Sklavenhaltung 2.0

 in Umwelt/Natur
Schon sprichwörtlich: der Packesel

Schon sprichwörtlich: der Packesel

„Die Gewalt hat die ersten Sklaven geschaffen, die Feigheit ließ dies zum Dauerzustand werden.“, so Jean-Jaques Rousseau (1712 – 1778). Skaverei gibt es bis heute. Auch in Deutschland. Nein, gemeint sind nicht 1-Euro-Jobs oder die häufig ehrenamtlichen oder halbehrenamtlichen Tätigkeiten freiberuflicher Journalisten; gemeint ist das empörendes Ausbeuterverhalten vieler Menschen gegenüber Tieren. Sicher, Schweine und Rinder sind keine Menschen, aber das dachten Sklavenhalter von den „Negern“ auch. Es ist alles eine Frage der Perspektive. V.C. Herz erfreut wie immer mit verblüffend wahren Gedankengängen aus seinem Buch „Das Schnitzel freut sich nicht“, Link hier.

 

 

Die Sklavenhaltung haben wir hinter uns gelassen. Ein barbarischer Abschnitt der Menschheitsgeschichte, welchen wir längst überwunden haben. Stimmt das wirklich? Wohl eher nicht. Denn wir halten uns auch heute noch Sklaven. Die Sklaverei gibt es schon seit Ewigkeiten. Das haben wir schließlich schon immer so gemacht. Bereits die alten Griechen unterschieden die Menschen in Griechen und in Barbaren. Einen Barbaren zu versklaven war absolut rechtmäßig. Er war schließlich ein Barbar. Nach der altgriechischen Definition wären wohl die meisten von uns nur minderwertige Barbaren.

Aber was ist Sklaverei eigentlich? Die Definition ist einfach und einleuchtend:

Sklaverei bezeichnet den Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden. […] Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. Die Sklavengesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Sklavenhaltung und des Sklavenhandels.

Haben wir damit heute wirklich endgültig abgeschlossen? Um die Problematik zu verstehen, muss man nur die Begriffe „Menschen“ und „Sklaven“ durch den Begriff „Tiere“ ersetzen. Zu den Rechten der Besitzer fügt man außerdem noch das Recht zur Tötung hinzu. Fertig ist die Sklavenhaltung 2.0:

Sklaverei bezeichnet den Zustand, in dem Tiere als Eigentum anderer behandelt werden. […] Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Tiere zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken, zu vererben und zu töten gesetzlich verankert. Die Tierschutzgesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Tierhaltung und des Tierhandels.

Willkommen im 21. Jahrhundert. Oder doch eher in der Steinzeit?

Cicero sprach einst von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“. Wir sprechen heute von Schweinen und Hühnern als „Tiere, die zum Essen geboren wurden“.

Unser Sklavenbestand ist gigantisch – und ich meine hier nur die aktuell lebenden Tiere. Die Anzahl der jährlich getöteten Sklaven ist teilweise um ein vielfaches höher. Je nachdem, wie lange ein Sklave gehalten wird. Ein Schwein wird beispielsweise sechs Monate lang gehalten. Das heißt, in einem Jahr werden je Mastplatz zwei Schweine getötet. Bei der Betrachtung des Sklavenbestands geht es allerdings nur um die Mastplätze, nicht um die getöteten Tiere.

Wir Deutsche halten uns (Stand 2009) 4,2 Millionen Milchkühe als Sklaven. Weitere 8,7 Millionen Rinder werden gehalten. Hinzu kommen 26,8 Millionen Sklavenschweine und weitere 2,4 Millionen versklavte Schafe. Zusätzliche 636 Millionen Masthühner und 26,8 Millionen Legehennen sind in Deutschland der Sklaverei ausgeliefert.

Dies ergibt insgesamt einen Bestand von 704,9 Millionen Sklaven. Für jeden getöteten Sklaven wird sofort ein neuer produziert. Verteilt auf 82 Millionen Einwohner, ergibt das 8,6 permanent gehaltene Sklaven pro Bundesbürger. Solche Sklavenbestände konnten sich noch nicht einmal die alten Griechen leisten. Aber die Griechen waren ja auch nur primitive Barbaren.

 

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