Tihange & Doel – Abschalten!

 in Umwelt/Natur

Uns steht ein großes Umweltproblem vor der Tür. Die beiden Rissereaktoren in Belgien, Tihange & Doel werden, allen Sicherheitsmängeln zum Trotz von der belgischen Atombetreibergesellschaft Electra weiterbetrieben. Kein Mensch weiß, wie sich die Risse im Stahlmantel des Reaktorkerns weiterentwickeln werden und wohin die Reise der beiden Kernreaktoren gehen wird. Bis zum heutigen Tag werden die wichtigen Revisionspläne, die Aussage über die Konstruktion der Risse befallenen Stahlringe geben könnten, von der Betreibergesellschaft Engie Electrabel S.A. zur objektiven Begutachtung durch Fachleute zurückgehalten. (Bettina Beckröge)

Das von Electrabel selbst beauftragte Gutachten, auf dem die Laufzeitverlängerung der beiden Rissereaktoren basiert ist, ohne die zur Verfügungstellung der Revisionsunterlagen (TÜV geprüfter Nachweis der eingebauten Materialien, insbesondere des Stahls, der für den Bau der Reaktorstahlmäntel verwendet wurde) auf Sand gebaut. Zu Bauzeiten wurde von unabhängiger Prüfseite in mehreren Stahlringen Risse festgestellt und der Einsatz dieser Ringe für den Stahlmantel des Reaktorkerns Tihange untersagt.  Aufgrund der dadurch sich abzeichnenden Bauzeitenverzögerung von mehr als einem Jahr (ein Jahr Bauverzögerung hätte der Betreibergesellschaft viel Geld gekostet), wurden, entgegen der Vorschriften diese Stahlringe mit Materialfehler eingebaut. Die Firma, die seinerzeit die Stahlringe produziert und geliefert hat, existiert inzwischen nicht mehr. Sie ist seinerzeit Konkurs gegangen. Der Druckbehälter ist einer der kritischsten Komponenten eines Kernkraftwerks. In dem Stahlkokon liegen die Brennstäbe, hier spielt sich die nukleare Kettenreaktion ab. Sollte der Reaktor bersten, würde es zur Kernschmelze kommen.

Unabhängige Prüfkommissionen, Experten, stellten 2012 bei Ultraschalluntersuchungen der Reaktordruckbehälter in den beiden belgischen Atomanlagen Tihange und Doel mysteriöse Risse fest. Die beiden betroffenen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 wurden, aufgrund dieser „unerwarteten Resultate“ zweimal runtergefahren: 2012 und 2014. Doch Ende November 2015 traf die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc eine überraschende Entscheidung. Sie erteilte sie dem Betreiber die Genehmigung, Tihange 2 trotz aller Bedenken wieder hochzufahren. Die Fanc versicherte, die Bruchfestigkeit des betroffenen Behälters sei „nur leicht reduziert“ und liege immer noch eineinhalbfach über dem vorgeschriebenen Grenzwert. Die beiden störanfälligen, hochbrisanten Rissereaktoren werden bis zum heutigen Tage unter Volldampf weiterbetrieben.

Die Bevölkerung traut den Aussagen aus Belgien schon lange nicht mehr. In der Region Aachen ist seit 2015 die wohl größte Antiatomkraftbewegung seit den Achtzigerjahren entstanden. Überall leuchtet die Forderung der AKW-Gegner in Gelb-Schwarz, sie klebt auf Autos und hängt als Poster in vielen Fenstern: „Stop Tihange“. Inzwischen hat sich diese Antiatomkraftbewegung auf Belgien und die Niederlande ausgedehnt. Unmut und Sorgen wachsen zu Recht. Was bliebe uns, wenn uns der Supergau ereilt? Erinnern wir uns an die katastrophalen Auswirkungen von Tschernobyl und Fukushima. Sollte der Reaktor in Tihange bersten, würde es zur Kernschmelze kommen. Schon wenige Stunden nach dem GAU würde eine radioaktive Wolke mit den Westwinden Richtung Nordrhein-Westfalen ziehen.

Einer Studie der Universität für Bodenkultur in Wien zufolge könnte Aachen im Ernstfall zum „langfristig unbewohnbaren Gebiet“ erklärt werden. Weite Teile des dicht besiedelten Nordrhein-Westfalens, Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet lägen in dem inneren Zirkel der radioaktiven Wolke mit einer Strahlenbelastung, die 300% über der zulässigen Jahresdosis von 1 Millisievert. Unter dieser berechtigten Sorge haben sich seit 2015 viele Umweltbündnisse aus dem Raum Aachen-Köln-Bonn, sowie Umweltverbände aus den Niederlanden und Belgien miteinander vernetzt und bemühen sich in ihrem Kampf für die sofortige Stilllegung der beiden Rissereaktoren Tihange und Doel. Die Kettenreaktion Tihange- 90 km lange Menschenkette Tihange-Lüttich-Maastrich-Aachen vom 25. Juni 2017 hat große Aufmerksamkeit erregt und viele Menschen für die Problematik sensibilisiert. Trotz der vernünftigen Argumente, trotz der Gefahren, werden diese Stimmen von Seiten der Betreiber, Engie Electrabel S.A. und der belgischen Atomaufsichtsbehörde (FANC) bis zum heutigen Tage ignoriert. Die Rissereaktoren weiterbetrieben.

Die Bürgerinitiative 3 Rosen e.V. aus Aachen hat vor geraumer Zeit eine groß angelegte Petitionskampagne ins Leben gerufen. Am 13. Juli 2018 ist eine vierköpfige Delegation von Bürgerinitiativen aus Belgien, Niederlande und Deutschland in das Allerheiligste, das Chefbüro der FANC geladen. Zu dem Termin werden sie die Unterschriften ihrer Petitionskampagne der FANC überreichen, in der Hoffnung, dass diese Unterschriften, die den Protest der Bevölkerung widerspiegelt, ein Ausgangspunkt sein wird für weitere Gespräche am runden Tisch mit der belgischen Atomaufsichtsbehörde, unabhängigen Experten und Vertretern von Umweltverbänden, als vorbereitende Basis für das endgültige Abschalten der Rissereaktoren Tihange & Doel.

Bitte unterstützen Sie diese Petition mit Ihrer Unterschrift:
https://www.change.org/p/widersprechen-sie-dem-weiterbetrieb-der-belgischen-rissereaktoren-tihange-2-und-doel-3

Weiter Informationen finden Sie unter:
https://3rosen.eu/endspurt-der-petitions-kampagne-gegen-tihange-doel/

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