Ganz sicher: gefroren wird unten in diesem Staat!

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

154. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ „Sozial ist, was Arbeit schafft“ – wir kennen diesen Spruch von deutschen Heroen der Sozialpolitik. Demgemäß wäre auch Alexis Tsipras ungemein sozial, denn die Arbeitslosenzahlen sind in Griechenland um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Nicht eingerechnet ist dabei die Tatsache, dass sich viele Menschen aus Scham und Resignationsgefühlen heraus schon gar nicht mehr arbeitslos melden. Nicht erfasst wird durch die Statistik auch die in vielen Fällen miese Qualität der Arbeit und die schlechte Entlohnung. Tausende von GriechInnen frieren in diesem Winter. Und damit ist nicht nur soziale Kälte im übertragenen Sinn gemeint – sie frieren buchstäblich, weil ihnen das Geld für ordentlich geheizte Wohnungen fehlt. Ein kleines bisschen Wärme – wenigstens für einige Betroffene – bringt unsere bewährte Spendenaktion.  Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

nun gut: in der letzten Woche legten unsere finanziellen UnterstützerInnen zu großen Teilen eine kleine Pause ein. Lediglich 2 Spenderinnen überwiesen 30,- Euro an uns. In der Vorwoche waren das 640,- Euro gewesen, unserer Spendenaktion von 7 HelferInnen zur Verfügung gestellt. Gleichwohl sage ich auch heute herzlichen Dank für die Hilfe, und inzwischen stehen unseren Griechenlandreisenden für deren nächste Fahrten auch wieder um die 5.000,- Euro für diverse Hilfszwecke bereit. Wie schon mitgeteilt: in etwa 4 Wochen soll es wieder losgehen mit den Besuchen in Griechenland.

Ansonsten präsentiert die Nachrichtenlage kaum ein neues Bild von der Situation in dem kaputtreglementierten Mittelmeerstaat.

Positiv vermerken könnte man, dass die Arbeitslosenzahl in Griechenland weiterhin zurückgegangen ist: Betrug sie vor mehr als zwölf Monaten, im November 2017, noch 21,1 Prozent, so wurden für den November 2018 „nur noch“ 18,5 Prozent an Arbeitslosen registriert. Freilich sind dem drei Feststellungen entgegenzuhalten:

Frauen sind immer noch stärker von der Arbeitslosigkeit betroffen als Männer, in der Höhe nämlich von 23,7 Prozent. Von den Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren waren immer noch 31,1 Prozent auf der Jobsuche. Und zu berücksichtigen ist bei diesem leichten Anstieg der Beschäftigtenzahl auch, dass die meisten Erwerbstätigen – derzeit so um die 70 Prozent – zu Lohnbedingungen beschäftigt sind, die nicht mal das menschenwürdige Existenzminimum abzusichern vermögen. Die meisten müssen sich mit Lohneinnahmen von weit unter 600,- Euro pro Monat zufrieden geben (und oft müssen ganze Familien auskommen mit diesen Niedrigstlöhnen!). Mit einem Wort: ganz überwiegend ist Griechenland immer noch ein Armen- und Ärmstenland! Und zum anderen:

Erfasst mit all diesem Zahlenmaterial werden lediglich Arbeitslose, die als Beschäftigungssuchende registriert sind. Das Ausmaß an Resignation, keinen neuen Arbeitsplatz mehr finden zu wollen, bleibt bei all dieser Statistik draußen vor. Lediglich ein Zahlenpaar – mitgeteilt von der „Griechenland Zeitung“ (GZ) in der Ausgabe vom 13. Februar – signalisiert, in Andeutungen jedenfalls, das wahre Ausmaß der Erwerbslosigkeit in diesem zugrundegeretteten Austeritätsopfer Griechenland: 3.865.670 Griechinnen und Griechen stehen demzufolge in Lohn und Brot – in welchem Bedürftigkeitsausmaß auch immer –, 3.218.866 Griechinnen und Griechen hingegen nicht. Heißt: „eigentlich“, „im Grunde“, „in Wahrheit“ benötigten rund 44 Prozent aller Griechinnen und Griechen eine Beschäftigung, doch lediglich rund 56 Prozent aller Griechinnen und Griechen sind untergebracht in irgendeiner Tätigkeit.

Natürlich: das sind Ungefähr-Zahlen, keine statistische-abgesicherten Prozentbeträge (nach Resignation wird bei solchen Erhebungen nicht gefragt!). Aber diese Ungefähr-Zahlen dürften das wahre Katastrophen-Ausmaß in Griechenland dennoch deutlicher wiedergeben als die präzisen Ziffern, die bis zur letzten Stelle vor dem Komma genau die Zahl der aktiv arbeitssuchenden GriechInnen wiederzugeben vermögen. Diese Ungefähr-Zahlen geben wenigstens in gewisser Annäherung das subjektive Moment der Hoffnungslosigkeit zu erkennen, die fast die Hälfte aller GriechInnen im arbeitsfähigen Alter erfasst hat! Egal: das Ausmaß der Verzweiflung spiegeln alle diese Zahlenangaben wieder – so oder so! Und das Ausmaß der menschenunwürdigen Existenzbedingungen, unter denen die GriechInnen zu leben haben, hat sogar Eurostat, die europäische Statistikbehörde, vor gut zwei Wochen, in einer eigenen Umfrage herausgebracht:

Demzufolge sieht sich fast ein Viertel aller griechischen Haushalte nicht mehr imstande, die eigenen Wohnräume in den Wintermonaten genügend zu heizen – nämlich präzise 24,7 Prozent. Ich füge hinzu: auch in Griechenland können die Wintermonate verdammt kalt sein (nicht nur im nördlichen Griechenland, auch auf den Inseln und auf der Peloponnes!). Und ich ergänze: diese Anteilsziffer von 24,7 Prozent gibt die Anzahl der Haushalte an, nicht die Anzahl der davon betroffenen Personen, die um ein X-Faches höher liegen dürfte (Zahlen dazu unbekannt). Damit liegt Griechenland fast an der Spitze der Kälte-Skala, die von Eurostat in der gesamten EU ermittelt worden ist. Lediglich Litauen mit 28,7 Prozent und Bulgarien mit 36,5 Prozent aller Haushalte übertreffen in dieser Hinsicht Griechenland noch. Der gesamteuropäische Durchschnitt liegt dieser Statistik zufolge bei knapp 8 Prozent. Das bedeutet:

Griechenland, das ist nicht nur, wie ich formulierte, ein Armen- und Ärmstenland, Griechenland ist zur Winterszeit auch eines der kältesten Länder auf dem gesamten europäischen Kontinent. Fast möchte man sagen: die Eiseskälte der Euro-Staaten-Politik gegenüber Griechenland kann man auch ablesen an der bitteren Kälte, die in vielen der griechischen Wohnräume herrscht. In Griechenland frieren die Menschen nicht nur der Wintertemperaturen wegen, Griechenland friert auch wegen der Eurostaaten-Politik – und wegen einer Tsipras-Regierung, die den Schutz der eigenen Bevölkerung längst schon ausgetauscht hat gegen eine devote Gehorsamspolitik gegenüber der Eurostaaten-Welt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Tsipras wohl ganz regulär seine Amtszeit zu Ende bringen dürfte, sozusagen „überwintern“ darf auf dem Stuhl des griechischen Ministerpräsidenten, ohne eine vorherige Abwahl befürchten zu müssen – also bis zum Herbst dieses Jahres (bevor dann neue Kälte hereinbricht über Griechenland). Der Grund:

Endgültig nun haben sechs Abweichler erklärt, die SYRIZA bis zum Oktober 2019 unterstützen zu wollen, vier unabhängige und zwei noch fraktionsgebundene Abgeordnete der ANEL, die kürzlich das Koalitionsbündnis mit der SYRIZA aufgekündigt hat. Damit darf ein Alexis Tsipras mit der denkbar knappsten Mehrheit von 151 Unterstützern weiterregieren im drangsalierten Griechenland – und darf gegebenenfalls auch weiterregieren gegen die Bevölkerung in Griechenland! Wie schrieb die GZ in ihrer vorletzten Ausgabe dazu: „Sechs Abweichler stellen Tsipras einen Blankoscheck aus“! Zittern müssen andere Menschen in Griechenland, Alexis Tsipras nicht. Denn man darf sicher sein: die Amtsräume des griechischen Premiers sind ganz gewiss aufs angenehmste beheizt. Gefroren wird unten, nicht aber im Präsidentenpalast!

Und damit wieder zu meiner Bitte um Unterstützung unserer Spendenaktion.

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

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