Sie kriegen das hin, Herr Guterres!

 in FEATURED, Monika Herz, Politik

António Guterres, Foto: Antônio Milena/ABr, Lizenz: Creative Commons

„Das Establishment“, die Reichen und Mächtigen – sie scheinen normalerweise eher ein Totalausfall in Sachen Weisheit und Einsicht zu sein. Als die Engel auf Erden die göttlichen Eingebungen verteilten, wurden sie schlicht vergessen. Und entsprechend unerleuchtet sieht es auf unserer Erde überwiegend jetzt auch aus. Gedanken, die die Welt voranbringen würden, findet man eher in der kleinen, „alternativen“ und natürlich völlig machtlosen Szene. Und nun das: Der UN-Generalsekretär. Etablierter geht es nun wirklich nicht mehr! António Guterres hielt eine fantastische Rede, bei der er unter anderem ein Welt-Grundeinkommen forderte und die Spaltung in Arm und Reich geißelte. Haben Sie von dieser Rede schon mal was gehört? Vermutlich nicht. Offenbar ist Herr Guterres nicht prominent genug. Oder die Medien hören das, was er zu sagen hat, nicht gern. Monika Herz hat ihm einen Dankesbrief geschrieben, der ihn sicher freuen wird. Und sie hat weitere Ratschläge für den UN-Generalsekretär auf Lager. Denn obwohl seine Rede von der Anlage her schon mal nicht schlecht war, ist sie natürlich noch lange nicht vollständig… Monika Herz

In seiner Rede am 18 Juli. 2020 nahm der UN-Generalsekretär António Guterres den 102. Geburtstag von Nelson Mandela zum Anlass, eine grundlegende Neuordnung der globalen Machtverhältnisse und der sozialen Verhältnisse zu fordern. Eine sich verändernde Welt mache eine neue Generation von Sozialschutzmaßnahmen erforderlich, „einschließlich der allgemeinen Krankenversicherung und der Möglichkeit eines universellen Grundeinkommens.“

In seiner flammenden Rede prangerte er die bestehenden sozialen Ungleichheiten an, die sich während der Corona-Pandemie besonders deutlich zeigen:

„COVID-19 wurde mit einer Röntgenaufnahme verglichen, die Brüche im fragilen Skelett der von uns gebauten Gesellschaft offenbarte:

Überall werden Irrtümer und Unwahrheiten aufgedeckt:

Die Lüge, dass freie Märkte Gesundheitsversorgung für alle bieten können;

Die Fiktion, dass unbezahlte Pflegearbeit keine Arbeit ist;

Die Täuschung, dass wir in einer postrassistischen Welt leben;

Der Mythos, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Denn während wir alle auf demselben Meer schwimmen, ist es klar, dass sich einige in Superyachten befinden, während andere sich an treibenden Trümmern festhalten.“ [Hervorhebung von der Autorin]

Lieber Herr Generalsekretär, wie heißen Sie gleich wieder? António Guterres. Tut mir leid, dass ich Ihren Namen nicht spontan hersagen konnte. Von den neun Generalsekretären seit 1945 sind mir nur wenige im Gedächtnis geblieben. Dag Hammarskjöld, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam – manche munkelten, er sei ermordet worden. Kurt Waldheim mitsamt der „Waldheim-Affäre“. Danach hat sich mir nur Kofi Annan eingeprägt. Ban Ki-moon irgendwie kaum.  Und jetzt also Sie, wie heißen Sie gleich wieder, Herr António Guterres aus Portugal. Ich muss mir Ihren Namen unbedingt merken. Wegen der Nelson-Mandela-Rede. Ich brauch unbedingt eine Eselsbrücke: Antonio wie der Heilige Antonius, der dabei hilft, verloren gegangene Objekte wieder zu finden. Und Guterres. Wie Gut – und Terres für Terra, die Erde.

Da Sie meinen schönen Brief wahrscheinlich nicht lesen werden, kann ich meine Gedanken und meinen Rat also ganz ungeniert ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie meinen Brief kennenlernen, wird noch weiter reduziert dadurch, dass ich ihn gar nicht wegschicke. Dazu kommt, dass Sie nicht unbedingt Deutsch können. Schließlich kann man selbst von einem Generalsekretär nicht verlangen, dass er alle Sprachen der Welt versteht. Es gibt 6500 Sprachen, eingeteilt in 180 Sprachfamilien und 120 Einzelsprachen. Ihre Rede ist auch viel länger gewesen als der oben zitierte Auszug. Hier in voller Länge:

https://www.un.org/sg/en/content/sg/statement/2020-07-18/secretary-generals-nelson-mandela-lecture-%E2%80%9Ctackling-the-inequality-pandemic-new-social-contract-for-new-era%E2%80%9D-delivered

Und hier so stark gekürzt, dass man sie fast nicht mehr wiedererkennen kann:

https://www.un.org/sg/en/content/sg/statement/2020-07-18/secretary-generals-video-message-for-nelson-mandela-international-day-scroll-down-for-french-version

Auf der Seite der UN finde ich noch andere Kommentare. Sie geben ja nahezu täglich Kommentare ab, sprechen Grußworte, halten „lectures“, gründen online-Gruppen und so Zeug. Am 23. Juli haben Sie z.B. einen online-Dialog eröffnet zur Rolle Europas in der Welt, der vom Jane Goodall Institute and the European Citizens‘ Forum initiiert wurde. In Englisch kann ich das alles nachlesen und ich könnte schauen, wie man in das European Citizens Forum reinkommt um mitzuquatschen. Obwohl mein Englisch so miserabel ist, dass ich sogar Worte wie „sustainable“ nachschauen muss, bin ich erfreut, dass Sie das Wort in den Mund nehmen. Es hat mehrere Bedeutungsschichten, nämlich: nachhaltig, zukunftsfähig, tragfähig, umweltverträglich – kurz „verträglich“.

Ein verträgliches Wirtschaftssystem und verträgliche Gesellschaften hätten Sie gerne. Ich auch. Was ist jetzt da meine Rolle als Europäerin? Konsum runterfahren und mitquatschen? Konsum runterfahren und Wirtschaftswachstum, ja genau. Ich hab Ihnen ja einen Rat versprochen. Es gibt ein cooles neues Wirtschaftssystem, das wird auf Bürgerebene gerade erprobt, es heißt „Gemeinwohl-Ökonomie“. Hier können Sie in 3 Minuten 50 Sekunden eine Zusammenfassung vom Erfinder und seiner Crew hören:

https://www.youtube.com/watch?v=j2ZuiE-U1rk

Very sustainable. Leider ist es auf Deutsch. Sie werden einen Übersetzer bitten müssen. Hoffentlich übersetzt der das dann auch richtig.

Wenn ich Sie wäre, dann würde ich einfach dieses Wirtschaftsmodell „proklamieren“. Kann zwar sein, dass sich die Weltöffentlichkeit genauso wenig um Ihre Proklamation schert, wie um den Lage-Bericht anlässlich des Mandela-Gedenktages. Macht nichts. Ich würde es trotzdem tun. Diese Sprüche:

„…Die Fiktion, dass unbezahlte Pflegearbeit keine Arbeit ist;

… Der Mythos, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Denn während wir alle auf demselben Meer schwimmen, ist es klar, dass sich einige in Superyachten befinden, während andere sich an treibenden Trümmern festhalten.“

Als Europäerin, Deutsche zumal, gehöre ich wohl zu denen in den Luxusyachten. Vielleicht. Ich steh da an der Reling, fuchtle mit den Armen und schreie: Man muss sie doch retten! Man muss sie doch an Bord holen! Man muss doch etwas tun!“ Und ich denke an Syrien und daran, dass dieser Assad Wahlen gewonnen hat, dass aber die ins Ausland geflohenen Syrer kein Stimmrecht hatten. Was mir für Zeug einfällt. Diese Nachrichten immer jeden Tag!

Komisch, von Ihrer „lecture“ hätte ich nichts mitbekommen, wenn ich nicht in diesem Netzwerk dabei wäre. Netzwerk Grundeinkommen. Wird ein Grundeinkommen, das zum Paket „neue Generation von Sozialen Schutzmaßnahmen“ gehört, alle Probleme lösen können? Ob es Kriege beenden kann? Einige Probleme könnte es sicher schultern, diese „Möglichkeit eines universellen Grundeinkommens“.

Dazu möchte ich Ihnen noch einen Rat mitgeben: Sagen Sie doch das nächste Mal gleich dazu, dass etliche „Denkfabriken“ Möglichkeiten einer globalen Währung durchspielen. Ein global gültiges Geld, gekoppelt an die Grundbedürfnisse der Menschen inklusive der ihn umgebenden Natur. Wohlergehen für alle Wesen. Faircoin-Terra. So was.

Die drei Hohen Sterne: Frieden, Wohlergehen und ein langes Leben.

Klingt doch schön, oder?

Ich mag solche Sprüche. Sie auch? Wo war ich gleich wieder stehengeblieben? Mein Rat. Vergessen Sie ihn nicht! 1. Die Gemeinwohl-Ökonomie auf der Grundlage des Beschlusses des EU-Ausschusses ausrufen. Ja. Richtig laut ausrufen! Einen Skandal verursachen! So dass ich es mitkriege in meinen Mainstream-Medien. Neun Minuten lang in der Tagesschau erklärt. Wahrscheinlich überschreitet das ja Ihre Befugnis als Direktor. Machen Sie es so krass wie möglich! Und dann 2. Das Grundeinkommen, die Krankenversicherung für alle und Faircoin-Terra – eine Finanzierungsmöglichkeit durch Geldschöpfung – erklären. Very sustainable. Sie kriegen das hin!

Vielen Dank und freundliche Grüße

Monika Herz

Showing 5 comments
  • Avatar
    Volker
    Antworten

    António Guterres hielt eine fantastische Rede (…) Haben Sie von dieser Rede schon mal was gehört?

    Ne. bekam keinen weiteren Leistungsbescheid von Sozial-Behörde, um mir mitzuteilen, dass noch Hoffnung bestünde. Dafür bekam ich die Aufrechnung sowie Anrechnung meiner Einkünfte, sprich Rentenerhöhung von paar % – boah.
    Ja, Rente und aufstockende Peinlichkeiten sind schon Grundeinkommen, dafür zahl ich Steuer auf alles, schenk dem Staat dazu noch Geld, weil der mich über Tischkante zieht falsch berechnet – mit List und Heimtücke. Genaugenommen finanziere ich mich selbst, bin auch nicht arm anzusehen deswegen (liege als Normalzustand im Trend gereinigter Statistiken), eher ein vorzeigbares Schlitzohr für Plabbershows im Volks-TV Hörzu.

    Schließlich kann man selbst von einem Generalsekretär nicht verlangen, dass er alle Sprachen der Welt versteht.

    Genau. Sprachgewaltigkeit aller Völker vereint euch, kann man bei Google übersetzen lassen, und der/die/das (?) Google ist schließlich dafür bekannt dem Volk*er*in auf’s Maul zu sehen und dabei schamlos abzuzocken. Ansonsten gibt’s die Möglichkeit freier Übersetzungen noch, beispielsweise die Kleber- oder Bild-Variante.

    Beispiel: >>> Über sieben Eselsbrücken mußt du gehen, sieben Eselhorden überstehen.

    >>> You have to cross seven donkey bridges, survive seven donkey hordes.

    Soweit ok, aber:

    Würde man Esel durch Affe ersetzen, oder Affenhorde namentlich benennen, gibt’s Ärger wegen tierischer Verunglimpfung mit anarchistischen Einschlägen. Bezeichnungen wie Esel und Affe wären somit rassistisch inkorrekt, zukünftig auch nicht übersetzbar.

    Allein mein Kommentar ist sprachlich dermaßen unterwandert, dass man schon Brücken bauen müßte, um Abgründe zu überstehen, was wiederum ein Fall für Horst und seine zweibeinigen Primaten wäre, weil…
    … Affenonkel, welch ein Graus, reißt ganze Urwaldbäume aus …. Bolsonaros Flöhe juckreizen würden, und nicht nur seine.

    Thema verpeilt, ging ja im Grunde um eine Rede. Macht aber nix, gequasselt wird viel …

    🙂

  • Avatar
    Mo
    Antworten
    Danke Volker ;–) Irgendwann werd ich das Thema doch noch treffen…..
  • Avatar
    Freiherr von Anarch
    Antworten
    Tja…

    warum haben die die es haben kein Interesse daran dass andere auch etwas haben, so viel jedenfalls dass keiner Not leiden muss, Alle genug haben in jeder Hinsicht, es Allen wohl ergeht.

    Ein Jeff Bezoz allein könnte den Hunger von 1 Milliarde beenden, dauerhaft, alle dieser top-Reichen zusammen könnten jegliche Mißstände beenden, dauerhaft, weltweit. Und ständig wird Geld aus dem Nichts neu geschaffen – nur nicht für ein ‚Gemeinwohl‘.

    Und selbst wenn ich 120 Milliarden hätte, wie Bezoz, dann würde ich mindestens 119 Milliarden hergeben, den Notleidenden – aber:

    es würde dort gar nicht ankommen !

    Und wenn ich jedem Einzelnen das Geld persönlich in die Hand geben würde um sicher zu stellen, dass es tatsächlich ankommt – dann würde man es ihnen wieder abnehmen, auf irgend eine Weise.

    Herrschaft – Politik -Macht… haben kein Intersse an einem Gemeinwohl, 2.8 Millionen verarmte Kinder in der BRD bezeugen dass allein schon.

    Gerechtigkeit muss erkämpft werden, wieder und immer wieder. Eine Weltrevolution muss Gerechtigkeit einfordern und den Herrschern den Krieg erklären – dann wird die Gerechtigkeit eines Tages siegen !

    Und alle Macht dazu hätte die Weltbevölkerung, jederzeit.

    Und wenn Guterres eine fundamentale Neuordung fordert, dann wird eine solche nur gelingen, wenn eine Weltrevolution tatsächlich stattfindet. Freiwillig wird die Macht eben diese niemals hergeben.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Avatar
    Mo
    Antworten
    Guten Morgen, lieber Freiherr von Anarch,

    Revolution und kämpfen. Was tun wir, damit wir später unseren Enkeln sagen können: Ich war damals dabei, bei der großen Weltrevolution! Ich habe mitgekämpft!

    Wie lange dauert eigentlich eigentlich so eine Weltrevolution? 1 Jahr? 10 Jahre? 100 Jahre? Wo beginnt sie, wo endet sie? Wann hat sie begonnen, mit welchem Ereignis? Bei der sog. 68-Bewegung? Mit dem arabischen Frühling? Mit friday-for-future, mit dem Wassermann-Zeitalter? Mit einem kleinen Virus?

    Wie endet sie? Die 68-er haben sich großteils etabliert. Der arabische Frühling mündete in Militärdiktaturen und Krieg. Friday for future teilt sich in Artists for friday, science for future, grandma for future, teachers for future, Red Rebellions etc. Vielleicht sammeln sie ihre Kräfte.

    Braucht eine Revolution nicht einen Plan? Hat jemand einen guten Plan?

    Wie sollen wir kämpfen? Blumen in Gewehrläufe stecken? Da unten in Syrien? Juristisch? Auf parlamentarischer Ebene? Wie kommen wir da hinein? Durch Konsum-Verweigerung? Mit Petitionen?

    Welche Art von Gewalt sind wir bereit, anzuwenden? Ich übe mir in Sprachgewalt. „Sprachgewaltige aller Länder vereinigt euch!“ (Danke Volker, cooler Slogan)

    Und wer ist überhaupt „wir“?

    • Avatar
      Freiherr von Anarch
      Antworten
      tja Mo,

      what can i say anyfurther and anymore – zu deinen Fragen:

      Revolution = Erneuerung

      Radikal = ‚von der Wurzel‘

      Anarchie = Herrschaftsfreiheit

      und: entweder man will eine Revolution, dann muss man sie machen

      oder: man will keine, dann wird man sie nicht machen.

      Alles was dazwischen so gesagt wird, ist ‚um zuviele Ecken herum‘ gedacht, zu verkompliziert und die religiöse Haltung ‚blanke Friedlichkeit‘ ( die es sowieso nicht gibt )  verhindert eine Revolution.

      Wir – das ist die zivile Weltgemeinschaft und die muss sich einfach nur geschlossen den Herrschern verweigern und schon ist es vorbei mit deren Herrschaft.

      Das einzige Problem ist die Mobilisierung dafür, diese muss man offensiv vorantreiben.

      Habe eine Postkarte ‚entworfen‘, kann mir den Druck aber nicht leisten ( 100 Stück ca. 30 euro ) – da steht alles drauf was nötig ist.

      Mal sehen obs gelingt den Entwurf hier hochzuladen:

       

       

       

       

       

Kommentar schreiben:

Start typing and press Enter to search