Der kleine Rassist in uns

 in FEATURED, Umwelt/Natur

Jenseits der Artengrenze geht unser Gewissen in die Knie. „Unwertes Leben“? Das sind die Kategorien von Nazis. Wir Demokraten, linke zumal, kennen solche Diskriminierungen nicht. Es sei denn… Naja, es heißt ja „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Des Menschen. Dann können wir die der Tiere ja getrost – brutal und millionenfach – verletzen. Bobby Langer

Ach ja, möchte man seufzen, diese Rassisten. Und dann auf „die“ mit dem Finger zeigen. Und auf unser Grundgesetz verweisen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das solle man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da steht nicht: Die Würde des Deutschen ist unantastbar. Oder: Die Würde des deutschen Christen ist unantastbar. Eingeschlossen sind tatsächlich auch Muslime. Und Homosexuelle, weil das ja auch Menschen sind. Auch Frauen übrigens, Flüchtlinge und Gefangene. Sogar die Würde des Mörders oder Kindsmissbrauchers ist unantastbar. Wer hat sich sowas nur ausgedacht?

Aber wenn dem so ist, wo nehme ich dann mein Selbstbewusstsein her? Sind die Deutschen denn nichts Besonderes? Sind wir tatsächlich nur Deutsche, weil der blinde Zufall uns einer deutschen Mutter in den Schoß gelegt hat? Und was wir geleistet haben! Wir zählen zu den fünf reichsten Nationen der Welt. Das muss man sich mal vorstellen. WIR Deutschen haben das geschafft. Wir haben in die Hände gespuckt und aufgebaut. Arbeiten könnten die anderen doch auch, statt zu uns zu kommen und die Hände aufzuhalten.

Ach ja, jetzt fehlt nur noch der letzte Satz: Dass es offenkundige genetische Unterschiede gibt und „der Neger eben faul ist“. Zu uns passt der nicht; er soll mal dahin zurückgehen, wo er hingehört. Spätestens jetzt erhielte der rassistische Gedankengang seinen krönenden Abschluss.

Selbst wenn Du, lieber Leser, liebe Leserin, vor solchen Argumenten erschrickst, wenn es also keine versteckten Schubladen in Dir gibt, wo solch geistiger Unrat herumliegt – kennst Du nicht manchen Zeitgenossen, der so sprechen würde, wenn er nur dürfte? Dabei ist der klassische Rassismus nur die Spitze eines Eisbergs. Unter der Wasseroberfläche verbirgt sich die unterschiedliche Wertigkeit von Leben. Wieviel Frauen kaufen sich konventionelle Kosmetik, die mit grausamen Tierversuchen verknüpft ist. Und wie steht es eigentlich mit der Schlachtung von Tierkindern? Warum läuft uns bei einem Ferkel am Grill das Wasser im Mund zusammen, statt dass sich unser Herz schmerzhaft zusammenzieht? Warum endet unser Mitgefühl – sofern vorhanden – an der Artengrenze? Warum darf man Affen töten, Menschen aber nicht? Ein Grund ist glasklar: Die willkürlich gesteckte Artengrenze erlaubt uns guten Gewissens jede Grausamkeit auf der anderen Seite der Grenze. Erlaubt uns, für einen kleinen Gaumenschmaus millionenfaches tierisches Leid billigend in Kauf zu nehmen.

Spätestens an dieser Stelle geht unser Gewissen in die Knie und der kleine Rassist in uns bekommt mächtig Aufwind.

Showing 2 comments
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    Volker
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    Ne ne. Wer Fleischsalat futtert, ist kein Rassist, Rassismus hat nix mit Bratwurst zu tun. Gelle.

    Sollte ein Ferkel am Grill stehen, dann der Griller mit Schürze und Bulle Bier in der Hand, Männerwitze von sich gebend.

    Manche Leute grillen Gemüse aus fernen Ländern oder Tofu. Das arme Grünzeug. Und, wenn der Wanderarbeiter aus Afrika gerecht bezahlt- und nicht ausgebeutet werden möchte, meckern diese Leute, weil der Grillspass teurer wird. Dann meckert auch der Biolladenbesitzer, weil seine Kundschaft weniger grillt. Wer ist schuld daran? Klar, der böse Wanderarbeiter, seine Familie und überhaupt.

    Wobei der Bioladenbesitzer selbst darüber meckert, wenn die ansässige Tafel nachfragt, ob er  Brot vom Vortag für Bedürftige abgeben möchte. Ne, der Kapitalist in Grün entsorgt es als Abfall, weil es nix zu verdienen gibt, Armut sollte lieber seinen Umsatz steigern oder hungern. Und nebenbei würde Frau Porschefahrerin die Nase rümpfen, sollte ein Hartzer ihr über den Weg laufen, im Bioladen, wo alles so säuberlich grün erscheint … brrrr.

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    Alfred Matejka
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    Das Bezahlen für das systematische Quälen und Töten von empfindungsfähigen Wesen zeigt den tiefsten Punkt an Würdelosigkeit,den ein Konsument erreichen kann.Ein sogenannter Linker ist kein Linker,wenn er oder sie gegen Massentierhaltung Reden hält,aber sich gleichzeitig ein Mettbrötchen in den Mund schiebt.Dann noch sagt,das ist Bio-Fleisch.Auch Schweine,die Bio Nahrung bekommen,werden brutal aus dem Leben getötet.Nur wer sich vegan ernährt trägt persönlich dazu bei,die Auswirkungen auf Klima und Umwelt,auf Tier-und Menschenrechte zu änder.

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