Friede auf Erden – auch mit den Tieren!

 In Daniela Böhm, FEATURED, Umwelt/Natur

Die Welt verlangt so dringend nach Frieden, und es gibt keine „vernünftige“ Rechtfertigung für das Morden. Der Krieg der Menschen gegeneinander und gegen das gemeinsame Ökosystem hat katastrophale Folgen. Gewaltfreiheit allerdings ist unteilbar. Man kann nicht die eine Form der Gewalt – auf den Schlachtfeldern – verdammen, ohne zugleich auch die andere – auf den Schlachthöfen – abzulehnen. Tieren wird tagtäglich furchtbares Leid zugefügt, und auch Umwelt und Klima leiden in der Folge der ausufernden „Fleischproduktion“. Verweigern wir uns diesem zerstörerischen System! Rede Daniela Böhms auf dem „Earth Peace Day“ am 22. September in Ingolstadt.

Frieden ist weit mehr als die bloße Abwesenheit von ungerechten Kriegen, und zu keiner Zeit gab oder gibt es einen gerechten Krieg, nur Menschen, die um jeden Preis Recht haben wollen und eine mächtige Rüstungsindustrie, die sich am Töten bereichert.

Ein einziger Mensch, der für einen sinnlosen Krieg sterben muss, ist einer zuviel. Laut eines Berichts des schwedischen Rüstungsforschungsinstitut SIPRI beliefen sich die weltweiten Ausgaben für militärische Zwecke 2017 auf 1,7 Billionen Dollar. Das ist Irrsinn. Was könnte man mit dieser unfassbaren Summe alles an Gutem bewirken, wie viele Menschenleben retten und Kinder vor dem Verhungern bewahren. Der Wunsch nach Frieden und die Rüstungsindustrie passen nicht zusammen. Das ist so, als würde man zum Einschlafen eine Schlaftablette nehmen und gleichzeitig einen Espresso trinken. Es ist absurd. Doch damit sich die Mächtigen der Rüstungsindustrie weiterhin bereichern können, müssen Kriege auch angezettelt und geführt werden, denn wozu sollten Waffen sonst produziert werden?

Frieden beschränkt sich aber nicht nur auf das menschliche Miteinander, er muss alle Lebensformen mit einbeziehen, auch die Erde als Grundlage unserer Existenz. In allen Sprachen gibt es den Begriff der Mutter Erde. Warum vergiften wir sie dann mit Chemikalien, zerstören ihre Wälder, entziehen ihr die Kraft und rauben sie aus? Es ist so, als würde man Krieg gegen seine eigene Mutter führen, die einem das Leben geschenkt hat. Es hat seinen Grund, warum all die Edel- und Halbedelsteine in der Erde verborgen sind. Um Gold zu gewinnen, werden oft Regenwälder und Naturschutzgebiete zerstört und die Erde und Menschen deshalb mit Blei vergiftet. Diamanten- und andere Minen schlagen ihr tiefe Wunden und höhlen sie aus.

Dieser Planet wird mit Gift und Chemie überschüttet, ob es die Pestizide sind, die Antibiotika aus der Massentierhaltung, die Überdüngung der Felder durch zu viel Gülle, das Fracking, der Plastikmüll in den Ozeanen oder Plastiknanoteilchen, die ins Grundwasser gelangen.

Viele Menschen sind sich all dessen bereits bewusst und bemühen sich um Veränderungen, damit diese Welt eine bessere wird. Wir stehen heute als Menschheit vor der großen Herausforderung, wie wir mit den noch vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umgehen und das ist ganzheitlich betrachtet und für jeden Einzelnen keine leichte Aufgabe.

Viele von uns möchten nicht länger Teil eines Systems sein, das jeden Tag Krieg gegen die Natur führt. Denn es ist auch hier ein System, das hinter diesem vernichtenden Krieg gegen die Erde steckt und einen erheblichen Anteil daran trägt, dass dieser Planet zerstört wird. Ein grausames Monopoly, bei dem es nur wenige Gewinner gibt. Vor allem Banken und multinationale Großkonzerne. Ein System, das uns Sicherheit und Glück vorgaukeln will, indem wir Gold kaufen oder noch eine Lebensversicherung abschließen und viele folgen ihm wie Lemminge, ohne es zu hinterfragen.

Die meisten Menschen auf dieser Welt sind dabei die ganz großen Verlierer. Ein Konzern wie Nestlé ignoriert das Grundrecht auf Wasser, bringt natürliche Wasserquellen in ärmeren Ländern in seinen Besitz und verkauft dann teure Plastikflaschen, die sich die Menschen dort nicht leisten können. Monsanto, jetzt Bayer-Monsanto, hat unzählige Kleinbauern auf der ganzen Welt in den Ruin getrieben und vergiftet mit seinen chemischen Mitteln weiter Menschen, Tiere und die Erde. Firmen wie McDonalds oder Burger King haben nicht nur Milliarden von Tieren auf den Gewissen, sondern auch viele und einzigartige Regenwälder, die für die Viehzucht zerstört wurden.

Das Geld ist zu einer Macht geworden, die allein wir Menschen erschaffen haben. Deshalb werden Kriege geführt, müssen viele Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, werden wir krankgemacht und wird unsere Erde zerstört.

Geld sollte dem Menschen als Tauschmittel dienen, wie ursprünglich gedacht, aber heute ist es umgekehrt. Der Mensch dient dem Geld, alles ist nach Gewinn und Profit ausgerichtet, um jeden Preis. Doch dieser Preis, den wir, die Erde und alle anderen Bewohner zahlen, ist um ein Vielfaches zu hoch. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum, auch nicht in der Natur. Das ist ein fataler Irrtum.

Nach Frieden zu streben, muss genauso den anderen Bewohnern dieses Planeten gelten: unseren Brüdern und Schwestern, den Tieren. Die vegane Lebensweise ist eine friedfertige, denn sie respektiert das naturgegebene Recht auf Leben, das jedem Wesen zusteht.

Sie ist keine Spinnerei oder Modeerscheinung, auch kein Allheilmittel, bei dem es nur um die eigene Gesundheit geht. Sie ist eine ethische Notwendigkeit und eine Bewegung des Mitgefühls. Sie ist eine der Grundvoraussetzungen für den Frieden auf dieser Welt und eine Verpflichtung gegenüber den Schwächsten der Schwächsten.

Diese Erde ist getränkt vom Blut der Tiere – tagtäglich findet ein unendliches Grauen in den Schlachthäusern und Massentierhaltungen dieser Welt statt, in den Versuchslaboren und Pelzfarmen, den Stierkampfarenen oder Tierheimen in Ost- und Südeuropa und in den Meeren dieser Welt.

Wie kann diese Welt zu einem friedlichen Ort werden, wenn schwächeren Lebewesen ständig Gewalt angetan wird? Das ist Krieg, der durch ein anthropozentrisches System gerechtfertigt wird, in dem der Mensch über Schwächere herrscht! Er findet jeden Tag vor unserer Haustür statt und tobt in den Schlachthäusern – doch die meisten Menschen tun so, als ob sie dieses Blutvergießen und dieser Krieg nichts angehen.

Frieden auf dieser Erde kann nicht möglich sein, solange wir Tiere ausbeuten und töten. Er kann nicht möglich sein, wenn wir im Gestern verharren, auf das Recht des Stärkeren pochen und dem Satz beharren: Das war doch schon immer so.

Bei der letzten Mahnwache in München habe ich tief in der Nacht eine Diskussion gehabt, die fast schon absurd war, denn mein Gegenüber brachte mindestens fünf Mal das Argument, dass der Mensch die Eiszeit ohne Fleisch nicht überlebt hätte. Das mag vielleicht sogar stimmen, aber leben wir noch in der Eiszeit oder der Steinzeit? Im Mittelalter, vor hundert Jahren oder vor nur zwanzig Jahren? Nein, wir leben heute, hier und jetzt. Und wir müssen uns heutzutage ganz ernsthaft die Frage stellen, ob wir als Menschheit zugrunde gehen wollen, nur weil wir nicht auf unsere persönlichen Gewohnheiten oder Überzeugungen verzichten wollen oder ob wir unser Herz dem Mitgefühl öffnen und Sorge für diesen Planeten und alle Bewohner tragen.

Der Konsum von Fleisch und Fisch sowie anderen tierischen Produkten trägt einen mittlerweile erwiesenen und enormen Anteil an der Verschwendung von Ressourcen, der Klimabelastung und dem Welthunger. Wer das immer noch nicht glauben oder hören will, denkt nicht über den eigenen Tellerrand hinaus.

Wir alle haben diesen Traum einer friedlichen Welt. Ich bin davon überzeugt, dass er sich erfüllen kann, wenn wir einen Frieden anstreben, der allen Lebewesen und Lebensformen gilt. Wenn wir uns der großen Verantwortung, die wir als Menschen tragen, bewusst werden. Wenn wir das Miteinander leben und nicht das Gegeneinander.

Und Frieden beginnt vor allem auch bei uns selbst. Menschsein ist kein Leichtes. Von allen Lebensformen hat der Mensch die größte Verantwortung und muss sich ständig mit seiner widersprüchlichen Natur auseinandersetzen. Wir alle tragen Verletzungen in uns, kämpfen mit kleinen und großen Schwächen und Ängsten oder müssen Niederlagen auf unserem Lebensweg verkraften, die ungerecht erscheinen. Wir verlieren geliebte Menschen, die uns nahestanden, und tragen oft genug an der Last des Alltags. Inneren Frieden zu finden, ist nicht einfach und es gibt wohl kaum ein Patentrezept dafür. Vielleicht ist der Anfang aber mit einer liebevollen Einstellung zu uns selbst gemacht und einer grundsätzlichen Akzeptanz all dessen, was unseren Lebensweg ausmacht.

Diese Erde ist ein einzigartiges Wunder mit all denjenigen, die schon lange vor uns Menschen da waren. Dieses Wunder will erkannt und gelebt werden. Alles und jedes Lebewesen bedarf unserer Wertschätzung und Empathie. Ob es andere Menschen sind, die Erde oder die Tiere. Der kleine Regenwurm, der fleißig die Erde umgräbt, verdient sie ebenso wie ein Apfelbaum, der uns seine Früchte schenkt oder der Bauer, der den Acker bestellt.

 

 

 

 

Anzeige von 2 kommentaren
  • Imago
    Antworten
    All das was ich in dem Artikel oben lese klingt für mich so sehr zutreffend und berührend, daß ich merke, wie ich der Autorin gegenüber am Liebsten ins Du fallen möchte und ihr dabei sagen will:

    Alles was Du sagst ist vollkommen richtig, doch hab‘ auch immer wieder – noch etwas Geduld! – Immer mehr Menschen wird bereits deutlich, daß sie nun erstmals wirklich genug haben von all der rücksichtslosen Ausbeutung, die unser derzeitiges Gesellschaftssystem mit sich bringt. Wir erleben nun immer deutlicher hervortretend den Beginn eines schon jetzt sehr mächtigen, weil nun offenbar weltweit immer stärker einsetzenden Klärungsprozesses an dem immer mehr Menschen ihren positiven Anteil haben werden. Der viele, bislang oft so mörderische Unsinn auf der Welt wird dadurch mehr und mehr schwinden, bis „am Ende“ nur noch ein verhältnismäßig geringer Rest von eher kleineren Irrtümern übrigbleibt (ein Rest, den wir wohl auch immer wieder einmal brauchen werden, da wir – gerade auch aus unseren Irrtümern ganz naturgemäß – immer wieder sehr viel Wertvolles lernen können). – Derzeit können zwar noch immer kleine oder auch größere Rückschläge für uns eintreten, weil bei vielen Menschen noch immer eine ganze Menge an diffuser Angst und Unsicherheit vorherrschen; die Dinge und Ereignisse jedoch immer wieder im Großen und Ganzen betrachtend, sollten wir uns davon nicht irritieren lassen, sondern auf unserem Weg zu mehr und mehr Frieden und Gerechtigkeit stattdessen mit klar entschiedenem friedensgerechtem Geist und somit auch mit geduldiger Gelassenheit und innerer Ruhe – immer weiter voranschreiten.

  • Bettina
    Antworten
    Auch ich liebe die Tierwelt, und so schätze ich mich glücklich, dass ich übertriebene Hygiene oder die Übertreibung von Deo, Kosmetika oder ähnlichem seit langer Zeit verweigere. Ich töte noch nicht einmal Spinnen, obwohl diese langbeinigen Krabbeltiere, wo man nie weiß, in welche Richtung sie nun eigentlich krabbeln, etwas suspekt sind. Ein umgestülptes Glas, das kleine harmlose Wesen reinkrabbeln lassen, anschließend einen Bierdeckel darunterschieben ( der Kölsch- Bierdeckel wirkt besonders gut), nach draußen setzen, am besten da, wo sich gerade viele hungrige Vögel tummeln, und ruck zuck hat man dieses arme, vollkommen orientierungslose Wesen mit gutem gewissen aus seinem Badezimmer entfernt.
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    Wo kämen wir dahin, wenn ein von der Ausrottung bedrohtes, seltenes, zuweilen etwas scheues,  aber für Architekten doch so nützliches Lebewesen ausgerottet werden würde? Sehen Sie einen eindrucksvollen Vortrag eines Professors der Zoologie.

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    Frieden auf Erden- Frieden auch mit der Steinlaus 🙂

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    Loriot: die Steinlaus
    https://youtu.be/6ehcytFUV38

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