Einreisewelle nach Afghanistan

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Roland Rottenfußer

Die deutsche Sehnsucht nach einer sicheren Heimat. Immer mehr Bundesbürger emigrieren nach Afghanistan. Der Grund: Das vom Bundesinnenministerium als „sicheres Herkunftsland“ eingestufte Land am Hindukusch bietet, was in Deutschland angesichts der akuten Terrorbedrohung nicht mehr möglich ist: ein Leben in Sicherheit.  Roland Rottenfußer

 

„Es war nicht mehr auszuhalten: überall Chaos, Amokläufe, Terroranschläge – Deutschland ist nicht mehr sicher“, erklärt Reginald Schlump, Werkzeugbauer aus Leverkusen. „Und meine Familie und ich brauchen Sicherheit wie die Luft zum Atmen. Auf Freiheit und Menschenwürde verzichte ich gern mal, wenn es nötig ist, keinesfalls aber auf Sicherheit.“ Schlump hat deshalb im vergangenen Januar mit seiner Frau Dörthe und den beiden Kindern seinen Hauptwohnsitz nach Kundus in Afghanistan verlegt. Und er ist nicht allein. Mehr als 70.000 Deutsche emigrierten in den vergangenen 12 Monaten aus Deutschland in das überwiegend islamisch geprägte Land. Eine Auswanderungswelle epidemischen Ausmaßes. Das einstmals als attraktiv und sicher geltende Deutschland blutet aus. Seine Bevölkerung stimmt mit den Füßen gegen die unhaltbaren Lebensbedingungen in Merkel-Land ab.

Nahe Kundus ist inzwischen sogar eine regelrechte Deutschensiedlung entstanden, wo die Einwohner in einem Immigrantenlädle Sauerkraut und Schweinswürste erstehen können. Via Kabelfernsehen können die Neuafghanen lieb gewordene Sendungen wie „Dschungelcamp“ oder „Achtung Kontrolle“ auch nahe der tadschikischen Grenze genießen, und der Gemeindevorsteher, Weihbischof Fromm, lässt sich gerade einen Palast nahe Masar-e Sharif bauen. Das christliche Abendland ist somit ein gutes Stück nach Osten gerückt. Die Die Siedlung wurde von den Migranten „Oberst-Klein-Stadt“ getauft – nach dem mittlerweile zum General ernannten Helden von Kundus, der die Stadt im Jahr 2009 von etwa 140 Terroristen befreit hatte. Darunter waren auch einige erstaunlich junge, ja kindlich wirkende Terroristen. „Man glaubt ja nicht, wie früh hier eine Terroristenkarriere beginnt“, wundert sich Reginald Schlump. „Manche der Terroristenleichen, die dort gefunden wurden, waren kaum einen Meter groß.“

Aber er fügt einschränkend hinzu: „Das ist jetzt vorbei. Afghanistan ist ein absolut sicheres Land. Würde die Bundesregierung sonst afghanische Flüchtlinge hierher abschieben? Das wäre ja unmenschlich. So etwas würde die Regierung eines demokratischen Landes, das die Menschenrechte achtet, nie tun. Ich finde es geradezu beleidigend, unserem Innenminister zu unterstellen, er würde Menschen in ein Land zurückschicken, wo sie ihres Lebens nicht sicher sind.“ Meinen Hinweis, in Afghanistan seien im vergangenen Jahr nach Informationen der Vereinten Nationen 3500 Menschen getötet und mehr als 7900 verletzt worden, beantwortete Schlump mit einer wegwischenden Handbewegung: „Fake News, alles nur Propaganda. Hier herrschen Sicherheit und Ordnung.

Deutschland, so der streitbare Westfale, sei mittlerweile ein derart unsicheres Land geworden, dass die Zustände dort an Supergrundrechtsverletzung grenzten. Es gebe z.B. so viele Wohnungsbrände, dass man ohne Rauchmelder im Zimmer keinesfalls ruhig schlafen könne. Auch sei die Verkehrslage so unsicher, dass es unabdingbar sei, bei gleißender Sonne mit Licht Auto zu fahren. Ohne Fahrradhelm und Knieschützer traue sich keiner mehr auf seinen Drahtesel, und große Teile der Bevölkerung sei ohnehin als Gefährder einzustufen. Überall, wo mehr als drei Menschen zusammenkämen, müsste das Gelände weiträumig gegen Lastwägen abgeschirmt werden, und ohne eingebaute Überwachungskamera wage er in Deutschland nicht einmal mehr auf eine öffentliche Toilette zu gehen. Bei einer solch dramatischen Gefahrenlage bleibe Menschen, denen ihr Leben lieb ist, eigentlich nur, den „failed state“ Deutschland zu verlassen.

Dörthe Schlump, Reginalds Frau, lobt in Kundus vor allem die erstklassige Wasserversorgung. „Die NATO-Soldaten haben dort fast nichts anderes getan als Brunnen zu bauen, daher gibt es immer frisches Brunnenwasser zu trinken. Auch die Mädchenschulen entsprächen Dank des selbstlosen Einsatzes der NATO für die Rechte der Frau internationalen Standards. „Da gibt’s nichts zu meckern“, lobt Frau Schlump. „Wir können unsere kleine Leonie beruhigt dort hinschicken.“ Der berühmte Satz von Peter Struck: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“ erhält so eine neue Bedeutung, denn große Teile des karstigen Gebirges sind bereits jetzt fest in der Hand von Flüchtlingen aus Deutschland. „Unsere Armee hat für uns Lebensraum im Osten erkämpft“ erklärt Dörthe mit leuchtendem Blick. „Es findet momentan geradezu ein Bevölkerungsaustausch statt“.

Reginald allerdings ist auf seinen neuen Landsleute nicht gut zu sprechen: „Manche Afghanen sind ja so undankbar. Die wissen gar nicht, was sie zuhause haben und versuchen ausgerechnet in Deutschland Asyl zu bekommen. Man könnte eigentlich darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.“ Erfreut zeigt sich der Werkzeugbauer jedoch darüber, „dass eigentlich die ganze Welt derzeit immer sicherer wird: Libyen, Marokko, demnächst Syrien – alles erstaunlich sichere Länder.“ Ja, schwärmt Schlump, „man könnte sogar so weit gehen und die ganze Welt zum ‚sicheren Erstplaneten‘ erklären.“ Wären da nicht die katastrophalen Zustände in Deutschland – ein Schandfleck auf einer ansonsten blitzsauberen Landkarte.

Showing 2 comments
  • Freiherr
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    Jaja – der Autor hat uns hier gleich in mehrfacher Weise eine Falle ausgelegt, watch your step, also.

    Die beabsichtigte Hintersinnigkeit könnte uns also in gleich mehrere Fallen tappen lassen.

    Könnte aber trotz allem nun sein, dass am Hindukusch mehr Freiheit gelebt werden kann als hier ! ( wos genaus woaß ma ned ) .

    Die Rechte der Frauen ? – naja, seit Merkel und Knarrenbauer und Kanonen-Uschi u.u.u. ist man allgemein nicht mehr sooo übezeugt, dass ein Matriarchat besser wäre. “ die Welt muss weiblicher werden “ ( Wecker ) ? – i woaß ned.

    Wesentlich besser lebte es sich sicherlich als Pascha am Hindukusch, die Sharia sorgt eindrucksvoll dafür dass wenigstens die Frauen anständig bleiben…

    und so hat alles seine Ordnung !

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • c.w.
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    ich bin dabei und meine afghanischen freunde und freundinnen helfen mir dabei.

    eine hand hilft der anderen: erst ich ihnen, jetzt sie mir und wir uns gegenseitig.

    das ist gelebte praktische und echte solidarität gegen die von der regierung verordnete distanzierungs- und gesundheitsdiktaturlogik.

    wir schmeißen unsere mühselig ersrbeiteten ersparnisse zusammen und lassen das elend einer verrotteten gesellschaft hinter uns.

    weniger unfreiheit, weniger angst, unterdrückung, existenzielle bedrohung als hier, habe ich mich belehren lassen, gibt es in afghanistan aktuell auch nicht. wir können nur an menschlichkeit gewinnen.

    ‚faschismus ist kapitalismus plus mord‘, hat upton sinclair behauptet. er hat recht.

    wenn schon, auf der suche nach einem einigermaßen sicheren überlebensort in die berge fliehen, warum dann nicht in die am hindukusch?

    besser aus dem deutschen kriegsgebiet, in dem die eigene bevölkerung mit 2g erpresst, genötigt, fertiggemacht und langsam in den tod geboostert wird in die afghanischen, als in die bayerischen berge flüchten?

    jetzt wo die amis und germans weg sind, stehen einige gute und günstige häuser frei. devisen sind gefragt, wissenstransfer und wiederaufbau ist angesagt.

    wenn schon back to the roots und zum einfachen leben, dann mit menschen, die einem freundlich gesonnen sind, denen werte noch was wert sind, die sie leben und für die sie nicht nur auf dem papier stehen.

    anstatt sich hier in deutschland weiter unterbezahlt und überarbeitet unter dem damoklesschwert der ausländerbehörden abzubuckeln und ewig als ungebetener gast im fremden land zu verweilen, machen wir uns zusammen auf den weg und lassen den degenerierten, sich in der selbstzerstörung befindlichen wertewesten, hinter uns.

    es kann nur besser werden.

    amal heißt hoffnung.

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