Ein Notruf, der wohl unvermeidlich ist

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

240. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Nein, das ist dieses Mal kein Bericht wie gewohnt! Ausnahmsweise soll bei diesem Bericht ausschließlich von der Situation bei unserer GriechInnenhilfe selber die Rede sein, nicht von der Situation in Griechenland – im allgemeinen oder im besonderen, egal, ob auf Lesbos oder in Athen, ob in Kyparissi oder auf Andros. Der Grund: wir vom HelferInnenteam stehen mehr und mehr vor einem Problem – vor einem Problem, das immer bedrohlicher wird und die Weiterexistenz unserer GriechInnenhilfe in Frage stellen könnte. Mit großer Dringlichkeit bitte ich Euch also: lest diesen Bericht! Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

leider: die Krise bei unserer GriechInnenhilfe verschärft sich. Zwar spendeten 3 UnterstützerInnen in der Vorwoche 170,- Euro für die notleidenden Menschen in Griechenland. Aber in den sieben Tagen davor hatte es keinerlei Spenden für unsere Hilfsaktion gegeben, und während der letzten Woche war das erneut der Fall. Schon wieder also eine Woche ohne Spendenergebnis für uns.

Zwar „lagern“ damit auf unserem Konto für die GriechInnenhilfe weiterhin knapp 1.300,- Euro – präziser gesagt: 1.264,49 Euro. Aber: schon einige Male während der letzten Monate hatten wir längst nicht alle Menschen mit der Fortsetzung unserer Geldspenden unterstützen können, und zwar Betroffene, die ganz überwiegend schon seit langem zu den Notleidenden zählen, denen wir zumindest beim Überstehen ihrer Lebenskrise bis in dieses Jahr hinein helfen konnten. Die Fehlbeträge, um die es dabei im Unterschied zu früher ging, lagen oft bei 2.000,- Euro und mehr. Und die genannten 1.264,49 Euro stellen kaum mehr als den Reservebetrag von 1.000,- Euro dar, den wir für besonders gravierende und überraschende Notfälle stets auf unserem Hilfskonto vorrätig halten wollen. Sie liegen also, diese 1.264,49 Euro, gerademal mit 264,49 Euro über diesem Gefahrenbetrag. Und über Wege, neue Spendenquellen erschließen zu können, verfügen wir nicht.

Ich gebe zu: ein wenig überrascht uns diese Negativ-Entwicklung schon, und sie stimmt uns auch in zunehmendem Maße ratlos.

Zwar trifft zu, dass uns, die Aktiven bei HdS, diese zweieinhalb Monate „Publikationsverbot“ zum Thema Corona und Maßnahmen gegen Corona einen Besucherschwund von fast zwei Dritteln aller vorherigen Leserinnen und Leser unserer Website beschert hatten – von rund 88.000 HdS-Besuchen im Monat März einen Absturz auf nur noch rund 28.500 HdS-Besuchen in den fünf Wochen von Mitte Juli bis Mitte August. Aber inzwischen durften wir aufgrund der Wiedereröffnung einer freien Berichterstattung auf HdS wieder einen Anstieg auf fast 80.000 Besuche pro Monat verzeichnen.

Irgendwie, so könnte man also formulieren, „fremdeln“ viele neue (oder wiedergewonnene) HdS-LeserInnen mit unserer GriechInnenhilfe noch. Was also tun?

Selbstverständlich – manche HdS-Leser und HdS-Leserinnen wissen das auch – stelle ich immer wieder auch die Qualität meiner Berichte und Spendenappelle in Frage. Aber ist das die Erklärung? Alle LeserInnen, die sich mir gegenüber bisher dazu geäußert haben, bezweifeln dies. Viele von ihnen auch mit großem Nachdruck. Was ist dann aber der Grund?

Natürlich, auch wir verkennen nicht die Situation, vor der – durch die Maßnahmen gegen Corona bestimmt – manche unserer LeserInnen stehen (viele von ihnen ohnehin nicht ausgestattet mit üppigen Einnahmen, von einer abgesicherten materiellen Situation ganz zu schweigen!). Dennoch gibt der deutliche Niedergang unserer Spendenaktion Rätsel auf, und niemand unter uns – oder von außen – hat uns bisher einen plausiblen Grund für diese bedrohliche Entwicklung nennen können, von realisierbaren Rettungswegen ganz abgesehen. Ich kann also nur – ich bin da ganz ehrlich – meine oder unsere Ratlosigkeit weitergeben an Euch.

Ob es sinnvoll ist, erstmalig in kategorialer Benennung, die Notursachen für die verzweifelte Situation unserer Hilfsbedürftigen weiterzuvermitteln an Euch? Ich versuche es einmal. Hier also – in pointierter Auflistung – die Hauptgründe, weswegen wieder und wieder die meisten der von uns betreuten Griechinnen und Griechen buchstäblich vor dem Nichts stehen.

Da sind zum einen Arbeitslosigkeit und ein total versagendes Sozialhilfesystem zu nennen, die immer wieder erneut Griechinnen und Griechen vor dem totalen Aus stehen lassen. Buchstäblich kämpfen deswegen viele Menschen in Griechenland immer wieder gegen das Verhungern an – und wir versuchen dem, erfolgreich, entgegenzuwirken durch den Erwerb von Lebensmittelbons für sie. By the way: vorrangig bei einer Discounterkette in Griechenland, die für den Erwerb solcher Bons einen Preisnachlass beim Einkauf von Lebensmitteln gewährt.

Bei anderen Griechinnen und Griechen steht die Unbezahlbarkeit von Strom- und Wasserrechnungen im Vordergrund. Auch da haben wir bislang bei allen, oft in letzter Minute (zugegeben!), eingreifen können und die Menschen vor dem Schicksal bewahrt, zukünftig ohne Wasser und/oder Strom in ihren Haushalten leben zu müssen.

Eine weitere Elendsursache ist in der Tatsache zu suchen, dass Neurentner und Neurentnerinnen in Griechenland oft viele Monate lang auf die Erstauszahlung ihrer wohlverdienten Rentenraten warten müssen. Wie oft haben wir auch diesen Skandal während der letzten Quartale schon ansprechen müssen!

Und schließlich weise ich nochmal auf den grausamen und brutalen Umstand hin, dass bei vielen – oft dauerhaft – erkrankten Menschen das griechische Gesundheitssystem völlig versagt. Ob es um Laura, das kleine Mädchen aus Syrien, geht, die wegen einer Tretmine, die unter ihrem Körper explodierte, beide Beine verlor und – wegen ihres Wachstums – alljährlich neue Prothesen in der Kostenhöhe (bisher!) von 4.000,- Euro benötigt, oder um Andreas, den kleinen Jungen, der wegen einer umfassenden Lebensmittelallergie permanent auf eine teure Spezialdiät angewiesen ist: in keinem dieser Fälle leistet das griechische Krankenkassensystem den Betroffenen Beistand. Wir waren es – dank Eurer Hilfe –, die bislang diesen Menschen zu helfen vermochten. Und jetzt nicht mehr wissen, ob wir diese Hilfe noch lange werden fortsetzen können.

Woraus Ihr entnehmen möget: wenn ich von einer Krise bei unserer GriechInnenhilfe spreche, dann spreche ich damit von dieser Vielzahl von Krisen, die auf alle diese Menschen zuzukommen droht. Ich weiß: „Geldmangel“, das klingt reichlich abstrakt. Aber diese Nöte, alle diese Nöte, sind vor allem eines: furchtbar konkret!

Muss ich erwähnen, dass wir vom Aktionsteam stets bemüht waren – und ich versichere Euch: mit großem Verantwortungsbewußtsein und mit einschränkungsloser Konsequenz, was unser Handeln betrifft! –, diesen Menschen in ihren konkreten Nöten auch konkret Beistand zu leisten? Ich glaube: wohl nicht. Denn eigentlich zeigt die jetzt über fünfjährige Geschichte unserer Hilfsaktion deutlich: Euer Vertrauen war da – und ich sage Euch: zu Recht! Aber nunmehr, ungeachtet dieser Tatsache, spitzt sich die Finanzsituation bei unserer Menschenhilfe immer stärker und erbarmungsloser zu.

Ich bitte daher um Verständnis, dass ich heute ausnahmsweise einmal nicht über die Situation in Griechenland gesprochen habe, sondern ausschließlich einmal über uns, über unser Hilfsprojekt! Und ich bitte um Verständnis, dass sich in meinen Spendenappell dieses Mal auch aufs wahrnehmbarste – ich weiß! – Verzweiflung mischt.

Bitte helft uns aus dieser drohenden Krise heraus! Ihr helft damit vielen, vielen Menschen in Griechenland, denen wir bis jetzt immer wieder zu helfen vermochten und denen wir auch weiterhin helfen wollen!

Und damit heute mein besonders intensiver Spendenaufruf:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Mit herzlichen Grüßen und allen meinen guten Wünschen
Euer Holdger Platta

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    Volker
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    Lieber Holdger,
    ich spekuliere mal über einen möglichen Grund:
    Die Griechenlandhilfe backt eher kleine Brötchen, steht im Prinzip stets am Limit dessen, was als finanzielle Hilfe zu Verfügung steht, für ein paar Wenige – leider. Wobei die Denkweise, was bringt das schon, ein kleiner Verein, sicherlich eine endscheidende Rolle spielt dabei.
    Außerdem wird den Menschen das Geld knapp, gerade jetzt, wo eh keiner weiß, was ihn erwartet, und wer sich eh schon finanziell engagiert, kann’s auch nicht doppelt oder dreifach – Reiche fühlen sich wohl kaum angesprochen.

    Habe mich schon öfters gefragt, wie lange es noch gut geht, bis Euch die finanzielle Luft ausgeht, was ich sehr bedauern würde. Wenn ich könnte, wie ich wollte …

    Vieleicht nützt ja mein kleiner Apell an HdS-Leser*innen, die Griechenlandhilfe nicht mit – in Anführungszeichen Großunternehmen  – Campact & Co. zu vergleichen, denen ich schon länger misstraue, ihre teilweise aggressiven Spendenaufrufe ablehne, mir nicht darüber im Klaren bin, welche Ziele sie verfolgen, abseits aller Beteuerungen.

    Holdger Plattas wöchentliche Berichte über die Griechenlandhilfe sind nachvollziehbar transparent, Spender werden darüber informiert, wem und aus welchen Gründen geholfen werden kann, wenn auch in eingeschränkt-begrenzten Rahmen nur, aber aus mitmenschlicher Überzeugung heraus..

    Eine Überlegung wäre es sicherlich wert. ´

     

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      A.K.
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      Ja stimmt, Volker, es sind eher kleine Brötchen, keine die das große Ganze verändern , doch für einige das Ganze bedeuten. Mich macht es zornig, dass die Regierung Griechenlands Milliarden für Aufrüstung ausgibt(gegen Kredite), und die angebliche Demokratie eine faschistoide menschenfeindliche Regierung an die Macht bringt, Millionen einsackt, und dann Geflüchtete mit Pfefferspray daran hindert sich zu retten. Frontex die zuschaut wie Boote zurückgedrängt werden….

      Das neue Lager dass in Schlamm versinkt.. ich weiß oft nicht, ob ich mich künstlich errrege über Corona Politik, oder ob es nicht wahrhaftig wichtigeres gäbe, als zu überlegen, ob ich nun die Welle mache über eine wie auch immer geartete Maske, die ich mir aus welchen Gründen auch immer aufs Maul setze.

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    Piranha
    Antworten
    Ja, es ist schmerzlich zu erleben, dass diese so überaus wertvolle Hilfe schon länger nicht mehr in dem Umfang wie bisher geleistet wird/werden kann.

    In dieser Zeit haben viele Menschen Angst, Leser und Leserinnen bei HdS nicht weniger, als anderswo und dort, wo Angst vorherrscht, wird die eigene Welt kleiner, beengter. (1)

    Und: Angst ist ein mächtiger Manipulator. Aber nur solange, wie ich selbst es zulasse.

    Dennoch verständlich, dass die meisten Menschen Angst haben vor schwerer Krankheit und dem Sterben. Und so sehen wir heute mehr als 10.000 Tote auf dem RKI-Dashbord. Was den meisten Menschen dabei nicht präsent zu sein scheint ist, dass jede Woche in der BRD zwischen 17.000 und 20.000 Menschen sterben. Wären dies alles Covid-Tote, hätten wir bis zur 42. KW zwischen 714- und 840.000 Tote auf dem Dashbord stehen. Wovor fürchten wir uns also? Davor, dass wir endlich sind? (Anderes Thema, siehe Artikel von Wilfried Nelles)

    Viele der HdS-Beiträge sollen zur Versachlichung beitragen und beleuchten verschiedene Aspekte dieser Plandemie, wie man auch heute wieder so gut sehen kann.

    Zurück zur Griechenhilfe: „in dieser Zeit hält man sein Geld zusammen“, hörte ich heute. Keiner weiß, was kommt. Wird das Bargeld abgeschafft, ist man dem „Geldadel“ völlig ausgeliefert. Kommt eine gar nicht so unwahrscheinliche Inflation bei nicht steigenden Einkünften, werden Abertausende arme Leute noch ärmer. Wovon sollen sie leben? Von den demütigenden Tafeln?

    Vielleicht aber – so die Hoffnung – wagt der eine oder die andere einen Blick in den Geldbeutel. Auch wenige Euro helfen in der Summe, versichert uns Holdger Woche für Woche. Vor mir kann ich frohe Griechen sehen, die von uns allen betreut werden, von jedem einzelnen Spender, aber auch allen, die mit hilfreichen Worten die Aktionen unterstützen.(2)

    Lieber Volker, was Campact betrifft, geb ich Dir recht, hab mich schon vor Monaten dort abgemeldet aus den gleichen Gründen.

     

    (1)Der Begriff Angst kommt von „angus“ – Enge, Bedrängnis, was beispielsweise bei „angina pectoris“, der Herz-, bzw. Brustenge, aber auch bei der „Angina“ – Hals- und Mandelentzündung, bezeichnend ist.

    (2) Eine kleine Anmerkung über mich: ich habe mein Spendenbudget 2020 fast ausgereizt; es gibt noch weitere Menschen, denen ich mich verbunden fühle, und/aber es kommt  noch Weihnachten.

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