Menschliche Vernunft und vernünftige Menschlichkeit

 In Buchtipp, FEATURED, Holdger Platta

Foto: Annik Wecker

Holdger Platta rezensiert Konstantin Weckers neues Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“. Er bezeichnet Gründer dieses Webmagazins „als spirituell orientierten Poeten, Komponisten und Liedsänger (…) als Anwalt des Herzens und nicht nur der Vernunft“. In Weckers in lyrischer Prosa gehaltenen Essay vereinigt sich der politische Biss mit einem Plädoyer für das Widerständig-Poetische. (Holdger Platta)

Wer wüßte es nicht: es gibt zumindest den zweifachen Konstantin Wecker. Den Konstantin Wecker, der sich als klarer und hellsichtiger, als bestens informierter und glänzender Debattierer einmischt in die politischen Themen unserer Welt, einen Konstantin Wecker, der wieder und wieder auf das unmissverständlichste zu verstehen gibt, dass er konsequenter Gegner des Faschismus, konsequenter Streiter für eine friedliche Welt, konsequenter Verfechter der Utopie von einer herrschaftsfreien Gesellschaft ist. Und da gibt es eben den Künstler Konstantin Wecker, der sich als spirituell orientierten Poeten, Komponisten und Liedsänger versteht, als Anwalt des Herzens und nicht nur der Vernunft.

Mit seinem neuesten Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren. Poesie ist Widerstand“ präsentiert sich uns vor allem nun der zweite Konstantin Wecker, und in der Gestalt eigener Poesie plädiert er für die Poesie, geht er dem Mitmenschlich-Widerständigen in der Poesie nach gegenüber einer Welt, die vor lauter Zahlen und Sachorientierung, vor lauter Pseudovernunft und Verstandeskälte wieder und wieder das Humane vergisst, ein Humanes, das gerade auch in den Künsten, nicht zuletzt in der Poesie, seine Heimat hat.

Daß Konstantin Wecker dabei „abschreibe“ von anderen Denkern – wie ein „Rezensent“ auf amazon.de behauptet hat –, diese Unterstellung kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: mit deutlichster Reverenz zitiert Konstantin Wecker in seinem Buch andere Autoren und Autorinnen: Poeten, Philosophen, Wissenschaftler.

Daß er mehr „Gesang als Argumentieren“ in seinem Buch präsentierte, kann ich ebenso wenig nachvollziehen. Da scheint nicht begriffen worden zu sein, dass es eine Verbindung des einen mit dem anderen gibt und ein Identischwerden des anderen mit dem einen. Und schon gar nicht nachvollziehen kann ich den Vorhalt, man habe es in seinem Buch mehr mit „Schall und Rauch“ als mit „Fakten“ zu tun, am Ende mit „Esoterik“ gar – und zwar zur Gänze mit „Esoterik“. Da weiß „Milchbar9“ ganz offenkundig nicht, was „Esoterik“ eigentlich ist und was, im Unterschied dazu, „Spiritualität“.

Natürlich, „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ ist oft ein enthusiastisches Buch. Aber es ist im gleichen Maße auch ein enthusiasmierendes Buch – und zwar enthusiasmierend gerade deshalb, weil in ihm menschlichkeitszugewandte Vernunft und vernunftzugewandte Menschlichkeit zusammenkommen.

Für mich jedenfalls ein Buch, das fünf Sterne verdient!

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