Hannoveranerin und weitere Deutsche seit Monaten in der Türkei festgehalten

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Erdogan

Von einem Besuch bei ihren türkischen Verwandten, die sie zuvor immer problemlos besuchen hatte, kann Yüksel Weßling seit November 2019 nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Seit nunmehr schon 10 Monaten wird die 67 jährige Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft in der Türkei festgehalten. Nach einer Verhaftung vor dem Rückflug nach Deutschland kamen nach kurzem Arrest das Ausreiseverbot und dann das Warten. Eine viel später zugestellte Anklageschrift wirft ihr, die fast 30 Jahre lang unbehelligt in die Türkei ein- und ausreisen durfte und die auch in Deutschland unbescholten ist, plötzlich Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor, aber dies ohne klare Anschuldigen, und eine Gerichtsverhandlung, in der sie ihre Unschuld beweisen könnte, steht bis heute aus. Eine Sendung von Radio Flora, Redaktion und Moderation: Axel Kleinecke.

Und ihr Fall ist nicht der einzige. Nach vertrauenswürdigen Angaben sind derzeit 59 Deutsche Staatsbürger in der Türkei aus nicht spezifizierten politischen Gründen inhaftiert und 66 weitere werden wie Yüksel Weßling mit einem Ausreiseverbot dort festgehalten.

Bisher haben die Angehörigen stillgehalten und sind aus Angst, ihren festgesetzten Verwandten zu schaden und auch in der vergeblichen Hoffnung auf baldige Freilassung, mit diesem Skandal nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Im Fall von Yüksel Weßling hat aber nun Herbert Schmalstieg das Schweigen gebrochen. Sein mutiger Aufruf, zunächst nur als Mail, wurde schon binnen 2 Wochen von über 140 namhaften Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Journalismus der Bundesrepublik unterzeichnet, und er könnte jetzt auch in diplomatischen Kreisen der Bundesregierung, wo man lange die Augen vor Erdogans Willkür verschlossen hat, etwas in Bewegung bringen.

Hören Sie in der Sendung ein Interview mit Jürgen Weßling, dem Ehemann von Yüksel und den Wortlaut des Aufrufs von Herbert Schmalstieg, der auch als PDF-Datei angefügt ist.

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    Peter+Boettel
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    Wenn ich vergleiche, welchen Aufwand die Bundesregierung mit  der ungeklärten Vergiftung des Russen Nawalny betreibt, während sie andererseits einen Despoten Erdogan noch dafür mit Geld und Waffen belohnt, dass er eine Viezahl von Deutschen sowie andere Mitmenschen ohne rechtsstaatliche Verfahren in Gefängnisse sperren lässt, kommen mir unweigerlich Zweifel an der außenpolitischen Haltung der Bundesregierung, die zunehmend geprägt wird von einem Antirussismus der fünfziger und sechziger Jahre.

    Dass damit eine außerordentliche Kriegsgefahr von der Tornado-Grete, von ihrem saarländischen Landsmann Maas (nichts gegen Saarländer, es gibt auch andere, als die drei Fremdegesteuerten in der Bundesregierung) u.a. heraufbeschworen und eine unkritische Nibelungentreue zu dem Irren im weißen Haus an den Tag gelegt wird, scheint diesen Leuten wohl nicht bewusst zu werden.

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    Peter+Boettel
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    Am Wochenende waren belarussische Behörden massiv gegen ausländische Journalisten vorgegangen – betroffen war auch ein ARD-Team. Als Reaktion auf dieses Vorgehen bestellte das Auswärtige Amt nun den belarussischen Botschafter ein.“ heißt es in tageschau.de.

    Hat Maas jemals den türkischen Botschafter nach Verhaftungen von Journalisten, auch deutscher, einbestellt?

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