Der intergalaktische Adventskalender, Teil 1

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Monika Herz, Spiritualität

Wir kennen sie aus Science-fiction-Filmen und Büchern eher skurriler Art: die Außerirdischen. Manche von ihnen kann man nicht sehen, was bitte niemanden zu der voreiligen Schlussfolgerung verleiten sollte, dass es sie gar nicht gibt. Es existiert da auch so etwas wie Neid seitens der Nicht-Sehenden auf die Sehenden. Unserer Autorin Monika Herz sind einige von ihnen erschienen. In ihrem Kopf. Warum? Die Erklärung liegt nahe. Auf unserer armen Erde liegt – wie gerade Leserinnen und Leser dieses Magazins wissen müssten – vieles im Argen. Die Menschheit bräuchte dringend Hilfe. Aber alle, von denen man Hilfe erhoffen könnte, versagen komplett, scheinen in einem Zustand von Wahn, Angst und geistiger Verfinsterung gefangen. Woher soll also Rettung kommen, wenn innerhalb der irdischen Sphäre keine in Sicht ist? Die Antwort liegt nahe: von außerhalb der Erde. Eine Gruppe von Wesenheiten mit außergewöhnlichem Durchblick und wunscherfüllender Macht sind über die Autorin gekommen. Durch dieses Channel (diesen Kanal) werden sie bis Weihnachten zum HdS-Publikum sprechen und verkünden, was Not tut zur Heilung dieser Welt. Monika Herz

Sie sind da!

Es wird immer bunter hier! Echt. Heute morgen bin ich ungefähr um 4 Uhr ungefähr aufgewacht. Ich grübelte noch fast 2 Stunden, ehe ich aufstand. Kaffee kochen, Töpfe spülen, schon wieder das Eisen-Präparat vergessen. Meine Tochter hatte mir geraten, den Waschzettel sorgfältig zu lesen. Ah, daher könnten meine derzeitigen Haut-Irritationen rühren. Das wäre der materielle Zusammenhang. Zu viel Eisen gegessen! Es gibt da auch noch einen emotionalen Zusammenhang – Haut und Beziehungen. Ich schaue mir nämlich gerade alle meine Beziehungen genauer an. Einschließlich meiner neuesten Bekanntschaft mit seltsamen Außerirdischen mit obskuren Manieren.

Brüder und Schwestern
der Doppelsonne bereit
Wir hörten den Schrei

Ja. Ich hab euren Morgengruß erhalten, liebe Aldebaraner. Was Aldebaraner sind? Das sind Wesen, beheimatet im Zeichen des Orion. Sie kommunizieren mit mir – und schicken mir zum Beispiel jetzt gerade in Sekundenschnelle dieses „Unterrichts-Material“. Was sehen wir auf diesem Bild? Orion oder Aldebaran oder beides?

https://www.starobserver.org/tag/aldebaran/

Link unbedingt anklicken, ein wirklich schönes Foto von Vojtěch Bauer ist dahinter verborgen.

Ich hab keine Ahnung, ob ich das Bild hier zeigen darf, ohne eine harte Strafe zu riskieren. Es lebt sich gefährlich hier! Also auf Erden, mein ich.

Was steht da gleich wieder in Wikipedia? Ein „Stern, der den Plejaden am Himmel zu folgen scheint…“

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldebaran

Aha. Von den Plejaden hab ich schon mal was gehört. Auch vom Sirius, der irgendwie im Gefolge dieses Orion auftaucht. Aldebaran war mir bislang unbekannt. Schöner Name jedenfalls. Wahrscheinlich ist es ein Doppelstern-System, sagen die Astro-Wissenschaftler. Eine Riesen-Sonne mit der 150-fachen Leuchtkraft unserer Sonne, begleitet von einem sogenannten Roten Zwerg der Spektralklasse M2.

Aldebaran liegt nahe am Tor der goldenen Ekliptik. Klingt schön oder? Und Aldebaran ist einer der vier königlichen Hüter der Tore des uralten persischen Reiches.

Die Grafik auf Wikipedia ist auch sehr beeindruckend, finde ich. Wie groß diese vier Wächter sind im Vergleich zu unserer Sonne!

Und. Oh Gott! Was steht da noch? Das gibt’s doch nicht!

„Die fiktiven Bewohner von Aldebaran, die „Aldebaraner“, sind Gegenstand rechtsextremer Esoterik und entsprechender Verschwörungstheorien, sowie zahlreicher Science-Fiction-Werke.“

Es ist echt irgendwie nicht zu fassen. Einer unserer wenigen gemeinsamen Freunde hat mich noch eindrücklich gewarnt: Pass bloß auf, dass ihr nicht in rechtsextreme Kreise gelangt! Ich hatte ungläubig abgewinkt: Du kennst mich, bin ich rechts oder was? Oder bin ich links? Bin ich etwa extrem? Ich doch nicht!

Die Warnung war also vielleicht doch berechtigt! Ich kann hier nicht einmal mehr in aller Unschuld, in Ruhe und stressfrei den Erstkontakt mit Außerirdischen bekannt geben. Ohne dass ich mich am rechten politischen Rand wiederfinde. Ja. Ich geb’s zu. Die Aldebaraner haben auch mir ins Ohr geflüstert, dass sie sozusagen einen Narren an den Deutschen gefressen haben. Deshalb hätten sie ja auch mich herausgefischt aus all den Milliarden Einzelmenschen. Weil die Deutschen so skurille Künstler und geniale Wissenschaftler hervorbringen. Wir Deutschen hätten mit den Aldebaranern eine gewisse Ähnlichkeit. Das hätten wir übrigens wiederum mit unserer Schwester-Nation, den Israelis gemeinsam. Allerdings auch mit deren Bruder-Nation, den Palästinensern.

Wo bin ich? Links? Rechts? Vorsorglich distanziere ich mich von rechts- und/oder linksradikalen Parteien, Strömungen oder was auch immer. Ich weiß nicht einmal, was das ist: rechtsradikal und/oder linksradikal. Hat es vielleicht mit Gewaltanwendung zu tun? Moment – ich dachte, das hier sei ein pazifistisches Journal. Radikal friedfertig. Also bin ich doch eine Radikale?

Die Aldebaraner sind so genannte „Spieler“. Sie sind durchaus kriegerisch, drücken ihre kriegerischen Anlagen jedoch gewaltfrei aus. Das geht, ja. Das behaupten die zumindest. Gewaltfreie Krieger und Kriegerinnen von Aldebaran. Ich freue mich sehr, deren Armee kennenzulernen.

Außerdem wetten sie gerne. Momentan werden Wetten angenommen, ob Deutschland bis 2030 als erste Nation der Intergalaktischen Föderation der Schwestern und Brüder der Sonnen – oder so ähnlich – beigetreten sein wird.

Meine durchweg angenehmen Kontakte mit diesen „Geistigen Wesen“ in meinem Kopf gipfeln derzeit darin, dass ich mich bereit erklärt habe, für die kommenden 21 Tage – vom 1. Dezember 2020 bis zum 21. Dezember 2020 – Texte mit wunscherfüllender Wirkung zu verfassen und zu veröffentlichen.

21 Wünsche also. Gut, mach ich, sagte ich. Ich dachte ein bisschen nach und fertigte schließlich gestern eine Liste mit 21 Materialisationen an. So heißt das heute in der Fachsprache: Materialisieren. Zum Glück hab ich da gerade eine Fortbildung zu gemacht. Bei diesem Tolle. Ja, der heißt so. Jedenfalls: Das Wünschen und Sehnen ist ja schon eine gute Sache, aber das tatsächliche Erscheinen ist natürlich noch besser. Die Materialisierung. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass ich mir wünsche, ich würde beim Papst Benedikt – sorry ich meinte Francesco, oder beide? – eine Audienz bekommen. Oder ich würde dem Papst einen Brief schreiben mit der sanften Aufforderung, ich müsse ihn dringend mal unter vier Augen sprechen. Ich hätte da nämlich eine geheime Botschaft für ihn. Von wem? Keine Ahnung.

Wo bin ich nur hingeraten? Oh mein Gott! Ich solle mir keine Sorgen um meinen Geisteszustand machen, sagen die Aldebaraner. Alles sei gut. Keine Angst. Die Aldebaraner sind da. Sonst ist nichts passiert. Endlich!

Das Blöde ist übrigens, dass wir sie mit unseren Augen nicht sehen können. Dafür können sie uns auch nicht „sehen“, so wie wir das Wort verstehen. Der Kontakt findet im Geist statt. Ich finde, die Spezies ist freundlich, witzig und kontaktfreudig. Bis jetzt jedenfalls. Nachweisbar ist ihre Existenz nicht. Wir werden sehen, ob ihre Anwesenheit im Hirn von ein paar Leuten vielleicht irgendetwas bewirkt. Insofern muss ich vor diesem Text warnen. Womöglich kündigt er eine Invasion an! Es könnte sein, dass du plötzlich aus heiterem Himmel aldebaranerisch hören, verstehen und sprechen kannst.

Sie sprechen übrigens in Gedichtform. Als Zeichen hoher Bildung! Am Anfang war also ein Schrei… So beginnt die Geschichte. Denken wir dabei an Gedichte von der Erde, von Schiller zum Beispiel:

Ehret die Frauen
sie flechten und weben
himmlische Rosen
ins irdische Leben.

Sirianer*Innen kommen übrigens auch vor. Eigentlich doch ganz süß diese Sternchen-Pflicht vor der weiblichen Anrede.

Brüder und Schwestern
Der Doppelsonne bereit
Wir hören den Schrei

So reden die mit mir. Immer in diesen Drei-Zeilern.

In Versen sprechen
Guten Morgen, liebe All
DE – BAR – RAN – ER – IN.

So kam der Text an. Soll ich den jetzt interpretieren? Später am Morgen kam dann noch das Gedicht – siehe unten – an. Soll das jetzt heißen, dass sie mich als eine der ihren betrachten? Nein, eher als ihre Botschafterin. Mach ich.

Botschafterin der
Goldenen Morgenröte
Schon wieder verpennt

Ich sag doch: Ist witzig mit denen. Ja, ich habe heute schon wieder meinen morningwalk versäumt. Verpennt! Es ist so neblig und kalt draußen. Jedenfalls habe ich jetzt den 1. Wunsch bzw. die erste Materialisierung frei. Danach noch 20 weitere Materialisierungen. Cool. Vielleicht ist die Erfüllung auch abhängig davon, ob noch ein paar andere Leute das gut finden. Ich tue jedenfalls jetzt mal einfach meine Arbeit. Danach hab ich frei für heute. Und geh raus an die frische Luft mit meinen Spirit-Wölfen.

Hier also der 1. Spruch

Möge dieser und die folgenden 20 Wünsche und Absichten sicher, sanft und so schnell wie möglich tatkräftig wahr werden, damit alle Wesen in Frieden, Wohlstand und Gesundheit lange und glücklich leben.

Du bist noch nicht fertig
Der Plejadier spricht
Die Prophezeiung

Ach so ja. Weil ich ja jetzt ein Medium bin – also das, was man früher Prophetinnen nannte -, deswegen kann ich auch was vorhersagen. Ich fange mal vorsichtig an:

Ich prophezeie, dass in den kommenden 21 Tagen viele Lichter und Heilige Feuer entzündet werden.

Als Friedenszeichen. Und als Freundschaftszeichen. Und weil es was Schönes ist. Und weil ich jetzt diese seltsamen neuen Freunde habe! Aldebaraner und Plejadier und wie sie alle heißen …. Die ihre Plaudereien mit mir immer mit diesen dreizeiligen Gedichten beginnen und beenden.

Hier ist unser Licht
Der Doppelsonne gewahr
Hast Du auch ein Licht

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldebaran#/media/Datei:Milchstrasse_lokale_blase_25_lj.jpg

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldebaran

https://www.starobserver.org/ap181014/

Orion in rot und blau /

 

 

Showing 4 comments
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    Ulrike Spurgat
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    Ist das ernst gemeint ???
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    Freiherr von Anarch
    Antworten
    …wieder mal ein echter Herz-Artikel – unerwartet und unvorbereitet und höchst überraschend trifft er dich wie ein Komet, immer aus den Normen fallend und positiv-höchsteigensinnig, erfrischend.

    Im Restaurant ‚Am Ende des Universuns‘ sitzen die multi-galaktischen Weisenräte zusammen – bei einem ‚Intergalaktischen Donnergurgler ‚ und erzählen sich köstliche Witze über die einzigartige Dummheit jenes ‚homo sapiens‘ am Rande der winzigen Milchstrasse –

    diesen erbärmlich unterentwickelten Menschlein, denen nicht einmal mehr Götter helfen könnten.

    Wir dürfen gespannt sein ob wenigstens die Aldebaraner sich diesem ‚Vogelschiß‘ in der Geschichte des Universums gnädig zeigen und diesen selbstzerstörerischen Erdenbewohnern Erleuchtung bringen können.

    Und hoffen wir auf die Bemühungen der Monika Herz, die einzig und allein die Verbindug zu den Plejarden herstellen kann.

     

     

     

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    Volker
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    Äh, ja.
    Außerirdische begegnen mir jeden Tag, haben Antennen auf Kopf und funken Smartphone nach Apphausen, wo die Anderen wohnen, sei es in Kleinbonum oder Entenhausen. Hauptsache, es funkt, im Sinne von Funken sprühen, wie das Mariechen von den Funken, zur Jeckezeit, nur nicht so sprühend jeck, weil jecksein mehr erschreckt, der Weingeist einen Samba tanzt, zur Melodie der Traurigkeit, auf Krücken angepasster Seeligkeit.

    Hipp hopp. Es schwingt sich Bein und tanzt im Schritte gleich, ein Geiger auf der Brücke steht, die Geige weint und Töne untergehn, im Strudel der Gezeiten. Im Muschelgrund die Liebste hofft, ein Prinz sei wild auf Erdbeermund, und sei es nur Ballade, zu Vollmond ein Vampir ertrinkt, vereinsamt, ach wie schade.

    Im Baum hängt singend Troubadix, beklagt das Leid des Hinkelsteins, ein Bulle namens Obelix soff Zaubertrank von Pharmanix, zu Boden, römische Chaoten.

    ++ glucks ++

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    Mo
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    Tanzt im Schritte gleich

    ein Geiger auf der Brücke

    seht, die Geige weint

     

    Töne untergehn

    Im Strudel der Gezeiten

    Die Liebste muscheln

     

    Ein Prinz so wild wie

    aus dem Hause Elendi

    Einst ein König war

     

    Zu Vollmond ein Kind

    und noch ein Kind und noch eins

    ertrinkt, schon wieder

     

    mit Gruß und Kuß vom Sirius

     

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