Mitsotakis geht gegen Hilfsernährung verelendeter Griechen vor!

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

In Griechenland nicht mehr möglich: Essensausgabe an Arme.

262. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Wichtige Ergänzungen zu meinem letzten Bericht dieses Mal von unserem Mitstreiter Tassos Chatzatoglou: Offenkundig legt es der griechische Regierungs-Chef Mitsotakis darauf an, den Ärmsten der Armen in Griechenland auch noch die letzte Möglichkeit zu nehmen, sich einigermaßen gut ernähren zu können. Gibt es niemanden, der diesen Vormarsch in die Menschenverrohung stoppt? – Gutes hingegen, seit langer Zeit zum ersten Mal wieder, von unserer Hilfsaktion! Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

Ihr erinnert Euch? – In der letzten Woche habe ich Euch vor allem über die Obdachlosen und Ausgesteuerten in Griechenland berichtet. Deren Situation scheint derart entsetzlich zu sein, dass sich nicht mal zuverlässiges Zahlenmaterial ermitteln lässt, das über die Menge der Betroffenen Auskunft geben könnte. Wie ich bereits in der Überschrift zu meinem letzten Bericht – absichtlich doppeldeutig – formuliert hatte: diese Menschen zählen in Griechenland nicht mehr. Nicht mal die griechische Statistikbehörde vermag über die Anzahl dieser total verelendeten Menschen Auskunft zu geben. Deutlicher kann ein Staat, kann die Regierung dieses Staates nicht sein absolutes Desinteresse am Schicksal der Ärmsten im eigenen Land zum Ausdruck bringen.

Ausdrücklich teilte ich Euch deshalb mit, dass die von mir – einigermaßen mühsam – ermittelten Betroffenenzahlen nur Schätzwerte darstellen können. Diesen Recherchen zufolge dürfte die Anzahl der Obdachlosen und Ausgesteuerten in Griechenland bei mindestens 400.000 Menschen liegen, also bei etwa 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung in Griechenland. Schlimm also alleine schon dies!

Aber Tassos Chatzatoglou, unser landeskundiger Mitarbeiter in unserem HelferInnenteam, hat nunmehr noch auf einen zweiten Unglücksumstand für die Langzeitarbeitslosen und für die Menschen, die „entmietet“ oder um ihren Wohnbesitz gebracht worden sind, hingewiesen: auf die Tatsache nämlich, dass von Regierungsseite aus die Essensversorgung dieser Menschen durch freiwillige Helferinnen und Helfer sowie Hilfsorganisationen außer Kraft gesetzt worden ist. Und selbst die griechisch-orthodoxe Kirche scheint sich diesem Druck gebeugt zu haben, zu großen Teilen wenigstens. Ach ja, welch tapferes Christentum, welch Zeichen der Nächstenliebe in Zeiten der Not! Der Vorwand der griechischen Regierung, gegen die Versorgung der hungernden Menschen mit Nahrungsmitteln vorzugehen, ist – wundert es jemanden? – „natürlich“ die sogenannte Corona-Epidemie, präziser: die Art und Weise, wie die griechische Staatsführung glaubt, gegen Covid-19 vorgehen zu müssen. Mögen, so scheint die Regierungs-Devise zu sein, doch mit diesem Virus gleich unzählige Menschen mit untergehen!

Hier die Auszüge aus dem Bericht von Tassos Chatzatoglou, dem ich für diese zusätzlichen Mitteilungen ausdrücklich danke:

„Die Situation der Mittellosen in Griechenland hat sich durch das Tätigkeitsverbot der Armenküchen verschärft. Auch die Gemeinde Athen hatte gut organisierte Armenküchen, die mehrere tausend Essensrationen pro Tag verteilten. Als die Pandemie voll im Gange war und das Anstellen oder Verweilen der Bedürftigen vor den Armenküchen aufgrund der COVID-Verordnung verboten wurde, lieferten Freiwillige in Zusammenarbeit mit den Armenküchen das Essen weiterhin den Bedürftigen ins Haus. Das griechische Rechtssystem aber sieht vor, dass jeder eine Einstweilige Verfügung aus irgendwelchen Gründen erwirken kann. Diese Einstweilige Verfügung blockiert bis zur Gerichtsverhandlung jegliche Aktivitäten der betroffenen Personen oder Institutionen. Und genau das ist in Athen geschehen. Ein Lebensmittellieferant, der sich benachteiligt fühlte, legte Beschwerde ein und blockiert seit Monaten die Essensausgabe an die Bedürftigen. Die Lage der Bedürftigen in Athen verschlechterte sich damit auf einen Schlag. Es gibt keine Stelle mehr, die Essensrationen an die Bedürftigen offiziell ausgibt. Trotzdem verteilen mutige Frauen und Männer in unregelmäßigen Abständen an sich ständig ändernden Orten Essen. So umgehen sie jeglichen Kontakt mit der Polizei. Die Kirche hat die Essensverteilung ja seit langem eingestellt. Ob das in anderen Gemeinden auch der Fall ist, konnte ich aus der Entfernung leider nicht eruieren.
(…)
Man braucht nur zu überlegen, wie weit man in Deutschland mit 200,- € kommt. Die Preise sind hoch wie in Deutschland, manche Lebensmittel und vor allem Hygieneartikel sind sogar um einiges teurer.“

Kleiner Nachtrag zur Mail von Tassos Chatzatoglou: Mit seinem Hinweis auf die 200,- Euro, die weder in Deutschland noch in Griechenland ein Überleben gestatten, kommt Tassos auf die Tatsache zurück, dass arbeitslos gewordene Griechinnen und Griechen lediglich ein Jahr lang „Arbeitslosenhilfe“ in dieser Höhe bekommen, in der Höhe von 200,- Euro monatlich! Wichtig sein Hinweis, dass ein solcher Betrag auch in Griechenland nicht das eigene Weiterexistieren-Können abzusichern vermag. Ich füge hinzu: das Weiterexistieren-Können ganzer Familien schon gar nicht!

Und ich wiederhole nochmal: Es handelt sich bei diesem kläglichen Mini-Betrag von 200,- Euro „Arbeitslosenhilfe“ pro Monat um eine Verrohung von Politik, die nicht nur die Regierung des Herrn Kyriakos Mitsotakis unter Anklage stellt, des Ministerpräsidenten in Griechenland und Chefs der ultrakonservativen „Nea Dimokratia“, sondern auch sämtliche verantwortlichen Politiker in Europa, die dem furchtbaren Treiben in Griechenland völlig tatenlos zuschauen. Und es handelt sich auch um eine Verrohung von Politik, die sogar die meisten Massen-Medien in Europa unter Anklage stellt, deshalb nämlich, weil diese völlig wortlos an diesen fundamentalen, alltäglich praktizierten Menschenrechtsverletzungen vorbeigehen. Nicht mal nur bloße Zuschauer sind alle diese Journalisten, die eigentlich in einer humanen Verantwortung stehen, nein, Wegseher sind sie! Untätig sind sie allesamt, die Herrschenden in Griechenland, die Machthaber in Europa, die Medien-Entscheider allerorten, deren erdrückende Mehrheit Nichtberichterstattung über Griechenland beschlossen hat. Und ein weiteres Mal fällt auf, dass Untat und Untätigkeit sehr nah verwandte Begriffe sind!

Was das Übermaß an Inhumanitäten betrifft, worüber aus Griechenland zu berichten wäre, so ließe sich noch vieles ergänzen, aber heute nur eine kleine Auswahl noch:

• Erneut gab es Selbsttötungen verzweifelter Flüchtlinge in griechischen Asylbewerbercamps;

• es sollen weitere Lager wie Kara Tepé in Griechenland errichtet werden (keineswegs Menschlichkeitsbedingungen in den vorhandenen Camps hergestellt werden!);

• und in der vorletzten Ausgabe der „Griechenland Zeitung“ (GZ) wurde berichtet, dass auch in der griechischen Arbeitswelt Menschenquälerei an der Tagesordnung ist: Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Kapa Research gaben dieses 85 Prozent aller befragten Arbeitskräfte an – vor allem Niedrigverdiener! Menschenverachtender Klassenkampf von oben bis ins „Mobbing“ hinein. „Anwendung psychischer Gewalt am Arbeitsplatz“ haben dieses die Wissenschaftler von MRK Consulting genannt, von jenem Institut, das mit Kapa Research für die Erstellung dieser Studie zusammengearbeitet hat. Und, so die GZ, diese Wissenschaftler haben diagnostiziert, dass es – man darf vermuten: vor allem! – die griechische Finanz- und Wirtschaftskrise war (und immer noch ist!), die „zu seelischen Schikanen am Arbeitsplatz beigetragen habe“. Das Verarmen der Untergebenen befördert den Sadismus der Vorgesetzten.

Aber ich breche an dieser Stelle – heute jedenfalls – meine Berichterstattung über psychosoziale – ökonomisch verursachte – Zusammenhänge dieser schlimmen Art in Griechenland ab. Wer Augen hat, zu sehen, wer Ohren hat, zu hören, wer einen Verstand hat, den er noch zu gebrauchen wagt, weiß es ja ohnehin: Kapitalismus hat noch niemals Humanitäten befördert; Kapitalismus war schon immer Brutstätte der Entmenschlichung gewesen, und in seinen eigenen Krisenphasen ganz besonders sogar!

Um so erleichterter bin ich heute, liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, von unserer Hilfsaktion Gutes vermelden zu können:

Der Spendenrückgang, den wir seit einigen Wochen bei uns zu registrieren hatten, scheint – fürs erste zumindest – gestoppt. Nach den 65,- Euro an Neuspenden in der Vorwoche – in den sieben Tagen davor waren es sogar nur 25,- Euro an Neuspenden gewesen – durften wir während der letzten Woche endlich einmal wieder einen Spendeneingang notieren, der uns aufatmen läßt. 450,- Euro gingen auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 4 SpenderInnen an uns. Der Spendenetat – mit nunmehr 881,01 Euro – nähert sich also erstmals wieder der 1.000,- Euro-„Mindest“-Grenze (wie wir das einmal genannt und festgelegt hatten).

Ich danke allen SpenderInnen sehr, und ich vermute, ich darf dieses auch im Namen des gesamten Teams tun. Möge also wieder etwas mehr Stabilität einkehren, was unsere Hilfsmöglichkeiten betrifft! Nicht zuletzt dieser Bericht – so hoffe ich jedenfalls – hat deutlich gemacht, gegen welche Verelendungsprozesse in Griechenland wir anzukämpfen haben, mit durchaus bescheidenen Mitteln, ich weiß! Aber immer noch: mit ganzem Herzen dabei!

Tja, und damit erneut auch zu meinem Spendenaufruf zum Schluss dieses Berichtes:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Inhaber: IHW

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

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