst – auch in ärmeren Ländern. Weil China zu einem Treibhausgas-Giganten geworden ist. Vor allem aber, weil die reichen, westlichen Industriestaaten die beschlossenen Klimaschutz-Vorgaben viel zu langsam umsetzen.“

     

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    heike
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    Noch ein paar Zahlen:

    Wenn die auf der Pariser Klimakonferenz beschlossene Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius erreicht werden soll, dann ist der Beitrag Deutschlands dazu:

    im Jahr 2020: 40 % weniger Treibhausgase als 1990 (voraussichtlich werden 32 % geschafft)

    im Jahr 2050: 55 % weniger Treibhausgase als 1990

    Um das zu erreichen ist ein Umdenken in der Bevölkerung nötig, die freiwillig sparsamer mit CO2-emittierenden Stoffen wie Benzin, Kerosin, Heizöl und –gas sowie Fleisch (als in der „Produktion“ viele Treibhausgase verursachendes Lebensmittel) umgeht oder aber durch eine CO2-Steuer dazu gedrängt wird.

    Außerdem kann man durch Zertifikate und Obergrenzen den CO2-Ausstoß in Industrie und Landwirtschaft von vornherein beschränken.

    Eine wichtige Maßnahme ist auch die Verlagerung des Gütertransportes von den Straßen wieder zurück auf die Schienen. Statt Panzer können die Rüstungsfabriken dann Gleise und Güterwagen herstellen.

     

    Die größten CO2-Sünder weltweit:

    1. USA und Kanada: 15,9 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 4,8 %)
    2. Australien und Südpazifik: 11,6 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 0,5 %)
    3. Russland: 11,5 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 1,9 %)
    4. Deutschland: 9,5 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 1,1%)
    5. Naher Osten: 7,5 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 4,4 %)
    6. China: 7,4 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 18,6 %)
    7. EU28 (ohne Deutschland): 6,2 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 5,8 %)
    8. Ehemalige Sowjetrepubliken (ohne Russland): 5,4 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 1,9 %)
    9. Rest Europa: 5,2 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 0,3 %)
    10. Lateinamerika: 3,0 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 5,8 %)
    11. Asien (ohne China und Indien): 2,9 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 17,3 %)
    12. Nordafrika: 2,2 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 3,2 %)
    13. Brasilien: 2,2 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 2,8 %)
    14. Indien: 1,9 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 17,8 %)
    15. Subsahara-Afrika: 0,7 t CO2 pro Kopf (Anteil an der Weltbevölkerung: 13,6 %)

    (entnommen der ZEIT-Graphik vom 11.07.19; Quellen: Bundesministerium für Umwelt, Weltbank)

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    Holdger Platta
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    Liebe Heike,

    Du trägst zu unseren redaktionellen Beiträgen sehr viele zusätzlich wichtige Informationen bei!

    Dankeschön!

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    Caro
    Antworten
    unbedingt sehenswerter Film über Charles´ Bio-Hof:

    http://derbauerundseinprinz.de/

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