Endlich wieder Krieg!

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Früher war es der „War on terror“, nunmehr der „War on virus“. Hauptsache Krieg! In Zeiten, in denen verweichlichte Mitteleuropäer die Rhetorik von Kampf, Blut und Bewährung offenbar entbehren, helfen uns Politiker, indem sie alles zum Krieg erklären. Emmanuel Macron etwa rief den Krieg gegen einen „unsichtbaren Feind“ aus. Was die Herrschenden damit bezwecken, ist klar: sich selbst als kernige Macher positionieren, dem Volk Opfer abverlangen, Recht durch Kriegsrecht ersetzen, die soziale Spaltung leugnen, indem man den Zusammenhalt der Krieg führenden Nation beschwört. Auch die Bürger machen bei diesem Spiel offenbar gern mit, vielleicht aus der versteckten Scham heraus, dass es ihnen bisher „zu gut“ ging. Wer das Virus „klein redet“ wird dem gemäß als Spielverderber abgekanzelt. Volker Freystedt

Nein, nicht „der Russe“ steht vor der Tür, und auch nicht der Chinese. Es ist viel, viel schlimmer. Ein Virus steckt bereits hinter der Tür! Gegen diese unsichtbare Gefahr (die nur Experten erkennen können) wurde deshalb von den Regierenden der „Krieg“ ausgerufen – „Kampf“ reicht hier nicht mehr, der Begriff ist bereits für Themen wie Armut und Klimawandel reserviert.

Und woran erkennt der Bürger, wie groß die Bedrohung ist? An dem Ausmaß der Opfer und dem der Entbehrungen, die ihm abverlangt werden. Wenn man von einer Armee angegriffen wird, kann man sagen: soundsoviel Mann mit soundsovielen Panzern und Raketen – bei einem Virus kann man nicht benennen, zu wie vielen das Virus anrückt. Man kann nur die Opfer zählen. Und die Geschwindigkeit, in der die Opfer dahingerafft werden.

Gegen eine fremde Armee kann die eigene Armee antreten, notfalls ziehen auch die Bürger selbst in den Kampf.

Der heroische Einsatz im Krieg gegen Viren ist dem medizinischen Fachpersonal vorbehalten.

Gegen eine Virusattacke kann man als Bürger nicht ins Feld ziehen (dahin könnte man sich höchstens verkriechen), sondern man kann sich nur in die Isolation zurückziehen. Der eigene Beitrag in diesem Krieg bemisst sich also nach der Höhe der Entbehrungen, die man auf sich nimmt: je maßloser die Maßnahmen, desto heroischer kann sich fühlen, wer sie ohne Murren erträgt. Unehrenhaft hingegen verhält sich, wer die Bedrohung ignoriert oder zumindest klein redet. Er will ganz egoistisch seinen Beitrag zum Krieg gegen das Virus nicht leisten, will nicht einsehen, dass er sich und andere gefährdet. Er isoliert sich durch seine Isolationsverweigerung von der Masse der Isolationswilligen. Und beraubt sich gleichzeitig einer Erfahrung, die man nur im Krieg machen kann.

„Ich hatt´ einen Kameraden, einen bessern findst du nit“. Dieser über 200 Jahre alte Text, der noch heute Verwendung findet, beschreibt das, was oft von Kriegsteilnehmern fast wehmütig erinnert wurde: „echte Kameradschaft“ – oft mit dem Zusatz, das man „sowas“ in Friedenszeiten nicht anträfe. Warum nicht?

Wer diesen Satz heute z.B. über seinen Tennispartner sagen würde, täte dies wohl eher mit leicht verzerrten Gesichtsmuskeln, denn „besser“ bedeutet in dem Fall: „besser als ich“. Man gibt damit zu, dass man selbst an guten Tagen bestenfalls mit nur 1:2 unterliegt.

In Friedenszeiten ist man offenbar auch unter Freunden in ständiger Konkurrenz – mit dem, was man kann, mit dem, was man erreicht hat, und dem, was man hat. Erst wenn eine äußere Bedrohung entsteht, die die eigenen Kräfte übersteigt, erinnert man sich der Möglichkeit der Kooperation. Deshalb der häufig geäußerte Satz, der Krieg bringe zwar Not und Elend und Tod – aber er brächte auch das Beste aus manchen Menschen hervor.

Doch zurück zum Krieg gegen das Virus. Hier kann man sich eben nicht an der Seite eines aufopferungsvollen Kameraden heroisch in die Schlacht werfen, hier können auch Männer nur die sonst den Frauen vorbehaltenen Rollen der zuhause Entbehrenden einnehmen. Und offenbar bemisst sich die Heldenhaftigkeit in diesem Fall an dem Ausmaß des Verzichts, den man auf sich nimmt. Warum sonst sollten sich immer wieder Stimmen erheben, die nach noch mehr Einschränkungen verlangen? Die den Einschränkenden noch zujubeln? Das erinnert schon beinahe an die Flagellanten im 13. Jahrhundert, die durch Selbstauspeitschen Buße tun wollten.

Erleben wir also ein kaschiertes Überdrüssigsein an unserem gepamperten Leben? Besteht eine versteckte Sehnsucht nach Entbehrungen, als Voraussetzung, wieder das schätzen zu lernen, was wir haben? Möchten wir aus dem ach so abgesicherten Muttersöhnchendasein ausbrechen ins Ungewisse, das ja auch verbunden ist mit einem Strauß an Optionen?

Wenn dem so wäre, dann wären natürlich diejenigen, die die Bedrohung durch das Virus klein reden, unerwünschte Spielverderber, und das Bedürfnis, sich noch enger an die zu halten, die die Gefahr als enorm und die Maßnahmen als noch nicht ausreichend erklären, würde noch gesteigert. Was diese letztlich in ihrem Alarmismus nicht nur bestätigt, sondern sogar noch anspornt. Ein perfekter Circulus Vitiosus ist somit geschaffen, aus dem man nur wieder herauskommt wie aus einem sich ständig beschleunigenden Karussell: durch die Fliehkräfte!

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    Freiherr von Anarch
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    Nunja – es ist ein immerwährender Krieg Reich-gegen-Arm, Herrscher-gegen-Unterdrückte, Herrschaftssysteme-gegen-Unterworfene !

    Entweder man nimmt diesen Kampf an und wehrt sich – oder man unterwirft sich.

    Worin soll denn eine andere Lösung bestehen ?

    Es sind diktatorische Herrschaftssystme allesammt, es geht um Unterdrückung und Ausbeutung – entweder man wehrt sich oder nicht !

    Diese gesamte Einstellung einer „friedlichen Revolte “ gegen Unterdrückungssysteme dient letztlich nur diesen Systemen, Veränderungen bringt sie nicht.

    Es ist nur die Tat die befreit – friedliche Untätigkeit ist den Unterdrückungssystemen sehr angenehm. Das muss bedeuten:

    Aufstand, Revolte, Widerstand, Ungehorsam, Rebellion, Revolution , als Ungehorsam und Verweigerung insgesamt zu betrachten.

    Da gibt es keine Lösung dazwischen.

    Es ist also ein Kampf und wird eben auch ein gewalttätiger sein müssen, wenn man diesen gewinnen will, schon wegen Notwehr gegen gewalttätige Systeme, die Gegenwehr ausschalten wollen.

    Entweder man befreit sich oder lässt es bleiben – es gibt keine andere Möglichkeit.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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    Volker
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    Auch die Bürger machen bei diesem Spiel offenbar gern mit, vielleicht aus der versteckten Scham heraus, dass es ihnen bisher „zu gut“ ging.

    Jo, beim Maskenspiel, damit sie nicht beschimpft werden: »Dir geht’s wohl zu gut, antreten, zack zack, in Reih und Glied.«
    Alles Maskerade. Bürger ist beschäftigt damit, kein Gesicht zu zeigen, Mund zu verdecken und panisch Mitbürgern auszuweichen. Soll sein so. Blos nicht anecken, bei Berührung lacht der Sensemann im Führerhauptqua beim RKI, in Gestalt wundersamer Person, dessen Supinamen D. ich nicht nennen werde – ominöser Fachflüsterer, der Du bist, bekannt wie bunter Hund.

    Deshalb der häufig geäußerte Satz, der Krieg bringe zwar Not und Elend und Tod – aber er brächte auch das Beste aus manchen Menschen hervor.

    Wer sagt oder behauptet das? Etwas präziser bitte!

    Besteht eine versteckte Sehnsucht nach Entbehrungen, als Voraussetzung, wieder das schätzen zu lernen, was wir haben? Möchten wir aus dem ach so abgesicherten Muttersöhnchendasein ausbrechen ins Ungewisse, das ja auch verbunden ist mit einem Strauß an Optionen?

    Klar, meine Sehnsucht geht in Richtung weiterer Entbehrungen, um schätzen zu lernen, was ich nicht habe. Und danke für das Muttersöhnchen. Als verzogenes Balg bekomm ich schon Schüttelfrost beim Anblick eines Leistungsbescheids.

    Ein perfekter Circulus Vitiosus ist somit geschaffen, aus dem man nur wieder herauskommt wie aus einem sich ständig beschleunigenden Karussell: durch die Fliehkräfte!

    Ein was? Mann, Sie überfordern mich, habe nicht mal haubtschuhlabschlus ++glucks++. Doch, soll vorkommen, hatte Abstandsregeln nicht beachtet, verschnupfte Systemkriecher verschreckt, ihre Maskierung nicht geachtet. Und was sich darunter verbarg.

    Was Fliehkräfte betrifft: Ist, wie von einem Mixer püriert zu werden.

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