Das unbelehrbare Land

 in FEATURED, Politik (Inland)

Das Deutschland der „Neuen Normalität“ weckt unschöne historische Erinnerungen. Am 1. April 1933, kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, inszenierten die Nazis einen Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland. Mitglieder der Sturmabteilung (SA) — oder die „Stormtroopers“, wie der Autor sie gern nennt — standen vor jüdischen Geschäften mit Plakaten in Frakturschrift herum, auf denen „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!“ stand. Der Boykott selbst war ein Desaster — die meisten Deutschen ignorierten ihn und lebten einfach weiter wie bisher —, aber das war der Beginn der offiziellen Judenverfolgung und des Totalitarismus in Nazi-Deutschland. C. J. Hopkins

 

In der vergangenen Woche hat die Regierung hier im Deutschland der „Neuen Normalität“ — selbstverständlich gibt es keine Ähnlichkeit mit dem Nazi-Regime oder irgendeinem anderen totalitären Regime — ein System der sozialen Segregation eingeführt, das jeden, der sich weigert, sich öffentlich der offiziellen Ideologie der „Neuen Normalität“ anzupassen, von der Teilnahme an der deutschen Gesellschaft ausschließt.

Von nun an darf nur noch derjenige, der einen offiziellen „Impfpass“ oder den Nachweis eines negativen PCR-Tests hat, sich hinsetzen und in Restaurants essen, in „nicht lebensnotwendigen“ Geschäften einkaufen oder in eine Bar besuchen, ein Kino oder was auch immer.

Hier ist eine Ankündigung der Website des Praters, eines beliebten Biergartens in Berlin:

Natürlich gibt es weder einen absolut berechtigten Vergleich zwischen diesen beiden Ereignissen oder zwischen Nazi-Deutschland und Deutschland der „Neuen Normalität“ noch würde ich jemals unterstellen, dass es einen gibt. Das wäre in Deutschland der „Neuen Normalität“ rechtswidrig, denn es würde als „Relativierung des Holocausts“ angesehen, ganz zu schweigen von „einer Delegitimierung des Staates, die die Sicherheit gefährdet“ oder dergleichen.

Außerdem ist es ja nicht so, dass SA-Schläger vor Geschäften und Restaurants stehen und Schilder mit der Aufschrift hochhalten: „Deutsche! Wehrt euch! Verkauft nicht an Ungeimpfte und Ungetestete!“ Nur ist es aber so, dass dies jetzt verboten ist, das heißt , irgendetwas an jene von uns zu verkaufen, die von den Medien und der Regierung systematisch als „Covid-Leugner“ stigmatisiert werden, weil wir nicht zur neuen offiziellen Ideologie konvertiert sind und uns „geimpft“ oder „getestet“ haben.

Protest gegen die neue offizielle Ideologie ist auch im Deutschland der „Neuen Normalität“ ebenfalls nicht gestattet. Okay, ich denke, ich sollte das vielleicht umformulieren. Auf keinen Fall möchte hier jemanden falsch informieren. Der Protest gegen die „Neue Normalität“ ist nicht per se verboten. Es ist durchaus erlaubt, eine Genehmigung zu beantragen, um gegen die „Covid-Restriktionen“ zu protestieren, unter der Auflage, dass jeder, der an dem Protest teilnimmt, eine medizinisch aussehende N95-Maske trägt und einen Abstand von 1,5 Metern zu jedem anderen medizinisch maskierten Demonstranten einhält … was in etwa so ist, als würde man Anti-Rassismus-Proteste erlauben, solange die Demonstranten alle Ku-Klux-Klan-Kutten tragen und eine choreografierte Karaoke von Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama aufführen.

Wer sagt denn, die Deutschen hätten keinen Sinn für Humor?

Ich will die Deutschen hier nicht gesondert hervorheben. An den Deutschen als Volk gibt es nichts, das von Natur aus totalitär oder faschistisch oder roboterhaft autoritär und hyper-konformistisch ist. Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen in dem Moment, in dem die „Neue Normalität“ im vorigen Jahr eingeführt wurde, die Hacken zusammenschlug und anfing, geistlos Befehle zu befolgen, wie sie es in Nazi-Deutschland taten, bedeutet nicht, dass alle Deutschen von Natur aus Faschisten sind.

Die meisten Amerikaner taten dasselbe. Ebenso taten das die Briten, die Australier, die Spanier, die Franzosen, die Kanadier und eine lange Liste von Weiteren. Es ist nur so, dass ich zufällig hier wohne, also habe ich hautnah miterlebt, wie Deutschland in das „Deutschland der Neuen Normalität“ verwandelt wurde, und das hat mich definitiv geprägt.

Die Leichtigkeit, mit der die deutschen Behörden die neue offizielle Ideologie umsetzten, und wie fanatisch sie von der Mehrheit der Deutschen angenommen wurde, kam als eine Art Schock. Ich hatte naiverweise geglaubt, dass die Deutschen angesichts ihrer Geschichte zu den Ersten gehören würden, die eine entstehende totalitäre Bewegung erkennen, die lehrbuchmäßig auf Goebbels’schen Big Lies, das heißt manipulierten Covid-„Fall“- und „Todes“-Statistiken, beruht, und dass sie sich massenhaft dagegen wehren oder sich zumindest einen Moment Zeit nehmen würden, um die Lügen zu hinterfragen, die ihre Führer ihnen hysterisch entgegenbrüllen.

Ich hätte mich da kaum mehr irren können.

Da stehen wir nun, mehr als ein Jahr später, und Kellner und Verkäufer „kontrollieren Papiere“, um die Einhaltung der neuen offiziellen Ideologie durchzusetzen. — Und ja, die „Neue Normalität“ ist eine offizielle Ideologie. Wenn man die Illusion einer apokalyptischen Seuche abstreift, gibt es keine andere Beschreibung dafür.

Vollkommen gesunde, medizinisch maskierte Menschen stehen auf den Straßen Schlange, um experimentell „geimpft“ zu werden. Vom Lockdown gebeutelte Geschäfte und Restaurants wurden in begehbare „PCR-Teststationen“ umgewandelt. Die Regierung debattiert über die obligatorische „Impfung“ von Kindern im Kindergarten.

Schlägertrupps verhaften Achtzigjährige, die unerlaubt auf dem Bürgersteig picknicken. Und so weiter.

Momentan sitze ich einfach hier und warte auf die Nachricht, dass Massen-„Desinfektionslager“ eingerichtet werden, um die „Ungeimpftenfrage“ zu lösen.

Ups … da haben wir es wieder, „Relativierung des Holocausts“. Ich muss wirklich damit aufhören. Die Deutschen nehmen dieses Zeugs sehr ernst, besonders mit Israel unter unerbittlichen Angriff durch die verzweifelt verarmten Menschen, die es in ein riesiges ummauertes Ghetto gesperrt hat und in Selbstverteidigung ethnisch säubert.

Aber im Ernst, es gibt keinerlei Ähnlichkeit zwischen Nazi-Deutschland und dem Deutschland der „Neuen Normalität. Sicher, beide Systeme haben die Verfassung außer Kraft ausgesetzt, den nationalen „Ausnahmezustand“ ausgerufen, der es der Regierung ermöglicht, per Dekret zu regieren, haben die Massen mit irrsinniger Propaganda überschwemmt und „wissenschaftliche Fakten“ manipuliert, Proteste verboten, abweichende Meinungen kriminalisiert, eine Vielzahl von öffentlichen Ritualen und Symbolen sowie ein System der sozialen Segregation eingeführt, um die Befolgung ihrer offiziellen Ideologien zu erzwingen, und jeden dämonisiert, der sich weigerte, sich zu fügen … aber ansonsten gibt es keine Ähnlichkeit, und jeder, der das behauptet, ist ein gefährlicher sozial abartiger Extremist, der wahrscheinlich irgendwo unter Quarantäne gestellt werden oder vielleichteine andere „Sonderbehandlung“ bekommen muss.

Außerdem sind die beiden Ideologien völlig verschieden. Die eine war eine fanatische totalitäre Ideologie, die auf einer imaginären rassischen Überlegenheit beruhte, und die andere ist eine fanatische totalitäre Ideologie, die auf einer imaginären „apokalyptischen Seuche“ beruht … also wovon zum Teufel rede ich überhaupt? Noch dazu ohne Hakenkreuze, richtig? Keine Hakenkreuze, kein Totalitarismus! Und kein Massenmord an den Juden, so weit ich weiß, und das ist doch wohl das Entscheidende!

Machen Sie sich daher keine Gedanken. Ignorieren Sie einfach all das verrückte Zeugs, das ich Ihnen gerade über „Deutschland der „Neuen Normalität“ erzählt habe. Machen Sie sich auch keine Sorgen über „New Normal“-Amerika oder „New Normal“-Großbritannien oder „New Normal“ wo auch immer.

Lassen Sie sich experimentell „impfen“. Lassen Sie Ihre Kinder experimentell „impfen“. Beweisen Sie Ihre Loyalität zum Reich … sorry, ich meinte zum globalen Kapitalismus. Ignorieren Sie die Berichte über Menschen, die sterben oder schreckliche Nebenwirkungen erleiden.

Tragen Sie Ihre Maske. Tragen Sie sie für immer. Gott weiß, was es da draußen noch für Viren gibt, die nur darauf warten, Ihre Körperflüssigkeiten zu verunreinigen und Ihnen eine grippeähnliche Krankheit zu bescheren oder Sie in der Blütezeit Ihrer siebziger oder achtziger Jahre niederzustrecken … und, Jesus, fast hätte ich „Long Covid“ vergessen. Das allein ist sicherlich genug, um eine radikale Umstrukturierung der Gesellschaft zu rechtfertigen, sodass sie einem exklusiven Krankenhaus-Themenpark ähnelt, mit paranoiden, gesichtslosen Faschisten in fantasievollen Designer-Gefahrenschutzanzügen als Angestellten.

Oh, und halten Sie Ihren „Impfpass“ in Ordnung. Man weiß nie, wann man ihn einem Beamten am Flughafen oder in einem Geschäft oder Restaurant zeigen muss oder seinem Chef oder seinem Vermieter oder der Polizei oder seiner Bank oder seinem Internetanbieter oder seinem Tinder-Date … oder einer anderen „New Normal“-Autoritätsfigur.

Ich meine, Sie wollen doch nicht für einen „Covid-Leugner“ oder einen „Impfgegner“ oder einen „Verschwörungstheoretiker“ oder eine andere Art von ideologischem Abweichler gehalten und aus der Gesellschaft verbannt werden, oder?

 

Redaktionelle Anmerkung: Diese Kolumne erschien zuerst am 25. Mai 2021 unter dem Titel „Greetings from ‚New Normal‘ Germany!“ bei Consent Factory. Sie wurde von Sabine Amann vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.

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Showing 3 comments
  • Juergen W
    Antworten
    „Bist du schon geimpft?“ Himmel, fast täglich, mehrfach, kommt dieser dämliche Spruch. Wat ´ne Zeit. Bei allen Kontroversen, die mich mit vielen, mir lieben Menschen, auch entzweit haben – den Humor habe ich noch nicht verloren. Bisher gab es noch keine Tür, die für immer geschlossen wurde und das möchte ich auch so beibehalten. Der Groll sitzt aber verdammt tief! Ich bin oft kurz vorm explodieren.

    Danke also Mr. Hopkins: alle Artikel von Ihnen taten und tun mir richtig gut!

  • ak
    Antworten
    Am Sonntag kam auf arte Beethoven. Alle Sinfonien. In europäischen Städten. In Prag habe ich keine Maken gesehen. In Bonn bei manchen Musikern. In Irland außer den Blasinstrumentisten alle mit… sobald ich einen Musiker mit Maske sah hab ich den Bildschirm abgehängt. Wenigstens zuhause will ich das nicht angucken. Und dann auch ganz ausgemacht. Eine Analyse wäre dennoch spannend. Leider wurde das Publikum nur von hinten gezeigt. Auf Abstand saßen sie wohl alle. Ob Beethoven das gefallen hätte?
  • ak
    Antworten
    https://www.youtube.com/watch?v=Qs2tdch0PI4&list=PLuFGhmKBC1q_m5e245nfF2H9lp0uyQs00&index=3

    Narrative #45 | English – James Patrick with CJ Hopkins on the Covidian Cult

    Er schreibt auf seine Maske, die er nur aufzieht, wegen der Feindseligkeiten, „Befehl ist Befehl“.

    Da ich mich nach wie vor nicht traue, ohne einkaufen zu gehen, werde ich das nachmachen.

    Dorf. Auf der Straße.  Begegnung. „und habt ihr alles gut überstanden?“. „Oh ja, kein Corona gekriegt. Und nun durchgeimpft. Alles prima“

    Seit Tagen  nage ich an dem Begriff. „durchgeimpft“. Denkblockade.

    Es ist ein Gefühl. Es erinnert mich an etwas, das mein Hirn nicht zulassen will. Ich suche nach den passenden Worten. Es liegt vor allem an dem „durch“. Ist vielleicht noch nicht mal hochdeutsch.

    Ausgemerzt. Das ist es. Jetzt beim Schreiben fällt es mir ein. Warum bloß. Das passt doch garnicht! Oder doch?

     

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