In Griechenland gehen kleine Konjunkturaufschwünge an den Menschen vorbei

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

93. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Tourismusboom in Griechenland – das wäre eigentlich ein gute Nachricht. Sie ist es wahrscheinlich auch für direkt an Tourismusunternehmen (Bewirtung, Unterbringung usw.) Beteiligte. Obwohl die freundlichen Kellnerinnen, die deutschen Reisenden dort den „Greek Coffee“ servieren, vermutlich keine Großverdienerinnen sind, sind sie zumindest nicht von der hohen Arbeitslosenquote betroffen. Dennoch: dem Gros der GriechInnen nützt dieser Boom überhaupt nicht, die Steuereinkünfte fließen weiter „aufwärts“ in Richtung der Gelddepots der reichen Gläubiger Griechenlands. Wenigstens eines kann Holdger Platta heute vermelden: einen Spendenboom dank unserer Leserinnen und Leser. (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

natürlich: zum Monatsbeginn sind jedesmal erhöhte Spendeneingänge bei uns zu vermelden – schlicht deshalb, weil es mittlerweile einige Dauerspender unter Euch gibt, die zu diesem Zeitpunkt Gelder an uns überweisen. Dennoch übertraf das Ergebnis der letzten sieben Tage um einiges die Zahlen der Vormonate zu diesem Termin (= im Durchschnitt zwischen 800,- Euro und maximal 950,- Euro gelegen):

1.345,50 Euro gingen während der letzten Woche auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 26 Unterstützerinnen und Unterstützern aus Euren Reihen! Das ist bemerkenswert, um so mehr, als bereits in der Woche davor eine große Spendensumme bei uns eingegangen war – 917,50 Euro nämlich, unserer Hilfsaktion zugedacht von 7 Spenderinnen und Spendern. Ich danke Euch im Namen aller aus unserem Aktiventeam sehr für dieses ermutigende Zeichen. Der damit neuerlich angesammelte Spendenbetrag von rund 6.000,- Euro wird damit auch Fortsetzung unseres Beistandes für Not leidende Menschen in Griechenland sicherstellen, darüberhinaus sogar für Hilfsinstitutionen dort, für Sozialapotheken also und sozial engagierte Arztpraxen und Krankenhäuser, für Sozialstationen, auf Andros und bei Athen zum Beispiel, und für HelferInnen, die uns vor Ort zuarbeiten in Griechenland.

Karl-Heinz Apel konnte mir zum Beispiel mitteilen, dass dadurch auch unsere Armenhilfe in und um Kyparissi (in der Südpeloponnes) fortgesetzt werden kann. Zusätzlich können wir auch die Dialysefahrten von Katherina K. aus Piräus nach Athen weiterhin unterstützen – Katherina K. wartet immer noch auf ihre zweite Transplantation (voller Zuversicht allerdings, so Karl-Heinz Apel in seinem Bericht an mich; das gilt auch für die gesamte Familie von Katherina K., für ihre Eltern und die sonstigen nahen Verwandten). Und ergänzend teile ich mit, dass auch Fortsetzung der anderen Hilfsprojekte, bei denen wir uns engagiert haben, bis auf weiteres sichergestellt ist, auf der Insel Andros etwa oder bei den Krankenhäusern in Neapolis und Molai. Nicht zuletzt, in diesem Zusammenhang: noch in diesem Jahr ist zumindest eine weitere, eine neue Hilfsfahrt von unserer Organisation nach Griechenland geplant. Ich werde dann darüber berichten! Und mit Freude auch diese Mitteilung noch:

Auch meine Versuche, neue SpenderInnen für unsere Hilfsaktion zu gewinnen, scheint Früchte zu tragen: so gingen in den letzten Tagen allein von einem Hans O. 320,- Euro auf unserem Spendenkonto ein, und mich bewegt – bis weit ins Persönliche hinein – das immense Vertrauen, das damit in unser Hilfsprojekt gesetzt wird! Ich kann hier nur wiederholen, was ich schon mehrfach in meinen Berichten zu betonen versuchte: „Betreuung“ von Menschen in Not – hier: von Betroffenen in Griechenland -, das impliziert auch „Treue“ diesen Menschen gegenüber – konsequenten Kampf also dagegen, Menschen aus Geldnot heraus im Stich lassen zu müssen. Es ist großartig, wie Ihr uns bei diesem Kampf unterstützt! Und Euch von dieser Hilfe auch nicht abhalten lasst durch die Einsicht, dass wir nur im „Kleinen und Kaputten“ zu helfen vermögen, nicht aber im „Großen und Ganzen“. Ein altes Thema, Ihr wisst: wie schützt man sich selber, angesichts der Riesengröße der Probleme, vorm gutherzigen Größenwunsch, am liebsten allen helfen zu wollen (ein Wunsch, der dann unmittelbar in die Resignation führen kann!)? Und: wie bewahrt man die eigene humane Aktion davor, sich nur noch als „Caritas“ zu verstehen, nicht aber auch als immer wieder sich erneuernden politischen Protest? Ich hoffe, es ist auch in Eurem Sinne, dass wir über die humane Dimension nicht die politische Dimension unserer Hilfsinitiative aus den Augen verlieren – und über die politische Dimension nicht die Dimension der ganz konkret realisierten Mitmenschlichkeit!

Heute deshalb zur übergreifenden Dimension der Probleme, vor denen Griechenland nach wie vor steht, auch nur eine kurze Nachinformation noch, eine ergänzende Mitteilung zu einem „eigentlich“ doch positiven Entwicklungsprozess, der während der letzten Monate in Griechenland zu beobachten war (schon vielfach habe ich darüber berichtet):

Inzwischen liegen offizielle Statistiken der griechischen Zentralbank zum diesjährigen Tourismusboom in Griechenland vor (Ihr erinnert Euch: steigende Zahlen, das wohl, aber die meisten der im Fremdenverkehrsbereich tätigen GriechInnen hatten zumeist wenig bis gar nichts von diesen Anstiegsziffern!). Nun, „Spitzenreiter“ unter den Touristen aus dem Ausland waren 2017, zwischen Januar und August, tatsächlich Urlauber aus der Bundesrepublik (gefolgt von britischen Touristen). Sie gaben 1,64 Milliarden Euro in Griechenland aus, das entspricht einer Steigerung von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2,3 Millionen Urlaubsgäste aus Deutschland besuchten 2017 den notleidenden Staat am Mittelmeer – was einem Zuwachs von 14 Prozent an deutschen Touristen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Schöne Anstiegsziffern, umso mehr, als damit die bundesdeutschen Touristen in diesem Jahr um einiges mehr ausgaben in Griechenland als 2016, nämlich rund 713,- Euro pro Person und im Durchschnitt statt nur 629,- Euro, wie das im Vorjahr der Fall gewesen war. Um so befremdlicher deshalb, dass die große Mehrheit der GriechInnen von diesen Anstiegsziffern nichts hatte, und um so bedenklicher auch. Es zeigt, wieder einmal, dass Aufschwung der Konjunktur keinesfalls „automatisch“ der Mehrheit der Menschen zugutekommt, jedenfalls unter kapitalistischen Bedingungen nicht und jedenfalls nicht den eigentlich arbeitenden Menschen. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Tsipras-Regierung noch längst nicht damit begonnen hat, Politik zu betreiben für die Mehrheit der Menschen in Griechenland!

Damit, wie immer, zu meinen obligaten Schlusshinweisen:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, oder wer auch uns Akteure wieder mal mit Organisationsgeldern helfen will (dann bitte unter dem Stichwort „HDS“), der überweise uns bitte Spendengelder auf das folgende Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):

Peter Latuska

Theodor Heuss Str. 14

37075 Göttingen

Email:

latuskalatuska

@web.de

Mit herzlichen Grüßen

Euer Holdger Platta

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