Holdger Platta: Gesprächsbeginn mit Syriza?

 In Frank Nonnenmacher, Holdger Platta

31. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Letzte Woche berichtete Holdger Platta über Steuern, die die griechische Regierung auf Spenden erhebt. Viele Leser empörten sich zu Recht über die unmeschliche Maßnahme. Diesbezüglich gibt es heute teilweise Entwarnung. Dafür droht neues Unbill für die Organisation der Spendenaktion. Wir wollen uns nicht verdrießen lassen. Niemand hat uns versprochen, dass es leicht werden wird. Was „am Ende des Tages“ zählt, sind die Hilfen die schon geleistet wurden und noch geleiset werden. (Holdge Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

nunja, nach dem eminenten ‚Zwischenhoch’ in der Vorwoche – über 4.700,- Euro durften wir als Plus auf unserem Hilfskonto verbuchen – gingen während der letzten sieben Tage nur 190,- Euro an neuen Spenden bei uns ein, überwiesen von 15 UnterstützerInnen. Unser herzlicher Dank versteht sich gleichwohl von selbst! Und dieser Dank gilt auch unserer HdS-Leserin „Deja vu Tante“ (nachzulesen im Kommentarteil zu meinem letzten Bericht über unsere GriechInnenhilfe), die uns die Zusendung von Sachmitteln versprochen hatte! Die deutschen Betreuer des Altenheims „Gythion“ bestätigten uns schon vorgestern den Eingang eines „Riesenpakets“ – was unter anderem auch deswegen so schnell ging, weil sich die beiden – Joli und Mali – zu diesem Zeitpunkt gerade in Deutschland aufgehalten hatten. Die Leiter der griechischen Hilfseinrichtung in einer Mail an uns:

„Das wird ein fest, wenn wir dann ins altenheim mit all den kostbarkeiten kommen. Wir
werden ein wiedersehensfest feiern mit kuchen und geschenken, darauf freuen
wir uns jetzt schon…“

Claro, wir freuen uns mit ihnen und danken auch von unserer Seite aus ganz herzlich der schnellen Spenderin U. K.! (Achso: das Namenskürzel deswegen, weil wir nicht wissen, ob der Spenderin recht wäre, wenn wir sie hier mit ihrem Klarnamen nennen würden.)

Und auch in anderer Hinsicht ist Gutes zu berichten:

Katerinas Genesung in London macht weitere Fortschritte!

Unsere unermüdlichen Helfer aus Graz – Evelin und Tassos Chatzatoglou, unser ‚Außenteam’ aus Österreich – haben beim gestrigen Konzert von Konstantin Wecker in deren Heimatstadt Flyer für unsere GriechInnenhilfe verteilt. Auf das Resultat dieser ‚Sonderaktion’ sind wir selbstverständlich jetzt schon gespannt.

Schließlich ist – mit Einschränkung natürlich – auch in einem ganz anderen Bereich ein gewisser Erfolg zu vermelden. Und auch zur Erläuterung dieser Tatsache komme ich nochmal auf meinen Hilfsbericht aus der letzten Woche zurück.

Ihr erinnert Euch sicherlich: leider hatte ich Euch mitzuteilen, daß die griechische Regierung dazu übergegangen ist, Hilfsgelder, die aus dem Ausland nach Griechenland gespendet werden, und zwar an Hilfseinrichtungen dort, urplötzlich mit einem Steuerabzug von 25 Prozent belegt werden. Bei einigen Spenderinnen und Spendern, die davon wussten, hatte das schon vor unserem Bericht eine gewisse Unruhe ausgelöst, und der Unmut darüber ist inzwischen nicht kleiner geworden.

Zwar konnte ich Euch gleichzeitig mitteilen, daß – bislang jedenfalls – Überweisungen an Privatpersonen (= Notleidende!) davon nicht betroffen sind, wichtig für Euch, das zu wissen. Und mitteilen konnte ich auch, daß unsere direkten Hilfsfahrten nach Griechenland von dieser Spendenbesteuerung nicht betroffen sind, also persönliche Übergabe der Hilfsmittel unversteuert bleibt.

Dennoch – Ihr werdet es verstehen – ließ mir diese völlig unbegreifliche Neuigkeit keine Ruhe. Um so mehr, als zwei weitere Hiobsbotschaften hinzugekommen sind – zugegeben: ungleichen Gewichts, aber immerhin.

Zum einen mußte Karl-Heinz Apel – Mitglied unseres zweiten ‚Außenteams’ – die überraschende Erfahrung machen, daß ihm, von Deutschland aus, kein Zugriff mehr auf ein Privatkonto von ihm in Griechenland möglich ist. Er wollte mithilfe der dorthin von ihm vor einiger Zeit überwiesenen Gelder seine nächste Hilfsreise nach Griechenland (geplant für Anfang September) vorfinanzieren. Doch lest selbst, was Karl-Heinz Apel dazu auf Facebook ‚gepostet’ hat, in einer Art von Hilferuf:

„Habe da ein kleines Problem und möchte wissen, ob es jemanden genauso geht oder ergangen ist.

Habe ein Konto bei der Alpha-Bank, welches ich eine Zeit lang nicht genutzt habe (wegen der Bankenkrise).

Jetzt möchte ich einen Teil des Geldes abheben… Konto blockiert. Sie zahlen mir mein Geld nicht aus. Jeden Tag muss ich andere Papiere ranschaffen. War jetzt 3 mal dort, und nun wollen sie Papiere aus Deutschland und Belege usw….

Die behalten einfach mein Geld ein… es ist nicht viel, aber jeder € ist ja nun mal meiner. Habt Ihr eine Idee, was ich noch tun kann???“

Soweit ich weiß, hat Karl-Heinz Apel bis dato keinen Hilfstipp von anderen Betroffenen erhalten können. Nunja, keine Riesengeschichte, aber unverständlich, behindernd und ärgerlich auch diese ‚Neuerung’ in Griechenland.

Ärgerlicher aber und von größerem Format hingegen ist das, worüber wir hier auf HdS am 1. August berichtet haben – per Verlinkung zu einem Artikel in der „jungen welt“ vom 29.07.2016 unter dem Titel „Syriza lässt räumen. Griechische Regierung geht gegen selbstverwaltete Häuser für Flüchtlinge vor“. Ich zitiere hier nochmal zwei wichtige Passagen aus dem Bericht der JW-Korrespondentin Heike Schrader aus Athen:

„Am frühen Mittwoch morgen hat die griechische Syriza-Regierung drei besetzte Häuser in Thessaloniki räumen lassen. Der Angriff galt explizit den von Flüchtlingen und griechischen Aktivisten gemeinsam betriebenen Projekten Hurriya, Orfanotrofeio und Nikis. Bei der Räumung wurden 74 Menschen – Griechen und Ausländer – festgenommen und im Laufe des Donnerstags wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung vor einen Schnellrichter geführt. Den angeklagten Migranten droht im Fall einer Verurteilung zudem die Abschiebung. Nur wenige Stunden nach der Räumung zerstörten Bulldozer das Gebäude des Orfanotrofeio.
<…>
Der Rückgriff der griechischen Regierung auf den Einsatz von Repression zum eigenen Machterhalt gefällt jedoch nicht allen in Syriza. Deren Pressestelle gab am Mittwoch eine Erklärung heraus, in der die Räumung verurteilt wurde. »Die Kriminalisierung von Solidaritätsprojekten ist eine Praxis, die keinerlei Beziehung zu den Werten der Linken aufweist«, heißt es in dem Statement. Doch die Regierung wird auf noch vorhandene linke Restbefindlichkeiten der Syriza-Mitglieder keine Rücksicht nehmen.
Eher ist zu befürchten, dass die Regierung in Kürze auch gegen entsprechende Projekte in anderen Städten vorgeht. Der Bürgermeister von Athen, Giorgos Kaminis, gab am Mittwoch bekannt, er habe bereits Klage gegen die Besetzung dreier Häuser, darunter das international bekannte »Hotel City Plaza«, eingereicht. Dabei verstieg sich der ehemalige Ombudsmann zu der Äußerung, die Verhältnisse dort seien »elendig« gegenüber denen der menschenunwürdigen Sammellager.“
‚Dreht’ die griechische Regierung also mittlerweile ‚durch’? Vergißt sie inzwischen, in ihrer tatsächlich betriebenen Politik, wofür sie einmal angetreten ist – nämlich für andere, für bessere Verhältnisse in Griechenland zu sorgen, vor allem für alle notleidenden Menschen dort?
Wie gesagt, mir ließen diese Nachrichten keine Ruhe mehr, und ich schrieb Anfang dieser Woche, am 15. August, eine längere Mail deswegen an Giorgos Chondros – führendes Mitglied der Syriza und vor allem Vertreter derselben im europäischen Ausland -, den ich im Oktober des letzten Jahres bei einer Tagung von Griechenlandhelfern in Berlin kennengelernt hatte. Und gerne füge ich hinzu: an einen Politiker, den ich dort als einen überzeugenden, als einen humanen Vertreter einer humanen und überzeugenden Politik kennengelernt hatte – gerade auch, was die notleidenden Menschen in Griechenland betrifft. Hier Auszüge aus meiner Mail an Giorgos Chondros vom Montag dieser Woche, nach einer Kurzdarstellung unserer Hilfsaktion für die notleidenden Menschen in seiner Heimat:
„Seit ein paar Wochen stellen sich dieser Hilfe Schwierigkeiten in den Weg – und diese gehen ausgerechnet von der griechischen Regierung selber aus. Ich konkretisiere:
• Uns erreichen Nachrichten aus Griechenland, daß Spendengelder, die vom Ausland her (inkl. Deutschland) an griechische Hilfsinstitutionen überwiesen werden, ‚urplötzlich‘ mit 25 Prozent besteuert werden, und zwar direkt von den Konten weg. Dieses, so die Nachrichten, beträfe Sozialstationen, Altenheime, Arztpraxen und Krankenhäuser, die bislang bereit und in der Lage waren, Hilfsbedürftigen auch ohne Bezahlung zu helfen (übrigens: auch Flüchtlingen, die erstmal bei Euch ‚hängengeblieben‘ sind).
• Unser ‚Außenhelfer‘ Karl-Heinz Apel, Apotheker hier in Deutschland, der kurz davor steht, zu seiner fünften Hilfsreise nach Griechenland aufzubrechen, darf zur Finanzierung der Reisekosten (bislang ausschließlich aus eigener Tasche aufgebracht!) nicht mehr auf eigene Geldbestände bei der griechischen „Alpha-Bank“ zugreifen.
• Und für immer mehr Unruhe hier sorgte auch die Meldung, daß seitens der Syriza-Regierung das gemeinsame Wohnprojekt für obdachlose GriechInnen und Geflüchtete in Athen, im vormaligen „City-Plaza-Hotel“, mit Polizeigewalt geräumt worden ist. Ein Projekt, das übrigens auch von der – nun wahrlich und zu Recht als renommiert zu bezeichnenden – Hilfsorganisation „medico international“ finanziell unterstützt worden ist.
Ich wäre dankbar, direkt von Dir oder von den dafür Verantwortlichen eine Stellungnahme zu erhalten zu diesen Nachrichten – am besten natürlich Dementis oder Mitteilung über Korrekturen an diesem ‚Kurs‘, den – bislang zumindest – niemand von uns HelferInnen hier verstehen kann.“

Nun, erstaunlich oder auch nicht: keine 30 Minuten später, schon um 17:49 Uhr, ging die folgende Antwort von Giorgos Chondros bei mir ein:

„Lieber Holdger,

Deine Email erreicht mich an unserem Feiertag, daher freue ich mich um so mehr.
Danke für alle diese infos, Du bekommst von mir morgen genaue antworten!
Vorerst einmal, City Plazza ist nicht geräumt. !!! aber mehr dazu morgen !!!
Bis bald
Solidarische Grüße

Giorgos
On the Road …!!”

Voilà, schrieb ich oben, bezüglich dieser Antwort, von einem “gewissen Erfolg”, “mit Einschränkung natürlich”?

Nun, ganz selbstverständlich ist es nicht, daß man auf eine solche Anfrage hin derart schnell eine Antwort bekommt, eine vorläufige, eine erste Antwort nur, doch immerhin. Zweitens ist keine Selbstverständlichkeit, daß einem derart freundlich geantwortet wird. Drittens schließlich darf man wohl als positiv bewerten, daß Giorgos Chondros zu einem Punkt zumindest eine klares Dementi mitteilen konnte, und zwar betreffs Räumung des Athener Gemeinschaftsprojektes „City Plaza Hotel“ (eine Auskunft, die sich meinen Nachrecherchen zufolge bestätigt hat! Da war ich selber wohl Opfer von Fehlinformationen geworden.).Insoweit also betrachte ich diese Rückmail von Giorgos Chondros durchaus als „gewissen Erfolg, mit Einschränkung natürlich“. Und daß ich bis heute weitere Nachrichten von Giorgos Chondros nicht erhielt – entgegen seinem Versprechen, am Folgetag die „genauen Antworten“ zuschicken zu wollen: geschenkt! Da verfüge ich durchaus über Geduld und Duldsamkeit, da weiß ich selber, daß man solche Zusagen zum eigenen Leidwesen sehr oft nicht einhalten kann. Gleichwohl gilt:

Zwei entscheidende Fragen, mindestens diese, harren der entscheidenden Antworten noch! Und: natürlich hake ich nach, falls dies erforderlich ist! Kontensperrung, zumal für Griechenlandhelfer, gehört aus dem Wege geräumt, und zwar ohne jeden künstlichen Aufschub. Und Spendenbesteuerung geht schon mal gar nicht. Selbst wenn wir von IHW und HdS – mit unseren ganz besonderen Hilfsmöglichkeiten – nicht von dieser Spendenbesteuerung betroffen sind. Andere Hilfsorganisationen – und damit die von ihnen betreuten Menschen in Griechenland! – sind dieses sehr wohl. Das darf nicht torpediert werden, diese internationale Solidarität, und schon gar nicht von einer Regierung, die angetreten ist, Politik für die Notleidenden zu betreiben und nicht gegen die Ärmsten der Armen im eigenen Land. Selbstverständlich halte ich Euch auf dem Laufenden, was diesen Gesprächsversuch mit Syriza betrifft.

Womit ich wieder einmal bei den obligaten Schlußhinweisen bin. Also:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, den bitten wir um unterstützende Spende, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, auf das folgende Konto:
Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

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