Stoppt die grausamen Tiertransporte!

 In Daniela Böhm, FEATURED, Umwelt/Natur

Bildquelle: Deutscher Tierschutzbund

Der Lissabonner Vertrag von 2009 erkannte Tiere als „fühlende Wesen“ an. Tierfreunde und Tierschützer, ja alle aufmerksamen Beobachter unserer Mitgeschöpfe, ahnten dies schon lange. Die Vorstellung, Tiere seien primitive, völlig unempfindliche Wesen, erleichtert es natürlich, sich mit den Zuständen in Schlachthöfen und auf Tiertransporten zu arrangieren. Auch die Sklavenhaltung wurde mit der Fiktion begründet, die Opfer seien von geringerem Wert als die Täter. Daniela Böhm hielt diese Rede am 29.09. bei einer Veranstaltung gegen Tiertransporte in Köln. (Daniela Böhm)

Wir sind heute hier versammelt, um für diejenigen zu protestieren, deren verzweifelte Rufe nicht gehört werden und die nicht für ihre Rechte kämpfen oder sie einfordern können.

Wir fordern den sofortigen Stopp der Tiertransporte innerhalb und aus der Europäischen Union!

Es ist an der Zeit, dass die verantwortlichen Politiker endlich handeln und ihre Augen nicht länger vor Tatsachen und Fakten verschließen.

Es ist an der Zeit, dass verantwortliche Betriebe und Transportunternehmen nicht weiter tatenlos zusehen, wissend, dass ihre Tiere in vielen Bestimmungsländern ein qualvolles Ende erwartet und auch auf dem Weg dorthin gegen geltendes EU-Recht verstoßen wird.

Laut einer Entscheidung der Europäischen Gesetzgebung von 2015 unterstehen alle transportieren Tiere bis zu ihrem Bestimmungsort dem European Animal Welfare Act, dem europäischen Tierschutzgesetz.

Doch dieses Gesetz wird konstant verletzt, weil es außerhalb von Europas Grenzen nicht eingehalten wird und auch nicht kontrolliert werden kann. Welchen Sinn hat ein Gesetz, wenn es wirkungslos ist?

Wenn die Europäische Gesetzgebung nicht in der Lage ist, für die Sicherheit, das Wohlbefinden und den Schutz ihrer Tiere außerhalb der Grenzen zu garantieren, muss sie diese Transporte sofort unterbinden.

Und wenn es keinerlei Möglichkeiten gibt, die Qualen und die Gewalt zu verhindern, welche Tiere vor ihrem Tod in den Schlachthäusern von Ägypten, der Türkei, dem Libanon und anderen Ländern erleiden, sind die verantwortlichen Politiker verpflichtet, diesen Misshandlungen Einhalt zu gebieten.

Gemäß dem Lissabonner Vertrag werden Tiere als fühlende Wesen anerkannt. Jeder Mercedes und jeder BMW aus deutschen Landen wird besser behandelt als ein Rind oder ein Lamm. Autos werden auf ihren Transportwegen ins Ausland so transportiert als wären sie goldene Eier, die Tiere hingegen müssen Höllenqualen erleiden. Was ist das für eine verkehrte Welt? Wie können wir Menschen das zulassen? Wie können wir noch eine Nacht ruhig schlafen?

„Hölle auf Erden“ ist eine dürftige Beschreibung für das, was die Tiere auf ihren endlosen Transportwegen durchmachen und vor ihrem Tod erleiden müssen. Über tausende Kilometer und unzählige Stunden, eingepfercht und oft bei großer Hitze, erwartet sie an ihren Bestimmungsorten ein noch viel größeres Grauen. Oft werden ihnen die Augen ausgestochen, die Sehnen der Beine durchgeschnitten, sie werden geschlagen und müssen andere Grausamkeiten erleiden, bevor sie ohne Betäubung geschlachtet werden.

Was in diesen Ländern sehr oft geschieht, ist im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich. Es ist eines Menschen nicht würdig, Tiere so zu quälen und leiden zu lassen und kein Gott, ob er existiert oder nicht, kann das jemals gewollt haben. In der Tat stehen diese Art von Gräuel sogar im Gegensatz zum eigentlichen, wenn auch schrecklichem Ritus des Schächtens.

Leider können wir hierzulande nicht ändern, was in nicht-europäischen Ländern geschieht. Wir können nur hoffen, dass immer mehr Menschen das Leiden unserer Brüder und Schwestern, den Tieren, nicht länger verdrängen und ihre Herzen für sie öffnen.

Doch verhindert werden kann, dass Tieren aus der Europäischen Union zusätzlich zu ihrem gewaltsamen Tod unfassbares Leid angetan wird. Europa wäre durch seine eigenen Gesetze verpflichtet, diesem ganzen schrecklichen Geschehen Einhalt zu gebieten und es packt einen die blanke Wut, wenn man hört und liest, wie schwerfällig und ignorant die Bürokraten in Brüssel sind!

Und weshalb wird ein System aufrecht erhalten, das kranker nicht sein könnte und so viel Leid verursacht?
Teilweise trächtige Milchkühe werden bis zu fünftausend Kilometer nach Kasachstan oder Turkmenistan transportiert, Kälber und Schweine werden von Deutschland nach Spanien gekarrt, um dort gemästet und anschließend in Italien geschlachtet zu werden.

Das alles ist ein auf die Spitze getriebener Irrsinn!

Es ist das pervertierte System einer gnadenlosen und eiskalten Industrie, der es nur um Eines geht: Geld. Und die Politik spielt mit und drückt beide Augen zu.

Die Menschheitsgeschichte hat es oft genug bewiesen: Nur, weil etwas zu einer gegebenen Zeit von der Allgemeinheit oder einer herrschenden Jurisdiktion nicht als Verbrechen angesehen oder geahndet wurde, bedeutet dies bei Weitem nicht, dass es sich nicht um ein solches handelt.

Der transatlantische Sklavenhandel ist eines der düstersten Kapitel der Menschheit und dauerte über vierhundert Jahre. Angekettet und eingepfercht wurden die Menschen Afrikas auf Schiffen nach Nord-und Südamerika und in die Karibik gebracht, um den selbsterkorenen Eroberern dort als Sklaven zu dienen.
Kein Mensch würde sich heute noch sagen trauen: „Es waren doch nur schwarze Menschen.“

Heutzutage rechtfertigt der Satz „Es sind ja nur Tiere“ die Gräuel, die ihnen angetan werden, er rechtfertigt Fleisch-, Fisch- und Milchkonsum oder das Tragen von Leder und Tierversuche. Auch Tiertransporte.

Eines Tages werden hoffentlich alle Menschen verstehen – nicht nur mit dem Ver-stand, sondern vor allem mit dem Herzen – dass Ausbeutung und Tötung von Schwächeren, die keine Möglichkeit haben, sich zu wehren oder für ihre Rechte zu kämpfen, nicht richtig sind, nicht richtig sein können.

Von allen Lebewesen unterscheidet sich der Mensch vor allem durch ein wichtiges Kriterium: Verantwortung. Traurigerweise zeichnet ihn heutzutage in vielen Bereichen vor allem die Verantwortungslosigkeit aus, rechtfertigt durch den anthropozentrischen Herrschaftsgedanken.

Diese Erde ist getränkt mit dem Blut von Abermilliarden von Tieren, die für den Menschen sterben müssen, sei es aus Gewohnheit, Ignoranz oder Gier.

Die Fleischindustrie hat einen enormen Anteil am Hunger in den ärmeren Ländern, der Klimaerwärmung und der Verschwendung von Ressourcen. Die Ignoranz dieser Tatsachen ist ein Luxus auf Kosten anderer Lebewesen, den wir uns schon längst nicht mehr leisten könnten. Es ist eine Ignoranz des Mitgefühls, die das Herz gegenüber Lebewesen verschließt, die einfach nur anders sind als wir Menschen.

Ich würde die verantwortlichen Politiker gerne fragen, was sie ihren Kindern und Enkelkindern eines Tages sagen werden.

Werden sie so ehrlich sein und antworten: „Ja, ich habe von all dem gewusst und ich hätte meinen Einfluss geltend machen können, aber ich habe dem Gesetz des Kapitalismus gehorcht, denn das Wirtschaftswachstum stand an oberster Stelle.“

Was werden sie eines Tages sagen, wenn sie gefragt werden, warum sie es zugelassen haben, dass Tiere auf eine lange und qualvolle Reise in den Tod geschickt wurden, wissend, dass ihnen am Ende ein noch viel größeres Grauen bevorstand.

Werden sie antworten, dass sie es hätten verhindern können, aber nicht für notwendig hielten, etwas zu tun, denn „es waren ja nur Tiere?“

Weitere Informationen zum Thema hier:

https://www.facebook.com/events/1985856761485271/?active_tab=about

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