Kölner Sozialbank kündigt dem Göttinger Friedenspreisträger von 2019 das Konto

 In FEATURED, Politik, Roland Rottenfußer

Dokumentation eines Offenen Briefs von Ekkehart Drost, einem engagierten Kämpfer für einen humanen Frieden in Nahost, an die Chef-Etage des rheinischen Bank-Instituts Noch in Erinnerung, liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser? Am 17. Mai dieses Jahres verabschiedete der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit eine Resolution gegen die weltweite Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS). Lediglich die Linkspartei und ein kleiner Teil der Bündnisgrünen stimmten gegen diese Resolution. Der Tenor dieser Erklärung ging bereits aus dem Titel hervor: „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“. Was im Klartext heißt: ziviler Widerstand (den man nicht in allen Teilen gutheißen muss!) gegen die expansionistische und völkerrechtswidrige Politik der israelischen Regierung gegen die Palästinenser wird gleichgesetzt mit Antisemitismus. Oder noch klarer pointiert: was „Antisemitismus“ ist, definiert der israelische Staat. Die Regierung Netanjahu beansprucht, global festlegen zu dürfen, wer als Antisemit zu gelten hat und wer nicht. Die besondere Absurdität dabei: mehr und mehr richtet sich dieser Vorwurf gegen zahlreiche Juden selbst. Wie pseudoplausibel, in Wahrheit falsch dieser Vorwurf ist, habe ich hier am 8. März des Jahres in meinem Artikel https://hinter-den-schlagzeilen.de/unnoetiger-aufruhr</a“>„Unnötiger Aufruhr“ darzulegen versucht. Doch nun bekommt auch der diesjährige Göttinger Friedenspreisträger, die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden“, erneut mit dieser total entgleisten Anti-Antisemitismus-Kampagne zu tun. Lest dazu im Folgenden den Offenen Brief des Göttinger Ex-Gymnasiallehrers Ekkehard Drost. Holdger Platta

 Vor der Wiedergabe dieses Originaldokuments noch die folgenden Informationen vorweg:

  1. Ekkehart Drost, Jahrgang 1942, ist Mitbegründer und Mitglied der bundesdeutschen Völkerverständigungsbewegung „Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e. V.“. Ich füge persönlich hinzu: kein Eiferer, sondern ein besonnener Menschenrechtsaktivist.
  2. Zu den Gründungsmitgliedern dieser bundesdeutschen Bewegung für einen humanen Frieden in Nahost zählen unter anderem Professor Dr. Rolf Verleger, die Künstlerin und Publizistin Nirit Sommerfeld, Professor Dr. Norman Paech (bis zur letzten Legislaturperiode Mitglied für die Linkspartei im deutschen Bundestag), zum Beirat dieser Organisation Professor Dr. Alfred Grosser und der Völkerrechtsexperte und Publizist Andreas Zumach.
  3. Der im Offenen Brief von Ekkehard Drost ausführlich zitierte Professor Dr. David N. Myers, Jahrgang 1960, ist Professor für Geschichte an der University of California i Los Angeles/USA, war 2017/2018 Präsident des Center for Jewish History und ist derzeit Präsident des New Israel Fund.
  4. Der im Offenen Brief angesprochene Professor Harald Schmitz, Chef der Sozialbank, die unlängst dem Göttinger Friedenspreisträger 2019, der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden“, das Konto gekündigt hat, war als außerordentlicher Professor für Betriebswirtschaft tätig an der Universität Köln.

Alles weitere entnehmt bitte dem nachfolgend dokumentierten Offenen Brief von Ekkehart Drost! Beantwortet wurde Drosts Schreiben von der Kölner Bank bislang noch nicht. Freilich sei hinzugefügt, daß dieser Offene Brief erst am 23. Juni Professor Schmitz zugeschickt worden ist. Aber hier nun Ekkart Drosts Offener Brief im vollen Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Prof. Schmitz,

mit großer Bestürzung habe ich von der erneuten Kündigung des Kontos der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden, Preisträgerin des renommierten Göttinger Friedenspreises 2019, Kenntnis nehmen müssen.

Ihre Maßnahme muss offensichtlich im Zusammenhang mit der kürzlich im Deutschen Bundestag verabschiedeten ‚Anti-BDS-Resolution‘ und den bereits in jüngerer Vergangenheit erfolgten Versuchen der Einflussnahme des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie insbesondere auch der israelischen Regierung gesehen werden. Dass die israelische Regierung durch ihr Ministerium für Strategische Angelegenheiten inzwischen an einer erfolgreichen konzertierten Aktion zur Verhinderung jeglicher Kritik an ihrer Politik arbeitet, wird im erzwungenen Rücktritt des international hoch angesehenen Leiters des Jüdischen Museums Berlin, Prof. Peter Schäfer, besonders deutlich. Eine frühere persönliche Intervention des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dem JMB wegen der Jerusalem-Ausstellung die finanzielle Unterstützung zu streichen, scheiterte damals noch. Zu groß war offenbar der öffentliche und mediale Protest gegen die Einmischung Netanjahus in die deutsche Kulturpolitik. Inzwischen konnte auch eine Ehrenerklärung von über 370 Wissenschaftlern aus aller Welt, in der Peter Schäfer als ‚der größte Gelehrte für Judaistik im Nachkriegsdeutschland‘ bezeichnet wurde, den ihm angehängten absurden Antisemitismusvorwurf nicht aus der Welt schaffen.

In der FAZ vom 22. Juni 2019 erschien unter der Überschrift „Da läuft etwas ganz fürchterlich schief“ auf Seite 11 ein Plädoyer für Prof. Schäfer durch David N. Myers, Sady and Ludwig Kahn Professor für jüdische Geschichte an der University of California in Los Angeles und Vorsitzender des International Board des New Israel Fund.

Da seine Argumentation meines Erachtens in hervorragender Weise auch auf die Kündigung des Kontos der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden durch Ihre Bank zutrifft, erlauben Sie mir bitte, dass ich wesentliche Teile des Artikels zitiere. Sie mögen Ihnen bei einer hoffentlichen Revision Ihrer Entscheidung eine wichtige Hilfe sein.

Prof. David Myers schreibt:

‚Sein Fall zeigt, dass da etwas fürchterlich schiefläuft. Ganz abgesehen von der absurden Behauptung, Schäfer fördere in irgendeiner Weise den Antisemitismus, gibt es einen wachsenden und gefährlichen Hang, nicht nur die BDS-Bewegung mit Antisemitismus gleichzusetzen, sondern all jene als Antisemiten zu brandmarken, die es für zulässig halten, Unterstützung für die Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Zur letztgenannten Gruppe gehören auch viele, die die BDS-Bewegung ablehnen und dennoch der Ansicht sind, dass man sie aus Gründen der Meinungsfreiheit nicht kriminalisieren dürfe.

Die Zeiten in Deutschland – und in Europa – sind beunruhigend und von Ängsten geprägt. Es gibt schwerwiegende Gefahren, vor allem die wachsende Flut „illiberaler Demokratie“, wie sie ihren Ausdruck in Gruppierungen wie der AfD in Deutschland findet. Zugleich erleben wir eine beunruhigende Zunahme antisemitischer Äußerungen und Taten auf dem Kontinent. Sie stammen weit eher von rechtsextremen Neofaschisten und radikalen Islamisten als von Fürsprechern der BDS-Bewegung. Wir sollten uns auf die tatsächlichen Bedrohungen konzentrieren. Es ist wichtig, gleichermaßen die illiberale Fremdenfeindlichkeit und den Antisemitismus zu bekämpfen. Gelegentlich, aber keineswegs immer sind sie identisch. Wir dürfen uns bei diesem Kampf nicht zu extremen Maßnahmen hinreißen lassen, die zentrale demokratische Grundsätze aushöhlen. Solche Maßnahmen, auf die auch die Resolution des Bundestags hindeutet, können zu einer allgemeinen Kultur des Konformismus führen, die nicht nur die freie Meinungsäußerung, sondern auch jene kulturelle und künstlerische Innovation behindert, die ein Gütesiegel Deutschlands in seinen aufgeklärtesten Bereichen darstellt.

Die schlimmen Auswirkungen der Bundestagsresolution sind inzwischen spürbar, aber schon vor Monaten hatte ich eine unheimliche Vorahnung dessen, was da kommen sollte. Damals bat mich Schäfer, dem internationalen Beratungsbeirat des Jüdischen Museums beizutreten. Nach langer Verzögerung schrieb er mir, die zuständigen staatlichen Stellen hätten meine Berufung abgelehnt, und zwar aufgrund von Bedenken wegen meiner politischen Ansichten und meines Engagements (wahrscheinlich wegen meiner Verbindungen zum New Israel Fund). Das hatte nichts mit meiner Qualifikation im Blick auf die betreffende Aufgabe zu tun. Vielmehr zeigte sich darin das schädliche Eindringen politischer Erwägungen – und einer unverblümt rechtsgerichteten Agenda – in die Arbeit kultureller und künstlerischer Institutionen. Peter Schäfers Rücktritt als Direktor des Jüdischen Museums ist ein weiteres unheilvolles Indiz für die Macht der gegenwärtig herrschenden Illiberalität. Wir dürfen die Warnzeichen nicht übersehen. Zugleich sollten wir aber auch sehen, dass es eine andere Alternative für Deutschland gibt, die dem Weg der Urteilskraft, der Offenheit, der Gleichheit und der liberalen Demokratie folgt.‘

In diesem Sinne bitte ich Sie, sehr geehrter Herr Prof. Schmitz, die Kündigung des Kontos zurückzunehmen.

Mit freundlichem Gruß

Ekkehart Drost

Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V.“

Anzeige von 2 kommentaren
  • Avatar
    Es muss das Beste sein...
    Antworten
    …an Gott nicht zu glauben!

    .

    DENN WEHE DER PERSON DIE DENKT GAR SOLCHE WORTE SPRICHT:

    .

    „VOR GOTT SIND ALLE MENSCHEN GLEICH“

    .

    „SIE KANN DOCH NUR…, SIE MUSS ES SEIN…, EIN ANTISEMIT SIE IST“

     

     

  • Avatar
    Ein Amen für die Welt
    Antworten
    Eigentlich ist doch kaum etwas leichter zu besiegen als das Böse…

    .

    „DU BRAUCHST ES NUR FÜR HEILIG ERKLÄREN“

Schreibe einen Kommentar zu Es muss das Beste sein... Antworten abbrechen

Start typing and press Enter to search

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!