Die Macht des Einzelnen

 in FEATURED, Politik, Spiritualität

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„Ein Einzelner kann nichts tun, das System muss sich ändern“ seufzen wir, nicken einander mit Kassandrablick vielwissend zu, erheben uns dabei für einen Moment sogar ein bisschen aus unseren Sesseln, ehe wir darin apathisch wieder zurücksinken. Woraufhin das System einen Teufel tut sich zu ändern. Liegt es vielleicht nur an der Organisiertheit von „uns Einzelnen“, ob wir mit unseren Anliegen Erfolg haben? Wolf Schneider, www.connection.de

Es ist schon so oft gesagt worden: Die politisch Rechten seien einfach besser organisiert als wir Linken, obwohl sie doch in der Minderzahl sind – noch sind sie das. Der Einzelne ist jedoch ein Partikel des Ganzen, Rechts und Links sind Teile desselben Systems. Kann ein mächtiger erwachender oder von den Umständen extrem begünstigter Einzelner überhaupt je zum Katalysator einer Revolution, zum Führer einer Massenbewegung werden? Im Guten wie im Schlechten scheint das gelegentlich der Fall zu sein. Was genau muss dafür die persönliche Eignung dieser einzelnen Person sein, und wie sehr müssen die historischen Umstände dazu passen?

Erwachen?

Die Ich-Identität ist offenbar eine aus Erzählungen gebastelte Fiktion. Sie ist aus Wir-Identitäten gebaut, aus den Gefühlen von Zugehörigkeit der Einzelnen – jeder einzelnen von uns. Aus Erzählungen von „uns«“ speist sich unser Ich und ‚errechnet‘ sich so seine Einzigartigkeit, seine USP, sein Profil und hofft, dass es ein bisschen Bestand hat und erkennbar ist. Diese Abhängigkeit des Ich von den es konstituierenden Erzählungen und systemischen Zugehörigkeiten zu durchschauen, befreit aus der Anfälligkeit für Manipulationen, sagen die Weisen und sprechen dann von Moksha, Erwachen, Souveränität oder Freiheit – manchmal auch vom Charisma, das solch ein Mensch habe (weil sie dafür ein Resonanzkörper sind, sage ich). Das wäre dann allerdings nicht ein Erwachen zu etwas, sowas wäre doch nur eine neue Besessenheit davon. Echtes Erwachen ist ein Erwachen von etwas, eine Befreiung. Genauer: eine Befreiung von allem, wofür ich mich halte.

Und hier noch etwas für die Couch-Kartoffeln unter uns, die glauben, es sei egal, was sie tun – geschrieben von dem Historiker und Aktivisten Rutger Bregman (Jg. 88!; er hat in Davos viel Mut bewiesen; hoffentlich hören wir noch viel von ihm).

Helden und Heldinnen

Muss man ein bisschen autistisch sein, um in der Infoflut des heutigen Internetzeitalters zur Heldin zu werden? Greta Thunberg selbst vermutet das, in dem Dokumentarfilm „am Greta“. Ja, sie ist eine Heldin, und ein bisschen mehr Autismus oder wenigstens Fokussiertheit in dem, worauf es ankommt, wünscht man sich nach dem Ansehen dieses Films auch von anderen.

Die Verführer von heute werden anders auftreten als die von gestern. Sie werden von Liebe und Herz sprechen und von „alternativen Medien“, die angeblich besser informieren als der Mainstream der zwar ‚gebildeten‘ Profi-Journalisten, die jedoch in hohem Maß der Herde folgen. So ähnlich tönt z.B. die Webseite von Rakuna Schön. Sie ist klug und gebildet, sie informiert sich täglich aus vielen verschiedenen Quellen, und sie ist sogar humorvoll. Dennoch gruselt mich beim Zusehen: Es ist an der Zeit alle Wunden zu heilen. Oder ich lache und wende mich dann ab, weil ich ein so hohes Maß an Weltrettungskitsch, durchmischt von fröhlicher Gewaltbereitschaft kaum ertragen kann.

War das vor 80, 85 oder 90 Jahren anders, als die deutsche Jugend so hoffnungsvoll in die neue Zeit aufbrach?

Nach einem schlecht besuchten Start in einigen Kinos lief der Dokumentarfilm I am Greta am 16.11. in der ARD und ist dort nun in der Mediathek zu sehen. Was auch immer Nörgler über Gretas PR und die Unterstützung ihrer Botschaft durch ihre Eltern sagen mögen: Für mich ist sie eine Heldin, deren unbeirrte Fixiertheit auf das Ziel einer realen Klimawende inmitten all des politischen Geschwätzes ich bewundere.

Comments
  • Gokh
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    Ich frage mich immer wieder, was das Besondere an Greta sein sollte, wenn man es jetzt mal rein moralisch oder vom eigenen persönlichen Engagement her betrachtet.
    Noch kurz bevor Greta, die doch eigentlich wenig selbstlose Protestform des stillen Schildes hochhalten gewählt hat, werden in Südamerika oder Ostasien junge UmweltschützerInnen beinahe in 4 Wochen-Rhythmus für ihr Engagement für den Erhalt der Lebensräume ihrer Ahnen getötet.
    Ereignisse, die nicht etwas verschwiegen werden, sondern die es zumindest auf die hinteren Seiten einigen Zeitungen schaffen.
    Doch die Empörung und das Interesse der Menschen ist gleich Null.

    Scheint das vielleicht etwas mit der Herkunft der Menschen zu tun zu haben?
    Also indigene ostasiatische oder südamerikanische Menschen interessieren ohnehin die weiße Jugend in Westen nicht.
    Aber selbst das kann nicht ganz stimmen. Schon immer setzten sich Jugendlichen für Tierrechte, Umweltschutz oder gegen bestimmte Energieformen ein.
    Sie ketteten sich an Fabriktoren, betonierten sich unter Gleisen ein oder bauten Baumhäuser.
    Alles Jugendliche, die nicht nur Aktivität zeigten, sondern hier Handeln auch sehr eindrucksvoll begründen konnten.
    Dabei hatte sie meiner Meinung nach oft auch ein viel umfassenderen Blick auf die Welt als unsere Greta.
    Was ist der Unterschied? Diese Leute haben nicht interessiert. Sie waren nicht konform genug oder eben nicht so außergewöhnlich, dass sie sich gut vermarkten ließen. Vielleicht hätten oder haben sie aber auch jeden Vereinnahmung von vornherein abgelehnt.

    Jetzt erlangt also ein junges Mädchen allein durch das Hochhalten einer schlichten Botschaft diese mediale Präsenz und dahinter sollen keine finanziellen Interessen von bestimmten Kreisen gehören?
    Wie kann man so etwas wirklich glauben? Gerade in einer Zeit in der die Aufnahmespanne der Menschen kleiner als die eines Goldfische ist?
    Wahrscheinlicher ist da doch, dass hier von Anfang an bestimmte Kreise in diesem Bild das Potential für eine Lawine gesehen haben.
    Einflussreiche Kreise sind selten Menschen, denen es nur um die Umwelt geht, sondern das sind Menschen, die mit einer bestimmten Idee Millionen machen.
    So gelangt dieses Bild innerhalb kürzester Zeit in den wichtigsten Medien der Welt, wird von schon bestehenden Organisationen vermarktet und aus dem nichts entstehen Jugend-Bewegung auf der ganzen weißen Welt.
    Ist es da nicht schon eher eine Verschwörungstheorie, wenn man da an Spontanität oder Zufall denkt?

    Aber weiter geht es, diese Person, diese Bewegung, die ja irgendwen für diesen Zustand verantwortlich macht, wird von den reichsten und mächtigsten Männern und Frauen der Welt hofiert.
    Sie ist Ehrengast beim WEF, also dem Gremium, welches für diese ungerechte und zerstörende Welt verantwortlich ist, wird da zum Pin-Up-Girl für fast jedes Staatsoberhaupt, welches geil darauf ist sich mit ihr ablichten lassen zu dürfen.

    Mehr noch, sie wird mit Preisen überschüttet. Die Leute die diese Preise verteilen, sind wieder die gleichen, die diese Welt an den Abgrund geführt haben.
    Wird einer dieser Preise abgelehnt? So wie es wohl jede wirklich aufrichtige AktivistIn tun würde, die auch niemals gemeinsam mit VerantwortungsträgerInnen posieren würde?

    Was sagt Greta denn, was irgendwie neu ist? Was sagt die Jugendbewegung, was revolutionär wäre?
    Sie stützen sich auf WissenschaftlerInnen, weil sie selber wenig Ahnung von ökologischen Zusammenhängen haben.
    Sie fangen auch nicht bei sich an, ihre Fußabdrücke zu reduzieren, so wie es vielleicht die früheren – so verrufenen – Ökos gemacht haben. Die, im übertragenden Sinne, selbst ein Teebeutel bei der Entsorgung noch aufgetrennt oder aber Teebeutel gar nicht erst genutzt haben.

    Ah, Fliegen wird als das größte Übel der Menschheit ausgemacht. Eine Sache die ich unterstreichen könnte, habe ich bislang, aus ökologischer Überzeugung, auch nur einen Not-Rückflug in den jüngeren Jahren meines Lebens hinter mir gebracht.
    Anderseits in einer Welt, die immer internationaler wird, eine Welt wo man seine Familien und Freunde verlassen muss, um Einfluss in der Welt zu gewinnen, scheint es sehr aussichtslos sich gegen eine immer schnellere Mobilität zu wenden.
    Aber es scheint eigentlich auch nicht um den Pro Kopf Verbrauch zu gehen. Die medienwirksame Reise mit einem Segelschiff mag ein Statement sein, auch ohne die Flüge der Skipper wäre sie was den Pro-Kopf-Fussabdruck angeht, wenn man die nötige Ausrüstung und Verpflegung mitrechnet, deutlich höher ausgefallen als der Flug alleine.

    Es scheint, dass hier Leute dabei sind, die ihr Handwerk verstehen, die PR können.
    Das erinnert an Greenpeace die mit ihren Kampagnen sehr erfolgreich waren. Sicherlich waren da einige wirklich tolle Aktionen dabei, aber da leistet man sich auch PR-Aktionen mit den Forschungsschiffen Beluga 1 und 2 in die kleinsten Innenhäfen der Regionen, nicht um Proben zu sammeln, sondern als reine PR-Aktion. Niemand fragt nach den CO2-Abdruck dieser Aktionen und niemand fragt nach den Nutzen.
    Ah doch, der Nutzen wird in dem Gewinn neuer FördererInnen bemessen. Ein Tatsache die viele Greenpeace-AktivistInnen zu so großer Kritik veranlasst hat, das sie dieser Organisation den Rücken gekehrt haben.

    Wie auch immer, eine Greta darf das alles. Sie gilt als neu und revolutionär, da darf sie sich auch alter etablierter Mittel bedienen.

    Aber wie ist es dann mit der Botschaft?
    Wird da irgendwie der Faktor angegriffen, welche für die größten Umweltverschmutzungen der Welt verantwortlich ist, der Faktor mit den größten CO2-Abdruck, das Militär? Wird der Klassenkampf propagiert, wird der Kapitalismus an sich angegriffen? Nein, man weiß ja wen man seine Popularität zu verdanken hat.
    Da sucht man sich doch lieber ein beliebtes Opfer wie z.B. Donald Trump, als ob er allein die Schuld trägt und präsentiert sich dabei gleichzeitig mit dem Präsidenten unter dessen Führung, die USA die größte konventionelle Energieförderung betrieben hat, Obama. Weiß man das nicht oder will man das nicht wissen?

    Man ist aber nicht nur beim World Economic Forum anwesend, sondern posiert zusammen mit einflussreichen Größen von Microsoft und Rockefeller Foundation für einen PR-Filmchen für einen neuen grünen Deal.
    Dabei ist man auch an der Seite eines David Attenborough, der schon längst die Überbevölkerung als Problem ausgemacht hat.
    Durch die Tatsache, dass die Bevölkerung in Ostasien und Afrika wächst, nicht aber im Westen, ist das natürlich ein klare rassistische Botschaft. Durch die weitere Tatsache, das die Bevölkerung die da wächst sich heute durch einen zigfach geringen CO2-Fussabdruck auszeichnet als der Westen, wird selbst die dadurch vermittelte Botschaft ad absurdum geführt und das rassistische „White supremacists“ unterstrichen.

    Das Problem mit Greta ist, dass wirklich einige aufrichtige NaturschützerInnen große Hoffnung in ihr setzen, damit sie auf bestimmte Probleme aufmerksam macht. Für sie kommt sie Messias gleich.
    Dazu reihen sich die jungen Leute, die auf Endzeitstimmung drängen, mit welchen sie schnelle Veränderungen fordern, aber nicht auf wesentliche Annehmlichkeiten verzichten wollen.
    Es muss also die Energieform sein, die bestimmend ist.
    Dabei weisen andere UmweltschützerInnen, die sich seit Jahrzehnten mit diesem Problem beschäftigen darauf hin, dass es kein CO2-Problem ist. Das CO2 nur eine Größe ist, mit welcher sich Umweltzerstörung, Biotop-Vernichtung und Raubbau an der Natur bemessen lassen.
    Es ist eine Farce, dass gerade die Leute, welche sich ihr Leben lang für den Umweltschutz eingesetzt haben, welche die Zerstörung nicht nur wissenschaftlich nachgewiesen haben, sondern selber Verzicht geübt und propagiert haben, heute als GegnerInnen von Greta ausgemacht werden.

    Während sich die Freunde eines „Green New Deals“, die allesamt in der Wirtschaft zu Hause sind, heute als große Heilsbringer aufspielen dürfen.
    Da ist z.B. auch ein Klaus Schwab, der sich nur positiv über Greta äußert und der in seinen früheren Schriften genau solche InfluencerInnen herbeigesehnt hat, um seine Idee von einen „Great Reset“ durchzuführen.

    Und jetzt, in der Zeit der Pandemie, in der andere Themen in den Mittelpunkt rücken, kommt ein Film daher, der nicht etwas in erste Linie diese kapitalistische Weltordnung anprangert, sondern schlicht „I am Greta“.
    Wenn bitte interessiert wirklich wer sie ist, wenn es um Umweltschutz geht?
    Welcher AktivistIn früherer Jahre, die immer Teil einer demokratischen Gruppe gewesen ist, hätte es mit sich machen lassen, ihre Person zum Titel eines Filmes zu machen? Erinnert eher ein „Mein Kampf“, rein vom Titel und nicht vom Inhalt, aber nicht an frühere revolutionäre Bewegungen.
    In der heutigen Zeit, wo jeder mit Selfies glänzen möchte, scheint aber genau das gefragt zu sein.
    Eine Zeit wie diese braucht HeldInnen. Nicht denken, sondern einfach den FührerInnen folgen.

    Und hinter alle dem stehen Personen, die sich jetzt gerade vor lachen nicht mehr einkriegen.
    Da wird uns eine Greta als Trojanisches Pferd quasi als Geschenk überreicht, aber selbst jetzt wo die feindlichen Truppen aus dem Pferd gesprungen sind und die Stadt eingenommen haben, haben die Leute diesen Machtwechsel noch gar nicht mitbekommen und können sich vor Begeisterung gar nicht mehr halten.
    Dabei werden still und heimlich die letzte noch nicht vermarktete Bereiche unsere Erde assimiliert. Die Natur für den „Green New Deal“ monetisiert.

    Und dann auch noch ein solcher oberflächiger Beitrag hier. Das lässt wirklich wenig hoffen.

    No deal for nature!

    Anhang:

    Empfehlenswerter Recherche über  The Manufacturing of Greta Thunberg in bislang 12 Akten.

     

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