Menschliche Vernunft und vernünftige Menschlichkeit

 In Buchtipp, FEATURED, Holdger Platta

Foto: Annik Wecker

Holdger Platta rezensiert Konstantin Weckers neues Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“. Er bezeichnet Gründer dieses Webmagazins „als spirituell orientierten Poeten, Komponisten und Liedsänger (…) als Anwalt des Herzens und nicht nur der Vernunft“. In Weckers in lyrischer Prosa gehaltenen Essay vereinigt sich der politische Biss mit einem Plädoyer für das Widerständig-Poetische. (Holdger Platta)

Wer wüßte es nicht: es gibt zumindest den zweifachen Konstantin Wecker. Den Konstantin Wecker, der sich als klarer und hellsichtiger, als bestens informierter und glänzender Debattierer einmischt in die politischen Themen unserer Welt, einen Konstantin Wecker, der wieder und wieder auf das unmissverständlichste zu verstehen gibt, dass er konsequenter Gegner des Faschismus, konsequenter Streiter für eine friedliche Welt, konsequenter Verfechter der Utopie von einer herrschaftsfreien Gesellschaft ist. Und da gibt es eben den Künstler Konstantin Wecker, der sich als spirituell orientierten Poeten, Komponisten und Liedsänger versteht, als Anwalt des Herzens und nicht nur der Vernunft.

Mit seinem neuesten Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren. Poesie ist Widerstand“ präsentiert sich uns vor allem nun der zweite Konstantin Wecker, und in der Gestalt eigener Poesie plädiert er für die Poesie, geht er dem Mitmenschlich-Widerständigen in der Poesie nach gegenüber einer Welt, die vor lauter Zahlen und Sachorientierung, vor lauter Pseudovernunft und Verstandeskälte wieder und wieder das Humane vergisst, ein Humanes, das gerade auch in den Künsten, nicht zuletzt in der Poesie, seine Heimat hat.

Daß Konstantin Wecker dabei „abschreibe“ von anderen Denkern – wie ein „Rezensent“ auf amazon.de behauptet hat –, diese Unterstellung kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: mit deutlichster Reverenz zitiert Konstantin Wecker in seinem Buch andere Autoren und Autorinnen: Poeten, Philosophen, Wissenschaftler.

Daß er mehr „Gesang als Argumentieren“ in seinem Buch präsentierte, kann ich ebenso wenig nachvollziehen. Da scheint nicht begriffen worden zu sein, dass es eine Verbindung des einen mit dem anderen gibt und ein Identischwerden des anderen mit dem einen. Und schon gar nicht nachvollziehen kann ich den Vorhalt, man habe es in seinem Buch mehr mit „Schall und Rauch“ als mit „Fakten“ zu tun, am Ende mit „Esoterik“ gar – und zwar zur Gänze mit „Esoterik“. Da weiß „Milchbar9“ ganz offenkundig nicht, was „Esoterik“ eigentlich ist und was, im Unterschied dazu, „Spiritualität“.

Natürlich, „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ ist oft ein enthusiastisches Buch. Aber es ist im gleichen Maße auch ein enthusiasmierendes Buch – und zwar enthusiasmierend gerade deshalb, weil in ihm menschlichkeitszugewandte Vernunft und vernunftzugewandte Menschlichkeit zusammenkommen.

Für mich jedenfalls ein Buch, das fünf Sterne verdient!

Anzeige von 18 kommentaren
  • Bettina Beckröge
    Antworten
    Ich fasse mal zusammen, was ich in den letzten Tagen hier im HdS kommentiert habe, was aber einfach zwischen den Schlagzeilen des HdS verloren ging mit den Worten, die da stoisch unter meinem Kommentar verweilen: „Ihr Kommentar wartet auf Moderation“. Auf welche Moderation? Wer moderiert? Habe ich etwas verpasst oder überhört? Ich warte auf Godot!

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    Kommentar- Wartesaal Nr. 1 vom 15.Oktober 2018: 
    Meine Antwort auf den Kommentar von Manfred zum Artikel:

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    https://hinter-den-schlagzeilen.de/nur-die-allerduemmsten-kaelber#comment-24820
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    Super Ansatz, lieber Manfred! Genauso müsste die Energiewende funktionieren. Im Übrigen, auch wenn Lobbyisten es gerne so hätten und immer wieder probiere: die Anti-AKW-Bewegung und die Hambi-Bewegung (Stoppt Braunkohle) lässt sich nicht teilen. Die Energiewende steht an: Wind, Sonne und Wasser gibt’s umsons, ebenso Erdwärme. Diversifizierung im Energiesektor (die Energie da abholen, wo sie effizient ist) heißt die Zukunft. Große Energiekonzerne sind von gestern. Die Zukunft Energie  ruht auf den Schultern vieler Klein- und Mittelbetriebe. (siehe: Thema Blockheizkraftwerk).  Die Energiewende wird auch den wirtschaftlichen Sektor zum Positiven verändern.
    .

    „Energie vom Bürger für den Bürger“ – Vortrag Josef Feilmeier
    https://youtu.be/5T-XzKNPm2E

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    Kommentar- Wartesaal Nr. 2 vom 15. Oktober 2018 zum Artikel:

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    https://hinter-den-schlagzeilen.de/nur-die-allerduemmsten-kaelber#comment-24820
    .

    Auch wenn es den Lobbyisten der Großkonzerne ein Dorn im Auge ist,
    auch wenn die Entscheidung des OLVG’s in Münster nur ein Etappensieg war:

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    Hambi bleibt!
    Hambi lebt!

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    …in Form einer informierten, engagierten und zukunftsweisende Zivilgesellschaft,
    hier und überall.

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    Ediel Vásquez – Porque esta tierra no está sola
    https://youtu.be/mFzdXBgPLTQ
    .

    Kommentar- Wartesaal Nr. 3 vom 17. Oktober 2018 zum Artikel:

    .

    https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-poesie-als-zauberschwert#comment-24807

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    Jede Seele hat ihre zwei Seiten. Die am tiefsten empfundene und tragenste, ist meist die melancholische.
    .

    Das Außenseiter Gänselieschen

    .

    Das Gänselieschen mitten im Geschehen,

    lässt uns Erlebtes mal  ganz anders sehen.

    Mit all dem Überfluss der einen,

    lässt sich ein Gänseblümchen nicht vereinen.

    als „Un“ wird es zum stillen Kraut im Leben, –

    gefüllt indes zu einem warmen Sommerregen,

    für die, die daraus schöpfen, davon leben.

    (BB 18/10- Das Außenseiter Gänselieschen)

    .

    Beethoven Silence
    https://youtu.be/YFD2PPAqNbw

    .

    Andrea Bocelli – Caruso –

    Live From Piazza Dei Cavalieri, Italy / 1997

    https://youtu.be/6iBjxRy8acQ

    .

     

    Kommentar- Wartesaal Nr. 4 vom 18. Oktober 2018
    als Antwort an Palantir zum Artikel:

    .

    https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-poesie-als-zauberschwert#comment-24807
    .

    Folgende Worte zitierst DU im Zusammenhang mit dem guten Vorwort von Gerald Hüther. „Dilettanten“, „Gut-Böse-Schema“, „dilettantische Komplexitätsreduktion“, „Mentaltypologie dieser Spezies“, „Ausdifferenzierung „, „der Dilettant mit narzisstisch übersteigertem Geltungsbedürfnis“, „Stümper, der bei aller Liebe für eine Sache seine Fähigkeiten überschätzt und jener oft mehr schadet als nützt.“.

    .
    Es wirft einen Blick auf dich und deine Gesinnung. Menschlichkeit, es geht um Menschlichkeit, und du, du arbeitest dich, deinen krankhaften Neid, am Thema „Poesie als Zauberschwert“ ab und pinkelst „auf den Niesel, gleich neben dem Diesel“. Gut, dass ich dir bei deinem Gepinkel nicht zuschauen muss. Mir würde schlecht werden.

    .

    Du kannst dich weiter an der Poesie abarbeiten, deinen persönlichen Frust rauslassen, aber, bewirken wirst du damit für dich nichts. Gehe lieber eine Runde im Wald laufen, oder kaufe dir einen Punchin Ball. Das wirkt besser.

    .

    Und nun möchte ich dir, du Schlaumeier und großartiger Seher einmal etwas aus dem Buch zitieren. Danach kannst du dich gerne an den Worten von Konstantin Wecker zum Thema Poesie abarbeiten. Mal schauen, ob du dazu hier, öffentlich, im HDS den Mut zu findest.

    .

    „Die Poesie ist anarchisch!
    Sie lässt sich nicht zwängen
    in ein ideologisch starres Gebäude,
    selbst wenn sie sich ab und an
    sogar darin wiederfindet.
    Die Poesie singt,
    weil sie ein Lied hat, nicht,
    weil es gefällt.“
    (Auf der Suche nach dem Wunderbaren,
    Poesie IST Widerstand
    Konstantin Wecker)

    .

    Hambi lebt!
    Die A N (N) A- rchie lebt!
    Die Freiheit lebt!
    Und mit ihr die Schlüsselblume!
    Der Schlüssel zum verstehen.

    Der Auftakt zur kraftvollen Freiheit
    tritt in die Arena:

    .
    Carmen – Ouverture
    https://youtu.be/PQI5LtRtrb0

    .
    Kommentar- Wartesaal Nr. 5 vom 18. Oktober 2018
    ein erneuter Versuch der Antwort an Palantir zum Artikel:

    .

    https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-poesie-als-zauberschwert#comment-24807

    .

    Für Palantir, der lieber auf den Niesel pieselt,
    anstatt Gedichten ihren Zutritt zu lassen.
    .

    Die Außenseiter Schlüsselblume

    .

    Die Schlüsselblume, mitten im Geschehen,

    lässt uns Erlebtes mal ganz anders sehen.

    Mit all dem Überfluss der einen,

    lässt sich die Schlüsselblume nicht vereinen.

    als „Un“ wird es zum Wider-Kraut im Leben, –

    geschätzt indes zu einem warmen Sommerregen,

    für die, die daraus schöpfen, davon leben.

    (BB 18/10)

    .

    Und nun betrete ich den Wartesaal Nr. 6 und warte auf die „Moderation“.

     

  • Palantir
    Antworten

    Folgende Worte zitierst DU im Zusammenhang mit dem guten Vorwort von Gerald Hüther. ….

    Nein.  Damit war dein stümperhaftes und entwürdigendes Verslein gemeint.

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

     

    • Bettina
      Antworten
      An PALANTIR,
      den überheblichen und von Missgunst geplagten Kanzelprediger, der sich mit Poesie lieber den Hintern abwischt, anstatt ihr Raum zu geben.
      Ein paar Zeilen aus dem wundervollen Buch „auf der Suche nach dem Wunderbaren“, von Konstantin Wecker, die ihm zu denken geben sollten. Mögen diese Zeilen und das dem angefügte Gedicht den großartigen Seher, der sich nie zu erkennen geben mag, auf’s nackte Hemd ausziehen, ihm eine wirkungsvolle Art, der Selbsterkenntnis sein.

      .

      Wenn das nicht Widerstand ist-
      Widerstand gegen eine Welt der Kriege und Eitelkeiten
      des Neids und der Missgunst,
      gegen eine zutiefst ungerechte Welt,
      deren Jünger glaubten,
      der Verstand könne auch nur annähern
      irgendetwas von dieser Schönheit begreifen.
      .
      Ja, wir brauchen den Verstand,
      wir müssen uns von A nach B bewegen,
      wir müssen Einkaufszettel schreiben,
      meinetwegen
      auch immer neuere Maschinen konstruieren,
      Handys, Computer, Sonnenliegen-
      aber für was 
      verwenden wir unseren Verstand denn hauptsächlich?
      .
      Für das, was er zur Zeit am besten kann:
      das Ego aufblähen,
      die Welt zerstören
      und alles Lebendige vernichten.
      (Konstantin Wecker)

      .

      SIMON DACH –
      Perstet amicitiae semper venerabile Faedus!
      https://youtu.be/qIF5_JdRjx8

      .

      Mit reflektierten Grüßen,
      die Schlüsselblume

  • Piranha
    Antworten

    Kann es wirklich

    kein Reich der Freiheit geben

    außer in den Träumen

    der noch nicht Freien?

     

    Ein Reich hat Grenzen

    und welche Grenzen hat Freiheit?

    Ein Reich hat Herrschaft

    und welche Freiheit kennt Herrschaft?

     

    Aber das Reich der Freiheit

    ist im Reich der Notwendigkeit

    ein notwendiger Traum

    Ohne ihn kommt keine Freiheit

     

    Poesie ist wie ein Duft, der sich verflüchtigt und dabei die Essenz der Schönheit in unserer Seele zurückläßt.

    Jean Paul

     

  • Piranha
    Antworten
    Liebe Redaktion

    Hattet ihr nicht vor einiger Zeit unmißverständlich klargestellt, dass künftig bösartige Unterstellungen und Angriffe unter der Gürtellinie nicht mehr freigeschaltet werden?

    Da ist von Mißgunst und Neid seitens Palantir die Rede und einiges mehr.

    Worauf genau könnte er überhaupt „neidisch“ sein?

    Ich werde mich dieses Mal nicht weiter einmischen, außer, dass ich Palantir verstehen kann, der ein „Abfalleimer-Gedichtchen“ als völlig jenseits des guten Geschmacks und als würdelos (ggü Menschen, die wenig/zu wenig zum Leben haben) empfindet und entsprechend darauf reagierte.

     

     

    • Nadja Huber
      Antworten
       

       

       

      Danke Piranha
      sehe ich ganz genauso!!! Und ich frage mich, was die meisten dieser Kommentare hier mit dem oben aufgeführten Artikel zu tun haben??? Bin gespannt wie lange das noch so weiter geht und wann die Kommentarfunktion wirklich abgeschaltet wird. Schade!!!

      Dem oben aufgeführten Artikel kann ich uneingeschränkt zustimmen. Es ist ein wundervolles Buch mit echter Poesie, die einem Mut macht und Wege aufzeigt, wie man sich mit der derzeit „verrückten“ Welt auseinandersetzten und neue Sichtweisen gewinnen kann! Den Worten ‚auf den Grund‘ zu gehen, kann wirklich dabei helfen (z. B wie Konstantin dem Wort ‚ Ver sagen‘ auf den Grund geht und ihm damit eine völlig neue Bedeutung zukommen lässt hat mich sehr beeindruckt und beeinflusst!) Diese Buch gibt mir schon alleine Kraft dadurch, dass ich es fast ständig bei mir habe 🙂

      viele Grüße an alle, denen es um die Sache geht und ’singen, weil sie ein Lied haben‘

  • heike
    Antworten
    „…

    aber für was
    verwenden wir unseren Verstand denn hauptsächlich?
    .
    Für das, was er zur Zeit am besten kann:
    das Ego aufblähen,
    die Welt zerstören
    und alles Lebendige vernichten.“
    (Konstantin Wecker)

    Ich finde dieses von Bettina ausgewählte Zitat von Konstantin sehr treffend für viele Aspekte der gegenwärtigen Wirklichkeit.

    Jeder kann sich selbst überprüfen, ob er seinen Willen und seine Vorstellungen auf Kosten der Lebendigkeit von anderen Menschen durchzusetzen versucht.

    Genau dieser Weg wird uns auf jeden Fall keine Erlösung, kein besseres Leben und keine Freiheit bringen.

    Es mag gelingen, anderes Leben zu vernichten – das eigene dadurch glücklicher zu machen, wird nicht gelingen.

  • Volker
    Antworten
    Abfalleimer? Wer philosophiert über Eimer hier, bastelt ein poetisches Ding daraus, entsprungen aus einem Eimer ohne Müllbeutel, gefüllt mit Kaffeefilter, Kippen, sonstige Abfälle?

    Alles im Eimer, oder was, haben wir es mit einem Eimer aus Kunststoff oder Blech zu tun, gibt es einen passenden Deckel dazu, hat er ein Loch (Kinderlied), und wer putzt den Küchenboden, sollte Eimer umfallen? Gute Frage, gell, nur Mülltonnen kommen besser ++ Volker eimert sich ++

    @BB, Kommentare verhalten sich wie Schnürsenkel, verknoten sich hier und da zu Überknoten, ohne Entknotung der Red. sogar – aber: das World Wide Web vergisst dich nicht ++ glucks ++.

    Und nicht vergessen: Respekt kommt besser an!

  • Nadja
    Antworten
    Danke Piranha

    sehe ich ganz genauso!!! Und ich frage mich, was die meisten dieser Kommentare hier mit dem oben aufgeführten Artikel zu tun haben??? Bin gespannt wie lange das noch so weiter geht und wann die Kommentarfunktion wirklich abgeschaltet wird. Schade!!!

    Dem oben aufgeführten Artikel kann ich uneingeschränkt zustimmen. Es ist ein wundervolles Buch mit echter Poesie, die einem Mut macht und Wege aufzeigt, wie man sich mit der derzeit „verrückten“ Welt auseinandersetzten und neue Sichtweisen gewinnen kann! Den Worten ‚auf den Grund‘ zu gehen, kann wirklich dabei helfen (z. B wie Konstantin dem Wort ‚ Ver sagen‘ auf den Grund geht und ihm damit eine völlig neue Bedeutung zukommen lässt hat mich sehr beeindruckt und beeinflusst!) Diese Buch gibt mir schon alleine Kraft dadurch, dass ich es fast ständig bei mir habe 🙂

    viele Grüße an alle, denen es um die Sache geht und ’singen, weil sie ein Lied haben‘

    • Imago
      Antworten
      Ich wundere mich nun schon ein wenig, welch‘ eigenartige Kommentare nun auf einmal hier auf diesen sonst oft so guten Seiten zu lesen sind; aber (siehe oben) „die Kommentarfunktion(en) daraufhin einfach abzuschalten“ – würde das nicht auf ein dann insgesamt doch recht trauriges allgemeines Redeverbot hinauslaufen (und das nur,  weil manche Leser mit ihrem Kommentar gelegentlich mehr oder weniger „danebenliegen“)? – Ich finde es richtig, wenn die Redaktion auch manchen Unsinn toleriert, solange dabei die Grenzen des guten Geschmacks* nicht überschritten werden und auch vor allem auch – solange keine persönlichen Hetzjagden veranstaltet werden, denn zur Demokratie gehört es meiner Ansicht nach eben auch, sich auch manchen Unsinn (weitgehend) geduldig anhören zu können.

      *In Hamburg habe ich einmal folgenden Graffitispruch an einer Wand gesehen: „Über Geschmack läßt sich streiten – oder auch nicht; eben – ganz nach Geschmack!“

    • Bettina
      Antworten
      Ich möchte dir, Nadja, von meiner Sicht aus meine Kommentare erklären. Die Kommentare von Prianha und Palantir kann ich dir nicht erklären, sie sind mir selbst unerklärlich. Das sollten die beiden besser selbst machen. Am Ausgangspunkt der Diskussion stand mein Gedicht:

      .

       

      Außenseiter – Abfalleimer

      .

      Der Abfalleimer inmitten des Geschehens,

      lässt uns manche Dinge anders sehen.

      Als Entledigung im Überfluss den einen,

      lässt er die Außenseiter sich vereinen.

      Leer wird er für die zum Fluch des Lebens,

      gefüllt indes zu einem warmen Frühlingsregen,

      die daraus schöpfen, davon leben.

      .

      Der Abfalleimer achtet nicht der vielen Leut‘,

      er steht für Haltung und für Sauberkeit.
      (BB 2017/09)

      .

      Weder Palantir, noch Piranha haben sich die Mühe gemacht, mein Gedicht zu verstehen.  Palantir hat seine Wortmachete rausgehauen, unschöne und Persönlichkeits verletzende Worte, wie: 

      .

      „Gut-Böse-Schema“, „dilettantische Komplexitätsreduktion“, „Mentaltypologie dieser Spezies“, „Ausdifferenzierung „, „der Dilettant mit narzisstisch übersteigertem Geltungsbedürfnis“, „Stümper, der bei aller Liebe für eine Sache seine Fähigkeiten überschätzt und jener oft mehr schadet als nützt.“

      …“Nein.  Damit war dein stümperhaftes und entwürdigendes Verslein gemeint. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“

      .

      Anschließend mischt sich Piranha in die Diskussion ein mit den Worten:

      .

       „Ich werde mich dieses Mal nicht weiter einmischen, außer, dass ich Palantir verstehen kann, der ein „Abfalleimer-Gedichtchen“ als völlig jenseits des guten Geschmacks und als würdelos (ggü Menschen, die wenig/zu wenig zum Leben haben) empfindet und entsprechend darauf reagierte.“

      .

       

      Da weder Palantir, noch Piranha nach einer Erläuterung meines Gedicht’s „Abfalleimer Außenseiter“ gefragt habt, dieses aber der Anlass der Auseinandersetzung ist, hier nun ungefragt meine kurze Erläuerungen zum Gedicht:
      Ich schrieb es im Sommer 2017, in München, direkt nachdem ich folgende Szene in Alt-Schwabingen, in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle „Münchener Freiheit“ von einem Straßencafé aus beobachtet hatte. Einer der grau-metallenden öffentlichen Abfalleimer der Stadt, nahe meines Sitzplatzes, fiel mir ins Visier. Er war ungewöhnlich frequentiert. („der Abfalleimer inmitten des Geschehens“). Es gab etliche Menschen, die ihren Müll schnell im vorbeigehen in den Abfalleimer entsorgten, Plastiktüten, Papiertüten, Pfandflaschen,  Pfanddosen und vieles mehr („Als Entledigung im Überfluss den einen…“). Es gab noch weitere Personen, die den Abfalleimer gut im Visier hatten: es waren Menschen, denen man anhand ihrer Kleidung ansehen konnte, dass sie alles andere, als im Überfluss lebten. Sobald die einen etwas im Abfalleimer entsorgt hatten, eilte einer der Bedürftigen hinzu, um etwas Verwertbares zu finden. Es gab eine erst auf den zweiten Blick ersichtliche Absprache zwischen den Bedürftigen.  Hatte einer von ihnen etwas Brauchares gesichtet, ließ dieser den nächsten bedürftigen Vortritt (Als Entledigung im Überfluss den einen, lässt er die Außenseiter sich vereinen). 
      Meine Gedanken wanderten angesichts der Beobachtungen weiter, die ich wie folgt festhielt:
      „Leer wird er für sie zum Fluch des Lebens, 
      gefüllt indes zu einem warmen Frühlingsregen, 
      die daraus schöpfen, davon leben.“)

      .
      Die Auflösung meines Gedichts erfolgt im letzten Satz:

      .

      „Der Abfalleimer achtet nicht der vielen Leut‘,

      er steht für Haltung und für Sauberkeit.“

      .

      All das hätte sich mit einer kleinen, dem Erwachsenen Alter angemessenen höflichen Rückfrage an mich klären lassen. Man muss nicht die Wort- Machete rausholen, wenn man etwas einfach nicht verstanden hat.  Gedichte  benötigen ihren Raum, um sich frei entfalten zu können.

      .

      „Der Finger, der auf den Mond zeigt,
      ist nicht der Mond.“

      .
      Wir können uns im Gespräch mit Gleichgesinnten
      schon nur vage einigen
      auf eine Interpretation, die allen gerecht wird.
      Wie erst in einer Gesellschaft mit kulturell,
      als auch ideologisch völlig anders erzogenen,
      anders gebildeten Menschen?
      Die Posie lehrt uns, dass nichts zu Ende interpretierbar ist
      und dass man die Interpretationshoheit nicht den Herrschenden überlassen darft…“
      (Zitat Konstantin Wecker aus seinem Buch:
      „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“).

  • ert_ertrus
    Antworten

    A N N A- (rchie) BLUME hat ein Vogel! (Kurt Schwitters†)

     

    DADA-DA …

  • heike
    Antworten
    Ein Gedicht von Martin Walser, weil es so schön zum Thema passt und mir ausgesprochen gut gefällt:

    Friedensfeier, aber bald

    Durch nichts zu ersetzen ist die Bestimmtheit,

    wenn sie fehlt. Du kannst fast nichts lernen.

    Du bist ein Aufbruch, dem nicht gesagt wird,

    wohin. Wenn alle Autos plötzlich führen,

    als führen sie zum selben Ziel. Kindische Wünsche.

    Endlich mit den Armen nur noch umarmen, auch

    die Fallensteller, die Untersteller. Den Mund

    zu nichts mehr brauchen als zum Küssen. Die Hände

    zum Streicheln. Zu Fäusten haben sie nie getaugt. Wenn

    ich nur nicht vorsichtig werde. Ich spür ja, wie mir

    der Hölderlin-Mut fehlt. Viel zu wenig frech bin ich.

    Dass ich nichts mehr wissen will von den Quartieren,

    in denen

    das Rechthaben blüht, ist schon fast ein Verbrechen.

    Umarmen,

    streicheln, küssen, aber alle. Alle Fallensteller, Unter-

    steller,

    Verdächtiger. Mir ist zum Umarmen keiner zu

    schrecklich.

    Zum Unterscheiden bin ich nicht blind genug. Wie

    jeder werd ich

    durch Zustimmung schön. Zur Friedensfeier komm

    ich, sagt mir, wohin.

    Der himmlischen, still widerklingenden, Der ruhig

           wandelnden Töne voll,

    sei, was ist. Ich, das Echo der Freundlichkeit. Zu

    hoffen ist nichts,

    zu lieben viel. Überall willkommen ist niemand.

    Robinson ist

    ein Patron. Ich habe mich so vergangen und will

    gefunden werden, wo ich am liebsten wär.

     

     

     

     

  • ert_ertrus
    Antworten

    Viele viel bessere hat der Robert Walser in die Welt gesetzt – und den kann ich Allen empfehlen die lesen gelernt haben 🙂

  • Piranha
    Antworten

    Friedensfrage

    Wenn

    ein Krieg

    ausbricht

    muss

    dann

    der Friede

    nicht

    ein Gefängnis

    gewesen sein?

    Holdger PLatta/Kurt Weber: Das Blaue vom Himmel, Göttingen, 1983

  • heike
    Antworten
    Einst da waren

    wir schön

    unsere Kinder hatten

    eine Zukunft.

     

    Jetzt nehmen sie

    uns den Schneid ab

    unseren Stolz

    unsere Würde

    und    unser Leben.

     

     

  • Doris Mossler
    Antworten
    Es geht um das neue Buch von Konstantin Wecker!!

    Bitte unbedingt lesen.

    Was soll dieser „Verserl-Wettbewerb?

    • Piranha
      Antworten
      Den Rezensenten zu würdigen durch eines seiner eigenen zahlreichen „Verserl“, schien mir durchaus (auch inhaltlich) passend 🙂

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