Die Musikindustrie und das Echo des Imperiums

 In Kultur, Prinz Chaos II.

Nicht nur gezielt gute Filme anzuschauen, sondern sich durchs „normale“ Programm zu zappen, gleicht heutzutage einer Geisterbahnfahrt. Prinz Chaos II. hat sich die jüngste „Echo-Verleihung“ angeschaut und sichtete einige Untote. Sichtlich traumatisiert, stellt er uns seine Eindrücke zur Verfügung.

Ich habe gestern bei einem Kumpel diese Echo-Verleihung angesehen und muss sagen: Hut ab!

Was diese imperiale Musikindustrie da für einen schrecklichen Unsinn veranstaltet, diese völlig hohle Gigantomanie missglückter Bühnenshows, diese nicht zu überbietende Abgeschmacktheit eines entlang der kommerziellen Strategien von Universal & Co. durchgefakten Schaulaufens lebloser Superstarimitatoren – das alles war in seiner kaputten Verlogenheit durchaus beeindruckend zu sehen.

Dann kriegt AC/DC irgendwo via Satellit einen “Publikumsecho” von Thomas Gottschalk überreicht, weil offensichtlich jemand eine fette Deutschlandtour mit denen vorhat. Gottschalk sagt sehr richtig, er sei ja nur “der Botenjunge” (Delivery Boy) und sehr falsch, der Preis sei ja “vom deutschen Publikum”. Aber bestimmt haben irgendwelche paar Tausend Deppen irgendwo angerufen, denn Daten müssen ja schließlich auch eingesammelt werden bei so einer Gelegenheit. Man kriegt dann gratis AC/DC-Tourwerbung auf seine Facebookseite.

Udo Lindenberg macht den deutschesten aller deutschen Wiedervereinigungshelden und lässt sich in einem Käfig (der an die Ketzerkäfige von Münster erinnert) am Brandenburger Tor zur Quadriga hochziehen – der ewige Scheinrebell hat sich endgültig einfangen lassen. Ein augenscheinlich leicht alkoholisierter Detlef Buck faselt was von Lampedusa. Gewagt, gewagt…

Till Brönner erinnert sich bei der tränenreichen Ehrung für Nana Mouskuri, wie er der Griechin einmal “ein paar Töne aus seiner Trompete spendiert” hat. Rundherum turnen Jörg Pilawa, Maybritt Illner, Monty Nachnamevergessen und die ganzen anderen lebenden Leichen eines kaputten TV-Betriebs durch die Gegend. Irgendwo dazwischen macht sich Herbert Grönemeyer endgültig zur Witzfigur. Ein HipHopp-Arschloch singt davon, wie geil es ist, im Dienst einer höheren Sache zu verrecken. Und alle haben irgendwie Hörner auf, es riecht nach Schwefel und ich muss dem alten Vespasian überhaupt widersprechen: Geld stinkt nicht nur – es hört sich auch noch verdammt beschissen an.

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