Ulrike Meinhof: Die Würde des Menschen ist anstastbar

 in FEATURED, Politik (Inland)

Ulrike Meinhof, 1964, Foto: Sammlung Bettina Röhl

Ein würdigender Artikel über eine „Terroristin“? Das ist ungewöhnlich in einem Land, in dem Gut und Böse meist ziemlich klar unterschieden werden. Die Geschichte des „Baader Meinhof Komplex“ wird in den Mainstream-Medien in der immer fast gleichen Version erzählt – als abschreckendes Lehrbeispiel über „Schuld und Sühne“. Aber wer hat sich mit der „frühen Meinhof“ und ihren hellsichtigen Artikeln wirklich tiefer gehend beschäftigt und die deutlichen Parallelen zwischen damals und heute (Stichwort: Notstandsgesetze) bemerkt? Wer stellte sich der Wahrheit über die Kontinuität der Unmenschlichkeit in diesem vermeintlich so sauberen Nachkriegsdeutschland? Wer spricht von der Schuld des Staatsapparats, die die Gewalt einer kleinen Gruppe auslöste? Und wer würdigt Ulrike Meinhof als Opfer eines Staatsverbrechens, das durch psychische Folter zu ihrem langsamen Tod geführt hat? Und – dies ist der Autorin als ehemalige Betroffene besonders wichtig: Wer erinnert sich an Ulrike Meinhof als „Mutter der Heimkinder“, deren stilles, empörendes Leid erst durch ihre Arbeit ans Licht der Öffentlichkeit gehoben wurde? Viel Gewalt ist geschehen – auf beiden Seiten. Der Unterschied ist nur: von der Gewalt Ulrike Meinhofs und ihrer Mitstreiter spricht jeder – von der Gewalt des Staates und der damals etablierten Institutionen fast niemand. Ulrike Spurgat

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“? Wie antastbar sie ist, musste Ulrike Meinhof isoliert, einsam und rechtlos in ihren späten Jahren am eigenen Leib erfahren.

Bis dahin aber war die außergewöhnlich kluge und sensible Frau u.a. von 1962 bis 1964 als Chefredakteurin bei der Zeitschrift „Konkret“ journalistisch tätig und glänzte mit politisch und menschlich brillanten Artikeln, Aufsätzen, Kolumnen, Reportagen, Berichten und Texten, die Klaus Rainer Röhl als Konkret-Herausgeber veröffentlichte. Wie mit einem Skalpell schneidet sie messerscharf in den braunen Sumpf der jungen Republik. Sie klagt gnadenlos diejenigen an, die nach 1945 – die alte korrupte Nazi-Bande – wieder das Ruder im Land übernommen haben.

Unerträglich für Ulrike, die sich die Finger wund schrieb. Die für die Freundschaft mit den Völkern in der Welt einstand, besonders für den Frieden mit der DDR und der Sowjetunion. Sie kämpfte gegen das Verbot der KPD, sie kämpfte gegen die Remilitarisierung. Aber was sie einmalig in der Geschichte dieses Landes macht, ist ihr Kampf für uns Heimkinder und Jugendlichen. Sie ist und bleibt diejenige, die das vergessene Leid der Heimkinder und -Jugendlichen nach 1945 gnadenlos und radikal auf den Tisch der Republik knallte – und das mit einer Zuneigung, die mich zu Tränen rührt, so unbestechlich, dass es vielen von uns den Atem verschlug.

Sie stand auf und klagte an, nicht etwa einen Rechtsstaat, sondern einen Staat der Rechten. Sie bleibt die Mutter der erniedrigten und verachteten Heimkinder und -Jugendlichen im Nachkriegsdeutschland. Bis weit in die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielte sich hinter den Mauern dieser verachtenswerten Erziehungsanstalten ein Kampf ab, der sich immer um die Würde des Menschen drehte. Doch wie soll das gehen, wenn Artikel 1 GG vor den Toren dieser Hölle an den Nagel gehängt wurde?

„Die Würde des Menschen ist antastbar“ schreibt Ulrike.

Das werde wir, die hunderttausende sind, ihr niemals vergessen. Sie warf alles, aber auch alles in die Waagschale für unser kleines Leben und kippte die braune Jauche über die Lügen- und Heuchler-Gesellschaft, die von all dem nichts gewusst haben will. Komisch, denn das haben sie nach 1945 auch in der ganzen Republik behauptet.

Hatte sie Ängste? Sicherlich hatte sie die, aber wohl auch die Erkenntnis, dass es für sie wichtigeres gab als ihre Ängste. So erzählte sie es in einem langen Gespräch mit uns, nach denen ansonsten kein Hahn krähte, denn wir waren in der Gesamtgesellschaft nicht mehr als lästige Fresser, die Geld kosteten.

Abschaum nannte man uns auch.

Sie deckte auf und kratzte am braunen Lack der jungen Republik. Sie stellt die richtigen gesellschaftspolitischen Fragen, sie analysiert die Zustände im Land, die hunderttausende Menschen, vor allem die Jugend und die Studenten, auf die Straßen trieb. Sie wollte Antworten – auch von ihren Eltern -, was diese getan haben, um den Faschismus zu verhindern, aber vor allem, was in den zwölf dunklen Jahren mit ihrer Unterstützung geschehen war. Man demonstrierte laut, rebellisch und wütend gegen den blutigen und grausamen Vietnam-Krieg, und es gab eine Verbindung der Arbeiterklasse mit den Studenten, so dass beide Gruppen gemeinsam auf die Straße gingen. Ein Moment für die Ewigkeit.

1968, und die Jugend in der Welt ist in Aufruhr. Der Staat sieht rot, er nimmt den Fehdehandschuh der 68er auf und verliert dabei jedes Maß. Der Staat führt Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Mit den Notstandsgesetzen werden die Daumenschrauben fester angezogen. Der Bundestag hat mit der Änderung von 28 (!) Grundgesetz-Artikeln die Voraussetzung dafür geschaffen, im Falle eines Krieges, eines inneren Notstands oder einer Katastrophe elementare demokratische Grundrechte außer Kraft zu setzen oder einzuschränken.

Es wurde nie um Partikularinteressen gekämpft, das hatte überhaupt keine Bedeutung, weil es um viel, viel mehr ging. Zehn Millionen Arbeiter in Frankreich waren seit zwei Wochen im Generalstreik, und die Abstimmung im Bundestag somit auf der Kippe. Die Studentenrevolte tobte weiter, und die Unruhe in den Betrieben nahm zu. Rudi Dutschke wurde Opfer dieser aufgeheizten Stimmung, die von einigen Medien wohl dosiert und ganz im Sinne der herrschenden Klasse wie ein tödlich wirkendes Gift in die Gesellschaft geträufelt wurde. Der Anschlag war der Todesstoß für Rudi Dutschke, von dem er sich nie wieder erholen sollte.

Ruhe in Frieden!

1969 kam dann Willy Brandt, der Friedensfürst, mit Zuckerbrot und Peitsche, machte soziale Zugeständnisse, und im selben Atemzug gab es dann ratzfatz 1972 den Radikalenerlass und die politische Verfolgung. Insbesondere für Kommunisten ging es wieder munter weiter. Maulkorb und Berufsverbote ließen keinen Zweifel aufkommen, dass der braune Geist weiter wehte, über die Generationen hinweg.

Und er weht bis heute.

Wichtig ist, um den weiteren Weg von Ulrike Meinhof einordnen zu können, z.B. folgendes: In einem „Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung“ vom 28. März 1957 ist zu lesen, dass am 31. März 1956 im Bonner Staatsapparat 181.202 Beamte und Angestellte beschäftigt waren, die bereits in den Behörden des Faschismus warm und trocken, mit Pensionsansprüchen hockten. Gleichzeitig ging es ehemaligen Widerstandskämpfern kalt rein, da diese ja nie in ihrem Leid anerkannt worden waren. Nachgewiesen ist, dass über 600 Blut-Juristen, die samt und sonders durch aktive Kriegs- und Nazi-Verbrechen schwer belastet waren, im Bonner Justizapparat wie von Geisterhand ohne weiteres wieder in Brot und Arbeit kamen. Diese reaktionären Ideologien des Chauvinismus, des Revanchismus, des Völkerhasses und der Verherrlichung des Militärs wurden nicht beseitigt – obwohl die Potsdamer Beschlüsse nach 1945 genau dies festlegten -, sondern bewusst und zielgerichtet weiter befördert.

Anfang 1958 existierten in Westdeutschland etwa 1.200 Soldatenverbände, die HIAG als Nachfolgeorganisation der Waffen-SS, darunter 45 sogenannte Traditionsvereinigungen, wie z.B. „Totenkopf“, „Leibstandarte Adolf Hitler“, „Das Reich“, und die „Hitler-Jugend“, um nur einige zu nennen. Es waren dieselben, die Europa mit Bomben, Blut, Bitterkeit und Terror überzogen und überall verbrannte Erde zurückgelassen hatten. Und es waren dieselben, die bei den Nürnberger Kriegspozessen als verbrecherische Organisationen verboten wurde.

Vieles wurde über Ulrike Meinhof geschrieben. Meist von Schreiberlingen, die warm und trocken sitzen und die mehr an den Unterhosen von Andreas Baader interessiert waren, als daran, mal die richtigen Fragen zu stellen. Stefan Aust bildet mit seinem Schinken „Der Baader Meinhof Komplex“ da keine Ausnahme. Er bediente Beifall heischend das, wovon er glaubte, dass die Leute es lesen wollten. Bis heute läuft das so. Die Frage, wer mit wem pimpert, versetzt einige in Entzücken.

Auch ich habe die Frage gestellt, was eine Humanistin zu diesem Schritt, sich für den bewaffneten Kampf zu entscheiden, veranlasst hat. Eigentlich eine rhetorische Frage, denke ich heute. Vielleicht war es die Summe dieser schreienden Ungerechtigkeiten im Land und die grausame Erkenntnis, dass der strukturelle Faschismus wie von den Toten auferstanden war – dass IG Farben, die Krupps und die Thyssens, die Rüstungsindustrie, die die Barone von Rhein und Ruhr ihr Unwesen wieder und weiter im Land treiben, und das bis heute.

Demokratie braucht Demokraten!

Ich bin weder Richter noch Henker, und ich akzeptiere voll und ganz die Entscheidung von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin (einer Pfarrerstochter), Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und anderen, die sie damals getroffen hat. Von meiner Seite wird es da keine Bewertung geben können und auch dürfen. Wie ich das Ganze politisch einschätze, ist eine Privatsache. Jedenfalls wird heute in diesem Land ja jeder kleine Steine-Schmeißer zum „Terroristen“ erklärt. Dieser Staat ist ein strafender Staat, der am liebsten jedem das Licht ausbläst, der nicht spurt.

Ulrike Meinhof leistete einen wertvollen gesamtgesellschaftlichen Beitrag und stellte die „schwarze Pädagogik“ an den Pranger der braunen Republik. Sie schlug der Politik, den Landschaftsverbänden, dem Jugendamt und nicht zuletzt auch den Kirchen ihr Totalversagen in einer Schärfe um die Ohren, die ihresgleichen sucht.

Sie stellte den Kontakt zu uns Heimkindern und Jugendlichen her. Sie gab den Kindern und Jugendlichen, die weggesperrt, entwürdigt und unmenschlichst behandelt wurden, eine Stimme, die unüberhörbar war, drehte den Film „Bambule: Fürsorge – Sorge für wen?“, der 24 Jahre lang verboten wurde, zwang Politik und Gesellschaft, genau hinzusehen, wofür sie nach 1945 verantwortlich waren.

Es waren die Arbeiterkinder, die Kinder der Arbeiterklasse, die zumeist wegen zerbrochener Familienstrukturen nach Faschismus und Krieg weggesperrt wurden, denn ihr revolutionäres Potential musste schleunigst unterdrückt werden.

Ulrike baute die Kontakte zu den Heimkindern aus. Sie hörte ihnen zu, begegnete ihnen mit Achtung, setzte sich für eine „neue“ Pädagogik ein und argumentierte mit einer Tiefe, die mich bis heute beeindruckt.

Sie hat den Stein bei diesem Thema ins Rollen gebracht und begründete die gesellschaftliche, wenn auch aus meiner Sicht halbherzige politische Auseinandersetzung mit dem Komplettversagen der Institutionen bei diesem Thema. Mich betrübt es bis heute, dass wir Heimkinder wenig bis nichts für Ulrike tun konnten, als man sie in Stammheim in die Isolation und in die Einsamkeit stürzte. Die Haftbedingungen dort waren katastrophal und eines vermeintlich demokratischen Landes unwürdig. In der Zelle brannte stets grelles Licht, auch in der Nacht. Isolation gilt gemäß der allgemeinen Charta für Menschenrechte als Folter.

Für Ulrike, für Andreas, für Gudrun und für Jan-Carl galten keine Grundrechte. Die Staatsorgane bastelten einfach ein wenig an den Gesetzen herum, um sich rächen zu können. Dieser jämmerliche Staat mit seinen Speichel- und Stiefelleckern… Der damalige Innenminister Gerhard Baum (FDP) sprach rückblickend von überzogenen Reaktionen: „Alle die versucht haben, Brücken zu bauen, wie der Bischof Scharf in Berlin, der Schriftsteller Heinrich Böll wurden verunglimpft. Also der Staat hat im Grunde die Fassung verloren. Wir sind den Terroristen auf den Leim gegangen: Sie wollten uns den Krieg erklären, und wir haben die Kriegserklärung angenommen.“

Zum Schluss: Ulrike hat mehr für uns getan, als nur eine Position zu beziehen. Sie hat uns durch ihren Kampf ein Stück unserer Würde zurückgegeben, die man ihr selbst bis heute verweigert.

Ich verneige mich. Wir werden dich niemals vergessen – unsere „Mutter“ der Heimkinder-Bewegung.

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  • Freiherr
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    Statt Aufarbeitung seitens des Staates hinsichtlich mindestens einer Mitschuld betreibt dieser Staat bis heute Geschichtsverfälschung –

    um sich weiterhin aus dieser Schuld herauszuwinden.

    Lassen wir mal die „Rote Armee“ aus der RAF raus, darum ging es auch nicht, es ging um die unbedingte und notwendige Gegenwehr gegen staatliches Unrecht.

    Und zeichne ich nun die Parallele zu heutigen von diesem Regime verbrochenem Unrecht, dann ist nun die RDF notwendig geworden, die Radikal-Demokratische-Front.

    Und wieder hat man Notstandsgesetze erlassen um die Verfolgung des Widerstandes gegen staatliches Unrecht zu legitimieren.

    Radikalität im Kampf gegen Unrecht ist umso unausweichlicher je mehr und stärker man Unrecht erkennt und empfindet –

    und gerade jetzt ist dieser radikale Kampf wieder notwendig, mehr als jemals zuvor sogar.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Gabriel Müller-Huelss
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    Man merkt: Da steckt Herzblut drin

    Liebe Frau Spurgat,

    diesen Artikel, wie auch Ihren Letzten über die „Schwarze Pädagogik“ aus der Nazi-Zeit mit Ihren autobiografischen Schilderungen, habe ich mit großem Interesse gelesen. Sie haben hierzu meine volle Zustimmung. Eine Frage: Ist Ihnen bekannt, ob irgendwo eine Sammlung von Artikeln von Ulrike Meinhof zu finden ist, vielleicht in Buchform? Das wäre weiterführend sehr aufschlußreich!

    • Ulrike Spurgat
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      Gerne nenne ich eine der Quellen, die mir selber zur Verfügung stehen, lieber Gabriel Müller-Huelss:

      Ulrike Marie Meinhof

      Die Würde des Menschen ist anstastbar

      Aufsätze und Polemiken

      Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach

      Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1980

      Persönliche Gedanken und Überlegungen sind in meinen Unterlagen zu finden. Sie setzen sich insbesondere mit dem Mut und der Entschlossenheit einer Frau, die ich sehr achte und schätze auseinander.

      Von Thomas Nufer gibt  es ein Buch als ein Theaterstück: heim.weh, Ulrike Meinhofs letztes Interview, Oktober 2017, Unrast, mit Originalzitaten von Ulrike Meinhof. So richtig habe ich den Inhalt noch nicht einordnen können.

      Wenn ein weiteres Interess besteht schaue ich sehr gerne weiter.

      • Gabriel Müller-Huelss
        Antworten
        Besten Dank für die Hinweise, liebe Ulrike Spurgat, die sollten mir einstweilen genügen.
  • Cetzer
    Antworten

    „Willy Brandt […] Radikalenerlass“

    Immerhin hat er den später bereut

    „Dieser Staat ist ein strafender Staat, der am liebsten jedem das Licht ausbläst, der nicht spurt.“

    Aus anarchistischer Sicht kann es grundsätzlich keinen anderen Staat geben. Wir hatten bisher Glück, dass dieser Staat in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise mit Samthandschuhen und gemütlich vorgegangen ist, aber die Schönwetter-Phase ist vorbei. Zukünftig muss wieder mit Erschießen auf der Flucht und schlimmerem gerechnet werden.

    • Ulrike Spurgat
      Antworten
      @ Cetzer,

      meine Sicht ist keine anarchistische Sicht, und ob Brandt bereut hat oder nicht ist für mich völlig unerheblich, denn das Berufsverbot,  für viele, meist Kommunisten im Land war damit besiegelt.

  • Alfred Matejka
    Antworten
    Liebe Ulrike, eine große Bereicherung ist dein Artikel zu Ulrike Meinhof. Heute habe ich mir mal die Zeit genommen und einiges über Ulrike Meinhof im Internet gelesen. 1970 war ich 21 Jahre alt und war noch am Beginn meiner Politisierung.Die“ Pardon“ und die „Konkret“ haben da ihren Beitrag dazu geleistet. U.Meinhof war mir noch kein Begriff,dass kam erst,als sie in den Schlagzeilen stand.Was für eine herzensgute und hochintelligente Frau.Das genaue Gegenteil zu Jutta Ditfurth,die schon Anfang der 60erJahre ein politisches Miststück war und heute Blockwartin in Berlin ist.Bei Wikipedia ist auch kurz über die Heimkampagne geschrieben worden.Die von Ulrike vorgeschlagene Schauspielerin für den Film Bambule wurde ja vom SWF genauso abgelehnt wie die Heimkinder,die in dem Film mitspielen sollten.Es muss sie tief getroffen haben.Ein Satz ist mir noch aufgefallen,den sie gesagt haben soll.“Gegengewalt läuft Gefahr zu Gewalt zu werden,wo die Polizei das Gesetz des Handelns bestimmt,wo ohnmächtige Wut überlegene Rationalität ablöst,wo der paramilitärische Einsatz der Polizei mit paramilitärischen Mittel beantwortet wird.“Was würde sie heute zu den „Einsätzen“ der Polizei in Berlin und weltweit gegen die Demonstranten/innen ,die die Grundrechte verteidigen,sagen?Liebe Ulrike,du hast den gleichen Vornamen wie die „Mutter“ der Heimkinder.Der Kampf für die Heimkinder liegt gut in deinen Händen.Sie wäre stolz auf dich,wenn sie heute noch unter uns wäre.

     

     

  • Volker
    Antworten

    Auch ich habe die Frage gestellt, was eine Humanistin zu diesem Schritt, sich für den bewaffneten Kampf zu entscheiden, veranlasst hat.

    Ging mir ebenso, war ziemlich zweigeteilt, zumal ich in jungen Jahren auf übliche Berichterstattungen angewiesen war, wie wohl der Großteil der Bevölkerung auch – Sympathie einerseits, Ablehnung derartiger Gewalt andererseits.
    Und klar: immer darum bemüht, mit meinen Befürchtungen, Hinterfragungen sowie Meinungen nicht in die dafür vorgesehene Ecke gedrängt zu werden. Ehrlich gesagt hatte ich ein Problem mit mir selbst, konnte es allerdings damals nicht handhaben – es gab zwei widerstreitige Seiten in mir.

    cutt

    Dass etwas gewaltig schief lief, war mir frühzeitig bewusst. Mit sechzehn Jahren mit einem Krieg (Vietnam) konfrontiert zu werden – zum ersten Mal in meinem Leben –, den ich fassungslos, zumindest geistig miterlebte, brachte mich an den Rand des Begreifbaren. Dazu kam die offene Missachtung eines Vollwaisen gegenüber, der mit einem Armutsgeld (1972; Vollwaisenrente 330 DM pro Monat) abgespeist und aus dem gesellschaftlichen Raster fiel, besser gesagt: sich selbst überlassen wurde. Ein Thema für sich …

    cutt

    Tote reden nicht, können sich nicht mehr erklären, dafür wurde und wird gesorgt.

    cutt

    Vergleiche zu heute, 30.08.2021, sind nicht gestattet.

    Widerstand gleich Terrorismus.

    Freiheit gleich Müll, gewinnmaximiert verklappt.

    Zinseszinsen auf Leben und Tod.

    Was kostet eine Atombombe, im Atemzug sich vermehrenden Reichtums? Portokasse.

    Nie wieder! Nie wieder was?

    cutt

    Mache mir schon Gedanken darüber, ob mir als Nicht-Geimpfter mein Existenzminimum noch gestattet- oder gar entzogen würde, rein verschwörungsmäßig geRAFt.
    Klar, B. & M. wurden nicht einfach mal so hingerichtet und aus dem Öffi verbannt, ne, die müssen Zinsen begleichen, mit Zinseszinsen sogar … psst ... zur Abschreckung … weil … psst … angeblich reinkarniert, basismäßig als Partei.

    Gut, in jedem Kindergarten könnte sich – rein theoretisch angewandt – ++ glucks ++, gewisser Zorn entwickeln, mit erhobenem Stinkefinger gegen pädagogische Unterwerfungsforderungen. Na ja, immerhin ist Kind smartphonetauglich, nur aufmucken darf es nicht … logo.

  • ak
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    Auch ich mochte die Texte von ihr.

    Noch in den 90ern wurden Gruppen, die sich aus humanistischen Gründen gegen die Isolationsfolter, die den politischen Gefangenen angetan wurde, extrem bespitzelt. Zumindest aus meiner Wahrnehmung hat dass zur Zersplitterung der außerparlamentarischen Linken extrem beigetragen.

    Ich erinnere mich noch daran, als Herrhausen ermordet wurde. Ich stritt mit einer Freundin (danach nicht mehr), weil ich infragestellte, dass dieser eine Tod so viel mehr betrauert wurde, als der Tod eines namenlosen Kindes in Angola, das auf eine Mine getreten ist. Ich bin gegen Gewalt, gegen Todesstrafe und gegen Mord. Dennoch erlaube ich mir, solche Fragen zu stellen. Nicht ohne Konsequenzen, wie ich nicht nur einmal erlebt habe.

    • ak
      Antworten
      In diesem Zusammenhang erinnere ich noch mal daran woher der Begriff „lockdown“ entstanden ist.

      Gefängnissprache aus den USA. Maßnahme zur Disziplinierung der Gefangenen. Im Falle eines Aufstands/Widerstands auch einiger weniger, werden alle Gefangenen in ihre Zellen gesperrt. So werden auch die „Angepassten“ bestraft, die sich nun gegen die „Renitenten“ wenden. Es ist somit eine Vorsichtsmaßnahme gegen Massenunruhen und eine Methode des „spalte und herrsche“- prison planet.

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