Eliten im Traumaschatten

 in FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik

Die weltweit zu beobachtende Spaltung der Gesellschaft fiel in Deutschland auf unvergleichbar fruchtbaren Boden. Auszug aus „Die Wiedergutmacher“. Was hat zu dieser dramatischen Polarisierung der deutschen Gesellschaft innerhalb so kurzer Zeit geführt? Viele Autoren sind der Meinung, die Gründe seien in einer weltweiten Entwicklung zu suchen, bei der die „abgehängten, besorgten Bürger“ dem Tempo der Globalisierung und Digitalisierung nicht standhalten können. Sind nicht allerorten in der westlichen Welt dieselben trennenden Kräfte am Werk? Um nur die USA, England, Frankreich, Kanada und Australien zu nennen — überall in der westlichen Welt polarisiert und verschärft sich das demokratische Spektrum. Doch abgesehen von diesen allgemein geltenden Mechanismen in der westlichen Welt wagt dieses Buch die These, dass die Gründe für die Polarisierung in Deutschland Spezifika aufweisen, die gesondert betrachtet werden müssen. Deutschland ist kein Land wie jedes andere. Historisch nicht, geografisch nicht und schon gar nicht, wenn man die aktuellsten Entwicklungen bezüglich der Flüchtlingskrise bedenkt. Deutsche Sonderwege, im Bösen wie im Guten, sind schon ziemlich einzigartig. Zudem ist Deutschland, neben Korea, das einzige Land, dessen Volk über Jahrzehnte getrennt und in zwei konkurrierenden politischen Ideologien gelebt hat. Allein die Zeit des Kalten Krieges hat aus „den Deutschen“ offensichtlich unterschiedliche Menschen geformt. Raymond Unger

 

Schaut man sich die Entscheider und Protagonisten der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland näher an, stößt man unweigerlich auf die Generation der Babyboomer. An den Schaltstellen der Macht, politisch, medial und kulturell, sitzen die Geburtenjahrgänge von 1955 bis 1970. Ich gehöre selbst dazu und bin als Autor und bildender Künstler ein Vertreter des kulturellen Flügels. Im ersten Teil dieses Buches möchte ich die Besonderheiten meiner Generation skizzieren, die sich gegenüber Amerikanern, Briten, Franzosen und vielen anderen westlichen Demokratien doch erheblich unterscheidet.

Denn nicht nur die viel beschriebene Schuld und Täterschaft der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges ist einzigartig, sondern gemessen am Rückbranden des Kriegsgeschehens auf deutschen Boden hat auch die deutsche Bevölkerung im Vergleich zu anderen westlichen Staaten eine ungleich höhere Zahl persönlicher und struktureller Schäden zu beklagen. Während die zivilen Toten der Staaten aus Übersee naturgemäß gegen null gehen, beklagt Deutschland allein 1,2 Millionen tote Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Doch zunächst ein Vergleich der absoluten Kriegstoten einiger westlicher Nationen, Zahlen die betroffen machen: USA: 400.000, Frankreich: 360.000, Großbritannien: 330.000, Kanada: 40.000, Australien: 30.000, Deutschland jedoch: 6,4 Millionen Tote.

Hinzu kommt das kollektive Trauma durch den Heimatverlust von 12 bis 14 Millionen Deutschen, die gewaltsam aus den ostdeutschen Gebieten vertrieben wurden. Vor allem Frauen, Kinder und Greise erlebten auf ihrer überstürzten Flucht im Winter 1945 die Hölle. Zu den über 6 Millionen Kriegstoten und den 12 Millionen Vertriebenen kommen noch einmal 2 Millionen deutsche Frauen und junge Mädchen hinzu, die von der systematischen Massenvergewaltigung durch russische Soldaten betroffen waren.

Mir ist bewusst, dass allein das Erwähnen deutscher Opferzahlen vielerorts Entrüstung auslöst und in der Regel reflexartig der Satz folgt: „Ja — aber was willst du damit eigentlich sagen! Deutschland hat doch den Krieg angefangen!“ Selbstverständlich. Das Benennen von Tatsachen ist keineswegs mit dem Vorsatz verbunden, deutsche Schuld zu relativieren, Opferzahlen aufzurechnen oder Verbrechen zu leugnen. Natürlich lernt jeder deutsche Grundschüler, dass Deutschland in Bezug auf den Holocaust und Russland noch ganz andere Zahlen zu verantworten hat, nämlich 6 Millionen getötete Juden und unfassbare 26 Millionen Tote auf dem Gebiet der heutigen Sowjetunion.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um Aufrechnungen, Schuld, Verantwortung oder Gerechtigkeit. Die Debatte über „verdienten“ oder nicht verdienten Schaden an der deutschen Bevölkerung, über die Kollektivschuldthese und andere moralische Bewertungen möchte ich an dieser Stelle überhaupt nicht führen.

Mir geht es schlichtweg darum aufzuzeigen, dass bei der Generation der deutschen Babyboomer — im Vergleich zu anderen westlichen Staaten — eine statistisch ungleich höhere Wahrscheinlichkeit besteht, aus einer durch Gewalt vorbelasteten Familie zu kommen.

In den USA, England oder Frankreich gibt es diese nahezu flächendeckende persönliche Betroffenheit durch Täter- oder Opferschaft de facto nicht. Denn rechnet man obige Zahlen der persönlich betroffenen Deutschen hoch, so gibt es in nahezu jeder deutschen Familie wenigstens ein Familienmitglied, das getötet, verwundet oder vergewaltigt wurde.

Zudem ist ja völlig klar, dass es innerhalb der betroffenen Generation eine kaum zu bemessende Anzahl geleugneter Täterschaft gibt, das heißt, eine saubere Trennlinie zwischen „Opfern“ und „Tätern“ lässt sich in einem Gewaltraum so gut wie niemals ziehen. Deutschland bis 1945 als ebendiesen Gewaltraum zu erkennen, in dem sowohl durch Opferschaft als auch durch Täterschaft eine nahezu flächendeckende Betroffenheit der Bevölkerung gegeben war, ist für das weitere Verständnis dieses Buches unerlässlich.

Deutsche Babyboomer sind nicht einfach nette, unbelastete, lebensfrohe Fünfzigjährige wie in anderen westlichen Demokratien auch. Sie sind die Kinder von Eltern, die als Kinder um ihr Leben rannten, auf der Flucht aus dem Osten. Sie sind die Kinder von Eltern, die in Bunkern der Großstädte zitterten oder mit ansehen mussten, wie Eltern, Geschwister oder Freunde verbrannten oder vergewaltigt wurden. Deutsche Babyboomer sind die Kinder von Vätern, die bei den Pimpfen oder der Hitlerjugend lernten, dass deutsche Männer zäh, flink und hart sein müssen. Sie sind die Kinder von Müttern, die beim Jungmädelbund oder Bund Deutscher Mädel (BDM) lernten, dass das Schlachtfeld einer tapferen deutschen Mutter das Kindbett ist.

Deutsche Babyboomer sind die Kinder von Eltern, die ohne Väter aufwuchsen oder deren Väter körperlich oder seelisch so verwundet waren, dass sie ihren Kindern niemals nahekommen konnten.

Babyboomer sind die Kinder von Kindern, die von kalten, verbitterten Müttern erzogen wurden, die alles verloren hatten, oftmals auch die Liebe zu ihrem eigenen Körper. Und — deutsche Babyboomer sind die Enkel von Großeltern, die einem verbrecherischen Regime zujubelten, die von Stalingrad bis El-Alamein Krieg führten und die Menschen wegen ihrer Abstammung oder persönlicher Merkmale ausgrenzten und töteten.

Aufgrund der emotionalen Verkümmerung ihrer Eltern und Großeltern haben viele Babyboomer früh gelernt, sich anzupassen, nicht aufzufallen und ihre Familie so gut wie möglich zu stützen. Den wenigsten ist überhaupt bewusst, dass sie dabei selbst um die eigene Kindheit betrogen wurden. Diese zu früh, häufig falsch und deshalb gar nicht erwachsen gewordene Generation beginnt erst zögerlich zu begreifen, was ihr tatsächlich widerfahren ist.

Das Tabu, darüber zu sprechen, der fehlende Vergleichsrahmen und die Selbstbeschwichtigungen sorgten lange Zeit dafür, etwaige psychische Probleme für selbst verschuldet zu halten. Nur zögerlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass viele der für individuell gehaltenen Probleme in Wirklichkeit gewaltige kollektive, transgenerationale Hintergründe haben. Viele Babyboomer verstanden erst zur Lebensmitte und häufig erst nach dramatischen persönlichen Krisen, was in ihrer Kindheit tatsächlich geschehen war. Wer unter ihnen die Zusammenhänge erkannte und sein Trauma in Gruppen und auf Tagungen aufarbeitete, suchte schließlich nach einer geeigneteren Bezeichnung für seine Generation.

Die niedliche, auf die bloße Tatsache der Größe der Generation abhebende Bezeichnung „Babyboomer“ wich einem neuen, selbst gewählten Generationentitel: Kriegsenkel. Der Begriff verwies auf den Kern des Themas: die eigenen Großeltern als aktive Protagonisten des Zweiten Weltkrieges. Die wissenschaftlich-psychologisch-historische Forschung auf diesem Gebiet ist vergleichsweise jung, dennoch gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Literatur über die transgenerationale Weitergabe kriegsbelasteter Kindheiten.

In diesem Buch werde ich die konkreten Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe lediglich streifen können, ansonsten verweise ich auf die weiterführende Literatur, zu der auch meine beiden vorangegangenen Bücher zählen. Zum weiteren Verständnis setze ich die These als gegeben, dass viele Babyboomer — oder besser Kriegsenkel — bewusst oder unbewusst innerpsychische Probleme haben, die idealerweise verarbeitet werden sollten.

Insbesondere eine unnatürliche Bindung an die Eltern, ein „Nicht-erwachsen-Werden“ und ein diffuses Schuldgefühl für die Verwerfungen der eigenen Familie werden den Babyboomern nachgesagt. Doch wie schon bei der Generation zuvor stellt sich nur ein kleiner Prozentsatz meiner Generation diesem Prozess — und dies aus verständlichen Gründen.

Die Heilung von einem psychischen Trauma, ganz gleich welcher Art, funktioniert letztlich nur dadurch, dass man den Schmerz der einstigen Ursache wiedererlebt. Nicht jeder hat den Mut dazu.

Allerdings geht nichts in diesem Universum verloren, auch der Schmerz der Kindheit nicht. Unangesehener, geleugneter Schmerz bahnt sich auf andere Weise seinen Weg zum Licht. Es ist das kleine Einmaleins der Psychologie, dass sich ungeklärte, verdrängte, innerpsychische Probleme als Projektionen, Überkompensationen und ausagierte Handlungen Bahn brechen. In diesem Buch stelle ich deshalb die berechtigte Frage: Wie erwachsen, wie gesund und wie bewusst sind deutsche Eliten in Politik, Medien und Kultur.

 

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Dank an den Rubikon, www.rubikon.news, wo dieser Artikel zuerst erschienen ist.

Showing 8 comments
  • Ulrike Spurgat
    Antworten
    Auweia !

    Der deutsche Faschismus ist eine Zäsur in der Geschichte der Menschheit. Millionen von Deutschen haben Hitler zugejubelt, haben mitgemacht, haben ihre Nachbarn denunziert, haben die Kommunisten und alle fortschrittlichen Menschen politisch verfolgt und in die Konzentrationslager getrieben wo sie gefoltert und gequält wurden bis sie jämmerlich verreckt sind.

    Russiche Kriegsgefangene bekamen  nur ein Bruchteil der mickrigen Essensrationen in den Lagern, bei Minus Temperaturen hat man sie des nachts auf den Hof gejagt mit Wasser begossen, und sie dort sterben lassen.

    Sie relativieren !

    Die Emslandlager waren der „Test“für Buchenwald und Auschwitz. Dort verfrachtete man meist ohne Gerichtsurteil die Menschen hin die für ein anderes Deutschland eingestanden sind. Die Haftbedingungen waren katastrophal, und nur die gelebte Solidarität unter den Häftlingen hat so machem das Überleben ermöglicht.

    Wieder geht es um ein oder was weiß ich wie viele Traumata.

    Und wo ich gerade dabei bin, erinnere ich hier an Carl von Ossietzky, Häftling in Esterwegen, Herausgeber der Weltbühne und Friedensnobelpreisträger, ihm, wie auch Erich Mühsam hat man in einer Weise gequält, die über die sogenannten „Anforderungen“ an die faschistischen Aufseher weit hinausgingen.

    Ossietzky wurde „Bonzen-Häftling“ genannt, und Erich Mühsam nannte man den „Roten Juden“, denn er war Anarchist und Jude. Beide erhielten die „Sonderbehandlungen“. Die Faschisten nutzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Folterinstrumente, um zu erniedrigen, zu demütigen, zu quälen und zu morden.

    Und noch was: Sie wussten was sie tun !

    Viele Jahre später als wir Interviews für eine Promotion in Esterwegen mit ehemaligen Häftlingen führten, und auch mit den Anwohnern waren die Interviews mit den Anwohnern ungleich schwieriger, denn „sie haben von nichts gewusst“….

    Zwei von 15 Befragten gaben zu, dass sie um das Leid, die Not und die Qualen derer, die in den Lagern starben wohl sehr genau wussten.

    Nach 1945 ging es nahtlos im Staat der Rechtsnachfolge Faschismus weiter mit einer üblen antikommunistischen Bundesregierung, mit einem Kanzler Adenauer, der sich niemals hätte vorstellen, dass die Sowjetunion keine Rache nehmen will für das, was man den sowjetischen Völkern angetan hat. Mit diesem Denken hat man in West-Deutschland weitergemacht. Dumm, dreist, dämlich und den Mantel des Schweigens über all das Leid gelegt wofür Deutschland verantwortlich ist, und das bis heute ist.

    Es gibt keinen Friedensvertrag, von daher bleibt das Leid der Völker die Deutschland überfallen hat ungesühnt. Von Reparationszahlungen einmal ganz zu schweigen.

    An irgendeiner Stelle lese ich, dass man das Erlebte sozusagen erst wiedererleben muss um sich von einem Trauma befreien zu können.

    Was soll das denn ?

    Janov mit seiner Urschreitherapie und Pearls und Petzoldt mit der Gestalttherapie um nur einige zu nennen haben mir nicht gut getan, denn ich habe mich nie als ein Opfer angesehen, oder als ein bedürftiges Menschenkind, dass gerettet werden muss, von wem auch immer.

    Und wenn man Schuld und Sühne spricht, dann geht man wohl gemäß des christlichen Menschenbildes von Vergebung aus.

    Ich vergebe nicht, was man man meinem Vater und seinen Genossen angetan hat, was man bei uns immerhin fast eine Million vergessener und verachteter Heimkinder angerichtet hat. Was Leningrad zu erdulden und zu erleiden hatte…..

    Habe fertig.

     

     

    • Tanja M.
      Antworten
      Auweia… Voll getriggert, oder? Ihr Kommentar wirkt ein wenig wie ein Beissreflex, sorry.
      Liebe Frau Spurgat, ich möchte Ihnen damit nicht zu nahe treten, oder Ihr Leid, das Sie mit sich tragen, relativieren oder gar negieren. Bitte nicht angegriffen fühlen.

      Ich für meinen Teil fasse den Text und das Buch ganz anders auf…
      Es geht doch gar nicht um Relativierung oder Aufrechnung der Verbrechen des 3. Reiches und des 2. Weltkrieges. Es geht auch nicht darum, dass man als Deutscher sich endlich mal als Opfer wahrnehmen dürfen können sollte. (Ausserdem… wer sieht sich vor sich selbst schon gerne als Opfer? Dann müsste man ja die Ohnmacht, also das ohne-Macht-Sein, wieder spüren und das tut weh.)

      Es geht m.E. darum, hier in diesem Textausschnitt einmal rein zahlenmässig zu verdeutlichen, wie stark verstrickt – quasi in der DNA mehr oder weniger jeder einzelnen Familie in diesem Land – das psychologische Erbe dieser unsäglichen Zeit ist. Es steckt mehr oder weniger uns allen in den Knochen, Herzen und Hirnen. Dem einem mehr, der anderen weniger.
      In Deutschland rühmt man sich der Aufarbeitung der Nazi-Zeit. Kein Monat ohne Gedenk-Geste. Das ist gut und wichtig. Aber im öffentlichen Diskurs werden die Täterschaft und das Opfer-Sein in schwammrigen Gruppenbezeichnungen so vernebelt, dass es immer so wirkt, als seien die Nazis irgendwie vom Himmel gefallen. Den Gedanken, dass es mehr oder weniger das Handeln bzw. Dasein jedes einzelnen dazu bedurfte, lässt man damit gar nicht an sich heran. Selbst Sie beschreiben hier diverse Vorgänge recht unspezifisch („Die Faschisten nutzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Folterinstrumente, um zu erniedrigen, zu demütigen, zu quälen und zu morden.“) bzw. im Passivmodus („erhielten die „Sonderbehandlungen““) oder „man hat…“. Wer hat? Unsere Eltern, Grosseltern, Onkel, Tanten haben… sie haben etwas getan oder erdulden müssen. Mit „man“ geht das alles im Nebel unter.
      Und auch im Privaten, in den (allermeisten) Familien (so auch in unserer) wurden die Verstrickungen der Eltern und Grosseltern, Onkel und Tanten in die Gräuel der NS-Zeit totgeschwiegen. Selbst das Mitläufertum wird unrühmlich unter den Tisch fallengelassen. Stattdessen Schweigen. Innerhalb der Familien, innerhalb der Bekanntschaften, innerhalb der Generationen und auch generationenübergreifend. So verarbeitet man nichts, sondern schleppt es unbewusst mit sich herum und gibt es unbewusst weiter. So gibt bzw. übernimmt man ungewollt und unbewusst Traumata.

      Die Traumbewältigungsstrategien, die Strategien, mit den eigenen dunklen Schatten zu leben, sind ganz unterschiedlich. Manche werden zu Narzissten oder Psychopathen und quälen andere, so wie sie gequält wurden. Andere werden Hypochonder. Wieder andere spielen den Klassenclown, um ihre Traurigkeit nicht zu spüren. Viele leugnen, überhaupt ein Trauma zu haben. Manche werden extrem gut in ihrem Beruf oder Sport. Viele streben nach Macht. Wieder andere engagieren sich exzessiv und reiben sich für andere auf… und sie alle sind doch nicht wirklich bei sich.

      In der Folge geht es ihm darum, (für mich plausibel) zu erläutern, woher es kommt, dass bestimmte Verhaltensmuster in Deutschland so weit verbreitet sind. Warum es so viel(e) davon gibt.

      Zum Thema Trauma:
      Wie R. Unger schreibt: „Allerdings geht nichts in diesem Universum verloren, auch der Schmerz der Kindheit nicht. Unangesehener, geleugneter Schmerz bahnt sich auf andere Weise seinen Weg zum Licht. Es ist das kleine Einmaleins der Psychologie, dass sich ungeklärte, verdrängte, innerpsychische Probleme als Projektionen, Überkompensationen und ausagierte Handlungen Bahn brechen. In diesem Buch stelle ich deshalb die berechtigte Frage: Wie erwachsen, wie gesund und wie bewusst sind deutsche Eliten in Politik, Medien und Kultur.“

      Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Traumabewältigung bedeutet, sich dem ursächlichen Schmerz und auch oft der gefühlten Ohnmacht noch einmal auszuliefern und nicht abzuwehren und nicht wegzusehen. Es geht, wenn man bereit dazu ist.

      • Ulrike Spurgat
        Antworten
        Guten Abend, Frau Tanja M.

        Ehrlich gesagt werde ich mich weder erklären noch zu meinem Text rechtfertigen wollen. Warum denn auch ?

        Selbstverständlich bleibt es ihnen überlassen wie sie Trauma bewerten oder auch den Inhalt des Buches verstehen und einordnen.

        Nur eines noch: Sie kennen weder mich meinen Beruf noch meine Geschichte.

        Belassen wir es dabei.

         

         

  • Freiherr
    Antworten
    Das Zerreissen sozialer Gefüge in den jeweiligen Bevölkerungen war ja eines der Hauptziele dieses Psyop ( psychologische Kriegsführung ), durch Maske und Abstand, „social distancing “ jeden in bestimmter Weise zu isolieren, einen möglichen widerständigen Zusammenhalt dadurch erstmal auszuschalten.

    Genau das ist diesen Verbrechern erstmal gelungen, nun muss man mühsam Wege finden unter diesen geradezu entrechteten Bedingungen wieder zusammenzufinden.

    Zugleich haben die sich damit ja einen riesigen Vorsprung verschafft mit welchem sie step by step ihre Verbrechen per Selbstermächtigung unter entscheidender Mithilfe der gekaperten Justiz wie geplant durchführen können.

    Die durch dubiose Hintertüren installierte vonderLeyen war schon der eigentliche Beginn dieses Resets hin zu totalitären Systemen, sie ist das oberste Verbindungsglied zu diesen Agenden dahinter.

    Die ebenso mindestens merkwürdige Inthronisierung des Stefan Harbarth der zweite entscheidende Schachzug, jedenfalls für das Gebiet der BRD, unter Befehl und Duldung Merkels ausgeführt.

    Ein klassischer Putsch von oben, den Psychoterror zum Gelingen lieferte eindrucksvoll der Systempropaganda-Apparat, dieser hat die Isolierung der Gesellschaftsmitglieder fast im Alleingang geschafft.

    Dass dieser gigantische Psyop weltweit gelang, zur gleichen Zeit gestartet wurde, zeigt doch glasklar die strategische Planung des Ganzen.

    Ebenso durchsichtig ist doch die Unterwerfung unter genexperimentelle Injektionen, die damit direkt verbundene gigantische Kontrollmöglichkeit über jeden einzelnen, zudem ja die genetische Verformung mit dem Ziel der Steuerung, die digitale Währung dann die endgültige Absicherung dieses größten Verbrechens in der Geschichte der Menschheit.

    Und nochmal – vonderLeyen ist oberste und erste Unterzeichnerin dieser Verträge mit der Pharma-Mafia welche nur extrem geschwärzt herausgegeben werden, auch den EU-Parlamentariern, die das zunehmend nun verlangen.

    Die Gigantomanie dieser Verbrechen soll nicht ans Licht kommen, klar, wird aber nicht zu verhindern sein, letztendlich und dieses ebenso gigantische hochkriminelle Handeln im derzeit noch selbstgeschaffenen rechtsfreien Raum wird dann durch das Wiedererwachen der Chartas des nationalen und internationalen Rechts beendet werden – und man wird sie alle dorthin verfrachten wo sie längst hingehören, hinter Schloss und Riegel.

    Nun – die Todesstrafe hat man hier abgeschafft, aber in den USA und weiteren Länderns können sie darauf nicht unbedingt hoffen, wir werden sehen…

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Renata Gerioli80
    Antworten
    Hallo, ich stimme Tanja M. zu, und finde R. Ungers Untersuchung/Thesen zum Thema „Trauma“  interessant und relevant, ich werde mir das Buch evtl. anschaffen, danke für den Hinweis.  Ich bin Ende der 60er geboren, mein Vater war als 18 jähriger im sogenannten  „Russlandfeldzug“, kam kriegsverletzt zurück, er war alles andere als ein Nazi  und hat Zeit seines Lebens unter den schrecklichen Erfahrung des Krieges  gelitten, indirekt haben meine Geschwister und ich das auch mitbekommen, dass da etwas aus der Balance war. Das ist doch keineswegs eine Relativierung der Kriegsgreuel, wenn man das einmal festhält,  dass aucdh  in Deutschland  hunderttausende Menschen unter dem Krieg gelitten haben, und wenn erforscht wird,  welche Auswirkungen das hatte und hat! ich erinnere mich noch an Interviews, die wir selbst, als Schüler der 9. Klasse  in den 1980er Jahren mit Menschen geführt haben, die den „Hamburger Feuersturm“ miterlebt  haben, das waren Menschen, die zu Kriegszeiten Kinder waren, das waren schreckliche Erlebnisse, von denen die uns erzählten. Natürlich haben diese Menschen ein Trauma erlitten,, natürlich wurde das weitergegeben, bzw. hat das Spuren hinterlassen, in der Erziehung usw., und selbstverständlich mjuss man doch auch davon sprechen dürfen, und das untersuchen,  das hat doch  nichts mit „Geschichtsrelativierung“ zu tun! Im Gegenteil, eine Beschäftigung mit der Thematik   könnte helfen, künftig Kriege zu vermeiden, und ich bin sicher , wenn eine bessere, gründlichere „Aufarbeitung“ dieser Traumatisierungen gelungen wäre, nach 1945, dann hätten wir die unerträglichen Verhältnisse, die Spaltung, den  Wut, den Hass und  Ausgrenzung einer „impfunwilligen“ Minderheit , wie wir sie im Moment erleben nicht, zumindest nicht in dieser Form.
  • Ulrike Spurgat
    Antworten
    Drehen sie mir nicht das Wort im Mund herumn, Renate….

    Als Pädagogin/Psychologin und Sozialtherapeutin muss mir niemand erklären wollen was ein Trauma ist. Wie ich das als betroffener Mensch erforsche, damit umgehe, dieses reflektiert weitergebe ist einzig und allein der eigenen Erkenntnis und Auseindersetzung in Gesprächen, Studien, der Mitarbeit an der Promotion „Die Geschichte der Emslandlager 1933 – 1945“ Dr. Elke Suhr, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, der enge Kontakt mit ehemaligen Konzentrationslager Häftlingen, wie auch mein Vater einer gewesen war, und dem beständigen Kampf für ein Nie wieder Faschismus und Krieg  „geschuldet“.

    Meine pädagogisch-psychologisch-therapeutische Arbeit ist nie zu trennen gewesen von dem unsäglichen Teil der deutschen Geschichte.

    Und wie ich das bewerte, zumal ich seit Jahrzehnten genau an diesen Themen arbeite ist der momentane eigene Erkenntnisstand. Nicht mehr und nicht weniger.

     

     

  • Holdger Platta
    Antworten
    Ihr lieben Debattierer vor mir,

    mein deutlicher Eindruck ist, daß noch jede und jeder von Euch Recht hat, obwohl Ihr Euch in einen Gegensatz verheddert habt, der das Gegenteil suggerieren könnte.

    Natürlich hat Ulrike Spurgat Recht, daß – oft sogar laienhaftes – Herumpsychologisieren immer mal wieder mißbraucht wird, um Tatsachen, unbezweifelbare Tatsachen, Tatsachen bösester Art beiseitezuschieben, zu relativieren oder sogar zu rechtfertigen. Gut also, daran zu errinnern, daß es diese Tatsachen gibt (wobei mir am Textausschnitt aus dem Buch von Raymond Unger aufgefallen ist – vielleicht taucht diese schreckenerregende Totenzahl ja anderswo in seinem Buch auf -, daß er ausgerechnet die größte Anzahl der Kriegstoten während und infolge des Zweiten Weltkriegs nicht nennt: die der Sowjetunion. Es waren über 20 Millionen Menschen). Ich jedenfalls bin dankbar dafür, daß Ulrike Spurgat einige dieser Tatsachen in ihrem Kommentar nachgeliefert hat.

    Andererseits ist natürlich ebenso wahr, daß es seelische Folgen des Zweiten Weltkriegs auf allen Seiten gegeben hat, bis weit in traumatische Symptome hinein, die selbst über mehrere Generationen hinweg noch nachwirken: auf Kinder, Kindeskinder und selbst auf die Kinder der Kindeskinder. Diesen Spuren nachzugehen, das ist nicht weniger wichtiger, auch politisch nicht weniger wichtig, als die furchtbaren Tatsachen von damals wieder und wieder ins Gedächtnis zu rufen.

     

    Was übrigens auch für die Aufstiegsgeschichte des deutschen Faschismus gilt: auch für den dramatischen Durchbruchssieg der NSDAP am 14. September 1930 waren sogenannte ‚objektive‘ Faktoren ebenso wichtig wie sogenannte ’subjektive‘ Faktoren. Die NSDAP erhielt an diesem Sonntag des September 1930 reichsweit 18,3 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen (und stieg damit schlagartig auf zur zweitstärksten Partei nach der SPD, die nur noch 24,5 Prozent erhielt, gegenüber 29,8 Prozent im Mai 1028). Am 20.05.1928 war die NSDAP mit 2,6 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen noch eine lächerlich kleine Splitterpartei gewesen.

    Natürlich: eine wesentliche Rolle für diesen furchterregenden Anstieg der Wählerzahlen für die NSDAP spielte die Ende Oktober 1029 ‚ausgebrochene‘ Weltwirtschaftskrise (nur ein objektiver Faktor neben einigen anderen objektiven Faktoren, unter anderem der immer stärker werdenden Finanz-Unterstützung der NSDAP durch bestimmte Kapitalfraktionen in der Weimarer Republik, vor allem durch die Rhein-Ruhr-Schwerindustrie mit ihren Magnaten).

    Gleichzeitig reagierten nicht alle Menschen – vor allem Angehörige der sogenannten Mittelschichten – auf die Abstiegs- und Pleiteängste, die von der Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurden, mit der ‚Abwanderung‘ zur NSDAP. Und nichtmal alle Angehörigen der Mittelschichten taten das. Immun gegenüber der NS-Propaganda bis zum Schluß blieben die meisten Menschen aus der Arbeiterschaft, aber selbst Menschen aus der politischen und sozialen Mitte widerstanden der antidemokratischen und antimenschlichen brutalen Gewaltpropaganda der Nationalsozialisten. Objektiv, von den sozialen und ökonomischen Fakten her, sind diese Unterschiede nicht ganz zu erklären (ebensowenig nur subjektiv, also mithilfe psychologischer Erkenntnisse). Woraus, meiner Ansicht jedenfalls, zu schlußfolgern ist:

    Damals – wie auch heute – kommen stets die einen und die anderen Faktoren zusammen, unterschiedlich im Gewicht, und wir sollten die einen Erklärungen nicht gegen die anderen Erklärungen ausspielen wollen. Und wenn wir es dennoch tun?

    Es wäre – mal wieder – das unter engagierten Menschen nicht unübliche Entweder-Oder-Spielchen, das wir da zu spielen begännen, es wäre – mal wieder – das, was ich vor längerer Zeit schon als EOK-Syndrom bezeichnet hat, und was gerade in unseren Reihen schon so viel Unheil angerichtet hat, diese furchtbaren Streitereien ausgelöst hat und Spaltungsprozesse: das Entweder-Oder-Krankheits-Syndrom.

    Mit herzlichen Grüßen also in die gesamte Runde,

    Euer Holdger Platta

     

     

  • Ulrike Spurgat
    Antworten
    Lieber Holdger,

    lange über deine gehaltvolle, durchdachte und konsequente Antwort nachgedacht.

    Bei alldem wo ich dir zustimme ist es nicht möglich dir an der Stelle folgen zu wollen was du als ein „Entweder oder Spielchen“ bezeichnen willst.

    Entscheide ich mich nicht sitze ich zwischen den Stühlen und es wird mich über kurz oder lang zerreißen.

    Und ja, ich stehe grundsätzlich solange ich denken kann auf der Seite und ich sage ganz bewußt meiner Klasse. Und zu welchen Schlussfolgerungen sollte ich denn anders kommen als zu meinen eigenen ?

    Zugegebenermaßen beschäftigt mich dieses Thema, dass du zu recht klar benennst als unerledigt zumindest noch zur Zeit.

    Es fällt mir unendlich schwer anders zu „gewichten“ als ich es tue, denn das würde ich als einen Verrat an denen ansehen die unter grausamsten Verhältissen ihr Leben in die Waagschale für den revolutionären Kampf geworfen haben. Aber nicht nur das, sondern ihnen hat man das wertvolle Leben auf grausame Weise genommen.

    Viel denke ich über „Vergebung“ nach. Auch mit Freunden Bekannten und den Töchtern wird das thematisiert. Wie bereits oben aufgeschrieben. „Vergebung“ würde aus meiner Sicht heraus bedeuten, dass die andere Seite ihre Schuld zugibt und das Leid des Anderen anerkennt.

    Selbst heute weht der eiskalte faschistische Wind wieder durch die Republik. Das ist allerdings nichts Neues, denn er wehte vor 1933 und nach 1945. Bewußt ist es aber nur den Menschen, die in diesem System immer die Arschkarte ziehen und nicht spuren.

    Als Kind und auch später bin ich an sinnlosen Regeln wütend geworden und habe mich dagegen gewehrt. Und jetzt spuckt der Pharma Lobbyist Lauterbach (gestern bei der Schnackerin Will)  Töne in die Republik die den dunkelsten Teil der deutschen Geschichte in den Fokus rücken solten. Wir, die sich gegen staatliche Repression und Unterdrückung von Menschenrechten wehren haben nach Lauterbach “ keine Achtung verdient“.

    Da stehen wir, und die Abnicker, Stiefellecker und Wichshörchen klatschen Beifall.

    Was das alles miteinander zu tun hat ? Alles !

    Danke, dass du mich zum weiteren Nachdenken beflügelst um möglicherweise im Denken einge Korrekturen vorzunehmen.

     

     

     

     

     

Kommentar schreiben:

Start typing and press Enter to search