Ist doch nur ein Schnitzel!

 in Kurzgeschichte/Satire, Umwelt/Natur

KalbViele von unserer Generation kennen das: Da hat man sich Ideale zugelegt und einen bewussten Lebensstil: Ernährung nur bio und fair trade. Bei manchen von uns sogar vegetarisch oder vegan. Die Kids aber, völlig aus der Art geschlagen, wollen zurück zu den dumpfen Ernährungssitten der Großeltern: Bock auf Schnitzel und Pommes, egal woher. Die Mitschüler dürfen’s ja auch. V.C. Herz hat das Thema – zumindest in seiner satirischen Fantasie – auf die Spitze getrieben und zeigt seinem Buben, wo das Schnitzel herkommt. Die wenigsten von uns würden wahrscheinlich Fleisch essen, wenn sie die Tiere selbst töten müssten. Das wird in dieser Geschichte sehr deutlich. Viele finden vielleicht, V.C. Herz sei „extrem“, extrem ist aber wohl eher, was in der Realität passiert – tagtäglich tausendfach.

Sonntag, 10 Uhr morgens. Die Sonne scheint. Und nichts vor. Perfekt! Der Tag kann kommen.

Meine Frau hat ein köstliches Frühstück zubereitet, mit Rührtofu und Latte Sojatto. Mein Sohn, 8 Jahre, sitzt auch am Tisch. „Die anderen dürfen immer echtes Rührei essen“. Na toll, denke ich mir. „Wir dürfen das auch, wir wollen es aber nicht!“.

Mittagessen. Es gibt Sojaschnitzel mit Kartoffelsalat. Und einen aufgebrachten Sohn. „Bei Fritz gab es gestern richtiges Wiener Schnitzel. Warum gibt es bei uns keine richtigen Schnitzel?“. „Wegen der Tiere“. „Ich will aber Schnitzel! Richtiges Schnitzel!“. Meine Frau sichtlich genervt. „Jetzt sei mal nicht so, dann soll er halt einmal ein echtes Schnitzel haben. Hauptsache das Gejammer hört auf“. „Ja Papa, ist doch nur ein Schnitzel. Bitte bittebitte …“. Na toll. Wenns sein muss.

Ich schnappe meinen Sohn und wir fahren los. „Was soll es denn zu dem Schnitzel geben?“. „Ganz viel Ketchup und Pommes!“. Na gut. Wir halten bei einem Gemüsebauer um die Ecke. Ein guter Freund. Ich gehe ins Gewächshaus und hole mir 4 Tomaten. Danach mit Spaten auf den Kartoffelacker. Mein Sohn schaut ganz gespannt zu. Ich steche den Spaten in den Boden und hole eine Handvoll Kartoffeln raus. Meinem Freund 5 Euro da gelassen und weiter geht’s.

Mein Sohn wird müde. „Ich wollte doch nur Schnitzel mit Pommes“. „Ja, gibt’s auch gleich!“. Nächster Bauernhof. Bio-Bauernhof. Auch ein Freund von mir. Ich begrüße meinen Freund und lasse mich auf einen Kaffee einladen. Mein Sohn spielt mit den Kindern des Bauern draußen im Hof. Zusammen mit dem Hund. Und Petra. Das ist das erst letzte Woche geborene Kälbchen von Milchkuh Hilda. Petra ist total verspielt und die Kinder lieben sie. Nach einer Stunde, Kaffee und Kuchen sind verspeist, begebe ich mich nach draußen. Mein Sohn lässt sich gerade von Petra das Gesicht abschlecken und lacht. Er schaut glücklich aus. „Komm Junior, ich habe uns ein Schnitzel gekauft!“. Mein Sohn springt zu mir. „Hurra! Papa, Papa, das ist übrigens Petra!“. Er zeigt mir das Kalb. „Ich weiß“ sage ich. Wir gehen hinter den Hof. Petra folgt uns neugierig. Wir gehen in eine kleine Scheune. Petra natürlich hinterher. Ich mache das Licht an. Klack. Tür zu.

Petra steht in einem engen Gang. Wir daneben. „Papa, wo ist denn jetzt das Schnitzel?“. „Gleich, mein Sohn“. Mein Sohn streichelt die Petra. „Und was macht Petra eigentlich hier?“ Ich nehme das Bolzenschussgerät, das auf einem Tisch liegt. „Ich habe sie eben gekauft.“ Sage ich. Ich setze am Kopf an. Peng! Petra fällt um. Mein Sohn schreit auf. Ich packe mir eines der Hufe und kette es an eine bereitgelegte Kette. Und ziehe Petra hoch. Jetzt baumelt sie kopfüber vor mir. Mein Sohn schreit und weint. Ich nehme das Messer. Und steche Petra in den Hals. Das Blut spritzt. Auf meine Hose, auf mein Hemd, über meinen Sohn. So habe ich ihn noch nie schreien gehört. „Du wolltest Schnitzel, jetzt hör auf zu flennen!“. Ich schneide ein Bein ab. Schlitze den Bauch auf. Hole Magen, Herz, Innereien heraus. Mein Sohn wird ohnmächtig. Ich schneide ein schnitzelgroßes Stück heraus. Der Rest gehört meinem Freund. Schließlich habe ich nicht das ganze Kalb gekauft. Wäre mir auch zu teuer gewesen. Und was will ich mit dem ganzen Fleisch? Ich werfe meinen noch immer ohnmächtigen Sohn über die Schulter und gehe.

Mein Sohn ist mittlerweile seit 3 Monaten in psychologischer Behandlung. Und das Schnitzel hat niemand gegessen. Der ganze Aufwand war entsprechend für die Katz. Na ganz toll!

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