Gutes und gar nichts Gutes

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

148. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Diese Politik macht krank – nicht nur die verarmten Menschen im Land, denen oft mit fadenscheinigen formalistischen Begründungen die notwendige medizinische Hilfe verweitert wird, sondern sogar unseren Außenhelfer Tassos Chatzatoglou, der in seinem Reisebericht erzählt, er käme „jedes Mal“ krank aus Griechenland zurück. Wohl bemerkt: weil ihn schon das Anschauen und Anhören der schweren Schicksale von Armutsbetroffenen seelisch enorm belastet. So weit hat es die Verarmungspolitik der EU, unterstützt durch eine vermeintlich „sozialistische“ SYRIZA-Regierung, gebracht. Doch Tassos gibt nicht auf, und auch wir geben nicht auf – mit dem Rückenwind wieder steigender Spendenzahlen. Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

auch heute möchte ich – wie das letzte Mal schon – vor allem von unserer Spendenaktion berichten. Gutes und gar nichts Gutes wird mitzuteilen sein. Wobei selbstverständlich richtig ist: durch den Hilfsbericht, weiter unten, von Tassos Chatzatoglou werdet Ihr auch einiges erfahren über die für viele Menschen in Griechenland immer bedrohlicher werdende Lebenssituation ganz generell, also über „persönliche“ Fakten, die zugleich politische Fakten sind, weil diese Existenznot nicht von den Hilfsbedürftigen selber verursacht worden ist, sondern von der Existenzvernichtungspolitik der Euro-Staaten gegenüber Griechenland – und von einer griechischen Regierung, die Anfang 2015 angetreten war, dieser unbarmherzigen Politik mit Entschiedenheit entgegenzutreten, in Wirklichkeit aber die Ärmsten der Armen in Griechenland mehr und mehr im Stich gelassen hat.

„Natürlich“ spreche ich von der SYRIZA-ANEL-Regierung – aber was daran wäre noch „natürlich“ zu nennen? Doch der Reihe nach und zunächst zu den guten Fakten in diesem Bericht. Sie werden – dieses schon jetzt – beschränkt bleiben auf unsere Hilfsaktion.

Zuallererst: Karl-Heinz Apel hat inzwischen die Spendenmittel einer bundesdeutschen Arzneimittelfirma erfolgreich akquirieren können. Es handelt sich um Verbandsstoffe im Gesamtwert von rund 4.000,- Euro, die inzwischen bei ihm gelandet sind und die er in zwei, drei Monaten selber nach Griechenland bringen wird, um dort sozial-engagierte Krankenhäuser und Arztpraxen mit diesem Material zu versorgen. Es wird dazu beitragen, dass verarmte Patientinnen und Patienten, die ansonsten unbehandelt nach Hause geschickt werden würden, behandelt werden können und nicht nach Hause geschickt werden müssen.

Des weiteren hat Tassos Chatzatoglou viele der von uns betreuten Griechinnen und Griechen während seiner Hilfsreise nach Griechenland aufsuchen können, auf einer Hilfsreise, von der Tassos erst nach dem letzten Donnerstag, den 3. Januar 2019, zurückkehren konnte. Doch dazu später noch mehr!

Schließlich darf ich Euch ein Spendenergebnis mitteilen, das selbst für unsere Hilfsaktion bemerkenswert ist und zeigt, dass sogar während der Weihnachtszeit und „zwischen den Jahren“ Eure Hilfsbereitschaft keine Ruhepause eingelegt hat, sondern – ganz im Gegenteil – beweist, dass Ihr – die HdS-Leserinnen und HdS-Leser – nicht gewillt seid, das Unglück gleich nebenan zu vergessen, lediglich deshalb, weil man selber – endlich einmal „ungestört“ – das „Fest der Liebe“ feiern wollte. Aber konkret:

Bereits vor dem Weihnachtsfest, in der Woche bis zum 17. Dezember, waren erstaunlich viel Spendengelder bei uns eingegangen: 1.450,- Euro, unserer Hilfsaktion zugedacht von 17 Spendern und Spenderinnen. Doch bis zum vergangenen Freitag, den 4. Januar 2019, gingen nochmals enorm viele Hilfsbeträge auf unserem Spendenkonto ein – insgesamt 1.610,- Euro, mehr noch mithin als vor dem Weihnachtsfest, und zwar überwiesen von 19 Spenderinnen und Spendern an uns. Mit Fug und Recht darf ich also feststellen: unsere Spendenaktion lebt, sie ist lebendiger denn je! Und diese Tatsache verdankt sie einzig und allein Euch, den HdS-Lesern und HdS-Leserinnen! Mit ganz besonderem Dank also teile ich Euch heute diese Zahlen mit, und diesen Dank übermittle ich Euch selbstverständlich im Namen des gesamten Aktionsteams von „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“. Es scheint, was unsere Hilfsbemühungen betrifft, dürfen wir auch weiterhin mit Optimismus in die Zukunft sehen.

Um so bestürzender daher die Nachrichten, die uns Tassos Chatzatoglou in seinem Reisebericht mitzuteilen hat. Das gilt nicht für alle Hilfsbedürftigen, die Tassos in seiner Mail an mich vom 31. Dezember 2018 erwähnt. Aber doch für einige, über die Tassos in seinen Mitteilungen spricht. Und zu Panagiota K., die in Megara mit ihren drei Töchtern um ihre menschenwürdige Unterkunft bangen muss, weil ihr der Vermieter die Wohnung gekündigt hat, lasst mich ein paar Informationen vorausschicken, bevor Ihr hier Tassos Chatzatoglous Bericht lesen könnt!

Leider ist es in Griechenland nicht so, dass die Mieter ihr Wohnrecht behalten, wenn das Haus vom Vermieter an einen neuen Eigentümer verkauft wird. „Kauf bricht nicht Miete“, so lautet dazu der Rechtsgrundsatz in der Bundesrepublik (nun ja, ob er in der Realität immer eingehalten wird, lasse ich hier einmal beiseite). Anders in Griechenland: dort muss man sich dieses Recht erst erstreiten, vor Gericht, und dazu haben die davon betroffenen Menschen in Griechenland sehr oft weder die Kraft noch das Geld. Dieses gilt leider auch für Panagiota K. mit ihren drei Töchtern.

Und des weiteren ist unklar, wie viel Zeit der Betroffenen bleibt, vor dem Zwangsauszug eine neue Wohnung zu finden. Auch in dieser Hinsicht gewährt ihr die Rechtslage in Griechenland keinerlei Schutz, und die „sozialistische“ SYRIZA scheint keinerlei Handlungsbedarf zu sehen, dies unverzüglich zu ändern (womit sie stattdessen beschäftigt ist – Stichwort „28.000,- Euro“ – könnt Ihr nachfolgend dem Bericht von Tassos Chatzatoglou entnehmen). Bleibt an dieser Stelle lediglich der Hinweis, dass wir von der Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ alles versuchen werden, um Panagiota K. in dieser Situation beizustehen, und alles versuchen werden, um ihr aus dieser bedrohlichen Situation heraus zu helfen. Was wir mit unseren Mitteln tun können, werden wir tun. Und die „Patin“ der Familie Panagiota K., HdS-Leserin Bettina Beckröge, und wir sind bereit, auch das finanzielle Engagement in dieser Sache zu erhöhen (bisher brachten wir gemeinsam für die Wohnungsmiete 180,- Euro pro Monat auf; Danke für Deine erhebliche Mithilfe, Bettina!). Doch damit zu Tassos Chatzatoglous Bericht vom 31. Dezember, der, wie Ihr sehen werdet, gleich zu Beginn auf die Notsituation von Panagiota K. mit ihren drei Töchtern zu sprechen kommt:

„Lieber Holdger, Ihr Lieben alle,

ich bin wieder in Griechenland, genauer gesagt in Athen.

Gleich nach meiner Ankunft am 24.12. besuchte ich Panagiota K. und ihre Kinder in Megara. Die Wohnung, welche wir mit Hilfe von Spendengeldern und der Familienpatin Bettina Beckröge seit längerer Zeit finanzieren, wird leider verkauft. Familie K. steht nun vor einer neuen Herausforderung: sie muss sich eine andere Wohnung suchen. In der näheren Umgebung stehen zwar freie Wohnungen zur Verfügung, im Moment ist aber noch alles offen. Panagiotas Mutter war während meines Besuchs ebenfalls anwesend. Beide sind natürlich beunruhigt, ob eine neue Wohnung überhaupt noch über die IHW finanzierbar ist, da die zukünftigen Wohnungskosten derzeit noch nicht einschätzbar sind. Ich versicherte ihr, dass, solange die Spenden es erlauben, die Miete weiter von der IHW und Bettina Beckröge übernommen wird. Es ist wichtig, dass die Familie in der Umgebung bleibt, da die Kinder noch zur Schule gehen. Die kleine Maria besucht die Schule mit Freude, und ihre Leistung ist zufriedenstellend.

Ich möchte hier an dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern, insbesondere aber Bettina Beckröge, das große Dankeschön der Familie weitergeben.

Selbstverständlich stattete ich auch Familie M. einen Besuch ab. Chara, die Mutter, die letztes Mal ziemlich unterernährt zu sein schien, machte mir dieses Mal einen guten, gesunden Eindruck, ebenso die Kinder. Die Spuren des anfänglichen Untergewichts der Kinder waren verschwunden. Dafür sorgt wohl auch die Schulküche, dank der die Kinder zumindest zu einer warmen Mahlzeit am Tag kommen. Das Gespräch mit der Mutter hat mich in Wut versetzt. Obwohl der Vater mittlerweile wieder arbeitet, übernimmt die Sozialversicherung keinerlei Kosten für die diversen Untersuchungen, die Ärzte aufgrund von Dionysis‘ ausgeprägter Lebensmittelunverträglichkeit immer wieder durchführen. Diese muss die Familie selbst ohne Kostenersatz durch die IKA, die griechische Krankenkasse, tragen. Auch die Kosten für Dionysis Spezialnahrung werden von der IKA nicht übernommen. Wenn die Nahrungsmittelunverträglichkeit nur auf Gluten beschränkt wäre, würden die Kosten teilweise von der IKA übernommen werden. Im Falle des kleinen Dionysis aber, wo mehrere Faktoren zusammen kommen und deren Zusammenspiel eine lebenswichtige Rolle spielt, wird die Unterstützung verweigert, weil die Erkrankung einfach nicht in das Schema der gesetzlichen Vorgaben passt. Eine Logik, die ich, der seit mehr als 48 Jahren in Österreich bzw. Deutschland lebt, nicht nachvollziehen kann. Auch eine notwendige molekularbiologische  Untersuchung wurde von der IKA einfach abgelehnt. Die Kosten für diese Untersuchung betragen 140,- €, unerschwinglich für die Betroffenen! Die Familie wird auch hier von der IKA im Stich gelassen.

Andreas, das älteste der drei Kinder, trägt  seine Gaumenspange mit Stolz. Auch hier ein großes Dankeschön an unsere Spenderinnen und Spender. Und Dionysis gab mir eine Zeichnung  mit Widmung für Holdger mit.

Alexander D. habe ich ebenfalls besucht. Er ist in seine kleinere Wohnung umgezogen. Die alte konnte er verkaufen. Es geht ihm gut, aber von der Pension keine Spur. Er muss warten. Wie lange, kann kein Mensch in Griechenland einschätzen. Meine persönliche Erfahrung als Anmerkung dazu:

Seit  2015 bin ich österreichischer und deutscher Rentner. Auch in Griechenland habe ich Anspruch auf Rente, auf die ich immer noch warte. Ich hoffe, ich erlebe sie noch.

Unter der derzeitigen Regierung hat sich vieles geändert. Mein Eindruck ist, sie wollen etwas dazu beisteuern, die Lage der Bedürftigen, der Notleidenden, zu verbessern, aber es reicht bei weitem nicht. Es ist eine Regierung wie jede andere. Sie folgt dem Dogma: Griechenland ist und bleibt ein Bestandteil der EU. Das bringt das strikte Befolgen der Verordnungen mit sich, das dementsprechende Diktat kommt von der Deutschen Regierung und in weiterer Folge von der EZB. Auf der Strecke bleiben wie immer die Verarmten. So wurde z.B. eine Familie delogiert, weil sie die ausstehenden Betriebskosten in Höhe von 1500,- € nicht zahlen konnte. Ihre Wohnung wurde versteigert, die Familie sitzt nun im Park; und sie ist kein Einzelfall. Diese Tatsache lässt die Regierung jedoch kalt, denn: sie hat das mit ihrer Gesetzgebung ermöglicht.

Dafür haben sich die Abgeordneten eine Sonderzahlung in Höhe von 28.000,- € zugestanden.
In diesem Land der krassen Gegensätze stehen voraussichtlich im Mai Neuwahlen an, aber welche Partei sollen die Griechen wählen? Die alten, korrupten Parteien, die für die Krise mitverantwortlich sind, oder SYRIZA, die ursprünglich die Hoffnung geweckt hatte, dass alles besser wird, jedoch dem Druck von IWF, der Europäischen Zentralbank und der EU nachgegeben hat und Menschen für deren Diktate opfert.

Die Lebensmittelpreise steigen und steigen. Die Arbeitslosigkeit hingegen sinkt langsam, dies auch dank der Teilzeitbeschäftigung. Mit dem Geld kann man allerdings nur bedingt leben, mehr schlecht als recht überleben. Das Fernsehen, die Lieblingsbeschäftigung vieler Griechen, vermittelt eine Scheinwelt. Die Realität hingegen ist dunkel, hoffnungslos, kein Ende des Tunnels in Sichtweite. Das Gefühl der Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und Trauer, das mich jedesmal packt, wenn ich nach Griechenland komme, beeinflusst meine Gesundheit derart, dass ich hier jedes Mal krank werde. Ich muss aber weiter machen, weiter unsere Schützlinge besuchen, das schulde ich ihnen aber auch unseren Spenderinnen und Spendern.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Euer Tassos“

Anfügen möchte ich diesem Bericht von Tassos Chatzatoglou nur eines noch: Auch dieses Mal, auch bei dieser Hilfsreise von Tassos über Weihnachten/Neujahr nach Griechenland, ist es nicht anders gewesen als sonst – Tassos kam krank aus Griechenland zurück. Was ich in meinem vorletzten Hilfsbericht darzustellen versuchte – dass diese Hilfsreisen oft auch unsere „Außenhelfer“ aufs stärkste belasten, seelisch wie körperlich –, hat sich leider als nur allzuwahr herausgestellt. Auch von dieser Stelle aus wünsche ich Tassos ganz, ganz rasche und gute Besserung. Ich bin sicher, ich tue dieses im Namen aller HdS-Leserinnen und HdS-Leser hier!

Und damit, auch zu Beginn des neuen Jahres 2019, meine abschließende Bitte um weitere Unterstützung unserer Spendenaktion.

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

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