Isabel Neuenfeldt: Sich fügen, heißt lügen (Erich Mühsam)

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„Ich hab‘ mein Lebtag nicht gelernt, mich fremdem Zwang zu fügen“. Erich Mühsam war ein deutscher Schrifsteller, Antimilitarist und Anarchist, beteiligt an der Münchner Räterepublik, ermordet im Konzentrationslager Oranienburg 1934. Diesen Text hat er nicht nur geschrieben, sondern auch gelebt. Die Liedermacherin Isabel Neuenfeldt vertonte es in einem zeitlos wirkenden Stil, der ein wenig an ein Brecht/Weill-Lied erinnert. Sie singt es – offenbar auf einer Demonstration oder Veranstaltung – mit großer Eindringlichkeit. „Dann ruf ich in das Volk: sei frei! Verlern es, dich zu fügen!“

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    Freiherr von Anarch
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    Ein Freiheitslied, fürwahr.

    Warum hatte sich Mühsam letztlich der Rätedemokratie zugewandt ? – weil er erkennen musste dass Kommunismus und Freiheit nicht zusammengehen können.

    Anarchie ist grösstmögliche Herrschaftfreiheit oder Herrschaftslosigkeit – damit auch grösstmögliche individuelle Freiheit jedes Einzelnen.

    Kommunismus als Herrschaftsform ist allumfassender Gesellschafts- und Arbeits- und Produktionszwang unter dieser Ideologie. Das Gegenteil von Freiheit geradezu.

    In einer bestmöglichen und sogar noch schlampigen  Demokratie lässt man den Freien immerhin leben –

    Im Kommunismus wird er in Umerziehungslager gesteckt, niemand im Kollektiv hat ein Recht auf individuelle Freiheit, jeder hat dem ‚Grossen Ganzen‘ zu dienen, das Individuum wird gleichgeschaltet zu einer Produktionsarmee ( Ameisenstaat ).

    Kommunismus als Herrschaftsform ist also nix anderes als Diktatur, so war es bisher jedenfalls.

    Die Freiheit ist der unabdingbarste Grundwert und ohne sie kein wirkliches Menschenrecht.

    Unter kommunistischer Herrschaft marschierte eine uniforme *volkseigene* Verwertungsmasse und sang dabei Parolen von Freiheit und Menschenrecht…

    die Anarchisten, die Freiheitlichen also, wurden verfolgt und gejagt, in kommunistischen Konzentrationslagern vernichtet, Bulgarien, Gulag, Sibirien –

    und auch noch in der DDR dem Stasi-Knast Bautzen unter brutalsten Haftbedingungen rechtlos ausgeliefert.

    Und so ist die Geschichte kommunistischer Herrschaft oder Pseudo-Sozialistischer die Geschichte von Unfreiheit, Verfolgung und Leichenbergen.

    Und setzt sich in der Gegenwart fort – die ‚Volksrepublik‘ China ist eine Radikaldiktatur und als Herrschaftsmodell der Zukunft ausgemacht.

     

     

     

     

     

     

     

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    Ulrike Spurgat
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    Da kann und will ich nicht widerstehen….

    Unvergessen…..und ich wiederhole sehr gerne was ich vor einiger Zeit über Erich Mühsam geschrieben hatte.

    Erich Mühsam, Räterevolutionär, Anarchist, Schriftsteller, Poet und noch vieles andere mehr. Vor allem aber war er ein kompromissloser Kämpfer der Arbeiterbewegung und ihrer Freunde.

    Vor knapp 87 Jahren, am 11. Juli 1934 meldete die faschistische Presse hämisch den Tod des Anarchisten und Schriftstellers Erich Mühsam. Häftling in Oranienburg, mit der Nr:. 2651.

    Erich Mühsam nannte man den „roten Juden“.

    Im „roten Block“, einer Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz in Berlin Wilmersdorf lebten vorwiegend Antifaschisten, Künstler, Schriftsteller und Theaterleute darunter auch die Kommunisten Erich Weinert und Ernst Busch.

    Und Mühsam, der immer rebellierende Schriftsteller war hier zu Hause.

    Es war einer der Abende als Mühsam inhaltsschwere Worte spricht. Am Tisch sitzen u.a. Carl von Ossietzky und Ludwig Renn. Es war die Mitgliederversammlung zum Thema: „Faschismus und Kulturnation“ Für viele Teilnehmer war es die letzte Gelegenheit öffentlich gegen das Hitler Regime zu protestieren. Die Versammlung war mehr ein Abschied nehmen, eine letzte Begegnung mit Freunden für die es ungewiß war ob und wann sie sich wiedersehen werden. Auch für Erich Mühsam.

    Der unvergessene F.C Weißkopf erinnerte sich später an Mühsams Auftreten.

    „Hemdsärmelig, die Krawatte verrutscht, die roten Haare in Unordnung, sprach gestikulierte er wild, schrie seine Empörung, seinen Haß gegen den Krieg in den Saal hinein. Seine Worte blieben vielen der Anwesenden im Gedächtnis:

    „Ich sage euch, daß wir, die hier versammelt sind uns alle nicht wiedersehen. Wir sind eine Kompanie auf verlorenem Posten. Aber wenn wir hundertmal in den Gefängnissen der Nazis verrecken werden, so müssen wir heute noch die Wahrheit sagen, hinaus rufen, daß wir protestieren.

    Um fünf Uhr am nächsten Morgen klingelten die Nazis. Mühsam war ohne Illusionen gegen den barbarischen Feind. Die Koffer waren gepackt, das Reisegeld zusammen. Acht Tage später wollte Mühsam nach Prag, um von dort den antifaschistischen Widerstand zu organisieren. In dieser letzten Nacht brannte der Reichstag und die Gestapo schlug zu. Mühsam stand auf der Liste der Faschisten, die den Brand selber gelegt hatten, aus Rache an ihren Gegnern.

    Klaus Mann erinnert sich in seinem Buch: „Der Wendepunkt“ an jene Tage:

    „Zwischen einem Tango und einem Walzer erzählte man sich das neuesten Schreckensnachrichten aus Berlin. Wir tanzten im Regina-Palast-Berlin , während in der Hauptstadt der Reichstag in Flammen stand. Wir tanzten im Hotel „Vier Jahreszeiten“, während die Brandstifter Unschuldige des Verbrechens bezichtigten, dass sie begangen hatten. Das war am 28. Februar – Faschingsdienstag – und tags darauf war Aschermittwoch.

    Als der Anarchist Erich Mühsam, der Pazifist Carl von Ossietzky und der Kommunist Ernst (Teddy) Thälmann von der Gestapo verhaftet wurden, kehrte man in München Luftschlangen und Konfetti von den Straßen. Man war verkatert. Der Fasching war vorüber.“

    Mühsam war ein Warner und Mahner….

    In einem Artikel in der „Weltbühne“ von 1931 (Heft 50/31) hatte er das Kommende vorausgesehen. Er prophezeite in diesem Artikel, daß, wenn der „Tanz der Nazis“ los geht, daß dann die Auflösung aller Arbeiterkoalitionen, standrechtliche Erschießungen, Progrome, Plünderungen, Massenverhaftungen das Recht in Deutschland darstellen werden.“ Und er kommt zu dem Schluß: „Die einzige Kraft, die imstande wäre die Machtergreifung Hitlers zu verhindern ist der verbundene Wille der vom Nationalismus nicht verwirrten deutschen Arbeiterschaft.

    Mühsam war kein Kommunist. Im Zorn beschimpfte er Thälmann und sagte unverblümt seine Meinung, was aber nie an dem gemeinsamen Kampf hätte etwas ändern können.

    Seine Solidarität galt den Arbeitern. Seine Mitarbeit in der Roten Hilfe Deutschland, sein Einsatz für politische Gefangene und deren Familien, die mittellos wurden, wenn der Vater, Bruder verhaftet wurden war von Leidenschaft beflügelt deren Intensität fühlbar wird, wenn man sich dem glühenden Kämpfer Erich Mühsam annähert.

    Selbst Zwistigkeiten mit einigen Kommunisten, wobei Wilhelm Pieck sich klar bei Mühsam positionierte macht Mühsams Haltung sehr eindeutig:

    „An den Kerkertoren hat der Bruderzwist zu schweigen!“

    Es gibt Kapitel über den unvergessenen Erich Mühsam zu schreiben…..

    Über seine quälende Haftzeit nach der blutigen Niederschlagung am 12. Juli 1919, wo sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Unter dem Eindruck von Haft, Willkür, Brutalität und unerschütterlicher Kühnheit und dem Kampfesmut sein berühmtes Gedicht: „Der Gefangene“

    „Sich fügen heißt lügen, bleibt ein ständiges Drängen für die Klassenkämpfe in den Zeiten, bis jetzt !

    Über seine Broschüre, die in der Haft verfasste, wo er sich fundiert und wissend mit der Sonderjustiz befasste: „Das Standrecht in Bayern“.

    Über den Kampf der Roten Hilfe für seine Freilassung und darüber, dass er dann mit anderen Rätemitgliedern unter donnerndem Applaus Tausender mit der „Internationale“ empfangen wurde.  Seine Kampfesbereitschaft hat nie nachgelassen.

    Vieles ist über Erich Mühsam geschrieben worden: „Edelanarchist“ und „Edelbohemien“……“der es eigentlich garnicht so schlimm meinte, und mit dem man am Wirtshaustisch über Gott und die Welt plaudern konnte. Im Grunde war er ein unpolitischer Mensch. (Aus einem Nachruf)

    „Wer du wirklich warst, Erich Mühsam, dass wussten die nicht, und das wissen sie heute nicht.

    Du warst der rücksichtsloseste und kompromissloseste Revolutionär, allein verpflichtet und verbunden der Klasse, die du liebtest, der Klasse der Unterdrückten und Leidenden……du standest immer vorn, ungebändigt, unerschrocken und immer bereit  mit deiner Freiheit und deinem Leben für die Sache der Getretenen einzustehen.

    Als der bestialische Mord durch die SS in Paris bekannt wurde, wo viele seiner Freunde und Mitstreiter weiter kämpften veranstaltete der Schutzverband, deutscher Schriftsteller im Exil am 23. Juli eine Gedenkfeier für den ermordeten Freund und Mitkämpfer , auf der Egon Erwin Kisch, Anna Seghers und andere Emigranten sprachen.

    Ruhe in Frieden und ich werde dich nie vergessen.

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    Ulrike Spurgat
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    Vorab einige Infos zur Einordnung.

    Vor einigen Jahren war es mir ein Bedürfnis die „graswurzel revolution“ mit einem Förder Abo zu unterstützen.

    Politisch meist weit auseinander war natürlich völlig klar….und manchmal waren die Bauschmerzen so heftig, dass ich kurz vor der Kündigung gewesen bin denn eine gewisse Fairness den „Roten“ gegenüber existierte und existiert einfach nicht. Dennoch ist die „graswurzel“ wichtig.

    Nun ist es wie es ist….

    Mein Leben würde es niemals erlauben Menschen auszugrenzen die meine Überzeugung nicht teilen. Dass war und ist mir äußerst unsympathisch und kleinkariert ist es noch dazu.

    Und wie es der Zufall so will steckt heute im Postkasten die März ´21 Ausgabe der „graswurzel“

    Eine blöde Angewohnheit ist die erstmal hinten zu gucken……

    Da reibe ich meine Äuglein….

    Konstantin Wecker der „Revoluzzer“ schreibt das Vorwort zum 100 Geburtstag von Paul Wulf, NS Opfer Antifaschist und Aufklärer – „Ich lehre euch Gedächtnis“

    Mit Interesse habe ich das veröffentlicht von Wecker geschriebene Vorwort gelesen.

    Man, Wecker, wie kommts ?

    Bei den „Schlagzeilen“ sich verdünnisiert um dann bei Bernd Drückes „graswurzel“ wieder wie Phönix aus der Asche zu steigen…..und den Erich Mühsam der niemals ausgrenzte, denn von ihm kommt: „An den Kerkertoren hat der Bruderzwist zu schweigen!“ in den Kreis derer aufzunehmen, die immer noch ihr Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ von dem hochgeschätzten Väterchen Franz zu schmettern und keinem anderen als der eigenen Gesinnung eine Schnitte zu gönnen.

    Kleinlich und peinlich !

    Wie kommt es denn, dass HdS so in Ungnade beim Barden Wecker gefallen ist ?

    HdS hat sich befreit und zeigt ein frisches buntes Federkleid nach der Mauserung.

    Ihr Gerede von Menschlichkeit ist was HdS angeht aber eher zu kurz gekommen….

    Wie soll ich ihnen das denn abnehmen was sie singen und schreiben ?

    Nein, sie waren kalt und herzlos denen gegenüber die ihnen auch Jahre treu zur Seite gestanden sind. Und ganz sicher werde ich ihren Beitrag nicht schmälern wollen. Sie haben ihre Macht wobei sie ja mit Macht eher nix zu tun haben wollen gnadenlos ausgespielt….

    Wenn es eng wird verpissen sie sich. Das ist das was ich in den letzten Monaten hier mitbekommen habe.  HdS hat ums Überleben gekämpft u.a. weil sie sich den schlanken Fuß gemacht haben und niemals habe ich von den Verantwortlichen des Magazins die aus meiner Sicht jeden Grund hatten ihnen die EGO Leviten zu lesen unreflektiertes und undifferenziertes gelesen.

    Nun gut, hoffentlich haben es die Schlagzeilen aus eigener Kraft mit etwas Unterstützung und dem Willen dieses wichtige und sinnvolle Magazin am Leben zu erhalten wieder geschafft.

    Und mit meinen bescheidenen Mitteln werde ich immer wieder dazu beitragen, dass es hier weiter geht, denn das werde ich ihren Redakteuren Roland Rottenfußer und Holdger Platta und den Kommentatoren nicht vergessen, dass sie mich haben nicht ausgegrenzt um meiner Gesinnung wegen, sondern selbst mir eine Möglichkeit gegeben haben mich auch über den Schmerz der Ausgrenzung äußern zu dürfen.

    Da ist die Größe erkennbar die oftmals denen abgeht von denen man sie eigentlich erwarten hätte können.

    Ausgrenzung und Stigmatisierung war nie im  Sinne eines Erich Mühsam mit dessen Leben und Wirken ich mich seit vielen Jahren, wie auch mit dem Carl von Ossietzky und igitt mit Teddy dem Kommunisten, dem Pastor Martin Niemöller uswusw. intensiv beschäftige.

    Wo ich herkomme saß ich als kleines Mädchen auf dem Schoß von Kommunisten, Anarchisten, linken Sozialdemokraten, fortschrittlichen Christen und Antifaschisten und hörte ihnen aufmerksam zu was mit ihnen geschehen ist und wie sie zusammengehalten haben gegen alle Widerstände.  Sie waren die engsten Freunde meines kommunistischen Vaters und meine auch bis zu ihrem Tod und darüber hinaus, denn sie einte eins in einer besonderen Weise, nämlich:

    Nie wieder Faschismus und Krieg!“

     

     

     

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