Unbehelligt

 in FEATURED, Gesundheit/Psyche, Medien, Poesie

Wir haben das Recht, anders über die Ukraine zu denken als die Tagesschau. Aber haben wir auch die Freiheit, gar nicht an sie zu denken? Wir erleben ein Bombardement mit Nachrichten, dem wir uns nicht entziehen können und das mehr und mehr auch unser Privatleben „entert“. Unser Köpfe sind ohnehin von Schreckensnachrichten kolonialisiert. Wir erleben spätestens seit „Corona“ einen wahren Terror der politischen Sphäre gegen die private. Die Autorin protestiert dagegen – mit einem Text von fast lyrischer Dichte. Susanne Alpers

 

Er geht durch die Stadt. Besorgungen machen. An jeder Ladentüre hängen Ermahnungen. Drinnen ist Maske obligatorisch.

Danach Kaffee. Er hat den richtigen Status, also darf er auch drinnen. Die Anderen dürfen nur draußen – mit Test. Sechs Polizisten kontrollieren das Lokal, in voller Montur. Zwei drinnen, der Rest im Außen. Ordnung muss sein.

Im Fernseher über der Theke läuft Ukraine-Krieg in Dauerschleife. Die, die können, fliehen, die Anderen leiden noch mehr. Ständig wird erklärt, wer die Guten sind und wer die Schlechten. Dazu Bilder, Drohnen filmen Zerstörtes von oben.

Er geht raus, bisschen flanieren. Viele Baustellen, Zäune, Absperrungen. Woher kommen nur die ganzen Privatwege seit einiger Zeit? Wer nimmt sich so viel Raum?

Die Wahrheit, was ist das? Dieses widersprüchliche Etwas, allgegenwärtig für die mit den offenen Augen? Oder diese Hinweise auf allen Kanälen, absorbiert von der Mehrzahl der Menschen?

Wer nicht mitmacht, stirbt. An schwerem Husten, an falschem Umgang, an mangelnder Solidarität für die Schwachen, neuerdings auch an Putin. Such Dir was aus.

Wir kontrollieren das, keiner bleibt da unbehelligt. Gesundheitsstatus und Gesinnungsstatus haben fließende Übergänge.

Einige Szenarien, die brave Bürger erschrecken: Terror mit Hochhäusern, Bankencrash, wieder Terror – diesmal am Boden, globale Erderwärmung, Atemwegserkrankung. Neuerdings Krieg in der Ukraine. In Europa! Da werden blonde Menschen mit blauen Augen angegriffen! Also quasi wir.

Je heftiger die Medienmaschine masturbiert, desto mehr ejakulieren die Staatskassen. Geld für Waffen, für die Impfe, für ein sicheres Leben zuhause am Bildschirm. Es ist doch nur zu unserem Besten.

Die, die dieses Spektakel betreiben, geben sich nicht zu erkennen. Aber sie haben jede Menge Spaß, häufen Knete. Sie schaffen totale Wirklichkeiten und nennen ihre Lösungen alternativlos. Sie behelligen uns damit, jeden Tag, jede Minute.

Mein Mitgefühl geht an alle Opfer von Krieg und Verfolgung, Überschwemmung und Dürre. An alle, die ihr Leben aushauchen müssen. An die, deren Leben immer schwerer wird. An die Opfer der Anmaßung.

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