Hannes Wader: Die Moorsoldaten

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„Hier in dieser öden Heide/ Ist das Lager aufgebaut,/ Wo wir fern von jeder Freude/
Hinter Stacheldraht verstaut.“ Dieses Lied wurde zu Recht schon deshalb berühmt, weil darin KZ-Insassen der 30er-Jahre unmittelbar zu uns sprechen. Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor sollen es geschrieben haben. Tatsächlich wurde das Lied von Gefangenen im Lager uraufgeführt. Wärter sangen mit, bevor es dann – was wenig überrascht – verboten wurde. Die „Moorsoldaten“ erlangten Berühmtheit weit über Deuschland hinaus. Es gibt unzählige Versionen in verschiedenen Sprachen. Natürlich ist Hannes Wader, sehr interessiert an traditionellem Liedgut, der ideale Sänger dafür.

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  • Ulrike Spurgat
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    Zum WIDERSTANDSLIED „Die MOORSOLDATEN“ uraufgeführt und von den Widerstandsgruppen der 15 Emslandlager unterstützt im Lager Börgermoor wobei Lager I Börgermoor  im Buch von Wolfgang Langhoff “ aus dessen Feder der Text des unvergessenen Widerstandsliedes „Die Moorsoldaten“ stammt eine besondere Bedeutung zukam, da dort vor allem Künstler, Schauspieler und Schriftsteller darüber, wenn nur überhaupt es möglich war, darüber redeten, dass die Kunst  als Ausdruck unmenschliches zu überleben im Lager eine moralische Verpflichtung allen Häftlingen gegenüber sei.  Sie arbeiteten illegal immer in dem Wissen, dass es ihren Tod bedeuten kann, wenn die SS sie erwischt.

    …….fand im Sommer 1933 die Uraufführung des Moorsoldatenliedes statt. Die sechzehn Sänger , vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsverein, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen ( unsere damalige Häftlingskleidung) mit geschultertem Spaten in die Arena, ich selbst mit einem abgebrochenen Spatenstiel als Taktstock.“  103)

    Die SS hat unter Androhung schwerster Bestrafung das Singen dieses Liedes, dessen Melodie von dem sachkundigsten Chronisten dieser Zeit Rudi Goguel erschaffen wurde. Rudi Goguel schreibt in seinem Buch „Der Untergang der Cap Arcona“ eine schreckensvolle Episode der letzten Tage des „Tausendjährigen Reiches“. Goguel befand sich inmitten von Tausenden KZ-Häftlingen an Bord des Transportschiffes „Cap Arcona“, das am 3. Mai 1945 von britischen Kampfflugzeugen in der Lüneburger Bucht bombadiert und versenkt wurde. Mehr als 8000!!! KZ-Häftlinge sind dabei umgekommen, teils ertrunken, teils von SS-Mannschaften erschossen worden. Rudi Goguel ist einer der wenigen, die dieses Drama überlebt haben.–

    Zurück ins Grauen….

    Die Moorlager im Emsland…“Die Hölle im Moor“

    Für die berühmten Antifaschisten, wie Carl von Ossietzky, Erich Mühsam, und den linken Strafverteidiger Hans Litten, dem der SA Sturm 33 („Mordsturm Maikowski“) nicht verzieh, daß er bei einem Gerichtsprozeß den Zeugen Adolf Hitlergegen die SA geführt und damit aufs Kreuz gelegt hatte, begann ein mörderisches und ein nicht enden wollendes Martyrium. Zwischen 1933 und 1945 gab es 15 Emslandlager (1) mit 260.000 Häftlingen. In erster Linie waren das politische Gefangene, Andersdenkende und alle die sich gegen Hitler stellten. Auch Homosexuelle, Sinti und Roma verschleppte man einfach dorthin. Lange vor Buchenwald, Bergen-Belsen, Auschwitz gab es diese Lager im Moor. Das war der Beginn der systematischen Menschenvernichtung, dort erprobten die Faschisten ihr System der Konzentrationslager. Neben Ossietzky waren der Kabarettist Werner Fink, der SPD-Funktionär Julius Leber, der Arbeiterführer Ernst Husemann und viele, die ich nicht alle aufzählen kann: leider. Unvergessen sind all die Ungenannten. 20.000 starben an Unterernährung , überlebten nicht die zermürbende Arbeit, die Schläge, Mißhandlung und ständigen Erniedrigungen.

    Erich Mühsam verschleppte man auch hierher, bevor er in Oranienburg gefoltert, gequält und bestialisch ermordet wurde. Carl von Ossietzky nannte man den „Bonzen-Häftling und Erich Mühsam wurde „der rote Jude“ genannt. Beide hatte die SS auf dem Kieker, und so zwang man Carl von Ossietzky der als politischer Journalist schwere Arbeit nicht gewohnt war, täglich unter den unwürdigsten Bedingungen ins Moor zu schwerster Arbeit. Seine Mithäftlinge stellten sich wieder und wieder schützend bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor Ossietzky, wenn die Waffen SS ihn piesakte und quälte, lenkten sie die Wut der Faschisten auf sich, und so kümmerten sie sich um den schwachen und kranken Freund Carl von Osietzky.

    Wie soll man erinnern, wenn es nichts zu erinnern gab ? Vor Jahren, vor vielen Jahren machte ich mich im Zuge vor und nach der Namensgebung Carl von Ossietzky Universität auf den Weg zur „Hölle im Moor“ um zu gedenken und zu trauern um Carl von Ossietzky, um Erich Mühsam und ALLE! die dort ermordet und gefoltern und verscharrt worden sind. Ein Wort zu den russischen Kriegsgefangenen, die 1/3 weniger der sowieso kargen Mahlzeiten bekamen, die niemals ihre Heimat wiedersehen konnten, und deren Leben keinen Pfifferling Wert war. Der ungezügelte Hass lässt mich noch heute, wenn ich die Dokumente und Materialien, oftmals die Originale lese erschaudern. Nie wieder Faschismus!

    Wo waren die Baracken der Ort wo der Mensch zum Unmensch hat werden können, wo die Stimmen meiner Mitmenschen unüberhörbar aus den Gräbern, den Wipfeln und dem rauschen der Bäume und des Windes mich erreichten, und ich starr vor Entsetzen war, als ich sah, dass alles aber auch alles abgerissen und plattgemacht, dem Erdboden gleich, und der Boden war getränkt mit dem Blut derer denen die Bundesrepublik ihre gelebte Geschichte gestohlen hat.

    Zuletzt stand an dem Ort des Grauens – was für ein Zynismus – ein Bundeswehrdepot !!! Zutritt verboten !

    Was also blieb erhalten von einem solchen grauenvollen Ort, der für Hunderttausende die Hölle bedeutete ? Ein Bundeswehrdepot ?!? Gibt es schlimmeres, wenn man seine Verachtung zeigen will ? Wortlos und tief erschüttert und voller Schmerz verließ ich diesen Ort.

    Erst 1985 gelang es den kämpfenden Oldenburger Studenten, die für den Namen Carl von Ossietzky eine sehr lange Zeit kämpften (3) in Papenburg ein „Dokumentations- und Informationszentrum Esterwegen (DIZ)“ zu eröffnen. Nach der Strukturreform der Bundeswehr wurde endlich! auch der „Standort Esterwegen“ geschlossen, und man entschied eine Gedenkstätte zu bauen……

    Doch wie gedenkt man, wenn keine Andenken mehr vorhanden sind ?

    Eine tieftraurige Geschichte, voller Schlaglöcher der Geschichte, voller Gleichgültigkeit, voller Ignoranz und voller Unmenschlichkeit.

    Es macht fassungslos – immer noch und wieder.

    Das Moorsoldatenlied vom Schauspieler und  Schriftsteller Wolfgang Langhoff und  vertont von Rudi Goguel

    Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum, Vogelsang uns nicht erquicket, Erlen stehen kahl und krumm. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut. Wo wir fern von jeder Freude. Hinter Stacheldrahtverhau.

    Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit hin. Graben bei dem Brand der Sonnen. Doch zur Heimat steht der Sinn.

    Heimwärts, heimwärts, jeder sehnet Sich zu Eltern, Weib und Kind. Manche Brust ein Seufzer dehnet, Weil wir hier gefangen sind.

    Auf und nieder gehen die Posten, Keiner, keiner kann hindurch, Flucht wird nur das Leben kosten, Vierfach ist umzäunt die Burg.

    Doch für uns gibt es kein Klagen, Ewig kann`s nicht Winter sein. Einmal werden froh wir sagen: Heimat, du bist wieder mein. Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten ins Moor.

    In die Leerzeilen gehört: Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Quelle: W. Langhoff „Die Moorsoldaten“ der Titel seines weltberühmten Buches, Geschichte der Emslandlager von 1933 – 1945, promoviert Dr. Elke Suhr an der Carl von Ossietzky Universität 1986 Oldenburg , Begegnungen und Interviews mit ehemaligen Moorhäftlingen in Esterwegen: August Baumgarte, Karl Schabrod,Hermann Bogdal, Emil Pinkau und Günther Daus.

    In grenzenloser Liebe und Zuneigung.

  • Ulrike Spurgat
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    Guten Tag,

    mein langer inhaltstreicher Kommentar zum u.a. „Moorsoldatenlied“ hat die Redaktion doch wohl erreicht ?!?

    Beste Grüße, Ulrike

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