Nachtgedanken

 in FEATURED, Monika Herz, Philosophie, Politik, Umwelt/Natur

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, sagte der lateinische Dichter Plautus. Wenn es nur so wäre! Wölfe verfügen immerhin über ein vernünftiges Sozialverhalten. Menschen dagegen sind anderen Menschen wie auch Wölfen „ein Mensch“ – und das ist schlimm. Immer deuten sie mit dem Finger auf andere Lebewesen und identifizieren diese als „Gefahr“. Wölfe, diese schönen und edlen Tiere, werden dann von Mordlüsternen kurzerhand abgeschossen. Bei Ungeimpften ist es noch nicht ganz so schlimm. Die werden nur beschimpft, ausgegrenzt und demnächst vielleicht beraubt. Und diejenigen, die die Strafe bezahlen können, die heutzutage auf körperliche Selbstbestimmung steht, haben noch Glück. Was wird aus denen, die einfach kein Geld haben? Das sind nicht wenige in diesem Deutschland-in-dem-man-gut-und-gerne-leben kann. Kosten und Nebenkosten drücken, und so manchem wurden „wegen der aktuellen Lage“ die Verdienstmöglichkeiten abgeschnitten. Unserer Autorin bereitet die Gesamtsituation buchstäblich schlaflose Nächte. Während einer dieser Nächte bringt sie ihre ganz persönlichen Gedanken zu Papier und unternimmt mit ihnen eine weiter Wanderung, die verschiedene Stationen umfasst. Warum nur wird es uns aus Gründen, die immer mit Geld und Macht zusammenhängen, so schwer gemacht, das Glück zu finden, für das wir geschaffen sind? Monika Herz

 

Was ist das nur, dass ich so früh erwache, um 4 Uhr, und dann diesen Körper hin und her wälze – und meine, ich könne wieder einschlafen, wenn mein Geist nur diesem Atem folgen würde, diesem Ein und Aus.

Und während ich vergeblich übe, einzuschlafen – erwache ich mehr und mehr. Weder kann ich später Träume noch die ersten Gedanken erinnern.

Erinnerungen aber aus früherer Zeit, die sind da. Wie ich der Mutter erzählte, dass es sehr schön sein könne, sehr angenehm – dieses letzte Ausatmen. Das allerletzte Mal. Und dann nicht mehr einatmen müssen. Und dann…? Hast du Angst, fragte ich sie. Es ist das Ungewisse, sagte sie, was Angst macht. Das Ungewisse…

Wer ist dieses „Ich“ nur, das in mir spricht?

Ja. Jetzt erinnere ich mich. Halt, Gedanke, bleib stehen.

Es gibt etwas, das benutzt diesen Körper und es benutzt diese Denk-Fähigkeit und es benutzt diese Fähigkeit wahrzunehmen und zu fühlen. Fühlen, was ist das? Wie fühlt es sich an, panische Angst zu haben? Oder auch nur ein bisschen Angst zu haben. Oder aber Vertrauen zu fühlen. Oder Mut.

Wie geht es dir? So wurde ich gestern Abend gefragt.

Es geht so. Antworte ich.

Wer ist „Es“ – wer geht?

Wie fühlst du dich?

Wie fühlt es sich an, diesen Körper zu bewohnen?

Nun – er fängt an zu altern und morgens riecht er eher unerfreulich.

Der Rücken schmerzt manchmal mehr, manchmal weniger.

Armut, Alter, Krankheit und Tod.

Die vier Grundübel nach der Lehre des Buddha. Armut habe ich zum Glück jetzt hinter mir. Zumindest im Moment. Aber sie kann jederzeit zurückkehren. Manche glauben, dass das Finanzsystem crashen wird, dann hilft Geld so wenig wie irgendwo hoch oben auf dem Himalaya.

Habe ich davor Angst? Ach, solange die etablierten Wissenschaftler, wie etwa der „Weisen-Rat“ der Bundesregierung nicht Alarm schlagen, solange ist unser Geld bestimmt sicher. Oder? Besser als auf dem Konto wäre es angelegt in lang haltenden Wirtschaftsgütern wie etwa Häusern, Autos oder E-Bikes.  Allerdings müsste man dazu erstmal Geld haben, das man anlegen kann.

Roland und ich haben uns immerhin ein anderes Auto gekauft, einen Skoda. Ein Elektro-Auto kommt für uns nicht in Frage, weil wir keine Steckdose draußen vor den Block haben.

Der Block soll dieses Jahr endlich renoviert werden. Neues Dach, neue Heizanlage, Wärmedämmung. Kosten: 30.000,- Euro pro Wohnung finanziert mit Kredit über 10 Jahre und 5000,- Zuschuss vom Staat. Eigentlich wollte ich im Alter ja mietfrei wohnen, das war der Plan. Wegen der geringen Rente. Dass hohe Renovierungskosten den Plan vernichten, damit hab ich nicht gerechnet. Insofern war es vielleicht doch nicht so klug, eine kleine alte Eigentumswohnung zu kaufen, damals als es noch nicht so teuer war. Damals, als ich noch eine Anstellung hatte. Auch wird es im Zuge der Renovierung viel Krach geben und das komische Gefühl, dass jederzeit jemand zum Fenster reinschauen kann. Aber danach wird unser Block nicht mehr ganz so grattlermäßig ausschauen.

Wie fühlt es sich an, unter den so genannten Grattlern zu leben? Es fühlt sich gut an. Das sind freundliche Menschen. Am wichtigsten ist, dass man möglichst ruhig ist, weil die Decken und Wände zwischen den Wohnungen so dünn sind. Musik hören mit Handy und Ohrenstöpseln ist hier ideal. Die Nachbarn neben dem Block sind die Montessori-Schule und ein Kindergarten. Ich höre „das Geschrei“ von Kindern gern. Manche der Nachbarn schimpfen allerdings darüber. Ich habe gelesen, dass nach irgendeiner Studie die Kinder so unglücklich sind wie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht mehr.

Wie fühlt sich das an?

Morgen kommt vielleicht Besuch. Tochter, Schwiegersohn und die zwei Enkel, 15 und 11 Jahre. Ich werde hinhorchen und hinspüren, wie unglücklich sie sind – oder ob sie zu den wenigen einigermaßen Glücklichen gehören. Werde ich es erspüren können?

Wie fühlt es sich an, traurig und ängstlich zu sein?

Etwas in mir ist angstfrei und mutig und schreibt immer wieder freche Briefe an Hohe Herren. Wohl wissend, dass in einer „echten“ Diktatur Journalisten die Ersten sind, die auf die Fresse kriegen.

So wie diese Journalistin in Berlin. Die wurde von einem Polizisten zusammengeschlagen, weil sie filmte und erkennbar als Journalistin aufgetreten war. Sie hatte willkürliche Verhaftungen dokumentiert. Ein Polizist hat sie zu Boden geschlagen und ihr zwei Zähne ausgeschlagen. Das Gericht fand das später dann ganz in Ordnung so.

Wenn ich mich weiterhin nicht impfen lassen möchte, dann könnte ich sogar inhaftiert werden. Jedenfalls soll ich empfindlich bestraft werden. Zunächst, ohne dass mir vorher Polizisten die Zähne ausschlagen. Ob ich das wirklich befürchten muss?

Nein, natürlich nicht. Oder doch?

Herr Lauterbach tut ja alles, um mich vor mir selbst zu beschützen. Die Impfpflicht ist kein Zwang, weil sie dann ja freiwillig ist – nachdem sie ganz zwanglos und in großer Übereinstimmung mit der Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt wird. In Österreich, dem historisch bedingten Vorreiter-Land solcher „Pflichterfüllung“, sollen derzeit Strafen gelten zwischen 600 und 3000 Euro, wenn man sich nicht „freiwillig“ impfen lässt. 600 Euro, das wären für meinen Freund Eulenfeder immerhin 4 Monate komplett fasten. 600 Euro entspricht der Streichung von 4 Monaten Essen und Getränke unter Hartz IV-Bedingungen. Eulenfeder wird sich nicht impfen lassen und auch nicht bezahlen. Das ist sicher. Zu pfänden ist auch nichts. Wird er ins Gefängnis geworfen werden? Als Grattlerin unter Grattlern bin ich mit mehreren wunderbaren Menschen befreundet, die auf diesem Grundsicherungs-Niveau herumdümpeln und einfach lieber ihrem eigenen Immunsystem vertrauen.

Habe ich Angst um meine Freunde, um meine Kinder und Enkelkinder?

Nein, nein – du musst keine Angst haben. Es ist alles gut. Es wird wieder alles gut. Komm zurück ins Jetzt, Monika.

Jetzt sitze ich hier in meinem dicken winterlichen Morgenmantel. Es ist 7.10 h. Das kleine Zimmer ist das Einzige, wo die Heizung ganz gut funktioniert. So dass ich ohne die sonst üblichen 4 Schichten nicht friere, in meiner Grattler-Wohnung.

Es geht mir gut. Es ist alles in Ordnung. Ich lebe! Ich bin im Besitz des kostbaren Menschenlebens!

Ich verstoße allerdings überhaupt nicht gerne gegen Gesetze. Das irritiert mich und stresst mich und macht Angst vor harten Strafen.

Und das Ganze nur, weil ich ein eigenes Immunsystem hab. Weil ich meinen Körper nicht der Großen Krake Pharma überlasse. Weil ich nur von mir selbst gewählte Prozeduren an meinem Körper vornehmen lasse. Weil das mein Recht ist. Jedenfalls meinte ich mal, dass das mein Recht ist. Früher einmal war das so.

Und nein. Natürlich macht mir das keine Angst. Das wäre übertrieben. Der Staat meint es doch nur gut mit mir. Er will uns Ungeimpfte doch nur schützen vor uns selber. Und die Mehrheit der Geimpften will auch, dass alle geimpft werden. Auch die kleinen Kinder schon. Damit endlich Ruhe ist. Und es soll keine Außenseiter geben. Alle MÜSSEN mitmachen. Und wenn trotz alledem nicht alle mitmachen, dann muss man sie eben mit allen Mitteln – also mit immer empfindlicheren Methoden der Staatsgewalt – so lange schikanieren und bedrohen und vor die Alternative großer Armut stellen, bis sie sich freiwillig impfen lassen.

Mach doch auch endlich mit, Monika!

Sei doch vernünftig!

Danach geht es dir vielleicht besser. Wir werden dann in einem freien Land der Geimpften leben. Die Wissenschaft wird wissen, dass wir uns alle 3 Monate impfen lassen müssen, die Große Krake kriegt ihr Futter in Form von Milliarden-Gewinnen und höchstes Lob, dass sie zu 20 Prozent des gesamten deutschen Wirtschafts-Wachstums beigetragen hat. Jubel! Begeisterung!

Und diejenigen, von denen ich nicht beschützt werden will, haben jetzt die Wölfe im Chiemgau zum Abschuss frei gegeben. Die stehen zwar unter strengstem Artenschutz – aber einen Wolf schießen, den Spaß wollen die Machthaber den Jägern doch nicht verderben. Das geschieht auch zum Schutz der Bevölkerung.

Vielleicht, wenn auch der letzte Wolf geschossen ist, vielleicht werden sie dann Jagd auf ungeimpfte Obdachlose machen!? Aber nein! Monika, wie kannst du so etwas auch nur denken! Jäger, die Jagd auf Wölfe machen, würden niemals nur zum Spaß auf Menschen schießen. Es braucht immer einen Grund zum Töten. Doch so ein Grund ist schnell erdacht: Der Wolf, genauso wie der Ungeimpfte ist potenziell eine tödliche Gefahr für brave Bürger. Grundgesetz hin oder her.

Nein. Monika! Was redest du da für Zeug?

Das sind nur verrückte Gedanken einer Verrückten. Dieses innewohnende freundliche „ich“, das durch meine Augen in die Welt hineinschaut – das lächelt, weil doch alles gut ist. Weil eine neue Zeit anbricht. Ein neues Jahr. Die Erde dreht sich in Begleitung von Pluto, dem Mächtigen, beschützt von Uranus mit den wehenden Fahnen der Freiheit, im Tanz mit Venus, die Rückwärts-Kapriolen schlägt – es ist ein gutes Jahr. Die Sterne stehen gut.

Ich werde für den Wolf im Chiemgau beten. Ob es ihn schützen wird? Ach, würde doch der Heilige Franz noch leben. Er würde eine Predigt halten: „Hallo“, würde er sagen, „der Wolf hat Hunger. Deshalb kommt er nahe an das Dorf heran! Weil ihr Menschen so viel Essen habt. Gebt ihm halt etwas ab. Der Wolf ist eines der schönsten und heiligsten Tiere unter der Sonne. Er steht unter dem besonderen Schutz des Allmächtigen und unter dem besonderen Schutz des höchsten menschlichen Gesetzes. Lass den Wolf in Frieden. Und wenn er im tiefen und besonders kalten Winter draußen in den Wäldern nichts mehr zu Fressen findet, dann legt ihm halt etwas hin. Er wird es nehmen und euch ebenfalls in Ruhe lassen. Wölfe kommen den Menschen nur ungern nahe.“  So würde der Heilige Franz reden. Aber heute würde niemand auf ihn hören. Damals – so sagt die Legende – haben die Menschen den Rat des Heiligen befolgt. Und niemand kam zu Schaden. Im Gegenteil. Das kleine Dorf Gubbio wurde später weltberühmt. Und die Geschichte wird noch heute erzählt, 900 Jahre danach.

Aber die Lust der Jäger am Töten ist wohl größer. Und die Lust der Machthaber, Gesetze zu brechen, vor allem das Grundgesetz, die ist noch größer.

Und nein. Von solchen Machthabern möchte ich nicht vor mir selber beschützt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Showing 6 comments
  • Steffen
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    Wunderbar…wie immer!!

    ;-))

  • Freiherr
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    Dein Freund Eulenfeder ! –

    …damit meinst du diesen Gestaltwandler, stimmts ? – ein Odo, der auch mal als Freiherr, Waldphilosoph, komischer Kauz und Wehrwolf sein Unwesen treibt…

    der sich also wehrt, bei sich bleibt und deswegen keine Angst hat, wer sich verlässt, sich da spalten lässt, der bekommt Angst.

    Und den Angsttreibern dieser Pandemieterroristen sei folgendes deutlichst gesagt:

    Über meinen Körper bestimme ich allein, kein Arzt, keine Behörde, kein Staat und auch kein Richter !

    Und nun verfolgen sie meine Brüder im Chiemgau, zum Abschuss freigegeben ?

    Die Erbärmlichkeit sexualpathologischer zwergdeutscher Flintenmänner ( und Frauen leider ), die Flinte kommt direkt aus dem Lederhosenlatz, es ist geil einen Wolf zu schießen, mit bloßem Gewehr –

    immer nur Hasen und Rehe und Rebhühner und Wildschweine –

    is kind‘ a boring.

    Das Recht zu töten steht mir allein zu – sagt der edle Jägersmann, dafür bezahlt er auch brav seinen Jahresbeitrag, Abschüsse damit garantiert.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Volker
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    Immer deuten sie mit dem Finger auf andere Lebewesen und identifizieren diese als „Gefahr“.

    Beispielsweise: pfui, Spinne.

    Die werden nur beschimpft, ausgegrenzt und demnächst vielleicht beraubt.

    Nach Giftspinnen benannt – igitt.

    Nun – er fängt an zu altern und morgens riecht er eher unerfreulich.

    Weia. Das kenn ich von lang gereiftem Käse, aber schmecken tut er schon. Gell.

    Manche glauben, dass das Finanzsystem crashen wird (..)

    … Rente, Grundsicherung gleich mit …

    Insofern war es vielleicht doch nicht so klug, eine kleine alte Eigentumswohnung zu kaufen (…)

    Und dann noch in grattlermäßigem Blockformat, ohne Steckdose für neues Auto aus Jungbunzlau.

    Ob ich das wirklich befürchten muss?

    Nicht, wenn alle treuen Staatsdiener plötzlich und unerwartet umkippen – dank Pfizers Zauber-Vaccine.

    600 Euro, das wären für meinen Freund Eulenfeder immerhin 4 Monate komplett fasten.

    Wohl eher komplett verdursten. Auf dem Berg rechnet man in Dosenbier (600 : 0,80 = 750 Dosen) ++ winkt ++

    Die Sterne stehen gut.

    Monika, das sind keine Sterne, sondern Satelliten.

     

    Und die Lust der Machthaber, Gesetze zu brechen (…)

    Olaf: »Bis zum Erbrechen … «

    Chor: »…und darüber hinaus, zwei, drei … «

    Karl: »… wir werden sie alle stechen …«

    Chor: »… am Arsch der Macht vorbei …«

    Lothar: »….Spinnenbein und Krötensaft… «

    Ugur: »… gibt dem Virus neue Kraft… «

    Chor: …»einerlei, eins, zwei, drei…«

    🙂

  • Denn sie wissen nicht was sie tun
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    Der Feind meines Feindes ist mein….

    .

    Hätte der Wolf doch nur den richtigen gefressen, er wäre mein Freund gewesen.

    Statt dessen frisst er meine Oma.

    Selbst Schuld…

  • heike
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    Die Buddhisten lernen in ihrer Ausbildung, dass alles mit allem verbunden und verwoben ist, die anderen in ihrem Leben.

    Ich habe mir mal wieder „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse zur Hand genommen und finde, dass die folgende Passage so perfekt auf unsere heutige Zeit zutrifft, dass ich sie hier wiedergeben möchte:

    „Die Entwicklung des geistigen Lebens in Europa scheint vom Ausgang des Mittelalters an zwei große Tendenzen gehabt zu haben: die Befreiung des Denkens und Glaubens von jeglicher autoritativen Beeinflussung, also den Kampf des sich souverän und mündig fühlenden Verstandes gegen die Herrschaft der Römischen Kirche und – andrerseits – das heimliche, aber leidenschaftliche Suchen nach einer Legitimierung dieser seiner Freiheit, nach einer neuen, aus ihm selbst kommenden, ihm adäquaten Autorität. Verallgemeinernd kann man wohl sagen: im großen ganzen hat der Geist diesen oft wunderlich widerspruchsvollen Kampf um zwei einander im Prinzip widersprechenden Ziele gewonnen.“

    Wir hatten in Europa nach der Beendigung des 2. Weltkrieges bis vor dem Erscheinen der Corona-Pandemie ein geistiges Klima, in dem sich Künste und intellektuelles Denken frei von Normierungen durch die Kirche (und weitestgehend des Staates, jedenfalls in den kapitalistischen Staaten, sofern nicht die kapitalistische Ordnung in Frage gestellt wurde, und in den sozialistischen Staaten, solange nicht diese Ordnung und moralische Selbstverständlichkeiten, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Gleichberechtigung der Völker und Rassen in Frage gestellt wurden), entwickeln konnten.

    „Ob der Gewinn die zahllosen Opfer aufwiege, ob unsre heutige Ordnung des geistigen Lebens vollkommen genug sei und lange genug dauern werde, um alle die Leiden, Krämpfe und Abnormitäten von den Ketzerprozessen und Scheiterhaufen bis zu den Schicksalen der vielen in Wahnsinn und Selbstmord geendeten „Genies“ als sinnvolles Opfer erscheinen zu lassen, ist uns nicht erlaubt zu fragen.“

    Scheinbar könnte die Menschheit bisher nicht anders lernen und friedliche Menschen wurden immer wieder getötet, wenn sie sich nicht in dogmatische Ideologien pressen lassen wollten, ebenso wie sich die Verfechter verschiedener Ideologien und Machtbereiche gegenseitig niedergemetzelt haben.

    Der Dalai Lama sagt: „Unsere Welt wird immer kleiner, daher muss die Menschheit allen politischen, ideologischen und religiösen Differenzen zum Trotz Möglichkeiten zur friedlichen Koexistenz finden.“

    Diese friedliche Koexistenz wäre auch zwischen Geimpften und Ungeimpften, Impfbefürwortern und Impfgegnern wünschenswert. Menschen durch Ausschluss aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben ebenso wie aus ihrem Berufsleben auszuschließen oder ihnen Zugang zu Fahrerlaubnis und bestimmten Berufsausbildungen oder -ausübungen zu verweigern, weil sie nicht bereit sind, sich impfen zu lassen, spricht nicht gerade für freiheitliches Denken. Auch nicht für die Anerkennung des dem Menschen innewohnenden Potentials, ohne Pharmaindustrie überleben zu können. Wissenschaftliche medizinische Erkenntnisse können sicher manches Leid verhindern oder mildern, aber massenweise Impfungen über alle Menschen auskippen zu wollen, ist nicht die Lösung des Problems der Pandemie. Es geht darum, wieder mehr Selbstverantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen, dazu gehört auch, eigene Entscheidungen darüber treffen zu dürfen, welche Maßnahmen für sich selbst man für angemessen hält. Und dazu wiederum ist eine gewisse Selbsterfahrung und ein Grundwissen nötig, welches nicht darin bestehr, die Wirkungsweise fünf verschiedener Impfvakzine zu kennen, sondern einfache natürliche Grundregeln zur Gesundherhaltung des körpereigenen Immunsystems.

    Hermann Hesse schreibt weiter: „Die Geschichte ist geschehen – Ob sie gut war, ob sie besser unterblieben wäre, ob wir ihren “ Sinn“ anerkennen mögen, dies ist ohne Bedeutung. So geschahen denn auch jene Kämpfe um die „Freiheit“ des Geistes und haben in eben jener späten, feuilletonistischen Epoche dazu geführt, saß in der Tat der Geist eine unerhörte und ihm selbst nicht mehr erträgliche Freiheit genoß, indem er kirchliche Bevormundung vollkommen, die staatliche teilweise überwunden, ein echtes, von ihm selbst formuliertes Gesetz, eine echte neue Autorität und Legitimität aber noch immer nicht gefunden hatte. Die Beispiele von Entwürdigung, Käuflichkeit, Selbstaufgabe des Geistes aus jener Zeit, die uns Ziegenhalß erzählt, sind zum Teil denn auch wirklich erstaunlich.“

    An dieser Stelle erst mal eine Pause.

    Viele Grüße.

     

     

  • heike
    Antworten
    Um jetzt mal beim letzten Satz meines vorherigen Kommentars anzuschließen: Entwürdigung, Käuflichkeit und Selbstaufgabe des Geistes findet statt, wenn man sich instrumentalisieren lässt für amerikanische weltweite Machtansprüche Waffen zu bauen und zu liefern, um weiter Krisenherde in der Welt zu schaffen. Welcher deutschen Regierung wird es mal gelingen, sich von diesen amerikanischen Kriegstreibern zu lösen?

    Entwürdigung, Käuflichkeit und Gängelung des Geistes findet auch statt, wenn innerhalb von wenigen Jahren wider besseres Wissen der Einzelhandel kaputt gemacht wird und stattdessen globalen Konzernen wie beispielsweise Amazon ungeheure Gewinne zufließen. Das schützt keine regionalen Besonderheiten. Und die bisherige und gegenwärtige Corona-Politik beschleunigt diese ungute Entwicklung in einem beängstigenden Ausmaß.

     

     

     

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