Vom Wert des Fragens in einer Welt, die Antworten braucht

 in DER BESONDERE HINWEIS

Begründungstext zu unserer „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V.“, zum Trägerverein von HdS. Immer mal wieder habe wir Herausgeber von www.hinter-den-schlagzeilen.de von Euch die Frage gestellt bekommen, was es eigentlich mit dem „Trägerverein“ für diese Website auf sich hat, mit der „Initiative für eine humane Welt“. Gleichzeitig – wir geben es zu – besteht leider Anlass, mal wieder an die Tatsache zu erinnern, dass HdS auf Dauer nicht weiter existieren kann, wenn Ihr unsere Arbeit nicht auch in der kommenden Monaten mit Spendenmitteln unterstützt, und zwar – leider – etwas umfangreicher als bisher. Ihr wisst ja, dass diese Spenden steuerabzugsfähig sind, weil es sich bei der IHW um einen gemeinnützigen Verein handelt. Und auch der Trägerverein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V.“, benötigt Unterstützung, weil er im letzten Jahr mehrfach materielle Aushilfe geleistet hat bei der GriechInnenhilfe. Aber zur Ausgangsfrage zurück: Was sind die grundlegenden und zentralen Auffassungen unserer IHW, die unter anderem dieses Webmagazin „Hinter den Schlagzeilen“ herausgibt und darüber hinaus, seit dem Sommer 2015, notleidenden Menschen in Griechenland hilft, überleben zu können? Ich, Holdger Platta, habe das im Gründungmanifest unseres Vereins aus dem Herbst 2010 ausführlich darzulegen versucht. Und nichts hat sich daran geändert. Heißt unter anderem: auch wenn die Ursachen von Inhumanität unserer Auffassung nach weltweit im Weltwirtschaftssystem liegen dürften, entlässt das uns Einzelne nicht aus unserer Mitverantwortung, aktiv zu werden. Wobei für uns nach wie vor gültig ist: solidarisches, gemeinsames, mitmenschliches Handeln verspricht mehr Erfolg als jede Einzelkämpfermentalität. Außerdem: Humanität kann nicht – wie leider teilweise in der Geschichte des Sozialismus geschehen – mit inhumanen Mitteln erzwungen werden. Deshalb meinen wir: Dogmatismus und Besserwisserei sollten auf jeden Fall draußen vor bleiben, wenn es um das Ringen um den richtigen politischen Weg geht – denn gerade sie, Dogmatismus und Besserwisserei, waren und sind eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Ein Text also, dieses Manifest, das sehr gerne auch von Euch diskutiert werden kann. Ein Manifest, das sehr gerne auch von Euch ergänzt werden darf, ein Text, an dem sozusagen auch von Euch weiterzuschreiben ist – wenn Ihr das möchtet.

Nachtrag: Leider war mir beim Schreiben der ellenlangen IBAN-Nummer zu unserem Konto für die IHW, unseren Verein, am Schluss meines Textes ein Fehler passiert! Richtig lautet sie: DE10 2605 0001 0056 0872 40 (nunmehr auch im folgenden Text korrigiert). Sehr danke ich dem „Freiherrn“, der mich darauf hingewiesen hat, dass er mit seinem Versuch gescheitert war, auf das Vereinskonto eine Spende zu überweisen! Mindestens so sehr aber danke ich ihm für die Tatsache, dass er als „Hartz-Vierer“ eine gar nicht mal so ganz kleine Spende auf den Weg zu bringen versuchte. Merci, lieber „Freiherr“! Holdger Platta

 

Warum die Frage „Warum“ so wichtig ist

Ein bitterkalter Wintertag im Februar 1944: im Viehwaggon, auf dem Weg nach Auschwitz, versucht ein junger Italiener, gerademal vierundzwanzig Jahre alt, seinen Durst zu stillen. Einige Wochen vorher war er von faschistischen Milizen aufgegriffen worden, als Widerstandskämpfer im Aosta-Tal, und als er „zugab“, ein Jude zu sein, hatte man den Rebellen in diesen Deportiertenzug verfrachtet. Später wird er sich an diese Situation mit den folgenden Worten erinnern:

„Durstig wie ich bin, sehe ich vom Fenster in Reichweite einen schönen Eiszapfen hängen. Ich öffne das Fenster und mache den Eiszapfen ab, doch gleich kommt ein großer und kräftiger Kerl, der draußen herumging, und reißt ihn mit Gewalt aus der Hand. ‚Warum?’ frage ich mit meinem beschränkten Deutsch. ‚Hier gibt es kein Warum’, gibt er mir zur Antwort und treibt mich mit einem Stock zurück.“

Es ist ein Ereignis, das der später weltberühmte Autor mit den folgenden Worten kommentieren wird:

„Dieses ‚Hier gibt es kein Warum’ ist die Verachtung alles Menschlichen, die verbale Vernichtung. (…) Verbietet man die Frage, verweigert man die Antwort – dann bescheinigt man dem Menschen sein Nicht-Sein, seine absolute Rechtlosigkeit.“

Verbietet man die Frage, bescheinigt man dem Menschen seine absolute Rechtlosigkeit: das der Kommentar dieses Überlebenden von Auschwitz, des späteren italienischen Schriftstellers Primo Levi, in seinem Buch „Ist das ein Mensch?“. Und der deutsch-jüdisch-US-amerikanische Historiker Fritz Stern kommentierte im Oktober 1999, in der Frankfurter Paulskirche, als ihm der Deutsche Buchhandel den Friedenpreis verlieh,  diese Aussage Primo Levis mit den folgenden Worten:

„Nehmen wir die Verpflichtung des ‚Warum’ ernst genug, als Recht der Mündigkeit, als Grundanspruch menschlicher Würde? Das In-Frage-Stellen sollte im familiären Bereich beginnen, mit der Ermutigung der Neugier von Kindern, im beruflichen Leben fortgesetzt werden und im politischen Leben einen Höhepunkt erreichen. Aber gerade hier gibt es in unseren Demokratien ein großes Defizit…“

Heute sind in der Universitätsstadt Göttingen Menschen zusammengekommen, die eine „Initiative für eine humane Welt“ begründen wollen: die Unterzeichner dieses Textes. Im Sinne dieser Humanität, im Sinne dieser Einschätzung, dass stets die Menschenwürde auch mit der Frage des „Warum“ verknüpft ist, wollen die Mitglieder dieser „Initiative für eine humane Welt“ – abgekürzt: „IHW“ – Fragen  stellen  und  Antworten  zu  geben versuchen auf diese Fragen.  Um verständlich zu machen, worum es bei diesen vielen Varianten des „Warum“ gehen wird, wurde der folgende Text geschrieben. Es wird darum gehen, zu zeigen, dass „Humanität“ immer bedeuten muss, die Welt von unten zu sehen. Und es wird darum gehen, zu zeigen, dass es schon längst nicht mehr genügt, die Welt nur von einem Punkt aus zu sehen und nur von einer Wissenschaft her. Die Komplexität der Welt mit der Komplexität ihrer Probleme verlangt den Blick auf unendlich viele Bereiche der Wirklichkeit, sie verlangt Kooperation der Wissenschaften und Kooperation der Menschen. Und das Eingeständnis, das wir alle in dieser Hinsicht Lernende sind – Fragende also mit dem entscheidenden Wort im Kopf: „Warum?“

 

Zum Selbstverständnis der IHW: Komplexität der Welt als Herausforderung, die Einheit in der Vielfalt zu suchen

Die IHW will sich – anders als andere Organisationen – nicht beschränken auf eine einzige Thematik – auf eines der großen Problembereiche also wie zum Beispiel Krieg und Frieden, Menschenrechte, Wirtschaft/Arbeit/Soziales sowie Ökologie. Im Gegenteil: in Vortragsreihen, auf Tagungen und in Dokumentationen will dieser Verein wieder und wieder den Zusammenhängen nachgehen, die zahlreichen Vernetzungen zwischen diesen verschiedenen Konflikten aufzeigen. Die IHW stellt sich genau dadurch, mit diesem Komplexitätsanspruch, dem komplexen Charakter der Welt.

Die IHW will diesen Zusammenhängen nachgehen nicht unter der Prämisse eines bereits fixierten Wissens oder Weltverstehens, nicht also im Sinne eines Vorurteils  oder einer  sogenannten Schlüssel-Idee, sondern die IHW will wieder und wieder auf wissenschaftlich solide und präzise Weise, auf dem Weg prinzipiell  ergebnisoffener  Debatten  über  diese  Probleme  sprechen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Kurz: die IHW will mit Behutsamkeit und Genauigkeit, ohne Pauschalisierungsdruck und Einebnungtendenz gegenüber der internen Meinungsvielfalt, dieser Arbeit nachgehen.

Zum Selbstverständnis der IHW: was sie zu tun gedenkt

Genau dieses – Aufklärung im besten und doppelten Sinne des Wortes (nach innen wie außen hin) – soll aber nicht stehenbleiben bei der Analyse der existierenden Probleme und bei anschließender Bewertung dieser Probleme, sondern auch einmünden in politische Stellungnahmen der IHW (etwa in der Gestalt von Presseerklärungen, Flugblättern und Resolutionen) sowie in politische Aktionen, in Einmischung also in die öffentlichen Debatten.

Worin diese Einmischung im einzelnen bestehen kann, zu welcher Aktionsform man im einzelnen greift (vom „politischen Happening“ und der politisch-inspirierten   Kunst-Aktion  bis  hin  zu  rechtsstaatlich-legitimierter  Regelverletzung kann und sollte alles in Erwägung gezogen werden), das wird jeweils von Fall zu Fall die IHW für sich zu entscheiden haben.

 Zum Selbstverständnis der IHW: Menschenrechtsorientierung ohne Selbstwiderspruch

Einig sind sich alle Mitglieder der IHW darin, dass Grundlage dieses Konzeptes einer  „eingreifenden  Vernunft“  stets die Wahrung der Menschenrechte zu bleiben hat, und zwar auf allen Etappen dieser Einmischungsversuche in die öffentlichen Angelegenheiten. Menschenrechte werden dabei so verstanden, wie sie im Grundrechtekatalog unserer Verfassung niedergelegt worden sind, vor allem aber so, wie sie – erheblich umfassender  noch! – am 10. Dezember 1948 festgehalten wurden in der UN-Menschenrechts-Charta. Anders gesagt: die IHW wird stets nur auf solche Mittel und Aktionsformen  setzen,  die  im  Einklang  stehen mit ihrem großen Ziel einer umfassend definierten und umfassend realisierten Humanität, nicht aber im Widerspruch dazu.

Damit erteilt die IHW allen Orthodoxien im Gedanklichen eine Absage sowie allen Verstößen gegen eigene humane Ziele innerhalb der eigenen Praxis. Zugespitzt: die Befreiungsversuche des Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung, von Hunger, Not und Elend, von einem Kurs, der die Welt ökologisch und/oder kriegerisch mehr und mehr an die Wand fährt, diese Befreiungsversuche dürfen nicht auf Wege und Strategien setzen, die – völlig bedenkenlos womöglich oder im Sinne schlechtestverstandener Schlaumeier-Taktik – eben diese Freiheits- und Menschenrechte selber mit Füßen tritt. Die IHW setzt der vormals jesuitischen  Maxime  „Der Zweck  heiligt die  Mittel!“  die  These entgegen: „Die unheiligen Mittel zerstören noch jeden guten Zweck!“ Befreiungsbewegungen, die zum Beispiel Diktaturen etablieren möchten – egal, welcher Art und von welcher Dauer -, sind für die Mitglieder der IHW ein Widerspruch in sich selbst.

Zum Weltverständnis der IHW: die Systeme sind zu verstehen – und der einzelne Mensch

Die IHW geht dabei von der Ausgangshypothese aus – einer Annahme, die ihrerseits  konsequent  freigegeben  bleibt  für  deren  Überprüfung,  Relativierung oder Revision –, dass  vermutlich Systembedingungen und Systemursachen für die Weltprobleme existieren, die vor allem  im globalisierten Kapitalismus zu finden sind. Die IHW meint aber auch, dass dieses Ursachen- und Bedingungsgeflecht keinen Einzelakteur aus dessen Verantwortung entlässt, sich gegen diese Systembedingungen und Systemursachen zu stellen und anzugehen gegen die verheerenden und furchtbaren Folgewirkungen daraus für die Menschen auf diesem Erdball. Insofern dürfte hier wahrscheinlich ein Zusammenhang bzw. eine Doppelverursachung der Weltprobleme existieren. Das bedeutet:

Es ist der Mensch, der handelt – und insofern ist und bleibt der Mensch stets auch Subjekt der Geschichte. Sehr wohl aber handelt der Mensch gleichzeitig auch unter historisch-gesellschaftlichen Bedingungs- und Ursacheverhältnissen, auf die der jeweils Einzelne nur äußerst begrenzten Einfluß hat – insofern stellt der Mensch stets auch Objekt der historisch-gesellschaftlichen Prozesse dar. Anders ausgedrückt:

Die Mitglieder der IHW sind sich einig darin, dass es einerseits die gegenwärtig vorherrschende Weltwirtschaftsordnung ist, die darüber entscheidet, wie und ob die Probleme auf diesem Erdball gelöst werden können. Die IHW geht von der Auffassung aus, daß unser jetziges globales Wirtschaftssystem nicht in der Lage ist, einen erfolgversprechenden Beitrag zu leisten zur Lösung der zentralen Probleme des 21. Jahrhunderts (Hunger, Armut, Abbau von Menschenrechten, Zerstörung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten). Das grundlegend auf Eigennutz, Konkurrenz und Gewinnmaximierung gestützte System verkennt die außerordentlich komplexen Zusammenhänge in einer globalisierten Welt. Die katastrophalen  Auswirkungen  dieser  vereinfachenden  Weltsicht und weltwirtschaftlichen Regelungsmechanismen sind mittlerweile für jedermann ersichtlich und erfahrbar. Dieses Weltwirtschaftssystem treibt nicht nur Menschen in Armut und Elend, unterhöhlt nicht nur deren unveräußerliche Menschenrechte, führt nicht nur ganze Volkswirtschaften an die Grenzen des Ruins und macht nicht nur die Lösung der Umweltkrisen unmöglich, es untergräbt auch die Grundfunktionen des Wirtschaftens selbst: den Austausch von Gütern und Dienstleistungen zum Vorteil aller Beteiligten und die Orientierung der Wirtschaft an den menschlichen Lebensbedürfnissen. Was auch bedeutet: diese Fehler im System sind nicht mit moralischen Appellen an Manager und Konzernherren zu beheben, nicht mit moralischen Appellen an die weltweit Regierenden jedweder Couleur; sie sind auch nicht zu beheben durch einige Auffangmaßnahmen durch die Staaten auf dieser Welt, nicht mit Reparaturen am alten System. Es müssen auch die systemischen Ursachen untersucht und von Grund auf andere Maximen und neue Modelle des Wirtschaftens gefunden werden.

Das kann aber nur gelingen, wenn die Tabufragen der bislang praktizierten Wirtschaftsweise auf den Tisch gelegt werden, zum Beispiel die Frage nach legitimem Eigentum und legitimer Aneignung von gesellschaftlichem Reichtum, die Frage nach der Unabdingbarkeit ständigen Wachstums, die Frage nach wesentlichen Gemeinschaftsaufgaben des Wirtschaftens, die Frage nach einem lebensdienlichen Finanz- und Wirtschaftssystem und nicht zuletzt die Frage nach der Abhängigkeit unserer ökonomischen Regelungsmechanismen von Zerstörungs- und Ausbeutungsprozessen im globalen Maßstab. Die Mitglieder der IHW wollen diese Tabus brechen und Prämissen, Systemansätze und Modelle einer lebensdienlichen Wirtschaftsweise erkunden, in der nicht Profitmaximierung das ausschließliche  Leitmotiv  ist  und  Bereicherung  im Kampf aller gegen alle die einzige Maxime, sondern Solidarität die entscheidende Antriebskraft. Insofern widerspricht die IHW auch der These, daß es nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus keine Alternative zur derzeitigen – sogenannten! – Marktwirtschaft gäbe und daß wir am „Ende der Geschichte“ stünden. Die Mitglieder der IHW gehen davon aus, daß es eine Alternative gibt und geben muß.

Die IHW setzt aber andererseits durchaus auch auf die Erreichbarkeit des Menschen durch Aufklärung, auf die Erreichbarkeit der vielen Einzelnen und Individuen durch beharrliches Gespräch mit ihnen, auf die Veränderbarkeit des Menschen schließlich mithilfe und auf der Grundlage seiner eigenen Einsicht. Lernbereitschaft, die Möglichkeit zu emotionaler Neuorientierung, Hoffnung auf eine bessere und menschlichere Welt, das hat noch kein Wirtschaftssystem – gleich welcher Art – den Menschen völlig austreiben können. Und vor allem auch das eine nicht: die immer wieder sich erneuernde Frage nach dem „Warum“.

Deshalb meinen die Mitglieder der IHW, daß gerade auch der Aufbau von Bündnissystemen der betroffenen Menschen so ungeheuer wichtig ist: um in Verbundenheit miteinander – und eben nicht narzißtisch voneinander isoliert oder im großartig-heroisch ausfantasierten Alleingang! – diese Weltprobleme denkerisch wie handelnd anpacken und beitragen zu können zur Beseitigung und Lösung dieser Weltprobleme.

Die IHW im Verhältnis zu anderen Organisationen und zu sich selbst: Kooperation und lebendige Toleranz

Deswegen will sich die IHW nicht zuletzt auch als Vernetzungshilfe und -instanz verstehen für die verschiedensten Gruppierungen, die an diesen Problemen arbeiten, und in diesem Sinne beitragen zu einer Stärkung der Problemlöser-Organisationen auf dieser Erde. Kurz: die IHW tritt nicht als Konkurrenzorganisation gegen diese  anderen  Organisationen an, sondern als deren potentielle Vermittlungs- und Verbindungsinstanz. Und: sie versteht sich nicht zuletzt als Organisation, die selber von anderen Organisationen permanent zu lernen vermag.

Die Mitglieder der IHW werden sich deshalb bemühen, in diesem Sinne und auf diese Weise tätig zu werden: ohne Attitüden der Besserwisserei oder Arroganz, mit deutlich erkennbarem Interesse gerade auch für die abweichende Meinung des/der anderen.  Noch  deutlicher formuliert: die Kraft der IHW dürfte, wenn sie denn eine solche überhaupt wird entwickeln können, gerade darin bestehen, dass sie Vielfalt innerhalb  ihrer Einheit sucht und zuzulassen vermag – mit Wertschätzung und Offenheit verbunden für die spezifische Profession und das spezielle Interesse der jeweils anderen MitstreiterInnen. Oder noch anders gesagt: ausschließlich dann, wenn die Mitglieder der IHW auch in dieser Hinsicht Humanität zu leben verstehen – in wechselseitiger Achtung, die stets aufs Ernstnehmen des/der anderen setzt, aufs Überzeugen, nicht aufs Überreden oder gar Austricksen! –, nur dann dürften die Projekte der IHW eine Chance haben, und nur dann verdienen diese Projekte ihre Chance auch. Kurz:

Die Art und Weise des Umgangs miteinander wird darüber entscheiden, ob die IHW auch nach außen hin wird überzeugen können. Nietzsche hat das sinngemäß  einmal  so  formuliert,  seinerzeit  an  die  Christen gerichtet: „Ich würde ja gern den Glauben teilen mit Euch, wenn Ihr nur erlöster aussähet!“ Die Mitglieder der IHW möchten sich selber an diesem Anspruch messen lassen und sind davon überzeugt: sie werden mit ihrem humanen Engagement nur glaubhaft sein, wenn sie selber in diesem Sinne Humanität zu leben versuchen: im Umgang mit der eigenen Person, das zuallererst; dann im Umgang mit den anderen Menschen in der IHW; und schließlich mit den Menschen draußen in der Welt.

Noch einmal: Warum das „Warum“ so wichtig ist

Fritz Stern, der 1926 in Breslau gebürtige Historiker, der sich ein Leben lang, bis zum heutigen Tag, mit den Gefahren freiheitsfeindlicher Denkweisen auseinandergesetzt hat, beschloss seine Frankfurter Paulskirchen-Rede 1999 unter anderem mit den folgenden Worten:

„Für mich ist dieses Verweigern von ‚Warum’ der authentischste Ausdruck des Totalitarismus, es enthüllt den tiefsten Sinn des Systems: die Negation der westlichen Zivilisation. Die Menschen werden der absoluten Willkür ausgesetzt. Das ‚Warum’ ist nicht nur existentielle Urfrage, sondern auch die Grundlage jeglichen Rechtssystems; es erzeugt den Anfang des Denkens…“

Und dieser Anfang des Denkens sollte am Ende auch der Anfang des Handelns sein, eines Handelns, das am Ende allen Menschen auch wieder diesen Anfang ermöglicht: die Frage zu stellen „Warum“ – in Freiheit und Menschenwürde, und das heißt: ohne Angst und ohne Not.

Die IHW wird versuchen, einen Beitrag zu leisten zur Ermöglichung einer derartigen Welt. Und sie wird dieses versuchen im Sinne einer Frage, die Primo Levi bereits im Jahre 1982 gestellt hatte und vor ihm, so vermutet man, auch Rabbi Hillel und Lion Feuchtwanger schon:

„Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?“

Nachbemerkung eins:  dieses Manifest geht auch auf Textbeiträgen von Norbert Bernholt und Dr. Dieter H. Buß zurück; gesamtverantwortlich bleibt aber der Autor dieses Textes Holdger Platta.

Nachbemerkung zwei: wie gesagt, über Eure Spenden würden wir uns sehr freuen. Wer direkt an den Verein, an die IHW, spenden möchte, der überweise seinen Unterstützungsbetrag auf das Konto mit der IBAN-Nummer

DE 10 2605 0001 0056 0872 40;

wer lieber seine Spende unserem Projekt HdS zukommen lassen will, überweise seinen Unterstützungsbetrag auf das Konto mit der IBAN-Nummer

DE 09 2605 0001 0056 0608 74.

In beiden Fällen lautet der Adressat „Initiative für eine humane Welt“, in beiden Fällen lautet die BIC-Nummer NOLADE21GOE, in beiden Fällen handelt es sich um Konten bei der „Sparkasse Göttingen“. Lediglich beim Spezialzweck bitten wir Euch, in dem einen Falle – für den Verein – als Zweckbestimmung „IHW“ anzugeben, in dem anderen Falle – für unsere Website „hinter-den-schlagzeilen“ – die Zweckbestimmung „HdS“.

 Mit einem großen Dank schon jetzt: Holdger Platta

 

 

 

 

Showing 12 comments
  • Ulrike Spurgat
    Antworten
    Den Text habe ich wie meist mit Interesse gelesen und erkenne dass HdS bestimmt was human ist und was nicht.

    Die „Absage an alle ORTHODOXIEN nehme ich an und bleibe selbstverständlich mir selber treu.

    • Holdger Platta
      Antworten
      Liebe Ulrike,

      Du schreibst in Deinem Kommentar oben:

      „Den Text habe ich wie meist mit Interesse gelesen und erkenne dass HdS bestimmt was human ist und was nicht.“

      Nun ja, Lesefehler sind menschlich, und ich kenne sie wahrlich auch aus eigener Erfahrung. Aber ich meine doch, daß es gut ist, den Doppelfehler in Deinem Kommentar richtigzustellen.

      Die eine Richtigstellung ist wichtig für juristische Nachfragen. Die andere Richtigstellung ist wichtig, weil wir IHW-Gründer niemals derart arrogant gewesen sind, selber „bestimmen“ zu wollen oder bestimmt zu haben, „was human ist oder nicht“.

      Also, Korrektur Nummer eins: nein, das ist kein Text von HdS, sondern dieser Text ist das Gründungsmanifest der Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V. ! Und nur zwei Infos zum Verlauf der Geschehnisse: dieser Text entstand im Jahre 2010 – und an dessen Entstehung waren insgesamt rund 2o Personen beteiligt. HdS hingegen – mit jetzt 3 Mitarbeitern (Roland Rottenfußer, Volker Töbel und mir) – ging erst zum 1. Januar 2017 ins Eigentum der IHW über.

      Tja, und Korrektur Nummer zwei: ausdrücklich haben wir alle uns damals und in dem hier nachveröffentlichten Text auf den Menschenrechtskatalog im Grundgesetz berufen und – vor allem (da umfassender!) – auf die Menschenrechts-Charta der UNO, die am 10. Dezember 1948 von den Unterzeichnerstaaten verabschiedet worden ist. Darf ich hier nochmal die entscheidende Passage aus dem Manifest zitieren? – :

      „Menschenrechte werden dabei so verstanden, wie sie im Grundrechtekatalog unserer Verfassung niedergelegt worden sind, vor allem aber so, wie sie – erheblich umfassender noch! – am 10. Dezember 1948 festgehalten wurden in der UN-Menschenrechts-Charta.“

      Genau dieses steht auch in unserer Satzung so. Heißt:

      Keiner von uns hat jemals geglaubt, Humanität auf eigene Faust definieren zu können oder definieren zu müssen. Solche Anmaßung war uns allen wirklich fremd!

      Deinen Satz mit der ORTHODOXIE und Deiner Aussage, Dir selber treu bleiben zu wollen, habe ich übrigens nicht verstanden. Ist für Dich Selbsttreue identisch mit dem Festhalten an irgendeiner Orthodoxie (der DUDEN definiert sie als „erngstirniges Denken“) – an welcher dann? -, oder soll man diesen Satz von Dir genau umgekehrt verstehen?

      Uns jedenfalls – damals wie heute – war wichtig, bei aller Bedeutsamkeit  bestimmter Grundüberzeugungen festzuhalten an unserer Maxime, daß auch diese Grundüberzeugungen immer wieder überprüft werden sollten. Oben im Manifest heißt es deshalb:

      „Die IHW will diesen Zusammenhängen nachgehen nicht unter der Prämisse eines bereits fixierten Wissens oder Weltverstehens, nicht also im Sinne eines Vorurteils  oder einer  sogenannten Schlüssel-Idee, sondern die IHW will wieder und wieder auf wissenschaftlich solide und präzise Weise, auf dem Weg prinzipiell  ergebnisoffener  Debatten  über  diese  Probleme  sprechen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Kurz: die IHW will mit Behutsamkeit und Genauigkeit, ohne Pauschalisierungsdruck und Einebnungtendenz gegenüber der internen Meinungsvielfalt, dieser Arbeit nachgehen.“

      Und später, zur nochmaligen Verdeutlichung:

      „Die IHW geht dabei von der Ausgangshypothese aus – einer Annahme, die ihrerseits  konsequent  freigegeben  bleibt  für  deren  Überprüfung,  Relativierung oder Revision –, dass  vermutlich Systembedingungen und Systemursachen für die Weltprobleme existieren, die vor allem  im globalisierten Kapitalismus zu finden sind.“

      Kann man Lernbereitschaft, Offenheit (auch Toleranz, nebenbei) noch klarer betonen? Ganz bestimmt! Aber sind die von mir nochmals zitierten Sätze demzufolge nicht klar genug? – Tja, da rätsele ich.

      Und: ich rätsele noch. Oder, um es mit einem wichtigen Moment aus unserem Begründungstext zu formulieren: ich frage Dich das, weil vielleicht auch in diesem Zusammenhang eine Antwort gut täte.

      Mit herzlichen Grüßen

      Holdger

       

       

      • Ulrike Spurgat
        Antworten
        Lieber Holdger,

        ehrlich gesagt denke ich liegt meinem Mini Schreiben nichts gehaltvolles zugrunde. Also hätte ich es auch lassen können. Unüberlegt und eigentlich keine weitere Erwähnung wert, außer der, dass ich dem was du schreibst bereit bin zu folgen. Gestehe mir aber ansonstenmein eigenes Denken und auch die Schlussfolgerungen ganz egal zu welchen Themem zu.  Danke für die Nachvollziehbarkeit des Textes.

        Für mich heisst das in der Konsequenz vorher überlegen….

        Für die Klarstellung bedanke ich mich.

        Beste Grüße, Ulrike

        Mehr kann ich zur Zeit nicht schreiben

  • Freiherr
    Antworten
    …to make a long story short * –

    niemand kann wirklich helfen, in dieser brachial-kapitalistischen Welt – wenn nicht vorhanden ist was diese ausmacht, eine traurige Tatsache aber dennoch –

    es braucht GELD.

    Ich bin Armutsrentner, aber dennoch, wenn ich z.B. eine arme Frau aus Guatemala unterstützten will, ihr helfen will, muss ich in irgendeiner Form auch Geld dafür aufbringen und sei es nur für ein gemeinsames Essen.

    Meine Einstellung der lebenslangen Abneigung gegen GELD hilft da auch nicht weiter, ich muss dieses aufwenden können und wollen.

    * vo nix kummt nix * – alter bayrischer Spruch –

    also werde ich weiterhin meine 10 euro spenden, wenn nur hundert folgen würden, für eine humane Welt,  wärs schon gut !

    theres nothin more to say…

     

     

    .

     

     

     

    • Holdger Platta
      Antworten
      Lieber Freiherr,

      einfach Dankeschön für Deine Mail! Und ich finde völlig okay, daß Du darauf hingewiesen hast, daß Du selber Armutsrentner bist (Scheißwelt, in der wir leben!).

      Mit herzlichen Grüßen

      Holdger

  • rr
    Antworten

    Ich stimme der vor Jahren entwickelten Philosophie der IHW vollumfänglich zu. Explizit auch der Absage an Unterdrückung und Gewalt auf der Basis von Weltanschauungen, die wir eigentlich begrüßen – etwa solchen, die im weitesten Sinn als sozialistisch bezeichnet werden können. Das hehre Ziel muss sich auch in den Mitteln zeigen bzw. Unmenschlichkeit als Mittel macht jedes Ziel obsolet. Die Getöteten stalinistischer Gulags mögen sich noch kurz vor ihrer Ermordung damit getröstet haben, dass es ein philosophisch und ethisch hochwertiges Narrativ war, in dessen Namen sie ihrer Freiheit und ihres Lebens beraubt wurden – letztlich bleibt aber doch Folter Folter und Mord Mord.

    Es ist auch nicht so, dass HdS allein und letztgültig darüber entscheidet, was Gut und was Böse ist. Aber wie alle verantwortungsbewussten Journalisten haben wir uns eine begründete, eine über Jahren und angesichts vieler politischer Anfechtungen bewährte Meinung darüber gebildet. Wer meint, es sei im einen oder anderen Fall nicht so schlimm oder gar unvermeidlich gewesen, wenn Machthaber Menschen in den Tod schickten – mögen sie Stalin oder Hitler, Putin oder Obama heißen -, der ist m.E. in der Beweispflicht. Ansonsten betrachte ich es als offensichtlich, dass es besser ist glücklich zu sein als zu leiden, besser in Freiheit als eingesperrt, besser lebendig als tot.

    Ein großer Teil der historischen und gegenwärtigen Machtblöcke waren im Grund genommen „Initiativen für eine unhumane Welt“. Unser kleiner Verein ist zugleich ein Protest dagegen und ein Versuch der Linderung im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten.

  • Herkules
    Antworten
    Stimme mit IHW ziemlich überein. Wenn es geht, spende ich auch, na ja, als Rentner eben.

    Worauf ich hinweisen möchte: Wer, wenn nicht wir?

    Das ist ein toller Spruch, betrifft aber nicht die Systemseite. Ich kenne keinen geschichtlichen Änderungsvorgang, der wirklich von unten gekommen und ausgeführt werden konnte. Die Systemänderungen sind meines Wissens stets von oben in Gang gesetzt worden und damit inuman umgesetzt worden.

    Ich wüßte sehr gern, wie sich die Herrschaftssysteme ändern lassen und würde mich daran beteiligen, obwohl ich vielleicht zu alt dazu bin…

    • Holdger Platta
      Antworten
      Lieber Herkules,

      Du sprichst natürlich eine überaus wichtige Frage an: gab’s Systemveränderungen jemals schon von unten her?

      Ich denke schon: daß nach der Französischen Revolution die Systemverhältnisse in Frankreich noch dieselben gewesen wären wie vorher, kann ich nicht erkennen. Adel und Kirche waren nicht mehr die bestimmenden Kräfte, sondern – mit allen Fragwürdigkeiten – das Bürgertum (egal, ob als Citoyens oder als Bourgeoisie). Und daß die Weimarer Republik – trotz Steckenbleibens der eigentlichen Revolution – noch dasselbe gewesen wäre wie das Kaiserreich unter Wilhem II, das kann ich ebenfalls nicht sehen.

      Mindestens so wichtig aber war für mich Deine Frage zwei: wie lassen sich Herrschaftssysteme ändern, und könntest auch Du noch daran beteiligt sein?

      Du wirst verstehen, das eine läßt sich mit einigen wenigen Sätzen nicht beantworten (ich jedenfalls kann das nicht), und die andere Frage richtet sich ja eher an Dich selbst.

      Eines scheint mir jedenfalls wichtig zu sein: sich gemeinsam mit anderen auf die aktive Suche nach einer Beantwortung der ersten Frage zu machen und sich selber bei dieser Suche nicht auszunehmen.

      Auf jeden Fall Danke für Deinen Kommentar!

      Holdger

  • Olaf Germke-Rissendorf
    Antworten
    Nach allem was ich hier so lese ,  finde ich  „Freiherr“ übrigens gerade weitaus  sympathischer als Elon Musk oder Bob Dylan, in seiner Freigiebigkeit, danke ihm  sehr und versuche mir, diesen Menschen insgeheim  vorzustellen, nicht einfach ist das, weil es mir immer seltener gelingt, daran zu glauben, dass es solche Menschen noch gibt. Dafür, dass  sie offenbar doch noch existieren, irgendwo da draußen,  freue ich mich, und so inspiriert gelingt mir evtl. doch noch der geplante Brief, auf englisch , an Herrn Dylan bzw. sein Büro, ob er von seinem bescheidenen Vermögen evtl ein paar Euro spenden könnte. Ich denke, die Erefolgsaussichten stehen 1: 32 Millionen., also gar nicht so schlecht. Don Quichotte gehört schließlich schon lange zu meinen Helden, viel mehr übrigens als zum Beispiel dieser bleiche Mann, mit dem leeren Blick, den Bartstoppeln, und dem ewig-gleichen, olivgrünen T-Shirt, Ihr wisst schon wen ich meine, oder irgendwelche von Frank-Walter dekorierten, unbeliebten Camping-Nachbarn aus Berlin.- Tschüssikus und alles Liebe!
  • Elias M.
    Antworten
    Die Bundeswehr hat übrigens einen „Informationskanal“, in dem „über das „Kriegsgeschehen informiert“ wird. Kommentieren möchte ich dieses „Sendeformat“ hier nicht weiter, nur soviel,  ich habe sehr schlecht geschlafen, nachdem ich das  Interview mit dem leitenden Brigade-General sah;  es steht für sich selbst: https://youtu.be/AoX0IvAIctI

    Da bin ich froh, dass es noch Gegenstimmen gibt. Wie wichtig, mutmachend  und wunderbar, dass es HDS gibt, als vielleicht kleines, aber unverzichtbares, der Humanität und dem Frieden verpflichtetes  journalistisches Portal! VIELEN DANK FÜR EURE ARBEIT!

  • Piranha
    Antworten
    Ja, dieses vergleichsweise kleine Schiff wurde schon durch wirklich stürmische Zeiten gut gesteuert. Auch unter Inkaufnahme von Kollateralschäden, wie viele wissen.

    HdS ist aus meiner Sicht unverzichtbar, genau wie der Rubikon.

    Herzliche Grüße an alle!

    P.

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