Der Schatz der Eulenfeder

 in Kurzgeschichte/Satire, Politik (Inland)
Ein Mann und seine Gitarre - eine echte Liebesbeziehung

Ein Mann und seine Gitarre – eine echte Liebesbeziehung

Dieser Abschiedsbrief Eulenfeders an alle ist im Kern ernst gemeint. Der HdS-Stammautor, die Kommentatorenlegende Eulenfeder ist akut von Wohnungsräumung bedroht. Der Grund ist, wie so oft: Es wird mehr Geld von ihm gefordert als er zahlen kann – was immer dem Zahlungspflichtigen angelastet wird, nie den überhöhten Forderungen. Wo es danach hingeht, ist ungewiss. Vielleicht in eine kleine, eilfertig zugewiesene Sozialwohnung. Diesbezüglich hat da Amt für Wohnen und Migration ihm Käfighaltung verordnet. 10 qm stehen ihm laut höchstamtlicher Verlautbarung zu. Emotional allerdings beschäftigt Eulenfeder derzeit vor allem etwas ganz anderes: die anstehende Trennung von seiner großen Liebe. Wie die heißt, lesen Sie in seinem berührenden literarischen „Blues“.

nein – keine bisher verschollene ausgabe von karl may. auch nicht dem schatz des priamos gleichzusetzen oder der nibelungen. eulenfeders wertvollster schatz ist seine selbstgebaute gitarre. ein meisterstück der handwerkskunst: seine widerspenstige gertrude. sie ist weiblich, ja, und will demnach meist nicht so wie er will, und dennoch die Liebe seines lebens. eben weil sie immer eine herausforderung ist – die stete verlockung, sie zu bezähmen, ihr das möglichste an blauen tönen zu entlocken. ihre schönheit und die verbundenheit im langsamen und zur unzertrennlichkeit führenden kennenlernen. ein schatz also, der nicht aufzuwiegen wäre mit gold oder anderem scheinbar wertvollem besitz.

dieses mein juwel ist gesichert, also kann sie ruhig kommen, die räumung, die vertreibung der eulenfeder aus ihrem bau. und wenn nicht radikal zwangsgeräumt, dann wird mein schatz auch in jenen 10 quadratmetern platz haben, die das amt für wohnen und migration „unter berücksichtigung der persönlichen und sozialen notwendigkeiten“ als ausreichenden wohnraum festlegt. aber es könnte gut sein, dass eulenfeder sich auch derartiger zwangsbehausung widersetzt und sich im wald niederlässt. eine zelle im knast hat schon mehr raum als staatlich verordneter „wohnraum.“ und warum soll ein freigeist sich in ein loch des ozialen wohnungsbaus einsperren lassen.

also sehe ich dieser räumung nun zuversichtlich entgegen. meine geliebte wird man mir nicht nehmen können, wir werden uns wieder vereinen, irgendwo… eine temporäre trennung kann unsere liebe nicht erschüttern, im gegenteil. heftig wird das wiedersehen sein, aufzuholen wieder sein, was vorher an zusammenspiel schon erreicht. und sind es nicht die niederungen des lebens, die dem blues immer wieder nahrung geben?

weniger glücklich werdet ihr – liebe mitstreiter für das menschenrecht – sein, wenn ihr hier auf hds ohne meine unersetzlichen und literarisch hochwertigen beiträge und kommentare auskommen müsst – aber sogar ich bin trotz allem zu ersetzen. ich bitte also darum euch nicht wie die lemminge aus verzweiflung vom felsen zu stürzen 😉 und vielleicht komme ich ja wieder – eines tages. das sollte ich jedenfalls, denn ohne mich wird keine revolution gelingen.

in diesem sinne – eure eulenfeder

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