„Nicht mehr meine Partei“

 in FEATURED, Politik (Inland)

Die Grünen haben sich von Grundrechten und Friedenspolitik verabschiedet – ein langjähriges Mitglied erklärte deshalb seinen Austritt aus der Partei. Rätsel: Um welche Partei handelt es sich? Ihre Mitglieder ließen das Tempolimit fallen, sprachen sich vehement für eine Impfpflicht aus und für den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Grundrechts-Demonstranten. Sie setzten im Russland-Ukraine-Konflikt auf Härte und Hochrüstung, sind für Waffenlieferungen in Krisengebiete und distanzierten sich von alternativen Heilmethoden… CDU? SPD? Nein, tatsächlich ist von den Grünen die Rede. Wann ist ein Grüner ein Grüner? Als die Partei in den frühen 80ern antrat, gehörten neben Umwelt und Feminismus auch soziale Gerechtigkeit, Frieden und eine antiautoritäre Haltung zu ihren Erkennungsmerkmalen. Damit ist es im Grunde schon länger vorbei. Die jüngsten Ereignisse haben die Tendenz zum Selbstverrat jedoch nochmals verstärkt. Einem Mitglied der ersten Stunde wurde das jetzt zu bunt. Er erklärte seinen Austritt aus der Partei. Weil er grünen Idealen nicht mehr treu wäre? Nein, weil die Grünen selbst an grünen Idealen desinteressiert scheinen. Wolfgang Adldinger

 

B90/Die Grünen im Landkreis Starnberg
Kerstin Täubner-Benicke
Sprecherin
Am Mühleich 2
82319 Starnberg

Betreff: Kündigung der Mitgliedschaft. 1.3.2022

 

Liebe Grüne,

Nach langjährigem Engagement bei der Partei B90/Die Grünen möchte ich meine Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung kündigen. Die Partei vertritt immer mehr Standpunkte, die ich nicht mehr unterstützen kann, deshalb sehe ich mich schweren Herzens zu diesem Schritt gezwungen.

Im Jahr 1981, also vor über 40 Jahren und ein Jahr nach Gründung der Partei, bin ich den Grünen beigetreten. Ich kam damals aus der Umwelt- und Friedensbewegung und fand in der Partei meine Ideale gut vertreten. Wir gründeten damals einige Ortsvereine und organisierten seitdem Kundgebungen, Veranstaltungen, Infostände. Ich engagierte mich im Kulturleben, vertrat die Grünen 9 Jahre im Gemeinderat und versuchte vor allem in meinem Beruf als selbständiger Architekt ökologische Kriterien und grüne Gedanken umzusetzen und zu verbreiten.

In letzter Zeit, vor allem seit die Grünen in die neue Regierung eingezogen sind, werden in der Partei politische Haltungen vertreten, zu denen ich nicht mehr stehen kann.

  • Schon bei den Koalitionsverhandlungen wurde das Tempolimit aufgegeben. Es wäre ein kostenneutraler Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt gewesen. Die Begründung von Robert Habeck für das Nachgeben ist für mich nicht plausibel.
  • Unsere Familienministerin Anne Spiegel trat bei ihrem ersten Auftritt vehement dafür ein, dass Kinder, entgegen der Empfehlung der Stiko, eine Corona Impfung
    bekommen sollen. Eine unerprobte, nur mit Notzulassung versehene Impfung, ohne Langzeiterfahrung mit dem Impfstoff! Für uns war der Schutz, die Stärkung ihres Immunsystems durch ganzheitliche Behandlung und die Sorge für unsere Kinder immer oberstes Gebot.
  • Saskia Weishaupt meint, man sollte gegen Leute, die für die Grundrechte, Freiheit und Meinungsvielfalt auf die Straße gehen, mit Pfefferspray und Schlagstöcken vorgehen. Die freie Meinungsäußerung ist für mich ein sehr wichtiges Gut und darf nicht unterdrückt werden. Meinungsfreiheit und -Vielfalt ist so wichtig. Früher gingen wir dafür demonstrieren.
  • Das Einführen einer allgemeinen Corona-Impfpflicht wird von den Grünen lauter als von den anderen Parteien propagiert. Trotz andersartiger Zusagen, trotz
    wissenschaftlich fundierter Bedenken gegen die Impfung. Wo bleibt die persönliche Entscheidungsfreiheit unserer Mitbürgerinnen? Jeder sollte selbst entscheiden können, auf welche Weise er sich gegen das Virus schützt.
  • Die Distanzierung der Grünen von Homöopathie und alternativen Heilmethoden stellt für mich einen Rückschritt dar und stärkt nur die einseitige Sichtweise und
    Behandlungsmethode der Schulmedizin. Vielfalt und Offenheit wären auch bei
    diesem Thema aus meiner Sicht angebracht.
  • Bei den „Verhandlungen“ bezüglich Ukraine hat sich Annalena Baerbock äußerst
    undiplomatisch und fast kriegshetzerisch verhalten. So sehr Putin mit seinem
    Verhalten zu verurteilen ist, wo bleibt die frühere Friedenspartei, wo bleibt Diplomatie, wo ist Verständnis für Geschichte, die Situation und auch für die Anderen?
  • Und jetzt sollen auch noch Waffen in Krisengebiete geliefert werden. Grundprinzipien grüner Friedenspolitik werden von heute auf morgen über Bord geworfen und dabei tausende Tote in Kauf genommen.
  • Eine Aufrüstung in nie dagewesenem Ausmaß und Erhöhung des Wehretats…

Dies sind nur ein paar Beispiele für einen Gesinnungswandel in unserer Partei, und die
einzelnen Punkte sind für mich ein absolutes No-Go, das möchte ich nicht mehr mittragen. Ich bin zutiefst enttäuscht. Das ist nicht mehr die Partei, die wir einst gegründet haben. Was kommt als Nächstes?

Schade, wir könnten etwas abseits vom Mainstream so viel erreichen. Jetzt, da wir gute
Wahlergebnisse haben, könnten wir überzeugender auftreten! Wo bleibt unser Mut und unser Pioniergeist?

Meiner Gesinnung und meinen Idealen werde ich weiterhin treu bleiben, diese waren der Grund vor 40 Jahren bei den Grünen beizutreten.

Mit besten Grüßen

Wolfgang Adldinge

 

Showing 7 comments
  • Naomi Kautz
    Antworten
    … etwas spät, die Einsicht, aber immerhin. Zum Thema „Partei-Politiker“ fällt mir noch ein: falls Herr Gauck nicht weiß, wo er für die Freiheit frieren kann, spätestens im kommenden Herbst/Winter könnte ich ihm eine entsprechende Unterkunft  bei mir anbieten. (Noch herrschen im Wohnzimmer (auch frühlingsbedingt) dekantente Wohlfühltemperaturen von ca. 14 Grad).
  • Volker
    Antworten

    Wann ist ein Grüner ein Grüner?

    Gute Frage.
    Wenn er grün anläuft, vor Scham?
    Rot anlaufen bleibt Ehrensache der SPD, da kann man nicht einfach die Farbe wechseln. Klar.
    Oder doch?

    Wann führt Farbmischung zu Braun?
    Gute Frage, gell.

    Ich bin zutiefst enttäuscht. Das ist nicht mehr die Partei, die wir einst gegründet haben. Was kommt als Nächstes?

    Gut, manche Alt-Grüne brauchen etwas mehr Zeit, um zu begreifen, aber: immerhin. Was als Nächstes kommt? Sicherlich ein Farbenwechsel. Haselnussbraun.

    Meiner Gesinnung und meinen Idealen werde ich weiterhin treu bleiben, diese waren der Grund vor 40 Jahren bei den Grünen beizutreten.

    Genau, Turnschlappen und Selbstgestricktes, Sonnenblumenfelder und Friedenstauben.
    Das war mal so angedacht, aber nicht allzu lange.

    Meine Ideale sind geblieben, laufe heute noch herum wie damals: Turnschlappen, Jeans, Pullover.
    Seit der Agenda 2010 mit Lochmuster und Fransen sogar – Modetrend von Unten.
    Dank Farbmischung.

    Weia

  • Gabriel Müller-Huelss
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    Spät kommt die Einsicht – aber immerhin. Der erste Vorfall, der in meinen Augen den beginnenden Verfall dieser Partei offen zeigte, war die Abstimmung zum Umzug des Regierungssitzes nach Berlin im Bundestag zu Bonn im Wasserwerk, als die Grünen mehrheitlich dafür stimmten. Mein erster Gedanke dazu damals: Großmannssucht …

    Die Entwicklung seitdem gibt meinem damaligen Gedanken wohl recht, diese Partei ist in rasender Geschwindigkeit in der Einheitspartei der teuersten Quasselbude des besten Deutschlands aller Zeiten aufgegangen und richtet, so sie in Regierungsverantwortung kommt, immense Schäden an.

    Welche Farbe nimmt doch gleich das im Frühling so herrlich grün leuchtende Laub gesunder Bäume im Herbst an?

  • Hannes
    Antworten
    Als Jungwähler habe ich diese Partei gewählt, war von Jugoslawienüberfall, Fischers Lügenpropaganda, Ha(r)tz4, und dem nur angeblichen Atomausstieg schon enttäuscht. Habe mich völlig von den grünen Waschlappen abgewendet, sie sind im bürgerlich-bräsigen Milieu angekommen, dem eigentlichen Klassenfeind… Nur eine Frage der Zeit, bis sie vollends das neue bourgoise Bollwerk gegen Links wird.
  • FreedomNews
    Antworten
    …wer sich für den Volksconvoy , den Peoples Convoy interessiert, hier die web: thepeoplesconvoy.org

    deren Forderungen sind ja unseren hier sehr ähnlich, besser noch, entschiedener noch und beeindruckend der familiäre Zusammenhalt ungeachtet Herkunft, Religion, Hautfarbe, Sex, sonstiger Abstammung, Zugehörigkeit, sozialer Status –

    für die Freiheit und ihre constitutional rights stehen die Amis zusammen, das ist herzerwärmend beeindruckend, da gibt es keine rechts/links Zerwürfnisse, da sind sie „gleichen Standes “ auch, da gibt es keine akademische Hochnäsigkeit u.v.m. an so erfreulichen Gegebenheiten, die uns hier fehlen, die so überraschend erfreuen weil sie uns fehlen.

    Auszug aus ihrer Erklärung:

    WER WIR SIND: Wir sind Trucker, Mütter, Studenten, Krankenschwestern, Ärzte, Investoren, Bezirksarbeiter, Lehrer, Cowboys, Holzfäller, Ingenieure, Sanitärarbeiter, Professoren, Kassierer, Flugbegleiter, Piloten, Vertriebsmitarbeiter, Physiotherapeuten. WIR SIND, Väter, Mütter, Schwestern, Brüder, verheiratet, ledig, geschieden, getrennt, schwul, heterosexuell. WIR SIND schwarz, weiß, asiatisch, indianisch. WIR SIND Einwanderer, Einheimische: WIR SIND Bürger der freien Welt.

     

     

     

     

     

  • heike
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    Die Entwicklung der Grünen in der Regierung zeigt auf, welcher Geist den bundesdeutschen Staat trägt, ihm Stabilität gibt: die enge („transatlantisch“ genannte) Verbindung zur US-amerikanischen Wirtschaft und Finanzwirtschaft.

    Diese Wirtschaftsform basiert auf der Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker, gerne auch mit Hilfe von Kriegen.

    Wer diese Verbindung in Frage stellt oder deren Grundkonsens, die legitime Anwendung von Gewalt gegen andere Völker und die Errichtung von eingebildeten Bedrohungsszenarien in den Köpfen der Bevölkerung vor 1989 durch die Sowjetunion (und in deren Nachfolge durch Russland), nicht nicht mitträgt, hat keine Chance, an der Regierung mitzuwirken.

    Das Gleiche gilt für die die Bevölkerung verblödenden Corona-Maßnahmen. Stück für Stück bemächtigt man sich der Freiheit der Menschen oder der Freiheit anderer Nationen, ihren eigenen Weg zu gehen.

    Menschen möchten in Verbindung mit ihrem Herzen und ihren Wurzeln ihren Weg gehen. Sie möchten ihren Verstand benutzen. Es gibt so viel Schönes in der Welt zu entdecken und zu lernen. Diese Erde ist unser Zuhause, „pur Bild home“, sagt der Dalai Lama immer wieder.

    Ich möchte meinen Geist nicht irgendwelchen Sperrscheiben unterordnen und meine eigenen Erfahrungen verwerfen, nur weil andere sie nicht nachvollziehen können. Wir können voneinander lernen, wenn wir es wollen.

    Die Menschen brauchen Heilung, und diese geht einher mit der Heilung unserer Natur und gegenseitigem Respekt.

    „Die Erde wird durch Liebe frei – durch Taten wird sie groß.“, hat Johann Wolfgang von Goethe mal gesagt.

    Ich denke, man kann „groß“ heute im Sinne von „Es ist genug Raum für alle da.“ interpretieren.

     

  • heike
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    Ein Nachtrag bzw. eine Berichtigung: der Dalai Lama sagt „This planet is our only home.“

    Wir haben den Auftrag, diese Erde in ihrer Natürlichkeit und wunderbaren Vielfalt zu schützen. Das ist nur möglich, wenn wir auf sinnlosen Konsum verzichten und uns eine nachhaltige und gesunde Lebensweise aneignen.

    Je mehr Menschen danach leben, , desto weniger Vorschriften werden benötigt, um unseren Lebensraum zu schützen.

    Unsere Gesellschaft hat sich viel zu weit von der angeborenen Natur des Menschen entfernt und Stärke, Rücksichtslosigkeit und (gerne auch versteckte) Gewalt über Mitgefühl und Liebe gestellt. Das ist es, was manche Menschen dieser Gesellschaft als „Dekadenz“ vorwerfen: ein Sektchen hier und eine Yacht da und dabei nicht sehen wollen, wie der Überfluss, in dem manche Menschen leben, zustande gekommen ist.

    In unserer Gesellschaft sind in den letzten Jahren auch viele Werte geschaffen wurden. Es gibt sehr viele Räume und Bühnen für Kunst und Kultur,  viele historische Bauwerke wurden restaurier und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jeder könnte sich in seiner Freizeit erholen, wie früher nur die Fürsten und Könige: in Parkanlagen, Schlössern, bei Theaterbesuchen usw. sich sehe das als eine große Errungenschaft unserer Gesellschaft. Wenn wir jetzt die sinnlosen Corona-Maßnahmen wieder auf Freiwilligkeit zurückfahren könnten und eine Außenpolitik anstreben, die auf einen europäischen Zusammenhalt beruht, was Russland als vollwertiges Mitglied einschließt, dann wären wir auf dem richtigen Weg.

     

     

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