Gerät unsere Hilfsinitiative in Not?

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

189. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Sorry, liebe HdS-Leserinnen und -Leser, dass Ihr dieses Mal einen ganz anderen Bericht zu unserer Spenden-Initiative zu lesen bekommt: es geht um Probleme, die sich einzustellen beginnen bei unserer Hilfsaktion. Nicht allen, so scheint es, werden wir in Zukunft noch im gleichen Ausmaß helfen können wie bisher. Oder habt Ihr neue Ideen und seht ganz neue Möglichkeiten für unser Engagement in Griechenland?  Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

wie Ihr wisst, ist derzeit unser Mithelfer Tassos Chatzatoglou unterwegs in Griechenland. Und gleich in mehreren Mails hat er mich in den letzten Tagen über Erlebnisse und Wahrnehmungen in seiner früheren Heimat informiert. Es sind zutiefst deprimierte Eindrücke, die er mir mitgeteilt hat – und zutiefst deprimierende Nachrichten auch. Doch bevor ich darüber informiere, ein Hinweis vorweg:

Diesem Bericht (so es denn einer werden wird) sind erstmals auch einige Fotos beigefügt, die Tassos in Athen gemacht hat. Sie zeigen vor allem eines: Obdachlose, die auf den Straßen (oder auch in den Parks) der griechischen Hauptstadt ihre Tage und Nächte verbringen müssen, Menschen, die buchstäblich in dieser Welt des anwachsenden Elends nicht mehr „zuhause“ sind, Opfer des griechischen Austeritätskurses, die – so vermute ich – auch „durch jede Statistik fallen“ und damit – ebenso buchstäblich – nicht mehr „zählen“ in diesem Griechenland. Mit den Worten von Tassos Chatzatoglou gesagt, der gleichzeitig die enorme Hektik in der Athener Innenstadt beschwört:

„Die Stadt ist voll mit hektischen Menschen. Die Geschäfte aber sind zum größten Teil leer. Und zwischen den Hin- und Hergehetzten liegen oder sitzen Obdachlose auf der Straße, Obdachlose, die fast völlig ignoriert werden. Tagsüber sieht man sie selten, aber wenn es finster wird, kommen sie aus ihren Verstecken hervor, so als ob ihnen die Dunkelheit Schutz bieten solle, um nicht erkannt zu werden. Mein Eindruck ist, es sind mehr geworden, und man findet sie nun auch in den Einkaufsstraßen.“

Foto: Tassos Chatzatoglou

Zugegeben: diesen Menschen zu helfen, das übersteigt auch unsere Möglichkeiten in jedweder Hinsicht. Und wenn Tassos Chatzatoglou in einer weiteren Mail mitteilt, dass „Eurostat“ zufolge, den Zählungen der europäischen Statistikbehörde zufolge mittlerweile 31,8 Prozent der griechischen Bevölkerung vom Abstieg in die Armut bedroht sind oder bereits zu den Armen in Griechenland zählen, dann verschärft sich dieser Eindruck noch: Griechenland geht mittlerweile über die Probleme des unteren Bevölkerungsdrittels völlig hinweg. Was ich am Beispiel Portugal darzustellen versuchte – dass es anders geht, dass es anders und besser aber nur geht, wenn ein Land sich mit Konsequenz und Tapferkeit den Bevormundungsversuchen der Euro-Staaten in den Weg stellt, dieser, ich wiederhole es, ebenso hirnrissigen wie menschenfeindlichen „Austeritätspolitik“ –, dieses alles gilt für Griechenland nicht.

Schon SYRIZA hat in dieser Hinsicht völlig versagt, noch stärker versagt in dieser Hinsicht die neue Regierung, die Politik der „Nea Dimokratia“, die Politik der Sogenannt-Konservativen unter Führung ihres Premierministers Kyriakos Mitsotakis. Wie sehr dieses kaputtreglementierte Land am Boden liegt – jedenfalls, was das untere Bevölkerungsdrittel betrifft -, das zeigen, nicht zuletzt, die Fotos von am Boden liegenden Menschen. Allein diese Wahrnehmungen, allein diese Fakten deprimieren zutiefst. Sie deprimieren Tassos Chatzatoglou, sie deprimieren auch mich. Aber es kommt, leider, noch etwas anderes hinzu. Und das hat – es muß eingestanden werden – mit unserer Hilfsaktion zu tun. Doch auch dazu erst ein paar Informationen vorweg:

Tassos Chatzatoglou hat während der letzten zehn Tage viele der von uns – oft seit dem Sommer 2015 – betreuten Menschen aufgesucht, und er ist auf einen Unterstützungsbedarf gestoßen, dem wir Helferinnen und Helfer nicht mehr genügen können. Ich zähle hier nur zwei Beispiele auf:

Foto: Tassos Chatzatoglou

Panagiota K. mit ihren drei Töchtern – Ihr wisst: jener kleinen Großfamilie aus Megara, der wir vor einiger Zeit eine menschenwürdige Wohnung besorgen konnten (deren Mietkosten wir mit HdS-Leserin Bettina Beckröge zum Großteil übernommen haben) – droht nun tatsächlich zum 1. Dezember neuerlich Arbeitslosigkeit. Eigentlich, so schreibt Tassos Chatzatoglou, wirkte Panagiota selbstbewusster auf ihn als beim letzten Mal, aber verzweifelter auch. Und ich erwähne schon jetzt: es wird fraglich sein, ob wir Panagiota K. auch in puncto Verdienstausfall werden helfen können. Es fehlt uns einfach das Geld (später mehr dazu).

Und auch bei einer anderen Bedürftigengruppe werden wir kaum noch in einem nennenswerten Ausmaß helfen können. Ich spreche von jenen 580 Familien, die von der Sozialstation der Gemeinde Korydallos betreut werden. Wir waren wieder gebeten worden, beizutragen zu einer Hilfsaktion anlässlich des nahenden Weihnachtsfestes. Es wird uns, wenn überhaupt, nur in einem sehr, sehr geringen Ausmaß möglich sein. Und damit zu ein paar Zahlen, die unsere Hilfsaktion betreffen – konkret: zu den Geldmitteln, die uns für all diese Zwecke noch zur Verfügung stehen:

„Eigentlich“, so sage ich, war das Spendenergebnis der letzten Woche durchaus erfreulich für uns: gegenüber der Vorwoche mit 150,- Euro an Spendengeldern und 2 SpenderInnen gingen während der letzten sieben Tage 355,- Euro auf unserem Konto ein, überwiesen von 4 SpenderInnen an uns. Und natürlich danken wir allen UnterstützerInnen sehr. Aber wir verfügen damit nur über 1.660,- Euro an Hilfsgeldern insgesamt, derzeit jedenfalls. Und im Mittel des letzten Vierteljahres gingen gerademal knapp über 1.000,- Euro pro Monat auf unserem Hilfskonto ein – und das reicht hinten und vorne nicht mehr. Ihr wisst es ja alle: die Anzahl der Menschen, denen wir bislang zu helfen vermochten, zuverlässig und kontinuierlich zugleich, liegt höher, als oben an lediglich zwei Beispielen dargelegt. Was also tun?

Foto: Tassos Chatzatoglou

Ich für meine Person kann nur zwei Zusagen machen: ganz gezielt Menschen aus meinem Umkreis anzusprechen, die – sagen wir mal so – genügend begütert sind, um vielleicht größere Spendenbeträge an uns überweisen zu können. Und zum anderen: erneut nach Werbemöglichkeiten für unsere Hilfsaktion zu fahnden, die uns bislang nicht zur Verfügung standen. Beide Ideen gebe ich hiermit auch weiter an Euch (wobei ich sehr genau weiß, dass so manche unter Euch schon so manches in dieser Hinsicht ausprobiert haben – mit insgesamt eher kleinem Erfolg, wenn überhaupt eine Wirkung zu registrieren war). An Euch den Appell zu richten, doch bitte in Zukunft mehr zu spenden an uns, das übrigens halte ich eher für unstatthaft. Denn wenn unsere Hilfsaktion mit ihren insgesamt gut vier Jahren, die sie inzwischen „auf dem Buckel“ hat, eines gezeigt hat, dann dieses: Ihr HdS-Leserinnen und – Leser habt ungeheuer beharrlich und ungeheuer viel gespendet für unsere Hilfsaktion! Und: zu den Reichsten und Reichen gehört Ihr alle in der Bundesrepublik – oder in Österreich oder in der Schweiz – auch nicht! Gleichwohl:

Vielleicht fällt ja dem einen oder der anderen unter Euch durchaus noch was ein, das unserer Hilfsinitiative neue Spendenquellen zu erschließen vermag. Es soll ja durchaus schon vorgekommen sein, dass „langgediente“ Organisatoren betriebsblind geworden sind. Wieso sollte ich da eine Ausnahme sein?

Abschließend für heute noch eine Nachricht aus Griechenland, die mich in der letzten Woche erreichte, ein Untersuchungsergebnis des griechischen Forschungsinstitutes EPIPS, veröffentlicht am vorvorigen Donnerstag, dem 10. Oktober des Jahres. Sie passt – leider – verdammt gut zu den Eindrücken, die uns Tassos Chatzatoglou von seiner derzeitigen Griechenlandreise mitgeteilt hat, und ich fange mit der „harmloseren“ Prozentziffer an:

Foto: Tassos Chatzatoglou

Mehr als vier von zehn Jugendlichen sind „unzufrieden“ mit ihrem Leben in Griechenland; 9 Prozent aller befragten Sechzehnjährigen haben bereits versucht, sich das Leben zu nehmen, bei den Mädchen sogar 12,4 Prozent (bei den Jungen 5,5 Prozent). Und ein Viertel der Jugendlichen in Griechenland (25,6 Prozent) hat bereits das Bedürfnis verspürt, sich selber zu verletzen. – Elend und Unglück bringen Depressivität und Autoaggression hervor, nicht revolutionäres Bewusstsein (das allen sogenannt-marxistischen „Verelendungstheoretikern“ ins Stammbuch!). Ich bin so tollkühn und sage: gäbe es in Griechenland Politiker und eine Politik wie in Portugal, sähen diese Zahlen ganz anders aus. Wir hätten es womöglich sogar mit Fast-Null-Prozent-Angaben zu tun! Kurz, aber eindrucksvoll hat ja eine regelmäßige Portugal-Reisende geschildert, vor ein paar Tagen hier auf HdS, in ihrem Kommentar zu dem erwähnten Artikel über Portugal, wie sich wieder Lebensfreude eingestellt hat in diesem iberischen Land, und zwar genau seit jenem Zeitpunkt, da in Portugal mit der systematischen Verelendungspolitik der Euro-Staaten gebrochen worden ist. Wie großartig wäre es, solches auch von Griechenland berichten zu können! Auch unsere Helfernöte würden kleiner dadurch.

Und damit erneut zu meinem Aufruf zu Spenden für unsere Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“.

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „GR-IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

 

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