Nicht einmal seine kapitalismusfromme Politik hilft Mitsotakis in der westlichen Welt

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

Der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis unterstützt Julian Assange (Bild)

207. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Ein weiteres Mal ist die verheerende Wohnungspolitik der „Neo-Demokraten“ anzusprechen in meinem Bericht. Dann die Tatsache, dass auch diese Politik gegen das eigene Volk dem griechischen Ministerpräsidenten im westlichen Ausland nicht hilft, obwohl dieses massiv davon profitiert. Und schließlich erfahrt Ihr noch – neben den Spendenzahlen, die obligaterweise am Anfang stehen – einiges über zwei Solidaritätsaktionen der Varoufakis-Partei für Julian Assange, den Whistleblower, der zahlreiche Kriegsverbrechen der USA aufgedeckt hat – beide Aktionen Zeichen humaner Solidarität, die andere immer noch vermissen lassen oder bei denen man sie allzu lange vermisst hat. Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

wie erwartet, nahm der Spendenzufluss während der letzten sieben Tage wieder deutlich zu – wegen des Monatswechsel (vom Februar zum März), zu dem stets auch Eure Unterstützung der GriechInnenhilfe durch die Dauerspender positiv zu Buche schlägt.

510,- Euro gingen also während der letzten Tage auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von insgesamt 6 SpenderInnen an uns. In der Vorwoche waren das nur 50,- Euro gewesen, die Zahlung eines einzigen Helfers. Natürlich danke ich allen UnterstützerInnen sehr, wie immer im Namen des gesamten Organisationsteams.

Vielleicht eine kleine Nacherklärung zu meinem letzten Hilfsbericht noch:

Selbstverständlich ergaben Eure Hilfszahlungen während der vergangenen 4 Wochen einen Bruttosaldobetrag von 2.003,- Euro, deutlich mehr mithin, als wir an Tassos Chatzatoglou für seine neue Spendenreise nach Griechenland überwiesen haben (= 1.600,- Euro). Aber bitte vergesst nicht: „nebenher“ fallen immer mal wieder auch sonstige Kosten für unsere GriechInnenhilfe an – in diesem Falle vor kurzem rund 120,- Euro für das Jahresabonnement der „Griechenland Zeitung“ (GZ), die eine unverzichtbare Informationsbasis darstellt für nahezu alle meine Berichte über unsere Hilfsaktion (um so unverzichtbarer geworden, weil bundesdeutsche Medien kaum bis gar nicht mehr über die Probleme in Griechenland informieren). Doch in Erinnerung rufen möchte ich auch, dass wir Monat für Monat 200,- Euro an Panagiota K. mit deren drei Töchtern für ihre Mietkosten überweisen (ohne dass es jedes Mal erwähnt würde). Und zu erinnern ist auch an unsere Zahlung eines weiteren Hilfsbetrages an Olga S., die insgesamt 10.000,- Euro für ihre beiden Operationen aufzubringen hat (Brustkrebs und Sehnenriss), in der Höhe von 1.000,- Euro. Sie hat bis dato 6.000,- Euro von uns bekommen, einschließlich der 2.500,- Euro, die Kalle Apel aus eigener Tasche zu diesen Hilfszahlungen beigetragen hat. Bedeutet unter dem Strich: auch für Olga S, kann von uneingeschränkter Hilfe noch immer nicht die Rede sein; die Kostenübernahme der verbliebenen 4.000,- Euro steht also immer noch aus.

Damit erneut einige Nachrichten zur Lage in Griechenland, Nachrichten, die Ihr in den bundesdeutschen Massenmedien wohl vergeblich suchen werdet:

Zum ersten: in der Tat beginnen die Immobilienpreise in Griechenland mittlerweile aufs deutlichste anzuziehen. Worüber ich Euch in den vergangenen Monaten schon zigfach berichtet habe, über die Tatsache nämlich, dass die ultrakonservative Regierung der „Neo-Demokraten“ mithilfe von „Entmietungsaktionen“, unter Einsatz auch brutaler Polizeigewalt, ganze Athener Stadtteile – Exarchia und Koukani vor allem – von „unliebsamen“ Mietern zu räumen beginnt, mithilfe auch von steuerlichen Maßnahmen und anderem mehr, um lukrativen „Wohnraum“ für die Reichen zu schaffen – nicht zuletzt aus dem Ausland -, diese Politik der Begünstigung von begüterten Investoren beginnt nun erste Früchte zu tragen. In der neuesten Ausgabe der GZ vom 26. Februar ist nachzulesen, dass im letzten Quartal 2019 die Immobilienpreise in Griechenland gegenüber dem Vorjahr stark angestiegen sind: um durchschnittlich 7,5 Prozent, in Athen sogar um 10 Prozent (Quelle: die Bank von Griechenland). Der vermutliche Grund, so die GZ: der Trend, dass sehr viel Wohnraum nur noch „kurzzeitig“ vermietet wird – man muss vermuten: ausschließlich für touristische Zwecke noch! –, insbesondere über das Buchungssystem Airbnb. Was ganz konkret bedeutet (auch darüber berichtete ich mehrfach schon):

Mehr und mehr GriechInnen stehen buchstäblich auf der Straße, landen in der Obdachlosigkeit, während im steigenden Maße kapitalistische Investoren ihre Geschäfte machen mit dem Immobilienbestand in Griechenland, der vormals für Wohnzwecke für die einheimische Bevölkerung zur Verfügung stand. Der Zweiklassenstaat lässt grüßen, aufs kräftigste befördert von der „Nea Dimokratia“ beziehungsweise dem Kabinett der Ultrakonservativen unter dem Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Erinnert sei daran, dass längst auch schon in der Bundesrepublik dieser Trend zu beobachten ist, in München etwa oder in Hamburg und Berlin. Der Kapitalismus tobt sich – auch im Bereich Wohnen – mittlerweile europaweit aus, und das Menschenrecht auf menschenwürdige Unterkunft bleibt mehr und mehr auf der Strecke.

Dass dabei – zum zweiten – die kapitalismusfromme Politik der „Neu-Demokraten“ in Griechenland keineswegs für mehr Anerkennung gesorgt hat bei den westlichen „Verbündeten“, das zeigt die folgende Meldung, die ebenfalls nachzulesen ist in der neuesten GZ:

Bei einer Parlamentarischen Versammlung der NATO während der vorletzten Woche in Brüssel hatte eine fünfköpfige Delegation aus Athen um Hilfe nachgesucht beim Kampf um die Hoheitsrechte in der östlichen Ägäis, in Konfrontation mit der Türkei. Erdogan hatte Ende 2019 ein Abkommen mit Libyen abgeschlossen, bei dem einseitig die Meeresgrenzen zwischen der Türkei und Griechenland neu festgelegt wurden, zum Nachteil der Griechen „natürlich“. Zahlreiche griechische Inseln sowie die „Ausschließliche Wirtschaftszone“ Zypern verfügen seither – nach türkisch-libyscher Lesart – über keinerlei Meeresrechte mehr. – Nun, auf der Tagung des NATO-Gremiums in Brüssel spielten sich dabei folgende Szenen ab:

Die Vertreter der Türkei konnten ungestört ihre Positionen vortragen. Als aber die Vertreter aus Griechenland ihre Kritik mitteilen wollten, wurden sie vom Versammlungsleiter des NATO-Treffens „systematisch“ unterbrochen, so die „Griechenland Zeitung“ – weshalb der griechischen Delegation am Ende nichts anderes mehr übrigblieb, als unter Protest den Tagungsraum zu verlassen. Nebenbei: der griechischen Delegation hatten jeweils zwei Vertreter der „Nea Dimokratia“ und der SYRIZA angehört, außerdem ein Vertreter der PASOK-Nachfolgeorganisation, der „Sozialistischen Bewegung der Veränderung“. Im breiten Bündnis von „rechts“ bis „links“ angereist, traten also die Vertreter Griechenlands vorzeitig die Rückreise an. Das westliche Militärbündnis, angeblich der Freiheit und den Menschenrechten verpflichtet, zeigte Griechenland also, was Sache ist: im Zweifelsfall zählen geostrategische Opportunitätsinteressen mehr als Recht und Gesetz.

Eine dritte kleine Meldung zum Abschluss noch:

Am Samstag, den 22. Februar, demonstrierten Mitglieder der griechischen Parlamentspartei MeRA25, der Partei des griechischen Ex-Finanzministers und Ex-SYRIZA-Mitgliedes Yanis Varoufakis, vor der britischen Botschaft in Athen. Mit dem Slogan „Pressefreiheit ist meine Freiheit“ forderten sie von der Johnson-Regierung die sofortige Freilassung des verdienten Whistleblowers Julian Assange, der immer noch südlich von London, in Belmarsh, im Gefängnis sitzt. Außerdem verbanden die Demonstranten mit dieser Protestaktion den Appell, dass Assange keinesfalls an die USA ausgeliefert werden dürfe. Einen Tag später, den 23. Februar, besuchte dann sogar Varoufakis selber den Inhaftierten, in seiner Eigenschaft als Sekretär der MeRA25, gemeinsam mit dem Vater von Assange. Die dort anwesenden Journalisten bat Yanis Varoufakis, dem investigativen Journalisten beizustehen, denn sie seien ansonsten „als Nächste dran“. Das einzige „Verbrechen“ von Assange sei gewesen, so der MeRA25-Politiker, dass er Verbrechen der USA gegen die Menschlichkeit im Irak und in Afghanistan aufgedeckt habe. Und Varoufakis schließlich: die Haftbedingungen für Assange seien „unmenschlich“.

Wie bekannt, hat ja auch der Europarat inzwischen die Freilassung des Inhaftierten gefordert, einstimmig sogar. Und selbst „amnesty international“, allzu lange allzu zögerlich in diesem Fall, hat sich dieser Forderung inzwischen angeschlossen. Ich finde, die Aktionen der MeRA25 verdienen es, erwähnt zu werden angesichts des Umstandes, dass sich – „natürlich“ – auch darüber die bundesdeutsche Presse ausschweigt statt ihren Berichtspflichten nachzukommen. Sie haben nichts mit unseren Themen zu tun, mit den verheerenden Sozialverhältnissen in Griechenland, diese Aktionen, sie zeigen aber, welche Gruppierungen in Griechenland humane Solidarität zeigen und welche Grupperungen nicht. Und das ist für die Einschätzung der politischen Mehrheitsverhältnisse insgesamt doch sehr wichtig in diesem östlichen Mittelmeerstaat. Vielleicht bin ich ja nur unzureichend informiert, aber von der SYRIZA habe ich bis heute nicht gehört, dass sie in Sachen Assange Engagement an den Tag elegt hätte. Nun, vielleicht ändert sich dieses ja noch…

Und damit erneut zu meinem Aufruf zu Spenden für unsere Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“. Also:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „GR-IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets
Euer Holdger Platta

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    Piranha
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    FRONTEX – Granatenuschi macht mobil mit ihrem illegitimen Vernichtungsmittel und gibt außerdem – so hört man – den unglaublichen Beitrag von 7 Millionen €. Nicht etwa den Griechen zur Versorgung der Flüchtenden …

    Bitte zeichnet – wenn nicht eh schon geschehen – diesen Appell.

    https://act.wemove.eu/campaigns/menschlichkeit-hat-vorrang?utm_source=civimail-28951&utm_medium=email&utm_campaign=20200303_DE

    Es ist wirklich das allergeringste, das jeder tun kann.

     

     

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    L. Freiberger
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    Kein Kommentar sondern eine Frage!

    Guten Tag Herr Platta,

    Ich habe das schon vor längerer Zeit einmal mitbekommen, dass per „Hinter den Schlagzeilen“ eine Griechenlandhilfe (?) statt findet. Aber sagen Sie: Wie kam es eigentlich ursprünglich dazu, was war der Auslöser diese Hilfsaktion (ist das ein Verein?) zu inizieren? Das hat mich überrascht, weil es  – so mein Eindruck – so gar nicht der deutschen Hilfsmentalität entspricht. Es wird schon geholfen, sicher, so hie und da, aber doch vornehmlich und am liebsten, wenn das Notbedürftige weit weg ist.

    Ich habe z.Z. das „DIE GANZE GESCHICHTE“ von Varoufakis in Händen. Deshalb hab ich mich wieder erinnert an diese hier HomePage.

    Freundliche Grüße – und schönen Tag noch

    -eL-  -Freiberger-

    • Avatar
      Piranha
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      Guten Tag Herr Freiberger,

      im Vorgriff auf Herrn Plattas mögliche Antwort, darf ich Ihnen den Tipp geben, den allerersten Bericht zu lesen. ( Sie haben wahrgenommen, dass dieser hier bereits der 207. Bericht ist)

      Zu diesem 1. Bericht gibt es auch einen Vorlauf, der ebenfalls Ihre Fragen beantworten kann.

      Sie finden alle Beiträge auf der rechten Seite oberhalb der Kommentare.

      Also: frisch ans Werk 🙂

       

      Viele Grüße,

      P.

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      Holdger Platta
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      Lieber Herr Freiberger,

       

      ergänzend zu dem Tipp von „Piranha“ – Danke Dir, „Piranha“! – möchte ich Ihnen empfehlen, meinen Halbjahresbericht zum Ende des Jahres 2015 zu lesen.

      In diesem Bericht habe ich die gesamte Entstehungsgeschichte zu unserer Hilfsaktion noch einmal Revue passieren lassen.

      Hier ist der Link zu diesem Bericht:

      https://hinter-den-schlagzeilen.de/helfen-wir-den-menschen-in-griechenland-abschlussbericht-zum-jahr-2015

      Ich würde mich freuen, wenn es mit dem Anklicken klappt. Sonst bitte nochmal kurz bei mir melden! Aber natürlich auch dann, wenn Sie noch weitere Fragen haben sollten.

      Selbstverständlich beantworte ich Ihnen diese Fragen gern!

      Mit herzlichen Grüßen

      Holdger

  • Avatar
    Piranha
    Antworten
    tagesthemen vom 5. März: der Beitrag zu den 140 Kommunen die bereit sind, Flüchtlinge von Lesbos aufzunehmen hat mich veranlasst, einen kleine Nachricht an den OB  von Hamm zu schicken:

    Sehr geehrter Herr Hunsteger-Petermann,

    BRAVO, kann ich nur sagen!

    Ich habe am Morgen die tagesthemen von gestern gesehen und dabei u.a. Ihren Beitrag.

    Besonders bewegt hat mich Ihr Satz: „Wir können uns nicht wegducken. Wie stehen alle in einer christlichen Tradition …“

    Endlich einmal ein Politiker, der das „C“ in seinem Parteinamen, endlich jemand, der die Bergpredigt ernstnimmt.

    Ich appelliere an die beiden öffentlich-rechtlichen Sender, mehr solcher empathischer Friedensbotschaften zu senden, denn „Alles was du in die Welt schickst, kommt auf die eine oder andere Weise zu dir zurück – im Bösen, wie im Guten“

    Beste Grüße,

    Und Potsdams OB Schubert:“ Diskussionen um große Zahlen nutzen uns nichts; wir brauchen jetzt einen moralischen Pragmatismus“  Er war vor Ort und hat das Elend gesehen.

    Bremen, Heidelberg, Hamburg, sogar Greifswald waren bespw. die ersten, die sich dem Verein „Seebrücke e.V.“ angeschlossen haben, nämlich bereits 2018,  um ihre Stadt zum sicheren Hafen zu machen, Weitere Städte folgten; inzwischen sind es 140!

    Hier kann jeder sehen, ob seine Stadt dabei ist. Klicke Deine Stadt an und schau, was sie schon umgesetzt hat.

    https://seebruecke.org/startseite/sichere-haefen-in-deutschland/

    Ein sog. Integrationsminister Stamp braucht erstmal ein Konzept. Da fragt man sich doch, was er seit Juni 2017  in seinem beruflichen Alltag bisher so getrieben hat ohne Konzepte. Der FDP-Mann hätte ehrlicherweise auch sagen können: wir brauchen erstmal eine Hinhaltetaktik“.

    Lieber Flüchtling, warte bitte, ich analysiere dein Problem nach PDCA. Wenn ich bei dem 4. Punkt „Act“ bin, habe ich alles was zu tun ist standardisiert, und ich kann dir sagen, wie es mit dir weitergeht.

    Oh, du bist ja tot.

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