„Eine Million gegen Rechts“

 In DER BESONDERE HINWEIS

Heinz Ratz

100 Benefizkonzerte in 100 deutschen Städten spielt Musiker Heinz Ratz – so am Mittwoch auch in Freiburg. Warum Popmusik eine gesellschaftliche Haltung einnehmen sollte, erzählt er im Interview. (Quelle: Badische Zeitung)
http://www.badische-zeitung.de/liedermacher-heinz-ratz-ueber-sein-benefizprojekt-eine-million-gegen-rechts

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    Zwei kritische Anmerkungen zu dem oben verlinkten Interview:

    Erste Anmerkung zu (Zitat): BZ: Die hiesige Popmusik wird generell immer wieder als zu unpolitisch kritisiert. Empfinden Sie das auch so?
    Ratz: Ja, wobei ich mir das auch ganz gut erklären kann. Wer ist politisch? Politisch ist in der Regel der Mensch, der selbst Unrecht oder Not erlebt hat. Das ist bei einem erfolgreichen Popkünstler, der sein Fünf-Sterne-Leben lebt, natürlich nicht der Fall. Zudem war es natürlich lange verpönt. Der politische Sänger und Liedermacher war über Jahre eine lächerliche Figur. Das kann man natürlich nicht von heute auf morgen ändern. Aber es wäre schön, wenn den Künstlern bewusst würde, dass sie in dem Moment, in dem sie ein Publikum haben, auch die Möglichkeit haben, für die Menschen mitzusprechen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. Und das ist eigentlich eine wunderschöne Sache.“

    Die fettgedruckt hervorgehobene Definition vom politischen Menschen oben erscheint mir sehr unzureichend, denn meiner Überzeugung nach handelt jeder Mensch zu jeder Zeit – stets auch politisch; die meisten Menschen sind sich dessen jedoch leider – noch immer nicht bewußt!

    Politik wird von den meisten Menschen nur auf der großen (lokalpolitischen) und der ganz großen (nationalpolitischen oder weltpolitischen) Bühne verortet, weil ein Großteil des Publikums fälschlicherweise gelernt hat, nur diese mehr oder weniger bewußt in Szene gesetzten und daher auch so stark ins Auge fallenden Großereignisse als politische Handlungen zu verstehen.

    „Kleinen Leuten“ hingegen, deren politisches Interesse oft erst dann erwacht, wenn sie selbst zu Opfern der „großen Politik“ werden, wird dann von der Vielzahl der angeblich „gar nicht polischen Menschen“ bis heute dann oft auch bald schon entweder mit Achselzucken und Häme bis hin zu Mißtrauen und Feindseligkeit begegnet (neben der ohnehin noch vorhandenen Gruppen- & Autoritätshörigkeit oft auch aus Angst, daß „die dadurch womöglich entstehenden politischen Veränderungen am Ende nur noch zu weiteren Verschlechterungen führen“).

    Nichtahnend bilden somit gerade die „politisch nicht Interessierten“ zusammen mit der immer wieder nur unzureichend informierten „Mitte der Gesellschaft“ nur allzu oft jenes „Zünglein an der Waage“, das insgesamt dafür sorgt, daß die für viele eigentlich längst unbefriedigenden Lebensbedingungen auch noch weiter ihre Gültigkeit behalten! – Eine Vielzahl von Werbestrategen und anderweitigen Spindoktoren sorgen daher heute mit immer raffinierteren Mitteln dafür, daß das ansonsten von ihnen verachtete (und auch immer wieder betrogene) „Zünglein an der Waage“ dem bisherigen Verlauf immer wieder auf’s Neue zustimmt.

    In Wahrheit aber handeln wir alle Tag für Tag bei allen möglichen Gelegenheiten politisch, indem wir uns z. B. dafür entscheiden, jemand Anderem gegenüber freundlich, offen und fair zu handeln oder ihm eher verschlossen, gleichgültig bzw. gar feindselig und unfair gegenüberzutreten. All unser Handeln (auch unserer sonstigen Umwelt gegenüber) hat-  ebenso wie die oft praktizierte Gleichgültigkeit – mehr oder weniger ausgeprägte Folgen, die uns (wenngleich oft auch mit langer Verzögerung) – letztlich alle betreffen. Jeder von uns wirkt somit im Alltag immer wieder auf’s Neue an der politischen Gestaltung unserer Lebensgemeinschaft mit, sowohl in seiner Heimatgemeinde, in seinem derzeitigen Heimatland, wie auch auf der gesamten Welt. Der Beitrag des Einzelnen hierzu mag zwar oft äußerst gering sein, da sich aber viele Kleinbeiträge insgesamt immer wieder zu einem großen bis sehr großen und damit womöglich auch ausschlaggebenen Beitrag aufsummieren, sollten wir uns eigentlich alle immer wieder bewußt sein und genau überlegen, was wir gerade tun.

    (Warum hat wohl der noch immer so weitverbreitete und oft so besinnungslose Konsumrausch nun bereits so viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und auf unser Gesellschaftklima? – Solch‘ falsches Verhalten hat, solange es nur Einzelne an den Tag legen, noch keine besonders dramatischen Aufwirkungen auf unsere Umwelt oder unser Gesellschaftklima; handeln wie heutzutage jedoch ganze Menschenmassen auf solche Weise, so entsteht damit neben den vielfach sichtbar schädlichen Folgen auch ein politisches Gewicht, welches sich dann zusätzlich auf vielfache Weise auswirkt, und auch die massenweise Zustimmung jenen Parteien gegenüber, die irrigerweise meinen, grenzenloses Wachstum und hemmungslosen Konsum immer weiter ankurbeln zu müssen gehört mit dazu. – (Deshalb plädiere ich hier immer wieder dafür, möglichst immer bewußter leben zu lernen).

     

    Zweite Anmerkung zu der Überschrift oben („Eine Million gegen Rechts“):

    Auf der einen Seite begrüße ich ja schon, daß viele Menschen sich heute Sorgen um die zunehmende Rechtslastigkeit (in aller Welt) machen, andererseits aber halte ich doch für weitaus sinnvoller und klüger, sich nicht etwa gegen etwas Mißliebiges zu positionieren, sondern vielmehr auf friedliche Weise ganz bewußt immer mehr eindeutig Positives aufzubauen, was die vielen immer noch unentschiedenen Menschen auf der Welt wohl weitaus besser überzeugen kann, als zunehmend heftig geführte Wortgefechte oder gar weitere noch weitaus schlimmere Eskalationen, die dann nur allzuoft die Folge davon sind. – Da auch schon verbal ausgedrückter Widerstreit heute offenbar immer wieder zu mehr und mehr handfesten Streitigkeiten (bis hin zum [Bürger]-Krieg) führen kann,  würde ich das dann auch schon von Anfang an bei meiner Wortwahl in der Überschrift möglichst deutlich zum Ausdruck bringen.

    (Wäre es also nicht besser und auch zielführender z. B. zu sagen „Eine Million Menschen für eine bessere Welt“ oder „für ein humanes, gerechtes und einander auch wirklich achtendes Miteinander“ oder anderes Beispiel „für einen in allen Lebensbereichen geltenden ganzheitlichen Umweltschutz“? – Da würde ich dann gerne von ganzem Herzen zustimmen!)

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