Eine weitere Woche der Nichtnachrichten aus Griechenland

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

156. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Über die Lage in Griechenland wird gelegentlich durchaus Zutreffendes gesagt. Vom Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis zum Beispiel, der ja mit einer eigenen, neuen Formation in den griechischen Wahlkampf geht. Was auffällt ist aber eine eigenartige Scheu, sich dem einzelnen griechischen Menschen mit seinen ganz konkreten Alltagsnöten zuzuwenden. Vielfach wird selbst von wohlmeinenden Menschen eine Vogelperspektive mit Blick auf das eskalierende Elend eingenommen.  Wenigstens einigen in Not gestürzten Griechinnen und Griechen zu helfen, hat sich unsere Spendenaktion zum Ziel gemacht.  Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

meine Berichterstattung über unsere Hilfsaktion unter erschwerten Bedingungen hält leider weiter noch an. Verwertbare Internetrecherche ist mir nach wie vor unmöglich, da es noch immer nicht zu einer erfolgreichen Reparatur meines Druckers gekommen ist (was an mir nun wirklich nicht liegt). Und sonderlich viel verwertbares Informationsmaterial enthielten die beiden letzten Ausgaben der „Griechenland Zeitung“ (GZ) ebenfalls nicht. Sehr viel Vorwahlkampfgetöse diverser Parteien in Griechenland – Versprechungen also, Prognosen mit der Gewissheitsquote von Wetternachrichten über 14 Tage hinaus –, das ist fast schon alles. Und nahezu alles auch nahezu vollkommen unkonkret. Das bedeutet für Euch und für mich: leider also auch heute nochmal ein reichlich verkürzter Bericht. Bei dem ich mich nur für die Korrektheit zweier Aussagen ohne Einschränkung verbürgen kann: für die Richtigkeit der Spenden/Spenderangaben und für die Richtigkeit dafür, dass nach wie vor unsere Helferteams vor Antritt ihrer Hilfsreisen nach Griechenland stehen.

Nun, zu den Spenden/Spenderangaben zuerst:

In der Vorwoche, Ihr erinnert Euch, gab es die Überweisung einer einzigen Unterstützerin an uns – diese allerdings in der stattlichen Höhe von 100,- Euro. Die letzten sieben Tage – mit dem Monatswechsel darin und demzufolge den Zahlungen der DauerspenderInnen – ließen den Zuwachs auf unserem Hilfskonto für die notleidenden Griechinnen und Griechen ansteigen um weitere 565,- Euro, und die SpenderInnenzahl stieg auf 10 UnterstützerInnen. Allen FinanzhelferInnen unser herzlicher Dank!

Ansonsten, wie gesagt, sehr viel Versprecherei, was die allernächste (oder auch fernere) Zukunft von Griechenland betrifft. SYRIZA äußerte sich (mehrfach sogar), die Konservativen-Partei, die Nea Dimokratia, äußerte sich, auch Yanis Varoufakis von der neugriechischen Partei MeRA25 äußerte sich (MeRA25, das steht im Deutschen für „Front des Europäischen Realistischen Ungehorsams 2025“  und begreift sich als griechische Partei der europaweiten DiEM25-Bewegung, sinngemäß etwa „Bewegung Demokratie in Europa 2025“).

Was an all diesen Zusagen, Prophezeiungen, Versprechungen auffällt: es ist sehr viel von Milliardenbeträgen die Rede, für diesen oder jenen Investitionsbereich, es ist sehr viel die Rede von politischen Finanzmanövern der verschiedensten Art, erneut vom „Schuldenschnitt“, von Umwidmung von Geldern, von Steuererhöhungen dort und Steuerermäßigungen da, nur eines kommt in all diesen Interviews und Redebeiträgen kaum bis gar nicht vor: das Elend der verarmten Menschen in Griechenland. Von den Menschen von ganz unten her wird kaum eine Forderung gestellt, begründet oder formuliert, die Lebensnot von rund 3,5 Millionen Menschen in Griechenland scheint bei all diesen Bekundungen kein Thema oder kaum ein Thema zu sein. Und verlangt jetzt nicht von mir, das Nichts zu dokumentieren! – Beispiel gefragt für diese Art des Sprechens über die realen Existenzprobleme der Menschen hinweg?

Nun, greifen wir, mit einiger Willkür, zwei, drei Äußerungen des neuen griechischen Hoffnungsträgers Yanis Varoufakis auf, sie finden sich in einem fast zweiseitigen Bericht der GZ über ein Interview mit ihm in der letzten Ausgabe der Zeitung vom 27. Februar dieses Jahres:

„Der Schuldenschnitt ist eine Notwendigkeit“, sagt er da etwa in einem, wie gesagt, sehr langen Interview mit GZ-Redakteur Jan Hübel. Ja, gut, das sehe ich genauso wie der Ex-Finanzminister der SYRIZA. Aber wieso ist dieser Schuldenschnitt eine Notwendigkeit aus der Perspektive der verelendeten Griechinnen und Griechen gesehen? Welche Entlastungen brächte das für die erbärmlich verarmten Menschen in Griechenland? Dazu – leider – bei Varoufakis kein einziges Wort! Oder:

Die staatlichen Hilfen für die Banken in Griechenland ähnelten dem folgenden Vorgang: „Das ist so, als würde man heißes Wasser in eine Badewanne füllen. Aber es läuft unten wieder heraus, weil der Stöpsel in der Wanne fehlt“. Klasse Bild, sehr gut vorstellbar! Aber was bedeutet das für die Menschen in Griechenland, die nicht mehr wissen, wovon sie Strom und ihre Miete bezahlen sollen und eben das Wasser für derartige Badewannenbefüllung? Oder auch dieses noch:

„Wenn man so weitermacht, hat Europa keine Zukunft. Entweder Europa wird demokratisiert, oder es zerfällt.“ Alles richtig, auch diese Formulierung nimmt für sich ein. Doch was fangen damit die Menschen in Griechenland an, die nicht wissen, von welchem Geld sie ihre Arztrechnungen bezahlen sollen? Und was konkret ist hier mit „Demokratisierung“ gemeint? Etwa die Tatsache, dass in Brüssel das „Europäische Parlament“ endlich eine Legislative mit Entscheidungsbefugnissen wird (die allesamt bei der „Europäischen Kommission“ liegen bzw. bei der Versammlung der europäischen Staatschefs)?

Ich möchte Euch nicht weiter langweilen mit diesen Nichtaussagen, nicht weiter aufregen damit, dass selbst die Alternativ-Parteien der nach rechts abgedrifteten SYRIZA irgendwo im Nirgendwo ihre Thesen plazieren. Ich möchte Euch stattdessen nur noch zweierlei mitteilen in diesem Bericht, etwas, das wenigstens als  einigermaßen konkret bezeichnet werden kann und das, in dem einen Fall jedenfalls, tatsächlich etwas mit den  Überlebens-Chancen der Menschen im Griechenland ganz unten zu tun hat.

Nachricht eins: die Nea Dimokratia, die Schwesterpartei der bundesdeutschen CDU, liegt nach neuestem Umfragestand weiter ganz vorn: einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts „Public Issue“ zufolge käme die Partei des Herrn Mitsoutakis derzeit auf 39 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen (erkläre mir das, wer will!), die SYRIZA noch auf 24,5 Prozent, die Nachfolgepartei der Ex-Sozialdemokraten PASOK, die „Bewegung für Veränderung“, auf 8,5 Prozent, dicht gefolgt von der faschistischen „Chryssi Avgi“, der „Goldenen Morgenröte“, mit 7,5 Prozent und gefolgt von der marxistisch-leninistischen Partei KKE mit 6,5 Prozent. Ich mache mir heute keinen Reim darauf. Und Nachricht Nummer zwei, immerhin dieses dann doch:

Alexis Tsipras kündigte bei der letzten Kabinettssitzung vor einigen Tagen an, dass demnächst 260.000 „bedürftigen Haushalten“ in Griechenland Mietzuschüsse von je 70 bis 200 Euro pro Monat zur Verfügung gestellt werden sollen. Von Nachrichten dieser Art und von dieser Konkretheit läse ich gern jedesmal in der GZ – und für so manchen anderen konkreten Lebensbereich der verarmten und verelendeten Griechinnen und Griechen auch, egal, ob es die Krankenversorgung betrifft oder die Wiederanhebung von Rentenbeträgen, die weitere Heraufsetzung des Mindestlohnes (jetzt offiziell bei 650,- Euro pro Monat) oder – überfällig schon längst – drastische Absenkung der Mehrwertsteuer von derzeit 24 Prozent auf das Vorkrisenniveau von 13 Prozent. So hätten eigentlich ernstzunehmende Auskünfte und Beschlüsse von griechischen Politikern auszusehen, so käme endlich wieder eine Wiederbelebung der griechischen Wirtschaft in Gang, die vor allem anderen auch eines wiederherstellen würde: menschenwürdige Lebensverhältnisse für alle Bürgerinnen und Bürger in Griechenland!

Damit zu meiner neuerlichen Bitte um Spenden zugunsten unserer Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Also:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

 

 

 

 

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