Reißt die Mauern ein!

 In FEATURED, Kultur, Politik

In jedem Kind lebt ein Drache…

Plädoyer für ein empathisches Schulsystem. Das heutige Schulsystem verspricht, die Kinder frei zu machen, ihnen alle Möglichkeiten zu geben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dabei sperrt es sie ein, oder besser: Es bewirkt, dass die Kinder sich in sich selbst einschließen. Bewusst oder unbewusst? (Simon Marian Hoffmann)

Kinder bauen in den Schulen innerliche Mauern, die sie später nur schwerlich einreißen können. Die Lehrer sagen ihnen jeden Tag aufs Neue, worin sie nicht gut sind und was sie nicht können. Dann bauen die Kinder Mauern an diese Stellen, die sie einschränken und ihre Freiheit und ihr eigenes Potenzial vergessen lassen. Sie hemmen sich selbst und trennen sich von einem wichtigen Teil ihrer selbst ab: Von ihrer Intension, ihrer Kreativität, ihrer Spontanität, ihren eigentlichen Wünschen und Visionen, kurz: von ihrem Herzen. So werden sie formbar, wie der Staat sie haben will.

Später in ihrem Leben funktionieren sie dann perfekt als Konsumenten und Produzenten. Aber nicht als Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen. Sie übernehmen die vorherrschenden Bilder der Gesellschaft, übernehmen fremde Bedürfnissen aus der Werbung und leben ein angepasstes Leben im selbstgebauten goldenen Käfig. Dabei vergessen sie ihr eigenes Potential immer mehr, bis es verkümmert. Der heutige Ist-Zustand: Die Kultur kommt zum Erliegen und die Gesellschaft stagniert.

Dabei lebt in jedem Kind ein Drache, der jeden fremdbestimmten Tag in der Schule gegeißelt und geschlagen wird. Dieser Drache möchte frei sein, möchte etwas Besonderes sein, möchte sich nichtlinear entwickeln und er sehnt sich nach einer Welt voller Liebe und Empathie. Doch nach der Schulzeit findet er kaum mehr Gehör. Da die Welt den Kindern nur beibringt, Mauern zu bauen statt Brücken, schließen sie ihren Drachen in sich ein. Oftmals bis ins hohe Alter.

Sie haben erfahren, dass nur Leistung zählt. Sie haben Liebe und Zuneigung in der Schule gesucht und stattdessen Bewertung und Wettbewerb bekommen. Weil, laut den Erwachsenen, die selbst hinter ihren Mauern leben, so leider „eben das Leben läuft“. Aber diese Botschaft ist falsch! Wenn man nur Wettbewerb und Konkurrenz sehen möchte, dann wird man auch nur beides sehen. Doch außerhalb der Mauer findet das volle Leben statt. Geht man in dem Fluss des Lebens baden, kann man sich und das Leben wieder fühlen.

Also muss sich jeder entscheiden: Entweder, er reißt die Mauern selbst ein, oder er versteckt sich ewig dahinter. Dann staut sich das Drachenfeuer zu großer Unzufriedenheit auf. Das Potential zum Weltverändern kehrt sich ins Negative und richtet sich gegen einen selbst. Dann werden Menschen depressiv, erleben einen Burnout oder werden zur Maschine, die funktioniert – bis sie zu alt sind und ausgetauscht werden. Wer sich nicht selbst befreit, wird kaum ein glückliches und erfülltes Leben haben, weil er nicht ansatzweise das umgesetzt hat, was ihm die eigenen Träume und das Herz erzählt haben. Er verkümmert zu einem empathielosen Wesen hinter der Mauer, welches das wirkliche Leben schon aufgegeben hat. Weil es keine tiefere Verbindung mehr zu anderen Lebewesen aufbauen kann, nur von Stein zu Stein, von Mauer zu Mauer.

Das Schlimme daran ist der Teufelskreis, der so entsteht. Weil wir es nicht anders kennen und uns die Fantasie fehlt, uns vorzustellen, dass wir anders sein könnten, schicken wir unsere Kinder immer wieder in die Lernfabriken, wo sie lernen, sich selbst zu geißeln statt sich zu entfalten. Wir bekommen dabei kein schlechtes Gewissen, weil wir selbst die Welt nur noch aus unserer Warte hinter der Mauer erleben. Wir erinnern uns nicht, dass wir einmal anders waren. Dass da irgendwo in uns ein Drache schlummert.

Aber wir fühlen es. Wir tragen Panzer aus Angst, sogenannte Angstzüge, und zwingen auch unsere Kinder, sie zu tragen. Sie sollen nicht widersprechen und sich immer an das vorgegebene System anpassen. Standard sein, kein Unikat. Würde sich etwas ändern, wenn wir uns erinnern, dass wir uns selbst versklavt haben und eigentlich auch frei sein wollen? Ich höre schon die Ausreden: „Man kann ja eh nichts machen.“ „Die Welt ist, wie sie ist.“ „Das System ist zu mächtig.“ „Pass dich einfach an.“ „Bau weiter Mauern statt Brücken.“

Wir sind alle an EDS erkrankt, dem Empathiedefizitsyndrom, und stecken unsere Kinder damit an. Vor allem in der Schule wird das Verhalten gelehrt, dass Menschen ihre Gefühle nicht zeigen sollen. Die Kinder sollen Mauern bauen, um sich selbst zu schützen, da ein empathisches Wesen in unserer verantwortungslosen Kultur nur sehr schwer oder gar nicht überleben könne.

Wir leben immer noch nach der Prämisse „Arbeit macht frei“, obwohl wir alles verabscheuen, was damit zusammenhängt.

Und gleichzeitig glauben wir: „Schule macht unsere Kinder frei.“ Das ist Orwell‘sches Neusprech. Die Schule macht nicht frei, sie begeht Mord an den Seelen unserer Kinder. Das Klassenzimmer ist der Ort, den Kinder wie ein Gefängnis erleben. Sie identifizieren sich mit dem Üben und ihrer Leistung, statt spielend zu lernen. Ihre Arbeit ist das fremdbestimmte Üben. Arbeiten schreiben sie für ihre Lehrer, die demnach ihre Arbeitgeber sind. Später wird Üben durch tatsächliche Arbeit ersetzt.

Also werden Kinder zu Arbeitern erzogen? Ist das in einer digitalisierten Gesellschaft sinnvoll? Was ist Arbeit? Unsere Vorfahren dachten dabei an alles, was anstrengend ist und keinen Spaß macht. Alles andere, was Spaß macht, ist Berufung. Dennoch glauben wir, dass Arbeit frei macht. Was für ein lebensvernichtender Irrtum: Arbeit macht alles andere als frei, sie verhindert die Entfaltung unseres Potentials.

Wir geißeln unsere Kinder mit der Formel: Üben = Arbeit. Und uns selbst mit einer anderen: Arbeit = Freiheit. Beide sind grundlegend falsch, weshalb daraus kaum eine gesunde Kultur entstehen kann. Weder üben noch arbeiten sind unsere natürlichen Bedürfnisse. Sie sind künstliche Konzepte, die uns daran hindern, zu leben. „Ich muss erst üben, um etwas zu können“ = „Ich muss erst arbeiten, um frei zu sein.“ Das sind Mauern, keine Brücken. Ein Kind läuft einfach los, weil es laufen will. Ein selbstbestimmter Erwachsener arbeitet nicht, er macht das, was er liebt und bekommt im Idealfall dafür Geld. Wer nicht macht, was er liebt, verkümmert hinter seinen eigenen Mauern.

Warum verändern wir also die Schule nicht? Ich vermute, weil diese Veränderung auch unser Verständnis von Arbeit ändern würde. Und das würde alles ändern. Auch uns. Wenn wir alle wirklich nur machen würden, was wir gerne tun, was würde passieren? Was wäre, wenn wir in einer empathischen Gesellschaft lebten? Wenn wir die Verantwortung für unsere eigenen Mauern und das eigene Potential übernehmen würden? Wer könnte so viele entfesselte Drachen noch kontrollieren?

Wir sagen: Viva la Krevolution. Sie beginnt mit der Bildung und geht von der Jugend aus, hin zu Menschen voller Empathie. Deswegen: Reißt die Mauern ein, zieht den Angstzug aus und kommt spielen.

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Anzeige von 12 kommentaren
  • Imago
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    Ein Supertext; 100% Zustimmung!
  • Kultur
    Antworten
    Mamaaa, wer bin ich?

     

    Mein Liebling, du bist mein Schatz. Nun aber genug geplaudert, es wird draußen schon hell.

    Ab in die Schule, damit Du mal was wirst!!!!!

    .

    .

    .

    Und lass dich nicht von Fremde ansprechen!!!!!!

     

    Schüüühüß, ich hab dich lieb!!!!!

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    Zu blöde nur, sind doch die Lehrpersonen auch nur Fremde sind.

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    „Ausnahmen bestätigen (weder immer noch überall) die Regel“

  • Piranha
    Antworten
    Welch eine verkürzte und eingeschränkte Sicht auf Lernen, Üben, Arbeit, Beruf, Berufung, Kreativität, Spontaneität, Freiheit, sinn- und identitätsstiftende Tätigkeit…

     

     

    • Imago
      Antworten
      @ Piranha: … diesen Kommentar möchte ich schon ergänzen und dazu sagen: „… wenn man denn meint; (nahezu) alles vor dem Leser ausbreiten zu müssen.“

      (Ich neige eher dazu darauf zu vertrauen, daß alles im Artikel oben Gesagte für die meisten Leser hier auch so schon – mehr als plausibel genug erscheint.)

      • Piranha
        Antworten
        Hallo Imago,

        eine Meinung zu einem Artikel zu haben/zu schreiben, ohne eine ausführlichere Begründung mitzuliefern, mag unverständlich bleiben. Es wäre für mich nicht mit ein paar Sätzen zu machen.

        Aufgrund meiner momentanen zeitlichen Begrenzung habe ich mich jedoch davon befreit, mehr als meine zweizeilige Sichtweise einzutragen.

        Viele Grüße,

        P.

         

        • Imago
          Antworten
          Hallo Piranha,

          so unverständlich ist das gar nicht für mich, denn ich neige ja auch selbst immer wieder dazu, möglichst ganz gründlich vorgehen zu wollen, doch der z. B. von Ihnen oben erwähnte knappe Faktor Zeit zwingt auch mich häufig, mich so kurz wie möglich zu fassen (wo doch eigentlich oft viele weitere Einzelheiten durchaus erwähnenswert und oft auch keineswegs unwichtig wären). Da ich also weiß, dass die Zeit oftmals sowohl für mich, wie auch für meinen jeweiligen Gesprächspartner häufig ein sehr knappes Gut ist, bemühe ich mich immer wieder, mich so kurz wie möglich zu fassen. Doch – was soll man tun, wenn man z. B. gerade auch noch ein sehr komplexes Thema vor sich hat …?!?

          Immer wieder stellt sich damit für mich die Aufgabe, daß was ich sagen will möglichst konzentriert und kurz zusammenzufassen, inhaltlich aber gleichzeitig doch zumindest das Wichtigste vom Thema gut verständlich rüberzubringen, bin aber mit meinen dabei erzielten Resultaten längst nicht immer wirklich glücklich.

          Ich denke daher, wir müssen damit leben lernen, daß bildlich gesprochen „sich die Bettdecke“ für uns immer wieder einmal „entweder oben oder unten als mehr oder weniger zu kurz erweist“ und somit immer wieder versuchen, das jeweils Beste daraus zu machen.

           

          Mit einem ganz und gar freundlich gemeinten Gruß von

          Imago

           

          P.S.: Ihre anfangs oben geäußerte kritische Anmerkung war meines Erachtens sehr wertvoll; hat sie doch dazu geführt, daß wir beide hier dazu kamen, nun am Rande zumindest ein wenig über den recht häufigen Widerstreit zwischen notwendiger Ausführlichkeit und Zeitknappheit zu sprechen (was wiederum womöglich für andere Leser auch – von einiger Bedeutung ist).

  • Kultur
    Antworten
    Wie heißt es so schön: In der Kürze liegt die Würze!

    .

    „Was dem Kind zu früh genommen, lässt den Menschen bald verkommen.“

    .

    .

    „Ausnahmen bestätigen (weder immer noch überall) die Regel“

  • eulenfeder
    Antworten
    Nunja –

    what can I say – als Ungebildeter ?, ‚and am I allowed to ? ‚

    …“ dont miss a thing…“ – vielleicht, trifft es gut, die Ein(gebläute)Bildung der schulisch Gebildeten, das Hineinfressen von ‚Wissen‘, den ganzen Goethe im Kopf und doch ein armer Tropf, vom backenschmissigen Paradegermanisten bis zum schon ‚Früh übt sich wer ein Altphilologe werden will‘ – den (freien)Vogel gar schiessen die Erziehungswissenschaftsgebildeten ab…

    die ganze Palette von ‚Gebildeten‘ sitzt im Bundestag und ein Arschloch ist grösser wie das andere.

    Warum ? – trotz akademischer Höchstgraduierung ? – immer noch ein Arschloch ? –

    weil es vorbildliche Eleven der Zuchtanstalten waren, bildungsgezüchtete Elitenpinkel mit standesgemässem Abstand zu den verabscheuungswürdigen Unteren Kasten, weil die ja keine Bildung hätten und sogar die ‚besseren Menschen‘ immer noch die Gebildeten ja wären. So jedenfalls wirds von klein auf eingetrichtert und sogar die promovierten Humanisten haben sich vom gewählten Fach entfernt. Da hilft auch der Duden nicht mehr – steht zwar drin was Humanismus wäre, aber die Nase ist schon zu weit oben, die Bodenhaftung verloren.

    Auf jenem Boden der gesellschaftlich und wirtschaftlich Abgehängten, weil im Bildungswettbewerb Chancenlosen und standesgemäss Ausgeschlossenen – im ‚Milieu‘ sogar und dort oft erst recht, ist meist mehr menschliche Bildung zu finden, mehr Herzenswäme, EMPATHIE, als unter den durch Bildung empogekommenen Eliten.

    Die wenigen Ausnahmen sind Gebildete, die sich nichts darauf einbilden – also sehr genau wissen, dass eine ganz andere Art von Bildung wichtig ist – die Herzensbildung !

    Diese aber ist kein Lehrfach in den Zuchtanstalten, ist auch nicht mit dem Blick durch die Bildungsmonstranz zu erfahren, wird den zu Züchtenden sogar ausgetrieben.

    ‚ Bildung ist alles ! ‚ – wird ermahnt und sogleich in die Tat umgesetzt.

    Und so haben die Armen dieser Welt lediglich eine Chance wenn sie sich auch verbilden lassen – was gleichbedeutend ist mit Zwangsrekrutierung für die Wirtschaft oder die Zuchtanstalten.

    Bildung als Grundlage und Voraussetzung für späteren Wohlstand ! – damit beginnt der fatale Kreislauf und die Eltern treiben die Kinder zudem an, anstatt sie in Schutz zu nehmen, Schutz vor der Züchtigung durch diese Anstalten.

    Inzwischen werden die unschuldigen Kinder schon im ‚Kleinstkindergarten‘ der ja angeborenen Empathie entwöhnt, einem Belohnungs- und Bestrafungssystem unterworfen – ‚ mit dem Lernen kann man nicht früh genug anfangen ! ‚

    Wer ‚dähmlich‘ mit h schreibt ist dämlich ‚ – sagen sie, obwohl es ja mit h gesprochen wird…

    “ Herr Lehrer, neben dem kann ich mich nicht auf den Unterricht konzentrieren “ – haben alle fingerhebend gesagt, alle die neben mir gesessen sind und also hat man mich immer weggesetzt, bis ich ganz allein ganz vorne gesessen bin – ausgeschlossen aus der ‚Gemeinschaft‘. Dabei habe ich mich doch stets für meinen Mitmenschen interessiert, den Nachbarn also, war empathisch, besonders neben der Miriam, die immer einen ganz besonders kurzen Minirock anhatte – was zum Teufel nochmal hat mich das Gelabere der Schulmeisters interessiert –

    und so bin ich halt immer sitzengeblieben !

    Ergo auch ohne Bildung bis heute, aber wie schon anfangs gesagt: ‚dont miss a fuckin thing ! ‚

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Sancho
    Antworten
    Eulenfeder,

    schön, dass es endlich wieder was von dir zu lesen gibt.

    Es tut mir gut, deine „revolutionären“ Beiträge zu lesen.

  • Volker
    Antworten
    @Eulenfeder,
    mich hatte das System schon vergessen, als ich mit sechzehn Jahren ohne Eltern zurechtkommen mußte, mit 330 DM Vollwaisenrente, einem Zimmer im Hinterhof sowie Lehrer (einschließlich Schuldirektor), die mich als Aussätzigen behandelten, weil ich alleine wohnte!, eine Freundin hatte!, dazu noch rauchte und meine eigene Meinung der Dinge vertrat. Verständnis oder Hilfe gar? – keine Spur, dafür Missachtung und Ausgrenzung.

    Nebenbei: Mein damaliger Vormund lies mich ebenfalls weiter nach unten fallen, weil ich mich ihm verweigerte, nicht der Junge war, den er sich erhoffte. Immerhin wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, als Gewerkschaftssekretär, wichtig sowie gut bezahlt, gewisse Neigungen ausleben zu können.

    Volker besitzt keinen Schulabschluss, wurde als hoffnungsloser Fall aus der Realschule geprügelt und sich selbst überlassen – Benotung „mangelhaft“; Leistungskurs: Traumabewältigung.
    Volker baute kein Haus, lag unter Trümmern, wühlte sich aus Schutt und Asche langsam heraus, begrub sein schon geöffnetes Grab, obwohl: ein Sprung hinein schon sehr verlockend war.

    Sollte ich springen, entscheide ich….

  • eulenfeder
    Antworten
    Bildungserziehung in der Praxis – im Kindergarten. Kreativität heute.

    “ So – liebe Kinder, schaut mal alle her, heute basteln wir mal ein Haus ! Ich habe euch Kartons mitgebracht und Fingerfarben, Scheren und Kleber. “

    “ Und ich hab euch schon mal eines gebastelt, könnt ihr euch ja anschauen “

    Die Kinder beginnen eifrig zu basteln, bemühen sich fast automatisch, die Vorlage des ‚Erziehers‘ nachzumachen. Es ist ein fast quadratisches Haus mit spitzem Dach, ein kleiner Kamin und vorne oben 2 Fenster, unten eine Eingangstür – das Dach rot angemalen, die Hauswände weiss und die Fenster blau, die Tür braun.

    Fast alle bemühen sich, diese Vorlage so genau wie möglich nachzubasteln.

    Die Elke, das eigensinnige Kind – bastelt ein ganz anderes Haus, eines nach ihrer Phantasie, so würde sie wohl gerne wohnen, ein solches hätte sie gerne…

    – sieht eher aus wie ein hoher Turm, schief, aus Holz wohl gebaut, bunt fleckig angemalen, viele runde Fenster, lustige Kindergesichter schauen raus – hinten 2 Flügel….

    Als alle fertig sind, kommt es freilich zur Bewertung, die Kinder muss man loben für ihre Anstrengungen.

    Der Max hats wiedermal geschafft, sieht fast genau wie die Vorlage aus – “ das hast du aber ganz toll gemacht, Max ! “

    Die anderen Häuser auch ganz passabel, der Vorlage auch sehr ähnlich.

    Aber – die Elke wiedermal ! “ Naja Elke – wie ein richtiges Haus sieht deins aber nicht aus ! Schau dir mal die Häuser der anderen an ! “

    “ Doch ist das ein Haus, mein Haus und es kann fliegen ! “

    Die anderen Kinder lachen Elke aus – “ Du kannst nicht mal ein richtiges Haus bauen – hahaa…. und ein Haus soll fliegen können ? – hahaha…. “ “

    Elke schmollt, macht ein trotziges Gesicht – “ Ihr seid blööööd ! „, protestiert sie.

    Der Erzieher: “ Elke, wenn du dich nicht benimmst, dann setzt du dich dort drüben hin ! “

    Elke geht trotzig vom Basteltisch weg und weint.

    Belohnung und Bestrafung ! Wer die Vorgaben ( den Lehrplan ) erfüllt kommt weiter !

    Wer nicht, wird ausgeschlossen, bestraft also und erniedrigt.

    Das phantasievolle Kind wird seiner Phantasie beraubt durch Erziehungs- und Lehrvorgaben.

    Der Erziehr setzt seine Phantasielosigkeit autoritär durch.

    Gehorsam wird verlangt.

    aber: “ Kreativität gedeiht auf dem Nährboden der Freiheit ! “ –

    und nicht nur die Kreativität.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • ert_ertrus
    Antworten

    Erzieher*in (un(ter)bewusst): Elke, deine Kreativität werde ich dir schon verekeln. Die liegt weit außerhalb von dem, was du sozial zu erwarten hast. Ich will nur das für dich Beste. Eigensinn wirst du zeitlebens nicht gebrauchen können! Deine geringen Lebenschancen liegen in Anpassung, Anpassung, Anpassung, …  

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