Der intergalaktische Adventskalender, Teil 6

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Monika Herz, Spiritualität

Wahre Größe. Der Mensch hält sich selbst für den Allergrößten. Physisch ist er es definitiv nicht. Da kämen der Elefant und der Blauwal vor ihm. Aber ist er nicht zumindest das intelligenteste Wesen im Universum? Naja… Ich will ja hier nicht unhöflich wirken. Also erstens schaffen wir es als Kollektiv nicht einmal, auf unserem offenbar unaufhaltsamen Pfad in die Selbstzerstörung umzukehren – und zweitens: wenn ihr euch für besonders intelligent haltet, müsstet ihr zum Vergleich mal die Aldebaraner und Plejadier kennenlernen, außerirdische Spezies, die unserer Autorin Monika Herz wohl vertraut sind. Daran gemessen ist die Erde wohl nur ein „kleines Licht“. Wahrscheinlich sind die mal bei uns eingeschwebt – nicht in Ufos natürlich, wie es das Klischee will, sondern in ihren feinstofflichen Körpern – und haben nach Hause gemeldet: „Wir konnten auf der Erde kein intelligentes Leben entdecken“. Zu einigen Ausnahmeerscheinungen jedoch sprechen diese Außerirdischen. Sie achten dabei vor allem darauf, ob jemand Herz hat. Was heißt eigentlich „Größe“? Ist nicht vor allem derjenige groß, der nicht auf anderen Wesen herumtrampelt, nur weil sie kleiner sind? Monika Herz

Geist im Menschenkleid
Die wahre Größe ist klein
Kristallines Licht

Begonnen hat das mit diesem Stimmen-Hören bei mir ja, nachdem ich von einer freundlichen Dame aus dem internet eine so genannte Transmission der Aldebaranern zum Thema „Wahre Größe“ bekommen hatte. Zuvor versuchte ich noch herauszufinden, was das eigentlich ist, eine „Transmission“, konnte aber aus den Erklärungen nicht recht schlau werden. Die „Übertragung einer Information“ ist es in der Physik. Die Aldebaraner bedienen sich jedoch einer anderen Technik als wir hier auf der Erde. Deren Technik ist noch feinstofflicher als unsere mit all den bits and bytes. Ich wusste nur, die Transmission zum Thema „wahre Größe“ sollte von Aldebaranern, die ich bis dahin nicht kannte, irgendwie in meinen Geist übertragen werden. Eine ziemlich riskante Sache, finde ich.

Während der Übertragung lag ich dann so rum und es kamen mir Gedankenwie dieser: Die wahre Größe ist sehr klein. Ein winziger Virus bringt ein planetarisches System ins Wanken! Die Erde ist größer als ich. Die Sonne ist größer als die Erde. Aldebaran ist größer als die Sonne. Rigel ist noch größer als Aldebaran. Die Galaxie ist jedenfalls größer als Rigel. Die Milchstraße ist eine Ansammlung vieler Galaxien, wir wissen nicht wie viele. Ziemlich Viele. Und ja, wahre Größe habe auch irgendetwas mit Bescheidenheit zu tun.

Dann bin ich wohl eingeschlafen.

In meiner Welt ist Albert Einstein ein Prototyp für wahre Geistesgröße gewesen, auch Kurt Gödel. Irgendetwas haben die Aldebaraner auch über die beiden gesagt, glaub ich, ich bin leider nicht mehr sicher.

Jedenfalls, wenn ich heute weiter darüber nachdenke, dann kommt mir ein ganz schräger Gedanke. Aldebaran ist ja sehr viel größer als die Sonne. Wenn ich diese Grafik hier anschaue, dann kann ich das sehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aldebaran#/media/Datei:1e10m_comparison_Rigel,_Aldebaran,_and_smaller_-_antialiased_no_transparency.png

Aldebaran ist der rote Riese ganz rechts und unsere Sonne ist wirklich sehr klein dagegen, ihr Durchmesser passt ca. 45 mal in Aldebaran rein. Wenn nun die Körpergröße der Aldebaraner mit der Größe der Heimatsonne korrespondiert – was nicht gesichert ist – und die Aldebaraner 45 mal so groß wären, wie wir… dann wäre so ein Aldebaraner etwa 80 m hoch. Oder? Ich würde ziemlich erschrecken, wenn mir so ein großes Wesen erscheinen würde. Ich wäre dann im Verhältnis zu einem Aldebaraner etwa so groß wie eine Ameise oder vielleicht auch ein bisschen größer – wie ein Igel vielleicht?

Zufällig spielt mir jetzt, seitdem ich hier an diesem Schreibprojekt arbeite, ständig diese Künstliche Intelligenz, die irgendwo in Form von Algorythmen im Computer herumhockt, neue Idee zu.

Zum Beispiel diese Geschichte hier. Es war einmal ein Geiger mit dem schönen Namen Joshua Bell. Er spielte bereits mit 14 Jahren im Philadelphia Orchestra, und nach seinem Debüt in der Carnegie-Hall 1983 ist er mit fast allen bedeutenden Orchestern und Dirigenten aufgetreten. Er spielt auf einer berühmten, millionenschweren echten Stradivari aus dem Jahr 1713. Mit anderen Worten: Der Mann ist nach Ansicht der Fachwelt eine „wahre Größe“, ein Genie.

Joshua Bell beteiligte sich am 12. Januar 2007 an einem Experiment der Washington Post. Er stellte sich in gewöhnlicher Straßenkleidung mit einem Kappi auf dem Kopf und seiner Stradivari in der Hand anonym an die U-Bahn-Haltestelle L’Enfant Plaza in Washington, D.C. und spielte ungefähr eine Dreiviertelstunde lang Werke von weiteren wahren Größen wie Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und anderen.

Wie es sich für ein Experiment gehört, wurde im Hintergrund dokumentiert, gefilmt und gezählt.
Die Idee hinter dem Experiment war die Frage nach der wahren Größe.

Wahre Größe, also Genius, so dachte man, spricht für sich selbst. Wenn jemand sooo gut ist, werden die Leute das schon merken. Dacht man. Aber sie merkten nichts. Überhaupt nichts. Es wurden 1007 Passanten gezählt, die an Joshua vorbeigingen. Sieben blieben stehen und hörten eine Weile zu. Kinder, die zuhören wollten, wurden von den Eltern zum Weitergehen gedrängt. Nur eine Person hat ihn erkannt. Immerhin. In seinem Geigenkasten lagen 32,17 Dollar. Am Tag zuvor hatte der billigste Platz im Konzertsaal 100 Dollar gekostet. Der Journalist, der die Geschichte erzählte, erhielt 2008 den Pulitzer-Preis. Das war’s.

Meine persönliche Meinung ist: Wir Menschen merken überhaupt nichts. Obwohl wir „wahre Größe“ eigentlich heraushören könnten – mit unseren eigenen physikalischen Ohren hören wir nichts. Geschweige denn mediale Eingebungen. Das heißt, wir könnten es schon, aber wir bräuchten Muße dazu. Muße und Freiheit.

Das sind zwei Worte und zwei Werte, die gar nicht hoch genug gehängt werden können.

Ach, diese Gedankensprünge weit vom Thema weg und wieder zurück immerzu!

Gedankensprünge
Weit weg und wieder zurück
Und immer mit Herz

Die Sirianer*innen meinen gerade, ich solle zurückkehren zu den Manifestationen. Gestern am Tag der Menschenrechte stand in meinem Adventskalender:

Mögen die Herzen der Menschen sich zeigen.

Heute heißt es:

Möge die wahre Größe aller Wesen sich offenbaren.

Hm. Ob das hilfreich war für die Rettung der Arten? Weil um die geht’s ja eigentlich. Kann sich die wahre Größe auch in Ameisen oder Bienen zeigen? Und was hat das mit dir und mit mir zu tun? Keine Ahnung. Ich hoffe, der Zusammenhang wird bis zum 21.12.2020 noch klarer. Momentan hängen die Teile so zusammenhanglos herum. Wie ein Puzzle irgendwie.

Hoffentlich sind die Aldebaraner nicht wirklich so groß wie wir im Verhältnis zu einer Ameise. Wenn das so wäre, dann kann man nur hoffen, dass sie achtsam sind und aufpassen, wo sie hintappen. Und dass sie es gut mit uns meinen. Trotz alledem.

Hier beende ich abrupt meinen Text. Ich weiß nicht weiter.

Eine Prophezeiung fehlt noch. Ich hab gerade keine parat. Was ist nochmal genau der Unterschied zwischen einer Prophezeiung, einem Wunsch und einer Materialisation?

Vielleicht wär das ein Thema für den nächsten Beitrag, in dem es um soziale Gerechtigkeit gehen wird.

Einen wunderschönen Tag wünsch ich Euch allen.

Comments
  • Volker
    Antworten

    Was ist nochmal genau der Unterschied zwischen einer Prophezeiung, einem Wunsch und einer Materialisation?

    Prophezeiungen sind Durchblicksmomente irgendwelcher Propheten, die uns einen kleinen Blick auf zukünftige Ereignisse gestatten, um nicht dumm im hier und jetzt herumzuhängen, faul und träge vergangener Tage nachhängend, alles ist scheiße smartphonen, anstatt sich des Kaffeesatzlesens zu widmen – um Zukunft begreifbar erleben, hautnah und zum Anfassen.
    Vorsicht aber, kann harter Stoff sein, Horrortrip mit Weltuntergangsstimmung!

    Wünsche? Sind lästige Eitelkeiten, erfüllen sich, erfüllen sich nicht, und am Ende eines verwunschenen Daseins steht die nackte Erkenntnis, dass, wenn möglich besser, alles ebenso beschissen wäre. Man könnte ebenso einen Frosch küssen und abwarten, oder Lotto spielen.

    Unter Materialisation versteht man den Wunsch eigener Auflösung ohne kosmische Beschränkungen durch Zeit, Raum und sonstige Hinternisse, um schnellstmöglich die Fliege zu machen, also ein Hin- und Herspringen zwischen Welten, sollte es brenzlig werden.
    Beispiel: Harter Lockdown droht. Spring ein paar Level zurück, such dir passende Nische im Schöpfungsgemäuer, befreie dich von der Last betonschwerer Bürde.
    Vorsicht aber! Selbst Engel fallen im Übermut durch Zeiträume in galaktische Abgründe, verwirrt durch Sommer/Winterzeit und Desinfektionswolken.

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