Dies ist es, wofür wir alle gekommen sind…

 in FEATURED, Friedenspolitik, Poesie

Bernhard Trautvetter knüpft in seinem Gedicht an Wolfgang Borcherts „Sag nein“ an – ein Werk, das bekanntlich auch schon Konstantin Wecker inspiriert hatte. Natürlich ist auch eine Zeile von John Lennon unschwer erkennbar. Das Gedicht zeigt, wie viele Menschen auf ihrem Platz Verantwortung für den Frieden tragen. Wir alle sollten diese Verantwortung nutzen.

Du, einfacher Mensch wie wir alle
Wenn sie Dich auffordern, ihnen Dein Vertrauen zu schenken
Sie schützen Dich mit dem nuklearen Schirm
Gegen das Reich des Bösen im dunklen Osten
Du sollst Dein Kreuz bei ihnen markieren
ehe Deine Entscheidung in die Urne kommt
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du Abgeordneter des Volkes
Wenn sie Dir Dein Votum für den nuklearen Schirm
zur Sicherheit der Zivilisation des Abendlandes
abverlangen,
Du sollst noch einmal die vielfache Summe an Steuergeldern
Freigeben für den perfekten Massenmord
Zur Verteidigung der Werte des Westens
Punktgenau wie ein chirurgisches Skalpell
Kontrollierbarer einzusetzen als damals in Hiroshima
wo es viel zu viele Tote gab
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du Militär in der Strategieschmiede
Wenn sie Dir den Auftrag erteilen,
Du sollst einen Plan verfassen,
welche Städte zuerst dran sind und wie wir den Gegenschlag
ab wehren, wie die Bevölkerung ruhig zu halten ist
und die Politik willig, das alles schweigend hinzunehmen
mit einem klammheimlichen Ja bei der Bewilligung
der Mittel, die bei der Daseinsvorsorge fehlen werden
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du, Mann an den Atomknöpfen,
am sauberen Schreibtisch mit modernsten Programmen,
wenn sie dir den letzten Befehl geben,
du sollst jetzt doch den Befehl eingeben
für die unendliche Gerechtigkeit,
die nicht mehr endende Freiheit allüberall
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du, Frau am Monitor,
wenn sie dir den neuen Befehl geben,
du sollst Werbefeldzüge erfinden
für eine noch breitere Begeisterung
für den automatisierten Vernichtungskrieg
künstliche Intelligenz kann das besser,
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du Demonstrant und Du Demonstrantin
Vor dem Kasernentor hinter dem
Kampffähige Flugroboter
Autonome Systeme
Mit Gesichtserkennung für die weichen Ziele
Auf Einsatz warten
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du, Mutter oder Vater
vom Frieden im Leben auch auf Erden träumender Kinder,
wenn sie dich auffordern, du sollst sie ermutigen,
wer den Frieden will, bereitet den Krieg vor,
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!
Du, Junge oder Mädchen,
Kind deiner Eltern,
wenn Du das neue Online-Spiel Defender 2121
und die Sucht nach dem finalen Sieg im 7. Leben
entdeckst, Deine Punkte sammelst für den sauberen Tod,
Level two Adventure nine,
dann gibt es für uns alle nur eins –
give peace a chance!

Du, Mensch, Träumer in einer Welt so vieler Albträume,
Wesen mit Hoffnung auf den Menschen im Menschen
das fruchtbare Leben
das lebt um Leben zu gebären
im Garten Erde –
give peace a chance!
Denn was geschieht geht Dich an
Sei gegenüber den Herren und Damen über Leben und Tod unbequem,
mit Balsam und dem Heilmittel, das auch jetzt noch helfen kann
der Ehrfurcht vor dem Leben
der Liebe, die umfassend ist und grenzenlos
sie gibt niemals auf
Denn wir sind gekommen,
um genau das zu tun –
give peace a chance!

Bernhard Trautvetter für Günter Eich, Wolfgang Borchert und John Lennon

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    Walter Schlächter
    Antworten
    „Die anhaltende, verbreitete Menschenverachtung, das rücksichtslose Ausbeuten aller Recourcen, Kriege, Folter, Gewalt in jeder nur denkbaren abartigen Form haben ihre Wurzeln unter Anderem in dem was den Menschen über Jahrhunderte als „Christliche Pflicht“ verkauft wurde – auch von sogenannt „christlichen Parteien“. Die Uniformkoppeln der Soldaten mit der Aufschrift „Gott mit uns“ vagabundieren heute noch auf Flohmärkten herum.
    Vor einiger Zeit hab ich in einem Kommentar mal die Frage aufgeworfen, ob den Kindern der Mitarbeiter von Heckler & Koch (u.a.), von denen sicher auch viele Kirchenmitglieder sind, klar gemacht wurde, dass ihr Frühstück mit dem Blut von Kindern in anderen Gegenden bezahlt wurde.
    Komme mir also bitte niemand mit der Frage, warum sich eine „christliche“ Partei wie verhält.
    Es ist eine Beleidigung des Christus“

    (Walter Schlächter)

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