Dieter Glotz: Von Diktatur keine Spur

 in FEATURED, Poesie
Nach der Veröffentlichung des Artikels „Die zweite Artikelwelle“, in dem wir dazu aufforderten, uns Texte einzusenden, erhielten wir von einem Leser diese prägnanten Kurzgedichte. Zur Deutung muss wohl nicht viel gesagt werden. Nicht nur die Diktatur, die beleidigt tut, wenn sie als solche bezeichnet wird, bekommt ihr Fett ab – auch linke Ex-Idealisten, die spät ihre Liebe zu diesem Staat entdeckt haben.

1.
maskenlos, ungetestet, ungeimpft
kerngesund – Gott sei Dank
warum werde ICH beschimpft
IHR seid doch geisteskrank
2.
wo sind die alten und kritischen Linken
sie sind geworden zu Kohorten
von Status-quo-Konsorten
weil Staat und Kapital mit Geldern winken
haben sie ihr Heil in Staatstreue gefunden
Ideale und Utopien sind ihnen entschwunden
3.
Diktatur? – von Diktatur keine Spur!
im Herbst kommt die nächste Rosskur
auch sie dient unserer Gesundheit nur
die tumbe Mehrheit bleibt voll auf Spur
bereit für jede neue Dressur
Dieter Glotz
Showing 3 comments
  • Freiherr
    Antworten
    Wunderbar – Herr Glotz !

    “ von Diktatur können wir erst sprechen wenn wir eine haben.. “ –

    sagen die Deutschen denen ein völlig übergriffiger Staat alles aufdiktiert, schon sehr lange und nun auch noch entrechtet und verfolgt, verprügelt und mit der Spritze nach dem Leben trachtet, Kinder psychisch und physisch schädigt, sich selbst dazu ermächtigt und mit brutaler Systematik gnadenlos durchzieht an 83 Millionen die man in Sippenhaft genommen hat.

    “ Naja – ist nicht alles so in Ordnung momentan, aber von Diktatur kann man da noch nicht sprechen… “ – “ schließlich leben wir hier in der BRD „.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Cetzer
    Antworten

    „Ideale und Utopien sind ihnen entschwunden“

    Bei vielen möchte ich bezweifeln, dass sie jemals welche hatten. Manche hatten immer nur eine Karriere a la NATO-Joschka oder Mercedes-Kretschmann im Sinn.

    „die tumbe Mehrheit bleibt voll auf Spur“

    Ja, es ist ein Trauerspiel. Pragmatisch gesehen sind Bezeichnungen wie „tumb“, „Schlafschaf“…  allerdings wenig geeignet um in den Dialog mit Wackelkandidaten (bezogen auf die „Spur“) zu kommen. Ich habe an der Stelle oft Schwierigkeiten, meine Zunge im Zaum zu halten.

    • Dieter Glotz
      Antworten
      Cetzer

      zu Punkt 1:

      Ich habe dabei nicht an die „durch die Institutionen-Maschierer“ gedacht. Sie ändern das System nie, das System ändert sie.

      zu Punkt 2:

      Da stimme ich der Kritik zu, „träge“ Mehrheit wäre wohl etwas weniger beleidigend gewesen. Doch nach vielen Gesprächen und Gesprächsversuchen frage ich mich, ob es überhaupt noch eine nennenswerte Anzahl von „Wackelkanditaten“ bei dieser Spaltung der Gesellschaft gibt.

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