Gegen die Verharmlosung der rechten Gefahr

 in FEATURED, Politik (Inland)

30. Januar 1933: Hitler am Fenster der Reichskanzlei bei der Entgegennahme der Ovationen der Bevölkerung. Foto: Robert Sennecke. Lizenz Creative Commons

Am Faschismus sind nicht nur die eigentlichen Akteure und Menschen schuld, die ihn begünstigen, sondern auch jene, die die frühen Erscheinungsformen faschistischen Denkens und Handelns verharmlosen. Sie schläfern die Wachsamkeit von Antifaschisten ein und tragen dazu bei, dass negative Entwicklungen eskalieren können, bis es zu spät ist. In den 30er-Jahren hat ein solches Verhalten das schlimmste Verbrechen der Geschichte mitverursacht. Bernhard Trautvetter für das Essener Friedensforum Rede auf der Antifa-Bündnis-Demonstration von „Essen stellt sich quer“ an der Messe Essen, 5.7.2020.

Das Essener Friedensforum engagiert sich seit vier Jahrzehnten antifaschistisch für eine Kultur des Friedens nicht nur in dieser Stadt.Wir kennen es, dass rechte Kräfte sich bestimmter Begriffe bedienen, um harmlos zu wirken. Solche Worte sind zum Beispiel „Heimat“, „Freiheit“, „Tradition“, „Deutsche Werte erhalten“, „Bruderschaft Deutschland“, „Steeler Jungs“. Das sind Beispiele für Begriffe, mit denen rechte Kräfte sich als Wolf im Schafspelz zu geben versuchen. Sie entmenschlichen Antifaschisten und nennen sie Zecken, die es auszutreten gelte; sie benutzen bewusst Symbole der Nazi-Zeit, nicht nur um zu provozieren, sondern auch, um ihre Ideologie und ihr Tun hoffähig zu machen; Mitläufer zeigen auch schon einmal den Hitlergruß.

Dies alles weckt schlimmste Befürchtungen: rechte Stoßtrupps marschierten einst durch diese Stadt, danach brannten Bücher, zerbarsten Fenster, brannten Synagogen, wurden politische Gegner*innen und Juden sowie andere Minderheiten verfolgt, inhaftiert, gefoltert, deportiert, und ermordet. Am Ende dieser barbarischen Zeit war Essens City zu 90 Prozent zerstört und die von ihnen so genannte Waffenschmiede des Reiches hat sich lange nicht von diesem Trauma erholt. Wie man an den Umtrieben heutiger Rechter sieht, bis heute nicht.

In der Zeit vor der Übergabe der Macht an Hitlers NSdAP fabulierten bürgerliche Kreise, von der vermeintlichen Harmlosigkeit der Nazis, die sich noch ihre Hörner würden abstoßen müssen. Ein Beispiel ist der Vertreter des Großkapitals Jost Henkel, der nach dem 2. Weltkrieg seine Hände in Unschuld zu waschen versuchte, indem er folgendes sagte: „Wir waren nicht für die Nazis, sondern gegen die Kommunisten. … Als uns Hitler 1932 erklärte, daß er mit den Kommunisten aufräumen würde, entschlossen wir uns, ihn zu unterstützen. Wir stellten uns vor, dass wir dem kleinen Komödianten die Giftzähne ziehen könnten.“ Der Kapitalist des Henkel-Chemie-Konzerns wurde Wehrwirtschaftsführer. Sie waschen mit ihren Waschmitteln ihre Hände in Unschuld, bekommen aber ihre blutige Weste nicht mehr weiß.

Einer der Gründe für die größte Katastrophe der Menschheit, für das größte Verbrechen aller Zeiten war die Tatsache, dass die faschistische Gefahr von wichtigen und einflussreichen Kräften verharmlost wurde. Demgegenüber spielte die KPD damals wirklich eine weitgehend einsame Rolle, so sagten sie im Wahlkampf um den Reichspräsidenten, in dem der später von den Nazis ermordete ehemalige linksozialdemokratische KPD-Kandidat Ernst Thälmann gegen Hindenburg verlor: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt Krieg.“

Wir aber sagen: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, deshalb sind wir hier: Nie Wieder Faschismus, nie wieder Krieg!!

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    Ulrike Spurgat
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    „Demgegenüber spielte damals die KPD eine weitgehend einsame Rolle…….“

    Die Kommunistische Partei Deutschland „spielte damals eine weitgehend einsame Rolle“ ???

    Die KPD hatte in ihren besten Zeiten über 300 000 Mitglieder, hatte über 6 Millionen Wähler. Von 585 Abgeordneten erzielte die KPD im Juli 1932 16,9% bei den Wahlen, somit 100 Sitze im Reichstag.

    Sie war stark vertreten in der Arbeiterschaft.

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      Piranha
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      486 Abgeordnete haben demzufolge für Hindenburg gestimmt; insofern war die KPD sicher ein einsamer Rufer in der faschistischen Wüste. So jedenfalls lese ich den Satz von B. Trautvetter.

      Grüße von

      P.

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    heike
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    Die Rechten wollen die Macht, und wer nicht macht, was sie wollen, bekommt das zu spüren, wenn sie Zugang zu ihm haben. Das Schlimme daran ist, dass arglose und nette Leute in diesem Machtkampf missbraucht und hineingezogen werden. Mich kotzt das unglaublich an, aber was nützt es. Am Ende helfen auch die Leute nicht, die man zu den „Eigenen“ zählt.

    Alles, was ich wollte, war ein angenehmes Miteinander, in dem man auf den anderen achtet, ihn achtet, seine Vorlieben achtet usw. Gemütliche Erzgebirgskneipen und -gaststätten sind etwas Wunderbares. Aber wenn aus jeder Gaststätte eine „Ideologie“ gemacht wird, dann dann haben die Menschen am Ende übehaupt nichts mehr, was sie einander zugetan macht – außer: bist du für die gleiche Partei wie ich???

    Ja, es gibt in der AfD mehrere Strömungen. Und ich kann  durchaus diejenigen verstehen, die nicht wollen, sich in ihrer eigenen Stadt wie Menschen zweiter Klasse fühlen zu müssen. Das will ich auch nicht. Und auch ich erwarte ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit und Respekt mir gegenüber – auch von Ausländern (nicht g e r a d e von Ausländern, das ist glaube ich, ein entscheidender Unterschied zwischen Nazis und mir.). Alle Großstädte Deurschland zu globalen und nichtsagenden „Durchmischungsstädten“ zu machen, in denen am Ende wieder nur die mit dem meisten Kapital die Sieger sind und alle anderen sich ausgesaugt fühlen, weil sie ausgesaugt werden, ist auch nicht mein Ziel. Ich kann dagegen sein, ohne gleichzeitig gegenAusländer sein zu müssen. Wie auch immer, nur mal eine kurze Zwischenmeldung von mir …

    Und ich bin naiv, und im Grunde hoffnngslos verloren in dieser Welt – aber ich treffe auch jeden Tag immer wieder ein paar Freunde, und deshalb gebe ich die Hoffnung noch nicht ganz auf … Aber ich habe mich schon oft genug geärgert, mich in diesen ganzen Quatsch überhaupt eingemischt zu haben … das war zu einem Zeitpunkt als ich glaubte, dass das Ehrlichkeit und Wollen des Guten und gute Taten auch belohnt werden.

     

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    Piranha
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    Das Gute bleibt nur gut, wenn es selbstlos gegeben wird. Erwarten von Belohnung heißt: Kosten-Nutzen-Rechnung
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      heike
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      Es geht um Gegenseitigkeit. Wenn Eltern ihren Kindern gute Ratschläge, Geschenke zum Geburtstag, Kleidung usw. mit auf den Weg geben, ihnen also schenken, dann ist es trotzdem wichtig, dass die Kinder die Bemühungen der Eltern anerkennen und in gewisser Weise danken. Auch wenn dieser Dank nicht ständig laut ausgesprochen werden muss. Und es stimmt, Eltern tun diese Dinge nicht, weil sie Dank erwarten, sondern weil sie das Beste für ihre Kinder wollen, weil sie sie lieben. Wenn aber der Dank ausbleibt, dann fühlen Eltern sich verletzt, sie sind verletzt. Auch das ist eine Tatsache. Und es macht die Gaben, die die Eltern den Kindern mitgegeben haben (das Gute), deshalb nicht schlecht.

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